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Toyota Yaris XP13 1.5 Hybrid Test

31.10.2019 19:46    |   Bericht erstellt von Flaherty

Testfahrzeug Toyota Yaris XP13 1.5 Hybrid
Leistung 100 PS / 74 Kw
Hubraum 1497
HSN 5013
TSN AJS
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 9950 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 6/2019
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von Flaherty 5.0 von 5
weitere Tests zu Toyota Yaris XP13 anzeigen Gesamtwertung Toyota Yaris XP13 4.0 von 5
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Einleitung

10.000 Kilometer Toyota Yaris Hybrid

 

So, jetzt also ein japanisches Auto. Nach drei Auspuff-kranken Opel, einem erstaunlich robusten Fiat, zwei Öl-saufenden Audi und einem Volkswagen, der eigentlich gar keine gültige Typgenehmigung hatte. Als Fahranfänger Anfang der 1990er Jahre wäre es beinahe schon einmal ein gebrauchter Nissan Micra geworden, doch der war lila und mein großer Bruder meinte: „Du willst doch nicht etwa einen Reiskocher fahren?!“ Na, vermutlich kann man in einem alten Skoda mit deutschen Genen nach einem Starkregen im Hochsommer besser Reis kochen, aber das ist ein anderes Thema. Ich hörte also auf meinen Bruder, der sich schon damals zum überzeugten Opel-Fahrer auf Lebenszeit entwickelte und japanische Autos verachtete, obwohl er bei Unterhaltungselektronik genau auf eben jene japanische Ingenieurskunst setzte.

 

Mein erstes Auto wurde also für 650 D-Mark ein betagter Opel Manta CC, den der ortsansässige Opel-Händler, dessen Vater einst schon bei meinem Opa in der Werkstatt arbeitete und mit unserer Familie gut bekannt war, irgendwo auf seinem Gelände für mich Fahranfänger aufgetan hatte. Das orangefarbene Kombicoupé war frei von Tuning-Firlefanz und Fuchsschwanz, ölte aber fies, auf der Autobahn sprang schon mal gerne bei Tempo 120 der Gang raus und er genehmigte sich zweistellig. Eine andere Zeit! Wir waren nur kurz zusammen.

Karosserie

4.5 von 5

 

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Verarbeitung Türdichtungen
  • - Sicht nach vorne

Antrieb

5.0 von 5

Verbrauch und Dynamik

 

Was der Manta vor bald dreißig Jahren an Treibstoff alleine konsumierte, damit könnte ich heute drei bis vier Exemplare meiner neuesten Errungenschaft durchbringen. Um es vorweg zu nehmen: Mein neuer Toyota Yaris Hybrid (Baujahr 2019), den ich jetzt innerhalb von vier Monaten knapp 10.000 Kilometer gefahren bin, begnügt sich im Alltag mit knapp 4,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Wenn ich das mit seinem direkten Vorgänger, dem Volkswagen Polo 1,6 TDI BMT, dem kleinen Betrüger, vergleiche, den ich mit 4,4 Liter an kalorienreicherem Diesel auf 100 Kilometer bewegte, schlägt sich der Yaris energetisch also besser. Mein Motto deshalb: „HSD statt BMT!“

 

Klar, kommt es auf Fahrstil und Streckenprofil an, was so ein Auto verbraucht. Man muss auch schon sparen wollen und den Yaris entsprechend fahren können, um auf einen günstigen Verbrauch zu kommen. Meiner läuft überwiegend im Pendelbetrieb auf der Autobahn in defensiver Fahrweise bei 100 bis 120 Sachen. Da fühlt er sich wohl, da gibt’s kein Dröhnen und den sagenumwobenen „Gummibandeffekt“, den empfinde nicht als störend. Wie meinte doch mein Toyota-Verkaufsberater sinngemäß: "Stellen Sie sich vor, Sie wären all die Jahre HSD gefahren. (i.e. "Gummiband-Effekt" und gelegentliches Aufheulen also völlig normal und daran gewöhnt. Aber eben auch lautloses Anfahren.) Dann kommt ein Hersteller und sagt: 'Wir haben da etwas vergleichbar Verbrauchsgünstiges, etwas völlig Neues: den Diesel.' Und Sie starten den Wagen und dann geht das Genagel los. Was ist das denn? So laut. Was rasselt denn da so? Motorschaden?"

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wen das Nageln schon nicht gestört hat, kann mit dem Gummibandeffekt sicher sehr gut leben. Den flotten Sprint beim Überholen dank elektrischer Unterstützung mit kurzem Aufheulen des Saugers empfinde ich vielmehr als Sicherheitsreserve, mit der man Linke-Spur-Drängler gerne mal kurz alt aussehen und verwundert zurückfallen lassen kann.

 

Die von mir bisher erfahrenen Verbrauchswerte reichen von 3,6 Liter Super auf 100 Kilometer bei einer Autobahn-Pendelfahrt mit stellenweise zäh fließendem Verkehr bis 5,8 Liter Super auf 100 Kilometer bei einer Autobahn-Bleifuß-Fahrt aus der Rhein-Neckar-Region über Hunsrück und Eifel ins Rheinland mit drängelndem Frauchen auf dem Beifahrersitz. Einen wenig repräsentativen, aber meinen niedrigsten Verbrauch habe ich auf einer Überlandfahrt durch die hutzelige Landschaft zwischen Pforzheim und Karlsruhe über die B10 erfahren: 3,1 Liter Super auf 100 Kilometer. Ähnliches nochmal im Hunsrück. Alle Fahrten, die ich erwähne, sind halbwegs längere Strecken (Arbeitsstrecke z.B. einfach 95 Kilometer). Klar, kann man mit einem Durchschnittsverbrauch von 1,2 Liter Super auf 100 Kilometer prahlen – das war dann aber die 800 Meter-Fahrt von der Tanke bis nachhause im überwiegend elektrischen Modus.

 

Kurz: Wer behauptet, Toyota HSD würde sich auf Autobahn und außerhalb des Flachlandes nicht rechnen, liegt falsch oder hat den falschen Fahrstil, wie wohl die meisten Tester diverser deutscher Autogazetten. Den beobachte ich auch täglich bei vielen Verkehrsteilnehmern: Aus der Ortschaft nach Tempo 50 und 70 raus, voll beschleunigen auf über 100 (und an mir überholend vorbei), obwohl das nächste Tempo 70-Schild schon in Sichtweite ist und dann wieder voll in die Eisen. Ja, so verbrennt man auch buchstäblich Ressourcen. Obgleich mein Yaris beim Bremsen noch rekuperieren würde, die meisten Heizer verschleißen wohl nur Reifen und Bremsbeläge. Vorausschauend fahren muss man schon können, um mit dem Hybrid glücklich zu werden. Sonst landet man wohl bei Verbrauchswerten wie die ams im niederländischen Flachland mit 5,4 Liter Super auf 100 Kilometer und mehr, was mir fast schon wie mutwillige Fehlbedienung vorkommt.

 

Beim Sparen hilft übrigens die einem Drehzahlmesser ähnliche Anzeige mit den Unterteilungen Charge (blau), Eco (grün) und Power (weiß). Hält man die Nadel immer schön im mittleren Eco-Bereich, kommt man auf meine Verbrauchswerte.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Verbrauch

Fahrdynamik

5.0 von 5

 

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + die Wirbelstrombremse
  • - Stuckerneigung bei Bodenwellen

Komfort

5.0 von 5

Cockpit und Bedienung

 

Und damit zu Cockpit und Bedienung. Einsteigen, wohl fühlen, anlassen, losfahren. Langsam! Anlassen? Nein, Zündschlüssel im Zündschloss drehen und einschalten. Denn der Verbrenner bleibt erst einmal aus, geht nur an, wenn es kalt ist und die Abgasreinigung auf Temperatur kommen muss oder der Ladestand des Akkus niedrig ist. Ein grünes Ready zeigt an, dass der Yaris eingeschaltet ist, ein grünes EV in einem Käfer runden Autosymbol, dass er sich im Elektromodus befindet. Ansonsten ist (fast) alles wie bei einem herkömmlichen Verbrenner und dort, wo es meines Erachtens hingehört. Neben der Leistungsanzeige (Charge, Eco, Power) an der sonst für den Drehzahlmesser üblichen Position der klassische Tacho, dazwischen eine Multifunktionsanzeige u.a. mit dem Schmankerl der Energiefluss-Anzeige, die in Echtzeit anschaulich macht, wie die Antriebskomponenten Elektro und Verbrenner gerade zusammenspielen. Und dieses Zusammenspiel ist schon sehr gut gemacht und die Übergänge nahezu ruckfrei.

 

Am Anfang kämpfte ich tatsächlich etwas mit der Wischer-Bedienung, die gegenläufig zu der im Polo ist. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Licht am linken Lenkstockhebel empfand ich dagegen von Anfang an als stimmig. Was mich absolut überzeugt, ist die Art, wie der Yaris das Wischwasser versprüht: Während der Polo das Zeug über die Scheibe rotzte, um dort direkt von den beiden Wischern regelrecht verschmiert zu werden, sprüht der Yaris die Reinigungsflüssigkeit auf den Wischer und verteilt sie dann wie ich will. Einfach, aber genial und ein Ärgernis weniger im Auto-Alltag. Was mich dagegen wirklich stört, ist die Position der Schalter für die Sitzheizung: Mit den Tasten für Eco-Mode, EV-Mode und ASR zwischen Fahrersitz und Bremshebel auf dem Mitteltunnel-Überbleibsel – da ist Fummeln angesagt, wenn man die mal während der Fahrt zuschalten möchte. Und Fummeln im Auto – das hab ich früher mal gemacht, dann aber eher im Stehen und bis die Scheiben beschlagen waren.

 

Dieser ungelenke Altherrenwitz bringt mich zu Lüftung und (Zweizonen-)Klimaautomatik, über die ich nur sagen kann, dass sie immer genau das tun, was sie sollen. Immer angenehme Temperatur wie gewünscht und eben keine beschlagenen Scheiben. Bedienung intuitiv per Drehrad machbar, sitzt alles dort, wo es soll, auch die Defroster-Tasten für Heck- und Frontscheibe.

 

Insgesamt ist der Innenraum aufgeräumt und ich fühle mich wohl. Sitze bieten ausreichend Halt, auch auf längeren Strecken, Innenraum- und Kofferraum-Größe empfinde ich als ausreichend. Die Rückbank ist Revier der beiden Minis und deshalb mit zwei Maxi-Cosis belegt. Kofferraum reicht. Wenn nicht gerade vom zusammengeklappten Buggy belegt, bietet er genügend Platz für einen Wocheneinkauf mit Getränken. Und selbst dann passen Einkäufe noch übers Auto verteilt rein. Für größere Möbelhaus-Einkäufe haben wir den Skoda Fabia Combi meiner Frau.

 

Ja, und dann habe ich jetzt zum ersten Mal so ein richtiges Infotainment. Ich finde es toll, habe aber eben als Novize in diesen Dingen keine Vergleichsmöglichkeit. Anfangs nutzte ich schlicht die Bluetooth-Kopplung fürs Telefon und Abspielen von Musik übers Smartphone, inzwischen gelegentlich auch die USB-Verbindung mit Android Auto, was mir dann Google Maps als Navi, Amazon Music und sonstigen Schnickschnack aufs Display zaubert. Eingehende WhatsApp-Nachrichten kann ich mir dann auf Wunsch vorlesen lassen und per Sprachbefehl sogar beantworten. Spielerei, aber feine Sache.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Infortainment über Android Auto
  • - Position der Schalter für die Sitzheizung

Emotion

4.5 von 5

Was bleibt sonst zu schreiben?

Während Lenkung und Fahrwerk überwiegend sehr präzise arbeiten und längst nicht mehr dem alten Klischee asiatischer Autos entsprechen, sondern das Fahrzeug nahezu perfekt in der Spur halten, was man gut in Kurven bei Autobahnzubringern testen kann, neigt der Yaris bei Bodenwellen zum Stuckern. Ich bin das vom Polo gewohnt und kann damit leben. Die Streckenabschnitte, wo das auftritt, sind mir ja bekannt. Und für mich ist das dann eben eher ein Problem der Fahrbahn als eines meines Fahrzeugs und gerade in dieser Klasse wohl auch keine Seltenheit.

 

Begeistert hat mich noch, als ich recht bald wahrgenommen habe, wie die Tür-Gummidichtungen ausgeführt und verarbeitet sind: Schwer in Worte zu fassen, sind die irgendwie gedoppelt, sodass da echt nichts runter suppt beim Türöffnen, was mir beim Polo schon gerne mal passiert ist und nicht selten zu einem voll getropften Sitz geführt hat.

 

Zur rein elektrischen Reichweite muss ich noch erwähnen, dass ich nicht selten sehr begeistert elektrisch durch die Stadt cruise und ausgerechnet beim Einparken oder an der roten Ampel muss dann der Verbrenner doch noch anspringen. Nicht weiter schlimm, eher Jammern auf hohem Niveau, aber da würde ich mir dann doch etwas mehr elektrische Kapazität wünschen. Woran ich mich schnell gewöhnt habe, ist der vergleichsweise kleine Tank. Während ich den Polo erst nach 1.000 Kilometer tanken musste, sind es beim Yaris gut 600 Kilometer. Aber regelmäßig die Betankungen bei Spritmonitor.de einzugeben und nachzuhalten macht auch Spaß.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + positives Image, einen Prius in klein zu fahren

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Zwischenfazit

 

10.000 Kilometer Yaris Hybrid nun also. Ich habe mich überzeugen lassen und muss schon sagen, dass ich das Hybrid fahren wohl auch in den Genen habe. Macht Spaß, die Kiste. Übrigens hatte der Polo bei ziemlich genau 10.000 Kilometer seinen ersten Garantiefall: Kühlmitteltotalverlust wegen bekannter AGR-Probleme – der Rest ist Geschichte. Ich bin gespannt, wie der Yaris sich weiter so schlägt. Und das werde ich hier gelegentlich auch ergänzen.

 

 

Dieser so subjektive Test wie die meisten in bunten Blättern auch nicht objektiver sind, ist übrigens eine private Initiative eines Auto-Fans, der mit fast 100 Jahre alter familiärer Vorbelastung einmal von sich behauptete, er habe Diesel im Blut.

Das Fahrzeug Toyota Yaris Hybrid Y20 Baujahr 2019 wurde regulär ohne Presserabatt, aber mit gutem Carwow-Rabatt bei einem Händler im Südwesten erworben und teilfinanziert über die Toyota-Bank. Mit Toyota Deutschland stehe ich nicht in Kontakt, sie dürfen sich aber gerne bei mir melden, wenn meine Schreibe gefiel.

Gesamtwertung: 5.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 5.0 von 5 möglichen Sternen
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