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Sitzheitzung

Grünes auf der Insel

Wed Sep 12 14:55:47 CEST 2018    |    Sitzheitzung    |    Kommentare (6)

Visionen zum autonomen Fahren von 1956 Visionen zum autonomen Fahren von 1956

 

Hallo liebe Leser.

 

Die meisten weltbewegenden Innovationen kommen plötzlich. Man hatte sie weder erwartet noch vermisst, doch plötzlich sind sie einfach da- und schon kurze Zeit später nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

 

 

Ich erinnere mich noch gut, wie ich Weihnachten 1996 bei Freunden eingeladen war, die bereits einen Internetanschluss hatten. Also wurde das Internet angerufen, auf das Modem gewartet, und schon erscheint mir zum ersten Mal die Startseite der Alta Vista Suchmaschine, die ich umgehend mit dem Wort „Mercedes“ fütterte, um kurz darauf die für damalige Verhältnisse immense Datenflut zu bestaunen, sie das Gerät ausspuckte.

Ein Jahr später verbrachte ich einen guten Teil meiner Arbeits und Studienzeit damit, Wetterkarten aus eben diesem Internet herunterzuladen.

Ja gewiss, es gab schon seit etwa 1989 Vorboten für das Internet. Mit Windows 93 und 95 war es auch schon für die breite Öffentlichkeit zugänglich und nicht nur der wissenschaftlichen Welt vorbehalten, und Computerfreaks lachen wahrscheinlich über einen Spätstarter wie mich, aber mal ehrlich, was für einen Rolle hat das Internet für euch, sagen wir mal, 1993 gespielt?

Das Smartphone ist noch so ein Beispiel. Noch 2006 hieß mobiles Internet PDA und Blackberry, mit denen moderne Businessleute mühselig Surfen und Malis checken konnten, doch nur drei Jahre später, spätestens 2009, war schon endgültig das Smartphone-Zeitalter angebrochen.

 

Allerdings gibt es auch Innovationen, die sich schon vor Jahrzehnten ankündigten, aber sehr lange auf sich warten lassen. Konkret: das Autonome fahren.

In den frühen 2000er Jahren viel mir ein altes Was ist Was Buch von 1970 in die Hände. Eine der Seiten behandelte die Zukunft der Automobilen Fortbewegung. Für 1985 waren selbst lenkende Autos angekündigt, bei denen man zwar selbst fahren könnte, aber es auch jederzeit einem Autopiloten überlassen kann. Für das Jahr 2000 waren dann schon auf Magnetstreifen schwebende, fast UFO-artige Gebilde, in denen man während der Fahrt mit seinen Freunden Karten spielen kann auf der Wunschliste. Ich musste herzlich lachen ob dieser herrlichen Selbstüberschätzung der Menschheit.

 

1994(!) gab es zwar die autonome S-Klasse „Prometheus“, die vollgestopft mit Technik wohl 160 km komplett Autonom fahren konnte, jedoch scheint es, als ob diese Technik schlussendlich nicht genug ausgereift oder schlicht weg nicht Serientauglich war.

Ich könnte euch jetzt lange Geschichten über die Entwicklung der Fahrassistenzsysteme bis hin zum immer autonomisierteren Fahren erzählen, aber darauf will ich nicht hinaus und ihr kennt es wahrscheinlich sowieso.

Nun stelle ich mal die Behauptung auf, das in spätestens 15 Jahren autonomes Fahren zum Alltag gehören wird. Die meisten Neuwagenkäufer werden sich bis dahin für ein Fahrzeug, das zumindest voll autonomes fahren beherrscht entscheiden können, also könnte es bis dahin im Preisbereich des Fußvolkes angekommen sein.

 

Meine Ansicht war dazu lange sehr deutlich Anti-eingestellt. Ich wehrte mich mit aller Kraft gegen die Vorstellung, einem Computer das Fahren zu überlassen, und überhaupt ist meine Leidenschaft doch auch und gerade das Autofahren, hinzu kamen noch bedenken wegen Datenschutz, Szenarien bei technischen Defekten und vieles mehr.

Als ich dann nach Irland zog änderte sich meine Sicht auf die Dinge relativ bald. Bedingt durch die neue Arbeit musste ich jeden Tag über 200 km fahren, über endlose, öde Landstraßen. Immer die selben Ödländer, schnurgerade Straßen, die zu hügelig zum schnell fahren sind, quälend lange Stunden auf den 120 km/h Autobahnen...

Das ist auf Dauer extrem nervenaufreibend. Wie gerne würde ich mich einfach zurücklehnen, etwas schlummern oder ein Buch lesen. Und das tolle ist: Es wird kommen. Aber wie immer ist noch Geduld gefragt.

 

Meine Frage an euch ist: Wie blickt ihr dieser Zukunft, die zweifellos kommen wird, entgegen? Freut ihr euch darauf, den Weg zur Arbeit im Auto Zeitung lesen, oder auf dem Weg in den Kurzurlaub eurer Wahl entspannt ein Nickerchen halten zu können? Die Zeit im Auto sinnvoll nutzen zu können, anstatt sich ständig auf den Straßenverkehr zu konzentrieren?

 

Diskutiert über eure Träume oder Hoffnungen in Punkto autonomes Fahren in den Kommentaren!

 

Gruß Sitzheitzung

Hat Dir der Artikel gefallen? 2 von 2 fanden den Artikel lesenswert.

Fri Sep 14 10:12:46 CEST 2018    |    Tobner

Ich finde, ein Vorbote des autonomen Autofahrens sind die ganzen Assistenten, die heutzutage in den Autos zu finden sind. Ich finde, die Leute stumpfen beim Autofahren total ab, und ich finde das maximal kritisch. Ich habe das Gefühl, die Leute träumen viel mehr im Straßenverkehr und beamen sich durch die Botanik. Man verlässt sich heute zu sehr auf die Helferlein. Beispiele sind vor einigen Jahren Leute, die in einen See fuhren, weil das NAvi das so gesagt hat oder die Tesla-Unfälle in neuester Zeit.

 

Ich finde, es gibt allgegenwärtig Dinge, die eine Maschine nicht regristrieren kann oder wenn, falsch reagieren wird. Der Mensch wird immer eine kontrollierende Rolle spielen müssen, und ich denke, dort wird der Gang klemmen. Wenn man sich zurücklehnt und ein Buch ließt, koppelt man sich komplett vom Verkehrsgeschehen ab und wenn dort etwas unvorhergesehens passiert, ist man nicht mehr in der Lage zu reagieren...


Fri Sep 14 10:46:20 CEST 2018    |    Goify

Ich sehe das mit gemischten Gefühlen: Einerseits habe ich jetzt schon mein teilautonomes Fahrzeug genossen, weil man so monotone Arbeiten abgeben kann und zukünftig die Zeit nicht mehr im Auto verplempert. Andererseits befürchte ich ein Verbot normaler Fahrzeuge, weil diese auf Dauer inkompatibel mit den vernetzten autonomen Fahrzeugen sein werden.


Sat Sep 15 11:19:39 CEST 2018    |    DrHephaistos

Letztendlich wird autonomes Fahren nur ein Zwischenschritt hin zum kollektiven, ferngesteuerten Fahren sein. Nur so kann es gelingen, die vorhandene Verkehrsinfrastruktur selbst bei noch wachsender Fahrzeugdichte optimal zu nutzen. Denn der Neubau von Strassen ist aufgrund gesellschaftlicher Widerstände immer schwerer durchzusetzen.

 

Cheers,

DrHephaistos


Sat Sep 15 11:46:55 CEST 2018    |    Tuner1967

Nun, das autonome Fahren wird kommen, das scheint sicher. Warum auch nicht? Probleme sehe ich auch mehr auf ethischer Seiter, als auf technischer.... wie soll das Fahrzeug reagieren, wenn wirklich was schief geht? Den Fahrer um jeden Preis schützen und 5 Kinder überfahren?

Diese Fragen müssen klar geregelt werden und das wird wohl noch Dauern, denn da ist unsere Politik gefragt und die ... naja...


Sat Sep 15 11:50:15 CEST 2018    |    Sitzheitzung

Interessant eure Ansichten dazu. Das mit der ethischen Frage ist natürlich auch so eine Sache. Aber was ich mich frage: Kann ein Mensch, der wahrscheinlich selbst gerade in akuter Lebensgefahr ist, eine ethisch ausgewogene Entscheidung treffen, oder ist in dem Fall vielleicht sogar die Maschine die bessere Instanz, die vorprogrammiert eine fairere Entscheidung trifft?


Sat Sep 15 15:03:38 CEST 2018    |    Tuner1967

Der menschliche Fahrer trifft diese Entscheidungen m.E. weniger auf Grund seiner ethischen oder moralischen Prägung, sondern vielmehr folgt er seinen Instinkten. Aber ein Computer tut nur das, was ihm ein Programmierer beigebracht hat, das hieße dann aber im Umkehrschluss, dass jemand im Vorwege eine bewusste Entscheidung treffen muss. Das ist eine schwer zu knackende Nuss... ich möchte zumindest nicht in einem Auto sitzen, von dem ich weiß, dass es mich an der Wand zerschellen lässt, weil es die Schubkarre am Straßenrand als Kinderwagen interpretiert.

 

Komplexes Thema.


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