Elektro Auto anschaffen - nur welches?
Moin liebe Leute,
ich möchte mir in den nächsten 6 Monaten ein neues Auto zulegen und hab mich für ein E-Auto entschieden. So weit, so gut. Ich bedanke mich jetzt schon mal bei jedem, der sich die Zeit nimmt den folgenden Roman zu lesen. 🙂
Vorwort / Ausgangssituation
Fahrprofil ist hauptsächlich Stadtverkehr, ab und an kürzere Autobahn Abschnitte (Ruhrgebiet und Umkreis, regelmäßige Strecken von 20 - 40 kM, ab und zu mal 70 - 100 kM) und 2 - 3 mal im Jahr mittlere bis längere Strecken für Urlaub / Festivals (200 - 500 kM). Die einzige potentiell halbwegs regelmäßige, längere Strecke wäre Ruhrgebiet - Hamburg, weil meine Freundin die nächsten 2 Jahre noch da wohnt und arbeitet, aber die Strecke versuche ich eigentlich überwiegend mit dem Zug zu bewältigen und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt (zb. um Kram zu transportieren) mit dem Auto zu fahren.
Laden kann ich am Büro, Zuhause in der Nähe und zukünftig wahrscheinlich in der Tiefgarage.
Jetzt stehe ich aber vor einem Problem: Die Qual der Wahl!
Ich habe mich natürlich schon ausgiebig mit den möglichen Optionen beschäftigt und auch einige Fahrzeuge Probe gefahren.
Bisherige Fahreindrücke
Tesla Model 3 Performance MJ23Positiv:
- Software: Sehr umfangreich, man kann alles mögliche einstellen, sehr flott, alle möglichen Apps, sehr gutes Navi
- kranke Performance
- Vorne und hinten viel Platz, hinten aber enger als im Ioniq 6
- Großer Frunk und Subtrunk, Kofferraum Klappe mit größerer Öffnung und größerer Durchgang zum Innenraum
- Sehr effizient, ein Fahrzeug mit über 500 PS und am Ende hatte ich einen Durchschnittsverbrauch von 16 kWh
- Die Schildererkennung hat bei meiner Testfahrt auch digitale Temposchilder auf der BAB erkannt
- Supercharger Netzwerk (keine Qualität des Fahrzeugs an sich, aber gehört natürlich erwähnt, wenngleich natürlich auch immer mehr SC offen sind)
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- Materialauswahl und Verarbeitungsqualität OK (Das Testfahrzeug hatte lose Verkleidungen an der B-Säule)
- Design: Gefällig, aber auch nichts besonderes mMn
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- Innenraum ist mir zu minimalistisch -> Für viele Funktionen fehlen mir einfach Knöpfe / Schalter (Klima, Handschuhfach, etc)
- kein Fahrerinformations Display
- kein HUD verfügbar
- keine Matrix LED Scheinwerfer
- Der Testwagen hatte das Paket "Volles Potential für autonomes Fahren" und hat mir in der Innenstadt zwei Phantombremsungen an grünen Ampeln reingehauen
- Man muss sehr stark am Lenkrad reißen um den Autopilot auszuschalten
- ACC und Tempomat nur bis zu bestimmten Geschwindigkeiten (140? 150? kM/h)
- Tesla Vision ist ein Witz / funktioniert nur so mittelmäßig
- keine 360 Grad Surroundview verfügbar
- Windgeräusche ab 150 kM/h
- Das Sportfahrwerk im Performance Modell war einfach nur hart, aber indifferent, der Polestar war auch hart, hat einem aber trotzdem nicht für jede Unebenheit einen Nackenschlag verpasst
- keine Ambiente Beleuchtung (würde den sterilen Innenraum etwas auflockern)
- kein Android Auto / Apple Car Play
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- (subjektiv) Design gefällt mir sehr gut
- Innenraum: Vorne und hinten sehr viel Platz, sehr gemütlich, ordentliche Materialqualität und Verarbeitung
- Sehr gutes und ausgewogenes Fahrwerk
- Assistenzsysteme (Travel Assist / Teilautonomes Fahren) haben problemlos funktioniert
- Niedriger Verbrauch
- Head Up Display Option verfügbar
- 800V System
- Serienausstattung solide / nicht völlig nackt wie bei manch anderen
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- Digitale Außenspiegel sind ein nettes Gimmick, brauche ich nicht
- Software OK (Reaktionszeit, Ladeplanung, Umfang)
- Preis schnellt mit ein paar Optionen schnell in die Höhe
- Zwar Schaltwippen für Rekuperation, die Einstellung wird aber nicht gespeichert beim Fahrzeugstart
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- Kofferraum: Nur eine Heckklappe, schmale Öffnung, hohe Ladekante und schmale Durchgang zum Innenraum beim Umklappen, niedrig aber tief
- Assistenzsysteme: Schildererkennung nervt mit Warngebimmel bei minimal überschrittener Geschwindigkeit (Die Warnung lässt sich nicht stumm oder optisch stellen, man kann nur die Schilderkennung komplett deaktivieren, das wird aber nicht gespeichert im Profil, muss also bei jedem Fahrzeugstart neu gemacht werden)
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- Fahrwerk: Sehr ausgewogen und angenehm
- kompakte Abmessungen
- Fahrgefühl: Obwohl der ID.3 die mit Abstand geringste Leistung von allen getesteten Fahrzeugen hatte, fuhr er sich sehr angenehm und durchaus flott
- Platzangebot vorne und hinten sehr großzügig, vor allem in Relation zur Fahrzeuggröße
- Head Up Display verfügbar (bin nicht mehr sicher ob der Testwagen eins hatte)
- geringer Verbrauch
- ordentlicher Kofferraum mit normaler Öffnung (Steilheck halt)
- Die Software hat mich positiv überrascht, ich hatte mal in einem Ausstellungsfahrzeug die Version 2.3 angeschaut, die fand ich grausig, der Testwagen hatte 3.2 und die fand ich wesentlich besser, Reaktionsgeschwindigkeit besser, viele Einstellungsmöglichkeiten, gute Ladeplanung
- alles in allem grundsolide
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- Design: Das Vor Facelift mit dieser schwarzen Abdeckung auf der Motorhaube gefällt mir nicht, das Facelift sieht aber deutlich gefälliger aus und gefällt mir
- Panoramadach leider nur mit der kleinen Akku Variante verfügbar
- Assistenzsysteme haben soweit gut funktioniert, der Testwagen hatte aber nur einen Spurhalte Assistent, keinen Travel Assist, letzterer soll aber zumindest laut Tests gut sein
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- Touch Flächen auf dem Lenkrad, da wären normale Knöpfe einfach viel besser
- Innenraum Materialqualität für den Preis ein schlechter Witz, soll aber ja mit dem Facelift deutlich besser sein
- Nur 160 kM/h Höchstgeschwindigkeit
- mit etwas Zusatzausstattung schnell auch sehr teuer
- kein One Pedal Drive
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- (subjektiv) Design gefällt mir sehr gut, mit seinem kantigen Design zwar das genaue Gegenteil vom "rund gelutschten" stromlinienförmigen Ioniq 6, aber auch das gefällt mir
- Innenraum: Sehr hochwertige Verarbeitung und Materialien, aber man merkt die Verbrenner Plattform. Vorne und hinten deutlich enger, hinten stört ein Kardantunnel, vorne ist die Mittelkonsole sehr wuchtig
- Assistenzsysteme (Travel Assist / Teilautonomes Fahren) haben problemlos funktioniert
- Software hat einen guten Eindruck gemacht, hat alles flott reagiert
- Geschwindigkeitswarnung lässt sich stumm / rein optisch schalten
- Großer Kofferraum mit großer Ladeklappe
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- Google Ladeplanung nicht so umfangreich wie bei Hyundai oder anderen
- Die Performance Version hatte natürlich ein sehr straffes / hartes Fahrwerk, würde ich nicht bestellen, war aber für ein Sportfahrwerk noch erträglich
- keine Schaltwippen oder Schnelleinstellung für die Rekuperation
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- Kein Head Up Display verfügbar
- Wünschenswerte Upgrades wie Matrix LED und Wärmepumpe nur über teure Zusatzpakete, die es unmöglich machen außer bei der Basis Version unter 60k zu bleiben, insgesamt nicht günstig
- Das Performance Modell hatte einen sehr hohen Verbrauch, u.a. auch weil beide E-Motoren permanent laufen, soll mit dem kommenden Update besser werden
Was für ein Auto will ich überhaupt?
Nun, das ist eine gute Frage. Wie oben schon erwähnt, bin ich hauptsächlich im Stadtverkehr unterwegs. Ich würde gerne ein Fahrzeug im Bereich Kompaktklasse haben. Das ist für den Stadtverkehr, insbesondere für's Einparken in vollen Innenstadtbereichen, so gerade noch der beste Kompromiss. Klein- und Kleinstwagen lassen sich besser manövrieren und parken, aber man büßt schon etwas Alltagstauglichkeit ein, was Platzangebot und Gepäckvolumen angeht. Bei SUVs, großen Mittelklasse Limousinen und Kombis wird es dann schnell weniger spaßig im alltäglichen Stadtverkehr.
Nun ist es natürlich so, dass es in der Kompaktklasse gar nicht so viel Auswahl gibt. Mir fällt da gerade nur der ID.3, das Schwestermodell Cupra Born, der MG4, der Astra-E / Peugeot 308-E, Megane E und demnächst der BYD Dolphin ein. Ggf. könnte man noch den Smart #1 und den Zeekr X dazu zählen, aber da sind wir ja schon mindestens im Crossover Bereich. Danach kommen dann noch eine Menge (großer) Limousinen und natürlich SUVs ohne Ende.
SUVs finde ich persönlich nicht so geil wie gefühlt 80% der Autokäufer, sehe da einfach keinen besonderen Mehrwert. Gibt zwar eine Hand voll, die mir optisch gefallen, aber muss eigentlich nicht sein. Große Limousinen hingegen finde ich optisch durchaus sehr reizvoll, aber realistisch betrachtet brauche ich keine fette Limousine. Ich bin kein Langstreckenfahrer, also ist das gediegenere Fahrgefühl mit langem Radstand für mich nicht so wichtig, dafür überwiegen die Nachteile beim Manövrieren und Parken in der Stadt. Dazu bieten E-Autos auf richtiger Elektroplattform ohnehin schon ein besseres Raumgefühl als klassische Verbrenner Kompaktwagen.
Privates oder gewerbliches Leasing?
Darüber hinaus, weiß ich auch noch nicht, ob ich mir den Wagen privat oder gewerblich über meinen Arbeitgeber anschaffen soll. Fest steht, dass es erstmal ein Leasing über 2 - 3 Jahre werden soll. Dank Studiendarlehen und Bafög Rückzahlung habe ich gerade keine Rücklagen um ein Auto zu kaufen. Außerdem tut sich aktuell so viel in der technischen Entwicklung, dass ich mir gerade kein E-Auto langfristig ans Bein binden will.
Da ich kein Außendienstmitarbeiter bin, würde das mit dem Firmenwagen bei mir eher wie ein Benefit vergleichbar mit einem Jobrad laufen. Mein Arbeitgeber übernimmt einen Teil der Kosten und ich bekomme eine Ladekarte, aber 60 - 75% der Kosten trage ich als Eigenanteil. Beim gewerblichen Leasing wäre ggf. die 60.000€ Grenze für die günstigere Besteuerung zu berücksichtigen, außerdem bin ich daran gebunden, dass unser Fuhrparkleiter die Leasingangebote ran holt. Und der ist dabei leider nicht sehr kompetent. Die Angebote, die er so rein holt, waren bisher alle recht teuer.
Wenn ich privat lease habe ich da natürlich freie Auswahl und kann mir ein beliebiges Angebot bei einer der gängigen Leasingplattformen aussuchen. Der Nettolistenpreis ist dann auch nicht so ausschlaggebend, solange er unter 65000€ liegt bzw. ab 2024 bei unter 45000€ für das Basismodell. Allerdings müsste ich dann natürlich Strom, Versicherung, Wartung, etc. selber tragen. Das muss ich mir dann, wenn es soweit ist, nochmal ganz genau ausrechnen.
Gedanken zu Fahrzeugen, die ich noch nicht gefahren bin
Fahrzeuge, die ich nicht interessant finde (mit Begründung)
Mercedes Benz: Schlicht zu teuer, das Innenraumdesign ist auch nicht so meins. Die günstigeren Modelle sind auch alles SUVs
BMW: Ähnlich wie bei Mercedes, wenngleich mir hier das Design innen mehr zusagt. Der i4 gefällt mir ganz gut, aber der ist auch teuer. Ansonsten auch haufenweise SUVs.
Stellantis Fahrzeuge (Opel, Peugeot, Fiat, Jeep, Citroen, etc): Hinken mMn technisch einfach hinterher, wenig Reichweite, kleine Akkus, wenig Ladeleistung, mittelmäßige Software, dabei aber auch nicht wirklich günstig. Reizt mich einfach nicht.
BYD Dolphin: Eigentlich ein potentiell sehr interessantes Auto, aber die 88 kW Schnellladen ruinieren das Paket für mich. Die niedrige Schnell-Ladeleistung ist leider häufig ein Manko bei den China E-Autos.
Nio ET5: Das Design innen und außen ist fein, technisch auch ganz interessant mit dem Battery Swap. Allerdings gibts da nur 2 oder 3 Stationen, die Schnell-Ladeleistung ist ansonsten mit 100 kW eher mau.
BYD Seal: Potentiell eine sehr interesante Tesla Model 3 Alternative, das Design ist gefällig, die Ladeleistung mit 150 kW ist auch ordentlich. Ist aber halt auch wieder ein 4,8m Schiff.
VW ID.7: VW scheint beim ID.7 nach ersten Eindrücken ja einiges richtig zu machen, interessant finde ich den durchaus, aber ist auch einfach ein riesiges Schiff, das sich so realistisch betrachtet, nicht brauche.
Cupra Born: Das Design finde ich innen und außen wesentlich besser als beim ID.3. Der macht schon was her, ansonsten technisch identisch zum ID.3, inklusive der Limitierung auf 160 kM/h. Und das bei der "sportlichen" Tochtermarke. Fällt leider raus, weil man den aktuell nicht mit Wärmepumpe bestellen kann.
Fahrzeuge, die ich interessant finde
Smart #1: Wie erwähnt, ja eher so eine Art Crossover Fahrzeug, aber von den Abmessungen schon in der Kompaktklasse zu verorten. Reichweite und Ladeleistung stimmen, Top Speed 180 kM/h statt 160 finde ich auch gut. Das Design ist rund herum nicht so unbedingt mein Geschmack, aber ich denke, ich köntne mich damit anfreunden. Den werde ich mir wahrscheinlich mal anschauen.
MG 4 Electric: Ich muss sagen, bis vor kurzem habe ich den noch kategorisch abgelehnt, weil mir das Design nicht zusagt. Mittlerweile habe ich mich damit einigermaßen angefreundet, vor allem, weil er ja laut Tests wohl durchaus seine Qualitäten hat. Im Prinzip kann er so gut wie alles, was der ID.3 kann, mehr oder weniger genau so gut, ist dabei aber günstiger. Leider auch hier die Limitierung auf 160 kM/h, was ich etwas nervig finde. Panoramadach gibt es hier gar nicht, was ich schade finde. Hier kommt ja bald noch die XPower Variante mit brachialen 430 PS, was sicher nicht notwendig ist, aber bestimmt auch Spaß macht. Der fährt dann immerhin 200. Dafür wird wohl die Reichweite leiden, weil sie hier die mittlere Batterie beibehalten. Komische Entscheidung, weil ja auch noch eine Extended Range Variante mit 77 kWh Batterie kommen soll. So oder so, Probe fahren werde ich den mal.
Hyundai Ioniq 5: Ist zwar ein SUV / Crossover, aber auch eins, das auf den ersten Blick nicht direkt nach SUV aussieht. In der Sitzprobe hat mir hier das sehr luftige Raumgefühl gefallen, ansonsten lassen sich wahrscheinlich viele Punkte vom Ioniq 5 übertragen. Die durch die wuchtige SUV Karosserie geringere Reichweite lässt sich bei einem 800V System wohl noch sehr gut verschmerzen. Mit einer Länge von 4,63m ist der allerdings auch nicht mehr kompakt.
Kurzer Exkurs zur 160 kM/h / Höchstgeschwindigkeit Thematik
Mir ist durchaus bewusst, dass 160 kM/h aufwärts ein Geschwindigkeitsbereich ist, wo es mit dem Thema Effizienz endgültig vorbei ist. Ich würde so eine hohe Geschwindigkeit auch nicht auf Langstrecke fahren, aber wenn ich Nachts bei freier Autobahn 80 kM nach Hause fahre, kann ich auch durchaus mal 180, 190, 200 für bestimmte Etappen fahren. Oder mal schnell jemanden überholen, der 150 fährt. Mich stört einfach der Gedanke, ein 40.000, 50.000 Euro Fahrzeug anzuschaffen, das langsamer als manch ältere Autos mit 75 PS ist.
Fazit
Gut, soweit meine Gedanken. Vielen Dank an Alle, die bis hierher gelesen haben. 🙂
Mich würden eure Gedanken / Anregungen / Feedback interessieren. Habe ich etwas übersehen? Einen wichtigen Punkt vergessen? Irgendein Auto übersehen? Die eierlegende Wollmilchsau gibt es wohl nicht, also muss ich am Ende schauen, welcher Wagen mir den besten Kompromiss bietet.
30 Antworten
Zitat:
@Peralta09 schrieb am 26. Juli 2023 um 21:14:29 Uhr:
Der Mach-E schafft die 480 Km aber auch nur mit dem 100 kWh Akku, das Model Y LR schafft knappe 400 kM mit nem 75 kWh Akku, das spricht mMn schon für die Effizienz.
Ford informiert wenigstens umfassend über Akkugröße (Bruttokapazität und nutzbare Kapazität) und WLTP Verbrauchswerte. Tesla nennt lediglich die max. Reichweite. Angaben zur Akkugröße muss man sich im Netz zusammensuchen und dann ist es häufig wohl die Bruttokapazität.
Die Informationspolitik von Tesla im Bezug auf solche Angaben ist stark verbesserungswürdig.