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Seat Ibiza 1.0 75 PS (2017) im Test: Alltagstest, Technische Daten, Preise - Der Sauger ist zu zahm für den flotten Seat

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Design, Technik und Verarbeitung: Beim neuen Ibiza macht Seat fast alles richtig. Wenn der Kleinwagen nicht den Dreizylinder-Sauger unter der Haube hat.

Der Seat Ibiza ist dem VW Polo mittlerweile dicht auf den Fersen Der Seat Ibiza ist dem VW Polo mittlerweile dicht auf den Fersen Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de

Berlin – Er kam vor dem neuen VW Polo auf den Markt, und er ist ein guter Kleinwagen: der Seat Ibiza. Wenn, ja, wenn der passende Motor unter der Haube arbeitet. Wir wählten für den Alltagstest den kleinen 1,0-Liter-Dreizylinder-Saugbenziner mit 75 PS. Der zweitschwächste Ibiza erwies sich allerdings nicht als die cleverste Wahl.

Abmessungen | Platzangebot | Karosserie

Positiv fiel die hochwertige Verarbeitung im Innenraum auf Positiv fiel die hochwertige Verarbeitung im Innenraum auf Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Der Seat Ibiza trifft das aktuelle Standardmaß für Kleinwagen. Auf gut vier Meter Länge streckt er sich, der Radstand liegt bei 2,56 Metern, je nach Lage der hinteren Sitze schluckt er zwischen 355 und 1.165 Liter Gepäck. Das sind mindestens 63 Liter mehr als beim Vorgänger und sogar etwas mehr als beim neuen Polo (351 bis 1.125 Liter).

Die hohe Ladekante im Kofferraum und der nicht ebene Ladeboden trüben den ansonsten guten Eindruck des Kofferraums. Dafür lassen sich die Rücksitze geteilt umlegen. Für die Stadt sind die knappen vier Meter ideal, der Ibiza lässt sich schnell in kleine Parklücken zirkeln. Dazu kommen präzise Konturen, sportliches Aussehen und gute Proportionen. Im Innenraum wirkt der Kleinwagen durchdachter als der Vorgänger.

Das Gute: Der Ibiza fühlt sich innen größer an als er von außen aussieht. Rundum steht ausreichend Kopf- und Beinfreiheit zur Verfügung. Erwachsene brauchen sich nicht nach ein paar Kilometern über zerschundene Knie zu beschweren. Kinder fühlen sich sogar auf langen Reisen wohl hinten. Kleinwagen bleibt Kleinwagen, doch verglichen mit der Vorgängergeneration haben die Knie der Fondpassagiere deutlich mehr Platz.

Innenraum | Verarbeitung | Materialien

Über einen 8,0-Zoll-Bildschirm steuert der Fahrer das Infotainment-System Über einen 8,0-Zoll-Bildschirm steuert der Fahrer das Infotainment-System Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Der Ibiza rückt bei Abmessungen und Verarbeitung ganz nah an den VW Polo. Bei Optik und Materialien unterscheidet sich der Spanier vom Wolfsburger. Sind beim Polo die Oberflächen softer und satter, wirkt der Ibiza hier straffer, härter und robuster – ohne sich billig anzufühlen. Die hart ausgeschäumten Kunststoffe wirken durch die Riffelung nur optisch weich. Bei den Instrumenten greift Seat ins Konzernregal. Schalter und Knöpfe fühlen sich hochwertig an, nichts klappert oder knarzt.

Nur beim Zuschlagen der Tür ertönt ein hoher, blecherner Klang, vor allem hinten. Das hört sich billig an. Mehr Dämmmaterial würde das in den Griff bekommen. Negativ fällt außerdem der Türöffner innen auf. Durch seine dreieckige Form bildet er eine scharfkantige Spitze. Schaut man beim Öffnen nicht hin und zieht einfach am Hebel, kann man sich leicht die Finger klemmen. Klingt komisch? Vielleicht, ist uns aber ein paar Mal passiert. Das Lenkrad liegt griffig in der Hand, die Hebel in einer ergonomisch günstigen Lage. Die Sitze bieten für einen Kleinwagen eine straffe Polsterung und ausreichend Seitenhalt.

Infotainment | Radio | Konnektivität

Kleinwagen definieren sich nicht mehr allein durch Größe und Preis, sondern durch ein vernünftiges Entertainmentsystem. Im Cockpit kommen Rundinstrumente und ein 8,0-Zoll-Bildschirm zum Einsatz. Durch die große Glasfläche wirkt das Display größer und vermittelt den Insassen ein wenig Tablet-Gefühl. Das Bordsystem unterstützt die Verbindungsstandards Apple Car Play, Android Auto und Mirror Link.

4,9 Liter auf 100 Kilometern verbraucht der Seat Ibiza laut Herstellerangaben. In unserem Test waren es 5,5 Liter 4,9 Liter auf 100 Kilometern verbraucht der Seat Ibiza laut Herstellerangaben. In unserem Test waren es 5,5 Liter Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Der Testwagen war mit dem Beats-Soundsystem inklusive sechs Lautsprechern, digitalem Acht-Kanal-Verstärker und einem Subwoofer ausgestattet: 300 Watt Gesamtleistung drücken aufgedreht schön auf die Ohren. Preis: 450 Euro. Dazu kommen noch DA+ (210 Euro), großes Navi (815 Euro) und die Navidaten auf SD-Karte (120 Euro). Für Musikliebhaber ist das gut angelegtes Geld, denn der Sound kommt dem eines Mittelklasse-Fahrzeuges sehr nahe. Dazu reagiert das Touchsystem schnell auf Befehle, das Display zeigt die Infos klar und scharf an, die Bedienung mit den wenigen Untermenüs hat man schnell verstanden.

Nettes Detail: Die Connectivity-Box in der Mittelkonsole (200 Euro) lädt fähige Smartphones kabellos und verbindet sie direkt mit der Außenantenne. Das Gerät liegt schräg in dem Fach und rutscht auch bei Kurvenfahrt nicht hin und her.

Assistenzsysteme | Sicherheit

Die Zeiten, in denen Kleinwagen einfach nur kleine Autos ohne jegliche Sicherheitssysteme waren, sind schon lange vorbei. Der Ibiza greift auf die Konzern-Bauteile zurück. Serienmäßig sind unter anderem City-Notbremse und Geschwindigkeitsbegrenzer an Bord. Voll-LED-Scheinwerfer kosten 595 Euro, Parkpiepser für vorne und hinten mit Rückfahrkamera 525 Euro. Das Licht-und-Sichtpaket mit Regensensor, automatisch abblendbarem Innenspiegel und elektrisch einstellbaren Außenspiegeln gibt es für 335 Euro. Optional gibt es einen Abstandsradar für 400 Euro.

Antrieb | Motor | Getriebe

Voll-LED-Scheinwerfer kosten im Ibiza knapp 600 Euro extra Voll-LED-Scheinwerfer kosten im Ibiza knapp 600 Euro extra Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Seat bietet beim Ibiza acht Motorvarianten zwischen 65 PS und 150 PS an, darunter zwei Diesel mit 80 PS und 95 PS sowie eine Gasvariante mit 90 PS. Als Basismotor dient der kernige Dreizylinder-Sauger mit einem Liter Hubraum und 65 PS. Die von uns gefahrene 75 PS-Version basiert auf dem gleichen Motor, leistet nur zehn PS mehr – aber immer noch viel zu wenig.

Die Daten lesen sich auf den ersten Blick nicht schlecht: Von 0 auf 100 km/h sprintet der Ibiza in 14,7 Sekunden, er fährt bis zu 167 km/h schnell. Doch schon mit einem Fahrer an Bord und dem 1,1 Tonnen Leergewicht müht sich der Motor ab. Reicht die Leistung bei schnellem Schalten zumindest in der Stadt, wird es spätestens auf der Landstraße mau. Der Fahrer des Ibiza sucht permanent nach den 95 Newtonmeter Drehmoment. Egal bei welcher Drehzahl, das Auto kommt nicht so richtig vom Fleck. Dabei dreht der Dreizylinder munter hoch, wird dann aber schon früh ab rund 3.000 Touren laut. Darüber hinaus strengt sich der Motor dermaßen an, dass man fast Mitleid bekommt.

Auf der Autobahn wird es mit mehr als 100 km/h unangenehm. Im vollbesetzten Auto mutiert der Ibiza zum Verkehrshindernis – selbst für Lastwagen. Bergauf im fünften oder vierten Gang kratzt er kaum an den 100 km/h. Dabei bittet der Dreizylinder laut schreiend um Erlösung. Es fehlt an Leistung und an Drehmoment. Erst bei der nächsten Ebene oder Bergabfahrt beruhigt er sich wieder. Dafür stimmt der Verbrauch: Im NEFZ schluckt der Ibiza auf 100 Kilometern 4,9 Liter Super. Bei gemischter Fahrweise waren es bei uns 5,5 Liter auf 100 Kilometern.

Fahrverhalten | Fahrwerk | Lenkung

Von 0 auf 100 km/h rennt der Seat Ibiza in 14,7 Sekunden Von 0 auf 100 km/h rennt der Seat Ibiza in 14,7 Sekunden Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Straffes Fahrwerk, feinfühlige Lenkung. Mit dem Ibiza machen kurze Strecken ebenso viel Spaß wie kurvige Landstraßen (mal abgesehen vom Motor). Das Lenkrad setzt die Befehle präzise um. Lenkung und Fahrwerk vermitteln viel Gefühl, trotz aufgezogener Winterreifen. Normale Unebenheiten und Kopfsteinpflaster federt der Kleinwagen lässig weg. Im Innenraum bleibt es lange leise, bis die Windgeräusche an den Spiegeln ihr Lied singen – oder der Motor dröhnt.

Der Seat ist ein Stadtauto, am besten fühlt er sich an, wenn er mit 50 km/h durch enge Straßen wuselt, in kleinen Parkhäusern um die Ecke zirkelt und vor dem Supermarkt noch einen kleinen Parkplatz erhaschen kann. Die fünf Gänge des manuellen Getriebes flutschen durch die Box.

Ausstattung | Preis | Fazit

Seat bietet den Ibiza in den Ausstattungen Ibiza (Basis), Reference, Style sowie den beiden Topausstattungen FR (sportlich) und Xcellence (elegant) an. Die Basis gibt es nur mit dem Basismotor. Alle anderen lassen sich mit den großen Antrieben kombinieren. Dabei reicht die Style-Variante, mit ein paar Optionen garniert, völlig aus. Mit an Bord sind dann unter anderem 15-Zoll-Aluräder, Ablagefächer, Lederlenkrad, Klimaanlage, Chrom-Applikationen und beleuchteter Fußraum vorne.

Die rund 12.500 Euro Basispreis lässt man dann natürlich weit hinter sich. Die getestete Motorvariante kostet schon mehr als 14.000 Euro, unser Testwagen lag bei 22.569 Euro. Nicht wenig Geld für einen Kleinwagen, gemessen an der Konkurrenz (vor allem aus dem Konzern), bleibt der Preis des Ibiza aber moderat. Viel Extras gibt es in sinnvollen Paketen, die nicht überteuert sind.

Optik ist Geschmackssache. Mit den scharfen Kanten und Sicken gefällt uns der Ibiza besser als der Polo, besonders in der Farbe Pirineos Grau. Auch die Innenraumqualität geht in Ordnung. Wir würden uns für die fette Soundanlage entscheiden – und für einen Turbo-Benziner. 95 PS genügen, 115-PS wären die Kür. Denn der Dreizylinder-Sauger passt selbst in der Stadt nicht zum flotten Anspruch des Ibiza.

Technische Daten Seat Ibiza Style 1.0 MPI

  • Antrieb: 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner
  • Leistung: 75 PS (55 kW) bei 6.200 U/min
  • Drehmoment: 95 Nm bei 3.000 – 4.300 U/min
  • Getriebe: manuelles Fünfganggetriebe
  • 0-100 km/h: 14,7 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
  • Verbrauch: 4,9 l/100 km (Super, NEFZ)
  • Co2-Ausstoß: 112 g/km
  • Testverbrauch: 5,5 l/100 km
  • Länge: 4,059 m
  • Breite: 1,780 m
  • Höhe: 1,444 m
  • Radstand: 2,564 m
  • Leergewicht: 1.091 kg
  • Kofferraum: 355 – 1.165 l
  • Basispreis Seat Ibiza: ab 12.490 Euro
  • Basispreis Seat Ibiza 1.0 MPI (75 PS): 14.240 Euro
  • Testwagenpreis: 22.569 Euro
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