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Der universelle Motorradeinsteigerberatungsblog

Für werdende Motorradfahrer und Wiedereinsteiger.

28.06.2010 19:37    |    Lewellyn    |    Kommentare (34)    |   Stichworte: ich, kaufen, mir, Motorrad, soll, Welches

Damit ich nicht zweimal die Woche das Gleiche tippen muss, mache ich mir mal die Mühe, einen Leitfaden für Einsteiger zusammenzustellen. Dieser Leitfaden stellt meine persönliche Meinung dar und erhebt keinen Anspruch auf der Weisheit letzter Schluss. Aber er beruht auf 24 Jahren Erfahrung mit unterschiedlichsten Motorrädern und ungezählten Stunden der Beschäftigung mit dieser meiner Leidenschaft.

 

Er wird am Ende aus etlichen einzelnen Themen bestehen, also etwas Geduld ist angebracht.

Ich suche auch noch Gastblogger für das Thema "Moppedführerschein machen heute". davon habe ich zugegebenermassen keinerlei Ahnung.

 

Fangen wir mal an mit dem Basiswissen. Was für Kategorien von Motorrädern gibt es und wofür sie so taugen. Hierbei gehe ich immer von den ungedrosselten Versionen aus. Für die Drossel wird es einen Extrablog geben.

 

1. Der Allrounder

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Das "Butter-und-Brot-Motorrad", das alles ein bischen, aber nichts wirklich gut kann. Klingt ein bischen abwertend, ist aber nicht so gemeint. Es ist der Motorradtyp, auf dem man am besten herausfinden kann, in welche Richtung der eigene Fahrstil sich entwickelt. Kratzen nach der Eingewöhnungszeit dauernd die Rasten über den Asphalt und der Motor hängt öfters im Begrenzer ist vieleicht eine Sportler oder gar Supersportler angesagt. Ist einem das nachgerüstete Givi-Koffersystem zu unpraktisch und der Fahrtwind zu nervig, kann man sich nach einem Tourer oder gar Luxustourer umsehen. Oder man findet heraus, dass das eigentlich genau das ist, was man braucht. Von allem etwas, weil man selber von der täglichen Fahrt zur Arbeit bis zur 4000km Alpentour alles macht.

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Meist sind Allrounder nackig, aber gerne auch mit Halbschale zu haben. Soziusplätze sind i.d.R. bequem, Zubehör gibt es reichlich beim Hersteller und den üblichen Discountern. Die Motoren sind auf einfaches Fahren statt auf Spitzenleistung ausgelegt.

 

Typische Vertreter sind

Suzuki GS 500E/F, Bandit 600/650/1200, GSX1400

Honda CB500, CB600F, CB750, CB1000F

Yamaha XJ600/900, XJR1300

Kawasaki ER5, Zephyr 550/750/1100

 

Die Übergänge in andere Kategorien sind fließend. Es gibt etliche Motorräder, wo die Einstufung nicht so ganz eindeutig ist, aber ich will ja hier keinen Katalog erstellen, sondern einen groben Überblick geben.

 

Für Einsteiger gut geeignet, Modelle über 1000ccm sind aber gewichtsmäßig und vom Leistungseinsatz her nicht ganz einfach zu handeln.

 

 

2. Der Sportler

 

Sportler meint Strassensportler. Motorräder, die für die dynamische Fortbewegung auf öffentlichen Strassen ausgelegt sind. Nicht so komfortabel wie die Allrounder, dafür mit mehr Schräglagenfreiheit, knackigeren Fahrwerken und spitzerer Leistungscharakteristik beim Motor ausgestattet. Auch die Sozia sitzt nicht so kommod, Koffersysteme wirken meist deplaziert, sind aber verfügbar. Auch damit kann man täglich zur Arbeit und 4000km durch die Alpen touren, muss aber meist Kompromisse beim Komfort und Gepäck machen. dafür kann man damit auch mal ernsthafter ein Rennstreckentraining mitmachen. Ob nackig, Halbschale oder Vollverkleidung, hier trifft man fast alles. honda-hornethonda-hornet

Zur Kategorie der Sportler zähle ich auch die Sporttourer, die so ein Mittelding zwischen Allrounder und Sportler sind. Nicht umsonst eine sehr beliebte Kategorie.

 

Typische Vertreter sind

 

Honda Hornet 600/900, CB1000R

Kawasaki Z750/1000, ER6F/N

Yamaha FZ600/1000 Fazer

BMW F800R/S/ST K1200/1300 alle Modelle außer GT

Triumph Street und Speed Triple

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Je nach Modell als Einsteigermopped gut bis eher nicht geeignet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Der Supersportler

 

Aus mir unerfindlichen (:D;)) Gründen die beliebteste Einsteigerklasse, zumindest, wenn es nach Wünschen geht. Supersportler sind notdürftig an die StVO angepasste Rennfahrzeuge. Kompromisse hinsichtlich Alltags- oder Tourentauglichkeit stehen nicht in deren Lastenheft. Gepäcksysteme sind Mangelware, dafür gibts viel Carbonzeugs.

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Für die Rennstrecke optimiert, stellen Supersportler hohe Ansprüche an den Piloten.

Renntrainings dauern 20 Minuten je Turn. Rennen meist 90 Minuten bis max zwei Stunden.

Länger sitzt niemand auf so einem Motorrad auf der Rennstrecke. Dementsprechend sind sie auch

so gebaut. Längeres Fahren auf öffentlichen Strecken erfordert Leidenswillen und/oder einen Superbikelenker. ;)

 

Neben der extremen Sitzposition (Niedriger und schmaler Lenker auf Popohöhe, spitzer Kniewinkel) sorgt der grosse Wendekreis manchmal für Ungemach beim Rangieren oder in ganz engen Kehren. Der Soziusplatz (sofern vorhanden) ist vollkommen untauglich und reicht maximal bis zur nächsten Eisdiele. Oder die Sozia ist unter 1,50 bei unter 45kg.

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Generell gibt es die 600er Klasse und die 1000er. Die Ausnahmen dazwischen lassen wir mal weg. Die 600er sind für Anfänger relativ leicht zu fahren, da sie ihre Leistung erst in Drehzahlregionen erreichen, deren Einsatz auf der Landstrasse ein hohes Maß an Können erfordert und daher meist von Anfängern nicht abgerufen werden kann.

 

Die 1000er sind die "Königsklasse". Mittlerweile bei knapp 200PS angekommen, erfordern 1000er ein hohes Maß an Selbstbeherrschung im öffentlichen Strassenverkehr, da die Leistung immer und überreichlich sofort abgerufen werden kann.

 

Vollverkleidungen sind obligatorisch. Modellbeispiele:

 

BMW S1000RR

Honda CBR600RR/1000RR

Kawasaki ZX6R/10R

Yamaha R6/1

Suzuki GSXR600R/1000R

Triumph Daytona 675

 

Eigentlich mehr oder weniger absolut untauglich für den Anfänger, aber das Auge fährt ja bekanntlich mit...

 

4. Der Tourer/Luxustourer

 

Der Tourer verfügt über eine üppige Verkleidung, die aufrecht sitzend hohe Reiseschnitte ermöglicht. Ein integriertes Gepäcksystem, Staufächer für den schellen Zugriff, Heizgriffe oder gar heizbare Sitzbänke gehören dazu. Kardan ist selbstverständlich, ein kommodes Soziusplätzchen, gern mit Rückenlehne am Topcase sollte dabei sein. Einmal in Fahrt erlauben Touringmodelle durchaus zügiges Kurvenfahren wie die Allrounder. r1100rtr1100rt

 

Leider gibt es heutzutage nur noch wenige neue Tourer zu kaufen. Aktuell bieten eigentlich nur noch Honda mit der Deauville / Pan European und BMW mir der R1200RT und K1300RT richtige Tourer an. Andere Hersteller verunstalten Sporttourer mit ausladenden Koffersystemen und nennen das dann "Touring-Edition". Nur bedingt Anfängertauglich aufgrund des hohen Gewichts.

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Die Luxustourer sind eine aussterbende Variante der Tourer. Aktuell nur noch von Honda mit der Gold Wing und von BMW mit der auslaufenden K1200LT angeboten. Allerdings wird BMW in Kürze auch einen 6-Zylinder-Luxustourer als Nachfolger präsentieren.

Perfekter Wetterschutz, Komfort von der elektrisch verstellbaren Scheibe über CD/Radio bis zum Getränkehalter kennzeichnen diese ausladenden Motorräder. Für den Anfänger eher wenig geeignet und in der Regel auch nicht gewollt. Können wir also vernachlässigen.

 

5. Die Enduro und ihre Unterarten

 

Aufgrund der Fülle fasse ich mich da stichpunktartig kurz:

 

- klassische Enduro: Einzylinder, bis max. 650ccm, i.d.R 50PS oder weniger (Ausnahme KTM 690), leicht, Offroadfähig, strassen- und alltagstauglich. Ideales Einsteigermopped für Leute mit eher schmalem Budget und passender Beinlänge. xt660ext660e

 

- Reiseenduro: I.d.R Zweizylinder, von 50-150PS (wenn man die Ducati Multilala1200 als Reisenduro ansieht), ansonsten wie ein Tourer ohne den Wetterschutz und mit geringer Offroadtauglichkeit. Bedingt Anfängertauglich, wenn man 5 Zentner mit hohem Schwerpunkt handeln kann. Einfach zu fahren. bmw gs1200adventurebmw gs1200adventure

 

- Hardenduro: Die Geländesportvariante der klassischen Enduro. Ungefähr so alltagstauglich wie ein Supersportler. Gelände fährt man im Stehen, entsprechend ist die Sitzbank. Die Motoren sind auf Leistung getrimmt, häufig nicht ganz einfach zu fahren und wartungsintensiv. Yamaha WR-Modelle und die BMW G450 sind aktuelle Hardenduros.

Nix für den Anfänger, es sei denn, mit Geländesportambitionen.

 

- Supermoto: Ursprünglich umgebaute Hardenduros mit gekürzten Federwegen und Strassensportbereifung, inzwischen auch von gängigen Grossserienherstellern zu haben. Diese sind für Anfänger sehr geeignet, weil sehr einfach zu fahren und mit "zahmen" Motoren versehen. Für die auf den Hardenduros basierenden Modelle gilt das Gleiche wie für die Hardenduros selber.

 

- Crosser: Motorsportgeräte ohne jegliche Strassenzulassung.

 

 

6. Chopper/Cruiser

 

Chopper kommt von "to chop" - abhacken. Alles vom Cruiser entfernen was nicht unbedingt zum Fahren benötigt wird. Im Umkehrschluss ist ein Cruiser ein mit unnötigem Zierrat behängter Chopper. :D

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Diese Kategorie ist ein weites Feld, auf das ich hier mangels persönlicher Erfahrung nicht weiter eingehen werde. Für Anfänger nur begrenzt geeignet, da man das aktive Motorradfahren auf diesen Modellen eher schlecht bis gar nicht lernen kann. Die Fahrwerke sind unterdämpft, die Schräglagenfreiheit stark eingeschränkt und man lümmelt sich halt irgendwie so hinter den Lenker. Daher fahren solche Motorräder in der Regel alte Säcke, die das aktive Motorradfahren ganz oder teilweise aufgegeben haben. :D;)

 

 

Wenn Ihr jetzt noch konkrete Fragen zu einem Modell habt, dann startet einen Thread im Bikertreff oder direkt im entsprechenden Markenforum und euch wird geholfen. :cool:


28.06.2010 19:51    |    MarkSawyer

Uih, da hat´s aber einen in den Fingern gejuckt.

Aber echt gut gemacht, dreimal Daumen hoch.

 

Ach ja, wenn ich mal "groß" bin, wird´s bei mir wohl auch ein Tourer.

 

Gruß

MS


28.06.2010 20:15    |    new_

1. Platz für den längsten Blogtitel.. :D


28.06.2010 20:50    |    Dynamix

Auch von meiner Seite aus großen Respekt für diesen Blog. :)

 

Da krieg ich ja gleich noch mehr Lust den Moppedschein zu machen:D

 

Lese deinen Motorrad-Exoten Blog sehr gerne und hoffe das dieser hier mindestens genauso lesenswert wird. Vor allem gefällt mir hier auch deine Idee das sich hier mal jemand austoben soll der Ahnung vom "Moppedführerschein machen heute" hat :)

 

Könnte so manchen Thread im Biker Treff sparen :)

 

Kann man auch Blogs irgendwie in Foren anpinnen oder ist das perse unmöglich?


28.06.2010 21:01    |    logangun

Super --- sauber und übersichtlich ..... man freut sich auf Fortsetzungen :-)

 

Nachdem ich nun meine alte/erste Yamaha XJ550 nach 10 Jahren und nur 5000 km verkauft habe juckt es mich gerade wieder. Habe mich in Richtung Supermoto justiert weil ich dachte macht Spaß, leicht zu handeln und halbwegs Pflegeleicht für einen Ab und zu mal Fahrer wie mich.

 

Probefahrt in Planung - hoffentlich noch diese Saison wieder dabei ....:D


28.06.2010 21:30    |    BenutznameSchonVergeben

Honda Vigor 650 - das ideale Einsteigermotorrad für Leute ab 1,90m! :D


28.06.2010 22:07    |    Lewellyn

Die Vigor ist auch so ein Kandidat für "Motorräder, die keiner wollte".:D

 

Zusammen mit der SLR und FMX 650. Schönes Beispiel, wie man mit einem uralten und daher aus Zulassungsrechtlichen Gründen "erdrosselten" Motor eigentlich gute Motorräder zur Erfolglosigkeit verdammt.

 

Falscher Blog, eigentlich...;)


28.06.2010 22:14    |    Cruisersteve

Gut gemacht, Lewellyn!

 

Das ist eine Übersicht, die Du jedem Neueinsteiger zur Pflichtlektüre machen solltest.

Insbesondere denen, die sich dann zu Wort melden mit

"Ich habe jetzt mit dem Schein angefangen und will mir ´ne R1 oder GSX-R 1000 oder Fireblade oder oder oder zulegen...was haltet ihr davon?"

Daumen und Gruß.

 

Ach ja, was ich noch anmerken wollte:

Vielleicht kannst Du ja mal drüber nachdenken, beim Biker-Treff-Mod den Vorschlag zu machen, dieses Thema ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen...so ähnlich wie im Roller- und Leichtkraftrad-Forum die Hinwiese zum Tuning. Dann könnte man sich so manches Gesülze sparen und auf Deine interessanten Ausführungen hinweisen.

Gruß.


28.06.2010 22:44    |    go_modem_go

Klasse Bericht.

 

Aber irgendwie fehlen Italienische Motorräder (ausser eine kurze Erwähnung der Ducati "Multilala") - auch Aprilia, Cagiva, Moto Guzzi, Ducati, Moto Morini und diverse andere bieten sowohl Allround, Sport-Tourer, Supermoto, Enduro-Tourer, Tourer als auch Supersportler und sogar Chopper Varianten (Gott bewahre uns vor diesem Amimüll...).

 

Der Threadersteller fährt wohl selbst langweiligen Japseschrott von der Stange, oder überteuerte Teutonische Betonkopftechnik aus Berlin (sprich: BMW...). Ich tippe mal auf BMW... :D

 

An alle Einsteiger: Erstmal ein günstiges, gebrauchtes 500-650er Japse-Allroundbike für max. €2500 kaufen. à la Kawa Er6n / EN500, Suzuki SV650, Yamaha wasweissich 400-660cc (TIP: Yamaha Belgarda SZR 660 - ultrakleicht, top Fahrwerk, perfekt zum Kurvenräubern und Motorrad Fahren lernen!!!!), Cagiva Raptor 650 (was feines Italienisches mit Japse-Technik), Honda CB450 / Hornet 600, etc., (Sturz-) Erfahrung sammeln, und dann nach 2 Jahren "UPGRADEN".

 

So habe ich es gemacht, obwohl ich den 1er Führerschein schon 16 Jahre lang fast ungenutzt hatte. "Wiedereinstieg" mit Yamaha-Belgarda SZR 660 Einzylinder Sportler , dann nach 3 Jahren auf 50PS Eintopf auf eine Aprilia Falco SL1000 aufgestiegen (Sporttourer, aber für BMW Verhältnisse eigentlich Supersportler)

 

Von "Choppern", Cruisern und "Sportstern" (im Harley-Davidson Speak) als Anfänger UND als Wiedereinsteiger generell die Finger weg lassen! Dieses chromblitzende, fahrdynamisch katastrophale Angeber-Zeug ist Grundsätzlich das Gegenteil von Fahrspaß - Eigentlich Gemeingefährlich und meist hoffnungslos übergewichtig, und noch dazu extrem lahm. Ist was für Midlife-Crisis Poser-Biker, die 3km Geschleiche von Zuhause ans Eiscafé und zurück als die Erfüllung ihrer Bikerträume ansehen... Auf sowas lernt man NIE Motorrad fahren... Der Inbegriff des Niedergangs der Motorradindustrie... :rolleyes:


29.06.2010 00:54    |    Maroc89

Vielen Dank Lewellyn. Besser und ausführlicher hätte ich es nich erklärt bekommen.

 

Daumen hoch. ;)


29.06.2010 08:17    |    black.bird

Erstmal auch wieder: Kompliment. :)

Auch meiner Meinung nach sind hier die Tourer ein wenig zu eng gefasst.

 

Also als Einsteigermodell kann ich die Suzuki GSX 650 F empfehlen (ein Sporttourer) und die Zuordnung der Bandits in Allrounder, welche "alles ein bischen, aber nichts wirklich gut" können, denke nehme nicht nur ich krumm. ;)

 

Und zu "Für die Drossel wird es einen Extrablog geben." - Ich liebe Vögel! ;)


29.06.2010 08:28    |    bobbatz

Super Blog. Auch muss ich zustimmen, daß die SuperMotos gute Einsteigermopeds sind. Ich selbst habe vor kurzem meinen Schein gemacht und gleich eine KTM SuMo gekauft. Fährt sich um Welten besser als die dicke BMW in der Fahrschule.

 

Für mich sind diese "Tourer" nicht wirklich Motorräder. Da kann man sich auch ein Cabrio kaufen. Motorradfahren heisst bei mir Beschleunigung erleben und Kurven räubern.


29.06.2010 12:50    |    sampleman

Insgesamt eine prima Arbeit, an der es grundsätzlich nicht viel auszusetzen gibt. Wenn man die ganze Geschichte allerdings als Grundlagenartikel für Einsteiger sieht, dann würde ich noch zwei Ergänzungen vorschlagen:

 

Erstens werden Enduros bis 650 ccm von Dir als ideale Einsteigermaschinen betrachtet. Dieser Ansicht bin ich nicht. Die sind heute oft einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit, haben häufig kein ABS, mäßiges Licht und ein gemessen am Allrounder schlechtes Fahrwerk. Außerdem sind Enduros meistens sehr hoch und eignen sich deshalb nicht für kleinere Fahrer, die aus Sicherheitsgefühlen heraus noch beide Beine am Boden halten wollen. Zweitens treffen auf sie viele Einschränkungen zu, für die Du (zu recht) Supersportler kritisierst: Wenig Zuladung, schlechter Soziusplatz, eher unbequeme Sitzbank.

 

Zweitens sollte man Neulingen auch noch einen oder zwei Sätze zum Thema Drosseln sagen. Hier haben Enduros oft tatsächlich ihre Stärken, weil man sie kaum bis gar nicht drosseln muss, um sie als Anfänger fahren zu dürfen.

 

Sampleman


29.06.2010 12:55    |    Lewellyn

Zum Thema "Drosseln", "Hilfe ich bin zu klein, zu gross", "ABS" und noch vielerlei Themen mehr komme ich noch. Geduld....;)

 

Aber Du hast recht mit dem Größenhinweis. Ich hab den Satz entsprechend modifiziert.


29.06.2010 13:39    |    Maroc89

Aber gerade das ist gut für Anfänger, wenn die Motorräder so wenig Technik wie möglich haben, denn dann lernt man auch wirklich fahren. So wie ich mit meinem jetzigen BMW oder alten Mercedes beide kein ABS aber umso leichter wird das für mich später sein, wenn ich ein Auto mit ABS fahre.


29.06.2010 15:49    |    Schnapsmax

Sehr schöne Arbeit..."Fumpsupp":D

Ich sehe den Artikel als durchaus noch überarbeitungsfähiges gutes Grundgerüst.

Die Unterteilungen sind mir noch etwas zu gering gefasst und den Zuordnungen der Bikes stimme ich nicht immer zu 100 % zu.

Was mir dazu spontan einfällt und weit weg von komplett ist:

ich finde z.B., dass eine Hornet oder Tripple (Speed oder Street) nicht unter "Sportler" gehört. Sie sind zwar soft aber doch Streetfighter. Mit soft meine ich, dass sie fahrfertige gute Stangenware mit zuverlässiger und guter Technik sind und keine extremen Umbauten, die dafür ja mal die Grundlage waren - wie bei anderen Gattungen auch. Die sind gerade in den kleineren Versionen (600er rum) tolle Bikes, um fahren zu lernen. Und die DUC Monster muss da unbdingt mit rein!

 

Die Tourer würde ich eher in Sporttourer und (Groß)Tourer unterteilen - von mir aus gern mit Luxustourer ala Goldwing mit Hänger, Beiboot, Einbauküche und Dachzelt;).

Sporttourer sind in meinen Augen Bikes wie eine FJ / FJR, BMW K75 / K100, CBR, Z1000, ZX10 oder Sprint 955i / 1050i.... Gut beherrschbare, reisetaugliche Mopeten für fortgeschrittene Fahrer, die Kilometer fressen.

Tourer (z.B. Trophy, K1200RT,...)dann rauf bis zu richtigen Dickschiffen mit allem Schnickschnack ala Goldwing, E-Glide, K1200LT, Guzzi California etc.

 

Die Typeneinteilung wäre als bearbeitbare Variante (natürlich nicht für jedermann) sicher gut. Dann kann man neue Bikes oder vergessene jederzeit einpflegen und auch mal eine Kategorie einfügen.

Wenn dann noch ein Teil mit Erfahrungsberichten von Besitzern (da auch gerade die jungen Fahrer, die erste Erfahrungen für Altersgenossen schidern) dazukommt, haben alle unsere Neuankömmlinge erstmal so viel zu lesen, dass sie vorerst gar nicht mehr zu eigenen Posts die Zeit finden :cool:;)

 

War ne tolle Idee Lew

LG

Max


29.06.2010 16:09    |    Lewellyn

Ja, das kann und werde ich mit Sicherheit noch überarbeiten. Die Monster würde auch unter "Sportler" fallen. Sportlich orientiertes Strassenmotorrad. Genau wie eine Daytona 955i. Ansonsten gäbe das zahllose Unterkategorien. In erster Linie soll das ja eine grobe Hilfe zur Orientierung sein und keine Typenkunde. Ist eine KTM Duke 690 ein Sportler oder eine Supermoto? Wenn die 1100er Monster ein Sportler ist, ist die 696 auch einer? Solche Detailfragen sind hier müßig.

 

Aber die Sporttourer sollten eine eigene Rubrik bekommen. Mal gucken. Zur Zeit sitze ich neben der Arbeit an Artikel Nummer 2 "kleine Motorradmotorenübersicht für Anfänger". Wir haben ja Zeit....;)


29.06.2010 16:19    |    go_modem_go

Meine Aprilia Falco SL1000 ist eigentlich offiziell als Sporttourer deklariert, die RSV Mille war der eigentliche "Sportler" im Aprilia Stall. Allerdings sind im Vergleich zur Falco eine BMW R1200S, und selbst eine Ducati ST2-4 Übergewichtige, wachsweiche Reisedampfer...

 

Die Begriffe sind halt extrem fliessend. Bei Motorrädern gibt es selbst innerhalb einer kleineren Marke mehr Auswahl als am gesamtem Automobilmarkt...

 

Gerade was die Motoren betrifft, von Einzylinder, V-2, Reihen-Zweizylinder Twin, Dreizylinder, Vierzylinder Reihe längs und quer, V-4, 6-Zyl-Boxer ist eigentlich fast alles drin, und das jeweils mit extremst Unterschiedlichen Auslegungen.

 

Dann noch die höchst Unerschiedlichen Sekundärantriebskonzepte: Kette, offener Riemen und Kardan. Neuerdings sogar in Kombination mit CVT Automatik, traditioneller Schaltbox und sogar DSG im Primärtrieb...

 

Als Fazit für Anfänger: Ein Motorrad reicht nicht aus - Ich habe sechs davon, und habe noch nicht einmal ein Drittel der Möglichen Bandbreite der unterschiedlichen Motorradphilosophien abgedeckt.


29.06.2010 17:16    |    Schnapsmax

Zitat:

Sportlich orientiertes Strassenmotorrad. Genau wie eine Daytona 955i.

die ja eigentlich eine SSP ist ;) wenn auch dafür ungewöhnlich bequem und tourentauglich.

 

schwierig das wird...aber wie Du selbst sagtest..."wir haben ja Zeit" :cool:


04.08.2010 18:35    |    Marodeur

Servus.

 

Erstmal auch von mir einen Daumen für die Liste. :D

 

Eine kleine Anmerkung aber schon noch zu deiner "Kurzfassung" bei den Enduros. Thema Supermoto:

 

"Diese sind für Anfänger sehr geeignet, weil sehr einfach zu fahren und mit "zahmen" Motoren versehen."

 

 

Also das kann ich so nicht bestätigen. Das Handling ist schon sehr gut (je nach Reifen vielleicht auch etwas zu nervös für viele) aber die Motoren als zahm zu bezeichnen, da helfen auch Anführungszeichen nichts. Die 990er KTM geht schon ziemlich böse und direkt zur Sache. Powerwheelies sind damit schnell mal aus versehen gemacht was für Anfänger bös ausgehen kann. Gleiches bei der Ducati Hypermotard. Die Bremsen erfordern ebenfalls durchaus Feingefühl.

 

Hab das Gefühl der Text ist eher für die umgebauten Enduros gedacht die es früher gab. Andere Felgen dran, noch ein paar Kleinigkeiten ändern und ab gehts. Allerdings sind die größeren Supermotos dem inzwischen doch entwachsen und sehr eigenständig. Auch die 690 SM hat mit der 690 Enduro nicht viel gemeinsam. Als Anfängergeräte aber nur bedingt geeignet. Ich bin froh das ich für die ersten Böcke eine 50 PS DR Big hatte... ;)


20.09.2010 23:19    |    Styrkjar

Also ICH mag ja Chopper :D

 

Ansonsten aber echt ein guter Beitrag, beide Daumen hoch :)


28.11.2012 09:59    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Motorrad; Erstkauf; Worauf achten?

 

[...] doch nur fabulieren. Generell sind Chopper nicht so günstg als Anfänger.

 

Hast Du das schon gelesen?

 

http://www.motor-talk.de/.../...ches-motorrad-kategorien-t2781862.html

 

http://www.motor-talk.de/.../...kleine-motorenuebersicht-t2782793.html

[...]

 

Artikel lesen ...


23.01.2013 16:53    |    Trackback

Kommentiert auf: Leichtkrafträder:

 

Kaufberatung zu 125ccm Motorad gesucht

 

[...] bin mir da noch ziemlich unsicher.

(zu den Motorradkategorien, also was ich da meine hier ein Link: http://www.motor-talk.de/.../...ches-motorrad-kategorien-t2781862.html )

 

Ich hoffe ihr könnt mir helfen und ich bedanke mich schonmal im Vorraus :)

 

Gruß

 

Explodiergleich [...]

 

Artikel lesen ...


23.01.2013 17:23    |    sampleman

Schöne Arbeit (und viel Arbeit). Erwähnt wurde bereits, dass die Situation bei den Reisetourern nicht ganz so schlecht aussieht wie von dir geschildert, es gibt neben den genannten immer noch die BMW R1200RT, die K1600GT/GTL, nicht zu vergessen die Harley Electra Glide, die neue Triumph Explorer und die Victory Vision. Und dann sind die Übergänge zwischen Reisedampfern, Cruisern und Reiseenduros natürlich maximal fließend: Ist ein Honda Crosstourer jetzt eine Reiseenduro oder ein Tourenmopped...

 

Was angesichts der aktuellen Situation an der FS-Front sicherlich maximal hilfreich wäre, das wäre eine Aufstellung typischer 48-PS-Moppeds, also

 

BMW G650

Honda NC700 S/X

Moto Guzzi V7 Classic

 

(to be continued)


09.02.2013 12:07    |    Magnum-Five

Durch einen Zufall bin ich wieder auf diesen Thread hier gestoßen, den ich vor längerer Zeit mal gelesen habe, aber aus Zeitgründen damals nicht gleich antworten konnte.

Im Großen und Ganzen ist dieser Thread recht informativ und hilfreich für Neueinsteiger. Aber die Aussage zu Punkt 6 Chopper/Cruiser finde ich schon grenzwertig. Ja, ich bin auch ein alter Sack der cruist. Aber ebenso wie ich haben die meisten heutigen"alten Säcke" die ich kenne einfach nur keine Lust mehr, sich mit Plautze, Lebens- und teilweise Rennerfahrung auf einen Yoghurtbecher zu klemmen und den Jugendlichen Heizer zu mimen. Alles hat seine Zeit, steht schon in der Bibel geschrieben. Und ich lebe meinen Zweiradtraum jetzt auf einer 1100er Honda VT. Deshalb aber Cruiser - ob mit oder ohne Chopper - als alte Säcke abzutun, als ob die schon als Rentner auf ner Harley auf die Welt gekommen wären, ist eine fatale Fehleinschätzung des TE. Die überwiegende Anzahl, zumindest die die ich kenne, hat früher auch alles geritten, was günstig aber auch schnell war.

Im übrigen halte ich angesichts unserer gemeinsamen Probleme als motorisierte Zweiradfahrer diese Differenzierungen für überflüssig wie einen Kropf. Unsere gemeinsamen "Feinde" vom TÜV, über die Rennleitung, bis hin zu unaufmerksamen Autofahrer/innen sollten uns eher solidarisieren. Außerdem gibt es mittlerweile auch viele "Chopper" die an die 200 fahren und viele Crossovermaschinen, die eine eindeutige Eingruppierung unmöglich machen. Vielen sind auch mehr als 1000 ccm oder 1500 ccm in einem blubbernden V2 lieber, als 400, 750 oder 900 ccm mit fast 200 PS auf einer Rennsäge, die man nur sehr selten ausfahren kann ohne seine Gesundheit zu riskieren. Denn Alter bedingt in den meisten Fällen auch eine höhere Verantwortung gegenüber anderen, wie z.B. der eigenen Familie, Kindern oder gar Enkelkindern mit sich.

Deshalb allen, die auf zwei Rädern und mehr als 125 ccm unterwegs sind eine herzliche

 

Linke zum Gruß

MF

 

PS. Natürlich auch den anderen, aber wer nie einen richtigen Motorradführerschein gemacht hat, den meine ich nicht grundsätzlich, wenn ich von Solidargemeinschaft der Motorradfahrer und/oder Biker rede.


09.02.2013 17:36    |    sampleman

@Magnum Five: War ja klar, dass du dich auf den Schlips getreten fühlst. Aber wenn du mal die Ausgangsfrage berücksichtigst (Welches Motorrad für Einsteiger), dann wirst du zugeben dass 'ne 1800er Trude eher kein Anfängerkrad ist.

 

Und mir ist schon aufgefallen, dass ich zu Beginn meiner Motorradkarriere nahezu ausschließlich alte Säcke auf Choppern überholt habe - alle anderen waren schneller. Die Häufung ist da schon auffällig, genauso wie die Tatsache, dass auf BMW GS eher Leute über 40 als Leute unter 40 anzutreffen sind. Die fahren dann nur schneller;-)


09.02.2013 18:16    |    Magnum-Five

War ja klar Sampleman, dass Du meinen Beitrag kommentierst. Ich fühle mich aber nicht auf den Schlips getreten, ich finde nur dass die Beschreibung zu Punkt 6 (unter anderem auch mangels eigener ErFAHRung) dem Niveau dieses ansonsten guten Blogs nicht entspricht und dass die Meinungsbildung zu Chopperfahrern zu einem Großteil auf veröffentlichten Vorurteilen beruht. Alter ist in der Regel kein Verdienst - aber auch nichts, wofür man(n) sich schämen muss. Ich persönlich freue mich auf der Straße über jeden Motorradfahrer, egal wie alt oder jung er ist oder was er fährt und die Denkweise ist mir einfach fremd, Menschen die ich nicht kenne als alte Säcke zu bezeichnen. Ebenso wenig bezeichne ich junge Männer, die meine Söhne sein könnten, nicht als junge Idioten, nur weil sie sich für ein sportliches Moped oder ein Streetfighteroutfit entschieden haben.

Wie bereits beschrieben bin ich überhaupt kein Freund von diesen unfreundlichen Differenzierungen, sondern rede der Solidarität unter uns Zweiradfahrern das Wort.

Idioten die Öl auf die Straße gießen oder Glasscherben dort hinwerfen, unaufmerksame Autofahrer/innen, für Moppeds gesperrte Straßen, aber auch hirnlose Racer oder kriminelle Rockerbanden schaden uns allen, die nur Spaß mit iihren Zweirädern haben wollen und ich finde diesen und andere Gemeinsamkeiten sollten wir uns stärker widmen, anstatt in die Jahre gekommenen Mitstreitern die fahrerische Kompetenz abzusprechen nur weil sie ihre Hayabusa gegen eine Trude eingetauscht haben.

Dass große Cruiser keine geeigneten Anfängermotorräder sind stelle ich damit keinesfalls in Abrede und es bedarf sicherlich einiger Erfahrung, solche 300 kg und mehr Kolosse um die Ecken zu bewegen. Aber genau deshalb haben die Fahrer solcher "Bikes" auch einen Anspruch auf Respekt, vorurteilsfreie Akzeptanz und Wertschätzung.

 

Schneefreies WE und allzeit gute Fahrt - egal mit was!

 

MF


09.02.2013 23:33    |    sampleman

So, Leute, ich habe mal in die Tasten gehauen und einen Beginner's Guide geschrieben:

 

Ein Führer durch verschiedene Motorradklassen für Anfänger

 

  1. Vorbemerkung: Die verschiedenen Motorradklassen gehen zum Teil fließend ineinander über. So ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einem Naked Bike und einem Roadster weitgehend Definitionssache. Ich werde versuchen, das zu berücksichtigen.
  2. Vorbemerkung: Es gibt rund vier Millionen Motorradfahrer in Deutschland, von denen sich rund 90 Prozent im Besitz der ewig währenden Wahrheit wähnen, außerdem wissen sie genau, warum das von ihnen favorisierte Motorrad das beste der Welt ist.

 

Allrounder: Ein Allrounder ist ein Allzweck-Motorrad ohne spezialisiertes Anforderungsprofil. Das bedeutet, dass es alles kann und nichts richtig perfekt. Das muss kein Nachteil sein. Die meisten Allrounder haben Reihenmotoren mit zwei oder vier Zylindern, zwischen 500 und 1000 ccm. Hubraum und Kettenantrieb. Sie sind soziustauglich und lassen sich problemlos mit Gepäcksystemen ausstatten. Beim Windschutz setzen die meisten Allrounder auf eine Halbverkleidung. Allrounder ohne Windschutz werden Naked Bike genannt.

 

Typische Allrounder: Honda NC 700S, Suzuki Bandit 600, Kawasaki ER6F, Yamaha Fazer

 

Manche Allrounder sind wahlweise mit Halbverkleidung oder als Naked Bike zu haben, zum Beispiel die Honda CB 600 oder die Suzuki Bandit. Eine Halbverkleidung erhöht die Langstreckentauglichkeit, ein Verzicht darauf intensiviert das Fahrgefühl.

Ausgehend vom Allrounder haben sich zahlreiche weitere Motorradklassen gebildet, die in ihrem Anforderungsprofil spezialisierter sind – oft zulasten anderer Eigenschaften.

 

Roadster: Als Roadster werden Naked Bikes ohne Verkleidung mit eindeutig sportlichem Einschlag bezeichnet. Sie bieten in der Regel höhere Fahrleistungen und ein besonders wendiges Fahrwerk. Nachteile sind weniger Windschutz, weniger Fahrkomfort und eingeschränkte Langstreckentauglichkeit.

Typische Roadster: Triumph Street Triple, BMW F800R, Honda Hornet, Kawasaki Z1000

 

Sportler: Sie unterscheiden sich von Roadstern hauptsächlich durch ihre Verkleidung und eine etwas andere, windschlüpfigere Sitzposition. Sie eignen sich eher zum Schnellfahren und sind etwas weniger wendig als Roadster.

Typische Sportler: Suzuki GSX-F-750, Honda CBF600, Suzuki SV650

 

Supersportler: Sie sind noch extremer auf Rennstreckenperformance ausgelegt und bürden dafür ihrem Fahrer heftige Kompromisse auf: Eine unwürdige Sitzposition (Bückstück), kaum Soziustauglichkeit, kaum Gepäcksysteme verfügbar. Eine Vollverkleidung ist hier Standard, Stürze gehen immer ins Geld. Es gibt bislang unter Supersportmaschinen kaum Modelle mit ABS. Ich halte eine Supersport-Maschine für Anfänger für ungeeignet.

Typische Supersportler: Suzuki GSX-R 750, Honda Fireblade, Yamaha R1, BMW S1000RR.

 

Sporttourer: Sporttourer sind deutlich größer und schwerer als Supersportler, aber ebenso vollverkleidet. Sie eignen sich vor allem für lange Fahrten bei hohem Tempo. Soziustauglichkeit ist besser als bei Supersportlern, Gepäcksysteme sind in der Regel kein Problem. Sporttourer sind schwer, nicht besonders wendig und – aufgrund ihrer potenten Motorisierung – ziemlich teuer.

Typische Sporttourer: Suzuki Hayabusa, Kawasaki ZZR1400, Honda VFR1200, BMW K1300S

 

Streetfighter: Der Sage nach entstand diese Motorradgattung ursprünglich, indem Leute ihre Supersportler in die Ecke warfen und dann in der Werkstatt einen Herzinfarkt bekamen, als sie sie den Preis für die zerschossenen Verkleidungsteile erfuhren. Also wurden die Verkleidungsfetzen runtergerissen, ein neuer Lenker und ne neue Lampe kamen dran und weiter ging die wilde Fahrt. Daraus entstand eine Gattung von Moppeds, die man fertig kaufen kann: Wüster Motor, breiter Lenker, kein Windschutz oder sonstige alltagstaugliche Ausstattungsdetails.

Typische Streetfighter: Ducati Streetfighter, Triumph Speed Triple, Buell CR 1125

 

Während sich die Roadster, (Super)-Sportler und Sporttourer vom Allrounder-Konzept in Richtung höhere Fahrleistungen verabschieden, gibt es eine Gegenbewegung, die sich vom Allrounder in Richtung höhere Geländetauglichkeit, Robustheit und Wendigkeit entfernt. Hier sind die Unterschiede fließend. So unterscheidet sich eine Kawasaki Versys von einer Kawasaki ER6n im Grunde nur durch längere Federwege, eine höhere Sitzposition und einen moderat rustikaleren Auftritt. Man kann das vergleichen mit Autos: Ein Polo Cross ist kein echter Geländewagen, er tut nur so. Diese vorgetäuschte Geländegängigkeit sorgt bei Gegnern dieses Konzeptes häufig für Spott, während die Fahrer solcher Maschinen die Vorteile schätzen lernen: Eine aufrechte, bequeme Sitzposition, gute Soziuseignung, hohe Alltagstauglichkeit. Im angloamerikanischen Sprachraum hat sich für diese Motorradgattung der Begriff „Tallrounder“ eingebürgert: Wie ein Allrounder, nur mit längerem Federweg und höherer Bodenfreiheit. Oft werden sie auch als „Funbike“ bezeichnet. Tallrounder sind hervorragende Einsteigermotorräder.

 

Typische Tallrounder: Kawasaki Versys, Honda NC700X, Honda Crossrunner,BMW G650, Triumph Tiger 1050

 

Reiseenduro: Der Schritt zwischen Tallrounder und Reiseenduro ist nicht weit. Die typische Reiseenduro heutiger Prägung ist größer und schwerer als ein Tallrounder. Sie hat häufig Kardanantrieb, sehr gute Soziuseignung, einen besseren Wetterschutz und einen größeren Motor. Robuste Koffersysteme sind verfügbar, in der Regel ab Werk. In den letzten zehn bis 15 Jahren sind Reiseenduros zu großen, teuren und schweren Maschinen verkommen – vielen Fahrern zu groß und zu schwer. Deshalb haben viele Hersteller inzwischen noch kleinere Reiseenduros im Sortiment.

Typische große Reiseenduros: BMW R1200GS, Triumph Tiger 1200 Explorer, Yamaha XT1200Z Super Téneré, Honda Crosstourer, Moto Guzzi Stelvio, KTM 1190 Adventure

Typische kleine Reiseenduros: BMW F800GS, Suzuki V-Strom, Triumph Tiger 800 XC, KTM 690SMT

 

 

Enduros: Reiseenduros sind begrenzt geländetauglich, aber für ernsthafte Offroad-Aktivitäten zu schwer. Wer etwas schwierigeres Gelände fahren will, braucht eine echte Enduro. Solche Maschinen erkaufen ihre Geländegängigkeit jedoch mit Kompromissen: geringe Reichweite, wenig komfortables Platzangebot, kein Wetterschutz, überschaubare Fahrleistungen, begrenzte Langstreckentauglichkeit. Dafür sind sie sehr wendig und robust und eignen sich deshalb auch sehr gut zum Durchwuseln im Stadtverkehr.

Typische Enduros: Suzuki DR 350, Yamaha WR 250, Honda CRF 250L. Obacht: Die meisten Enduros haben Einzylindermotoren mit weniger als 48 PS, deshalb erscheinen sie ideal für die neue Führerscheinklasse A2. Allerdings sind 48 PS nur bei Moppeds mit mindestens 175 kg Leergewicht erlaubt, leichtere Motorräder müssen weniger leisten.

 

Wer es noch geländegängiger haben will, muss eine Moto-Cross oder gar eine Trial-Maschine kaufen. Die sind aber in der Regel nicht für den Straßenverkehr zugelassen oder müssen für den Straßeneinsatz stark gedrosselt werden.

 

Supermotos (SuMos): Eine klassische Supermoto ist eine Enduro-Maschine mit kleineren Rädern und Straßenreifen. Sie ist extrem auf Wendigkeit getrimmt. Die vielen praktischen Nachteile der Enduro bleiben, die Geländetauglichkeit geht verloren. Dafür sind Supermotos extreme Fubikes auf kurvigen Landstraßen. Es gibt Hersteller, die ihre Enduros wahlweise mit Supermoto-Radsatz anbieten, andere Hersteller bauen Supermotos, die nicht komplett auf einer Enduro basieren.

Beispiele für eigenständige SuMos: KTM Duke/Superduke, Aprilia Dorsoduro, Ducati Hypermotard

 

Show statt Allround: Chopper, Cruiser, Full Dresser, Big Bikes, Retro Bikes

Bei den bisher vorgestellten Motorradtypen war eine Abstammung vom normalen Allrounder nachvollziehbar, bei Choppern und Cruisern wird das schwieriger. Dieser in den USA weit verbreitete Motorradtyp zeichnet sich vor allem durch die Sitzposition mit weit vorn angebrachten Rasten aus. Was auf den ersten Blick relaxed und cool aussieht, ist auf Langstecken eher unbequem. Außerdem bieten übliche Chopper oft keinen Windschutz. Für Neulinge sind diese ziemlich schweren Motorräder trotz der niedrigen Sitzposition relativ schwer zu fahren, durch den langen Radstand nicht besonders wendig und durch begrenzte Schräglagenfreiheit in Kurven heikel. Auf der Habenseite haben diese Maschinen ihre imposante Optik sowie hubraumstarke Motoren mit sattem Durchzug. Wer gern langsamer fährt und nicht dauernd das enge Kurvengeschlängel sucht, der ist hier richtig.

 

Typische Cruiser: Harley Davidson Fat Bob, Victory Judge, Suzuki Intruder, Moto Guzzi California

 

Full Dresser: Eine Sonderform der Cruiser sind die Full Dresser: Überbordend ausgestattete Reisemotorräder für entspanntes Gleiten ohne Hochgeschwindigkeitsanspruch. Diese Kategorie kommt ebenfalls aus den USA. So ist der Prototyp des Full Dressers, die Honda Gold Wing, die einzige Honda, die ausschließlich in den USA gebaut wurde. Für Anfänger sind diese Motorräder eher nichts, bei Lebendgewichten von über 400 kg und Preisen von über 25.000 Euro.

Typische Full Dresser: Harley Davidson Electra Glide, Victory Vision, Honda Gold Wing, BMW K1600GTL

 

Europataugliche Full Dresser: BMW R1200RT, Kawasaki 1400 GTR, Triumph Trophy (nicht ganz so schwer, etwas billiger)

 

Big Bikes: Das ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für Motorräder mit großem Motor. Das geht dann los bei einer Yamaha XJR1300 mit luftgekühltem Vierzylinder – an sich ein ganz normales Naked Bike mit ordentlicher Maschine drin. Es gibt auch die Yamaha V-Max mit 200-PS-Maschine, die Suzuki B-King, die Ducati Diavel – das geht dann schon so ein bisschen in die Richtung „offene Hose“…

 

Retro Bikes: Motorräder, die aussehen wie früher. Das kann zwei Gründe haben: Entweder wird das entsprechende Motorrad seit früher gebaut, oder es ist Absicht. Zur Liga der Ewiggestrigen gehören (in Grenzen) die Harley Davidson Speedster, die bereits erwähnte Yamaha XJR1300 und definitiv die Royal Enfield Bullet. Auf alt gemacht sind Moppeds wie die Kawasaki W-800, die Honda CB 1100, die Moto Guzzi V7 Classic und wunderschöne Teile wie die Triumph Thruxton.

 

Von der Royal Enfield mal abgesehen, sind die praktischen Einschränkungen, die man bei diesen Bikes akzeptieren muss, übersichtlich. Einziger Haken: ABS ist selten in dieser Liga.


10.02.2013 07:38    |    Magnum-Five

Schöne Ergänzung zum Blogstarterthema. Objektiv und wertfrei. Danke!

 

MF


10.04.2013 09:34    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Tipps für den Einstieg?

 

[...] Naked Bikes, Halb- oder Vollverkleidung? Willst du Retro oder futuristisch?

 

Schau dir dafür einmal Grundsätzliches: Motorrad-Kategorien von Lewellyn an. Da bekommst du schon einmal einen ersten Überblick.

 

Zu den anderen Fragen:

2) Würde [...]

 

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12.06.2013 10:22    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Absoluter Motorrad Laie muss Motorrad kaufen o_O

 

[...] Ok, dann mal hier 2 Links.

Klick Dich mal durch und wenn Du genauere Frage melde Dich wieder.

 

http://www.motor-talk.de/.../...ches-motorrad-kategorien-t2781862.html

 

http://suchen.mobile.de/.../search.html?...

 

 

Viel Spass

0016

[...]

 

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25.07.2014 10:12    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

motorradneuling und brauche ernste empfehlungen

 

[...] mal eine Idee davon, was Dir an Kategorie liegen könnte. Cruisen/heizen/touren.

 

Lies mal dazu hier: http://www.motor-talk.de/.../...ches-motorrad-kategorien-t2781862.html

 

und hier: http://www.motor-talk.de/.../...kleine-motorenuebersicht-t2782793.html

[...]

 

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10.06.2016 14:52    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Kaufberatung für den ersten Bock

 

[...]

Zuerst solltest du schon eine Motorrad-Kategorie auswählen, die dir gefällt.

Schau mal hier rein: klick

 

An deiner Stelle würde ich eine Enduro/Reiseenduro nehmen... weil die schonmal eine größere Sitzhöhe [...]

 

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04.05.2018 19:44    |    Jagdzeugs

@Magnum-Five,

Frühling 2018, muss ich zuerkennen, dass er mit einer sehr wohlgesonnenen, na ja menschlich geprägter Sprache hier die Chopper und die älteren Ruhig-Fahrer verteidigt. Die andere Denkart passt zu mir ebensowenig, wie die supermäßigen Löcherhosen, bei denen einem das Essen hoch kommen kann; und man sich fragen kann, wo sie im Leben hängen bleiben. War auffällig und nicht zu kapieren, diese Miesmache. Bin noch nicht so lang bei Motor-Talk. Im Revier auch mit ner "Magnum" 9short in der Tasche, will ich mir wieder so eine Art Chopper zulegen. Bei ihm würde ich eine Kawa Vn 800 oder so gerne kaufen, weiter so.


11.01.2019 12:03    |    Trackback

Kommentiert auf: Biker-Treff:

 

Die ewig gleiche Anfängerfrage

 

[...] richtige Richtung weist, je nach dem welche Vorlieben man hat.

Gibt es ja - rechts in den FAQ, von dort dann weiterklicken, man landet bei

https://www.motor-talk.de/.../...hes-motorrad-kategorien-t2781862.html

[...]

 

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