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Mein Wolf

Die Geschichte meines Mercedes-Benz 250GD

Fri Nov 19 18:15:06 CET 2010    |    Handschweiß    |    Kommentare (0)

Mein Wolf wurde am 22. Mai 1991 zur Bundeswehr eingezogen, hieß Y-244495 und wurde am 7. Oktober 2008 von Stabsfeldwebel Z. ohne militärische Ehren und ohne Großen Zapfenstreich aus dem Aktivdienst entlassen. Eine glänzende Offizierskarriere blieb ihm versagt, er war einfacher Funker, bis er endlich die Knobelbecher ausziehen durfte. Siebzehn Jahre Armeedienst bleiben nicht ohne Folgen. Die Haut des Wolfs zeigt Spuren, sein Fell glänzt nicht mehr, seine Augen schielen etwas. Doch er hat seine Haltung bewahrt, sein Rückgrat ist nicht gebrochen, seine Glieder zeigen noch etwas von der federnden Spannkraft seiner frühen Tage. Der Rost hat sein zerstörerisches Werk zwar angetreten, doch nicht vollendet. Die notorischen Stellen scheinen in gutem Zustand zu sein. Die nähere Untersuchung in den nächsten Monaten wird zeigen, was er noch drauf hat.
Seine Papiere erscheinen etwas mager: ein obskures Dokument der Militärkraftfahrstelle und eine Art Führungszeugnis vom Technischen Überwachungsverein, welches eigentlich nur besagt, daß der Wolf ein Wolf ist und keine Verbrechen begangen hat, sind alles, was ihm von einer langen Dienstzeit geblieben ist. Kein Rentenbescheid, kein Kraftfahrzeugbrief, kein schickes Certificate of Conformity, wie es neuerdings bei modernen Autos ausgestellt wird. Was wird wohl der Beamte in München dazu sagen? Morgen gehts zur Zulassungsstelle.


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