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Yamaha RD 250 522 Test

23.05.2015 08:44    |   Bericht erstellt von Erdmann63

Testfahrzeug Yamaha RD 250 522
Leistung 33 PS / 24 Kw
Hubraum 245
HSN 7101
TSN 248
Aufbauart Andere
Kilometerstand 13000 km
Erstzulassung 6/1975
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von Erdmann63 4.0 von 5
Gesamtwertung Yamaha RD 250 4.0 von 5
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Einleitung

Ich habe meine RD per Zufall erhalten, sie stand jahrelang hinter einem Hühnerstall, unter einem alten Teppich. Jemand hatte die Zylinderdeckel abgenommen und die Vergaser abgebaut. Scheinbar wurde zuerst die Fertigstellung der Reparaturund dann das Bike vergessen. Als der Hühnerstall abgerissen werden sollte kam das Bike zum Vorschein und sollte auf den Schrott. Mein Freund Alex rief mich an, mein Bruder hatte einen Anhänger, der "Schrott" kam in meine Garage.

 

Im Tank raschelte etwas, aber der Schlüssel fehlte. Als ich neben zwei Eimern voller abgebauter Teile auch noch den Brief bekam, konnte ich anfangen die Teile zu ordern, die nicht zu retten waren:

 

Auspuffdichtungen, Benzinhahndichtungen, alle Schläuche, alle Gummiteile des Ansaugtrakts, Reparatursatz für die Vergaser, neue Züge ec.trara. Der Tank wurde bei Ammon in Schweinfurt entrostet und mit Kreem rot beschichtet. Klingt alles sehr schnell, hat aber mangels Masse ca. acht Jahre gedauert.

 

Am Ende stellte sich heraus, dass die Baureihe 522 sich in entscheidenden Details von der Vorgängerbaureihe 352 und dem Nachfolger 1A2 unterscheided:

 

  • der sechste Gang ist (legal) offen
  • die Zündkerzen haben ein langes Gewinde, weil der Zylinderdeckel dicker ist
  • der Auspuff ist länger und leiser als bei der 352
Galerie

Karosserie

3.5 von 5

 

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + die japanische Verarbeitung in den 1970ern wäre heute unbezahlbar
  • + Lack und Chrom sind spitze, trotz ca. 20 Jahren hinter einem Hühnerstall

Antrieb

3.5 von 5

Man muss Freude am Zweitakter haben, dann hört man nicht auf zu grinsen. Wer einen drehmomentstarken Motor will, braucht ein anderes Bike, wer Benzin sparen will auch!

 

Wer sich mit einem 40 Jahre alten Bike anlegt sollte wissen, dass es immer kleine Unzulänglichkeiten gibt, z.B. dass bei viel Stop&Go die Kerzen verölen können. Man muss auf solche Zickereien vorbereitet sein: keine Ausfahrt ohne kleines Bordwerkzeug und Ersatzkerzen!

 

Besonderes Augenmerk brauchen die Zündkontakte, ich hatte neue Kontakte eingebaut. Nach nur 2000 km war der Kontaktabstand ungefähr Null und der Zündzeitpunkt war verstellt. Der Motor drehte nicht mehr richtig, beim Anfahren fehlte die Kraft. Mann muss also, je nach Fahrleistung, pro Saison ein bis zwei Sätze Zündkontakte und die Zeit zum Einstellen einplanen!

 

Die Kleine rennt wie der Teufel, aber Gaul der rennt muss auch saufen: ca. 7 Liter/100 km bedeutet: im Standgas geschoben, bei freudig zuversichtlicher Fahrweise sind bis 8,5 Liter/100 km möglich!

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + butterweiches, exaktes Getriebe
  • + die Motorgeräusche machen süchtig
  • - die Lautstärke erfreut nur den Fahrer
  • - die Ölfahne ist nicht ohne

Fahrdynamik

4.5 von 5

Ein kleiner Zweitakter ist kein "Zieher", er will gedreht und geschaltet werden. Wenn man bereit ist zu ackern wie ein Fuhrmann, geht mal richtig die Post ab. Allerdings: wer versucht mit einem Gegner über 50 PS zu ringen, der muss wie um sein Leben fahren! Man hat das Handling eines (ernstzunehmenden) Kleinkraftrads gepaart mit sehr guter Beschleunigung und ca. 130 km/h Höchstgeschwindigkeit (lt. Tacho). Der Wohlfühlbereich liegt auf kleineren Landstraßen! Die Auswahl der Reifen spielt eine große Rolle, ich fahre einen Satz Bridgestone BT45. Diese Reifen sind m.E. sehr gut. Die relativ schmalen Reifen geben ein agiles Handling und sehr gute Rückmeldung über den Straßenzustand. Ein Schräglagenwunder ist die RD trotzdem nicht, der Fußrastenträger setzt gerne mal auf, das ist je nach Fahrsituation richtig unangenehm und kann schonmal zum Abflug führen!

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + das Fahrwerk schreit nach Kurven
  • - Fußrastenträger unter dem Auspuff - setzen sehr schnell auf

Komfort

4.0 von 5

Wer denkt, dass ein 40 Jahre alter, kleiner Zweitakter rappelig daher kommt, hat sich getäuscht!! Der recht hohe Serienlenker ist immer noch dran, dadurch ist die Sitzposition ist für mich (über 1,90 groß, lange Beine) sehr komfortabel. Mit flachem Lenker oder mit M-Lenker bekomme ich schon im Stand Rückenschmerzen. Die Fußrastenposition ist für mich gut. Ich spüre nur wenige Vibrationen, das Bild in den Rückspiegel wird erst über 7.000 U/min unscharf. Die Sitzbank ist straff und bequem, aber eine Kaffeepause nach ca. 100 km Fahrt tut doch gut.

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + kein Durchschlagen der Federung
  • - die Serienstoßdämpfer sind nur mittelmäßig, das Hinterteil wippt schonmal etwas nach

Emotion

4.5 von 5

Die RD 250 522 ist eine alte Zicke, sie will verstanden und gehätschelt werden. Wenn man sich auf sie einlässt macht sie auf der Landstrasse einen Riesenspass, auf der Autobahn ist sie heute zum lahm.

 

Das Ansaugeräusch, der Auspuff und das tolle Fahrwerk verleiten immer dazu, seinen Führerschein zu riskieren, eine lebensbejahende Haltung ist stets hilfreich.

 

Bei artgerechter Haltung ist das Bike ein hervorragendes Ding für den flotten Sonntagmorgen oder die Entspannungsrunde nach Feierabend. Als Tourer mit Gepäck und Sozius taugt sie nur für Masochisten, man kommt dann aus den zweiten Gang kaum heraus und macht sich nur an der Tankstelle Freunde.

 

Beim Treffen findet man sofort Menschen, die früher eine RD fuhren, und genauso viele die gerne eine hätten oder in Arbeit haben. Der Gesprächsstoff ist unendlich.

 

Für mich ist meine RD ein tolles Medium abzuschalten und den Kopf frei zu machen.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + der Sound ist einfach berauschend
  • - meine Nachbarn sind bzgl. des Sounds anderer Meinung!
  • - die Ölfahne bei hohenDrehzahlen ist enorm

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr bis 100 Euro
Verbrauch auf 100 km 7,0-7,5 Liter
Versicherungsregion (PLZ) 42369
Haftpflicht bis 200 Euro (50%)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Kleine Zweitakter wie die RD 250 522 sind die helle Freude, wenn man die Motoreinstellung hinbekommt. Fahrwerk und Komfort sind positiv überraschend.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Man kann dieses durstige Kreischeisen nur lieben oder hassen, dazwischen gibt es nichts!

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 0

04.04.2021 18:21    |    Datschi0825

Lieber Erdmann, da haben / hatten wir ja fast den gleichen Geschmack!

Hatte ca. 14 Jahre lang den Nachfolger zur RD, die RD250LC mit 38PS - war ja eine Diva und schüttelte einiges ab ;-)

Allerdings war die Elektronische Zündanlage ein Segen, da hier nichts gemacht werden musste.

Auch war mit der Extrazweitaktöleinspritzung die Ölfahne eigentlich nur nach dem Ortsschild das Problem.

Nachdem Freunde und Bekannte mir nur am Ende eine Mitfahrt erlaubten, meine Frau dann in 03/1996 den FS machte und eine ER5 kaufte, wechselte ich mit schweren Herzen auf meine ER5, die mir bis heute treue Dienste leistet!!

Deinem Bericht kann ich nur zustimmen, da kamen tolle Erinnerungen hoch :-)

Viele Grüße Datschi

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