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Kia EV6 1. Gen EV6 AWD (77,4 kWh) Test

14.01.2023 16:32    |   Bericht erstellt von Lifecoach

Testfahrzeug Kia EV6 1. Gen EV6 AWD (77,4 kWh)
Leistung 325 PS / 239 Kw
Aufbauart SUV/Geländewagen/Pickup
Kilometerstand 9250 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 5/2022
Nutzungssituation Dienstwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von Lifecoach 4.5 von 5
weitere Tests zu Kia EV6 1. Gen anzeigen Gesamtwertung Kia EV6 1. Gen (seit 2021) 4.5 von 5
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Einleitung

Nach beruflicher, längerer Marktbeobachtung habe ich Ende 2020 sehnsüchtig nach ersten Kontakten in Seoul auf die Serienversion der Koreaner auf der E-GMP-Plattform gewartet. Ein langer Weg war es jedoch, bis uns im Mai 2022 unser EV6 AWD 77.4 kWh mit voller Hütte, ohne Glasschiebedach und Meridian-Premium-Soundsystem geliefert worden ist. Seither mache ich viele Roundtrips und Vergleichsfahrten mit anderen Fahrzeugen unter Berücksichtigung der TCO und natürlich der Ausstattung und Funktionalität. Auf nun über 9'000 km im ganz normalen Reisealltag auf Autobahnen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Österreich sowie auf vielen Alpenstrassen musste sich der Wagen mit 54 Jahren vorwiegend Deutschem und Englischen Premium, aber auch Französischer Oberklasse messen. Was mich zum ganz einfachen Fazit führt:

 

Mit einer in seiner Klasse und darüber hinaus führenden Ausgewogenheit von Leistung, Ausstattung und Reichweite ist Kia's erstes dediziertes Elektrofahrzeug möglicherweise das beste Fahrzeug, das der Autohersteller je hergestellt hat. Obwohl er die gleiche Basis wie der Hyundai IONIQ 5 (anfänglich hatte der eine etwas kleinere Batterie an Bord) und der Genesis GV60 aufweist, ist der Kia EV6 ein eigenständiges Fahrzeug, das sich von den Konzerngeschwistern angenehm unterscheidet.

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Karosserie

4.5 von 5

Der EV6 von Kia sieht fantastisch aus, aber hinter dem Lenkrad ist er noch besser. Es kommen Erinnerungen an einen frühen Lancia oder Jaguar hoch. Ein Auto, das ganz sicher nicht als Massenware daherkommt und den Stil eleganter GT-Limousinen von früher in die neue Zeit nimmt.

 

Der batterieelektrische Crossover basiert auf der gleichen Electric Global Modular Platform wie der Hyundai Ioniq 5, 6 und der Genesis GV60, kommt aber mit einem etwas anderen Leistungsansatz und seiner eigenen einzigartigen Ästhetik. Alles in allem ist es ein grosser Schritt nach vorne für Kia – die Ingenieure und Designer des Unternehmens haben mit diesem Modell ihr Bestes gegeben.

 

Überzeugend ist auch die Ruhe der Fahrgastzelle, wo jedes Geräusch bei einem EV massiv auffällt. Auch da hat Kia hervorragendes geleistet, selbst im Vergleich mit sog. Premium-Fahrzeugen aus hiesiger Produktion. Dass die Hyundai-Gruppe mit Partnern wie Porsche oder Rimac-Bugatti ein neues Level anstrebt, ist schon bei der 800 Volt-Technik offensichtlich. Man sollte also seine Vorurteile ganz schnell vergessen. Die spielen jetzt in einer anderen Liga und bleiben dort!

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Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Perfekte Übersicht nach vorne
  • - Sicht nach seitlich hinten ohne Kamera ungenügend

Antrieb

5.0 von 5

Der EV6 ist mit drei Antriebsstrangkonfigurationen erhältlich. Da ist das 167-PS-Basismodell mit Heckantrieb und seinem 58-Kilowattstunden-Akkupack sowie einer (WLTP) geschätzten Reichweite von 370 km. Das Aufrüsten auf einen grösseren 77,4-kWh-Akku erhöht die Motorleistung auf 225 PS und die geschätzte Reichweite auf 496 km. Das Spitzendrehmoment für beide Konfigurationen wird mit 350 Nm angegeben.

 

Unser Fahrzeug hat den stärkeren Allradantrieb mit zwei Motoren, mit der 77,4-kWh-Batterie, aber der Vorderachse einen zweiten Motor hinzufügt, wodurch die Gesamtleistung auf 325 PS und 605 Nm gesteigert wird. Mehr Leistung ist ein kleiner Kompromiss bei der Reichweite und fällt auf geschätzte 435 km pro voller Ladung. Die Praxis ist eine andere, denn der vordere Motor wird bei Nichtgebrauch mechanisch entkoppelt und wir fahren oft «nur» im ECO-Modus, wo wir bei zügiger Fahrt auch schon 500 km bei rund 25°C Aussentemperatur und 21°C Klima erreichen. Der Trick, den viele Tester bewusst ausblenden, ist vorausschauendes Fahren, manuelle Rekuperation über die Paddles am Lenkrad sowie ein sanfter Stromfuss. Bei «harten» Testfahrten wird gerne zu massiv mit der Leistung gespielt. Das ist aber bei effektiv gemessenen 333 PS und 608 Nm kaum je gefordert, ausser man möchte Audi & Co auf der Autobahn ärgern.

 

Das Ladeerlebnis, welches das 800-Volt-System des EV6 bietet, beruht auf einer der schnellsten, theoretischen Ladegeschwindigkeiten auf dem Markt mit 240 kWh (238 kWh schon erreicht). An einer 350-kW-Gleichstrom-Schnellladestation kann der Kia in etwa 15 Minuten eine Reichweite von bis zu 300 km hinzufügen und in etwa 20 Minuten von 20-80 % aufgeladen werden. An einer langsameren 50-kW-Gleichstromstation dauert eine vollständige Ladung etwas mehr als eine Stunde, während eine 11-kW-Level-2-Heim- oder öffentliche Station zwischen 6 und 7 Stunden benötigt. Wir planen Routen mit Hotelübernachtung und 11-kW-Ladung, wenn immer es geht!

 

Der Ladeanschluss des EV6 ist zudem bidirektional. Mithilfe des mitgelieferten Vehicle-to-Load (V2L)-Ladeadapters können Benutzer Zubehör und Geräte mit 220 Volt und 3'600 kWh für mobile oder Notstromversorgung anschliessen. Zum Beispiel den Betrieb eines Haushaltskühlschranks für mehr als 300 Stunden (fast zwei Wochen) im Falle eines längeren Stromausfalls. Es gibt auch eine zweite 220-Volt-Steckdose unter den Rücksitzen. Man kann natürlich eine Entladegrenze für den V2L-Ausgang festlegen, um sicherzustellen, dass genügend Reichweite vorhanden ist, um am zum nächsten Lader zu kommen.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Perfekt ausgewogen und sportlich agil
  • - Gefährlich ruhig und schnell wenn Radarfallen lauern

Fahrdynamik

5.0 von 5

Der Grins-Generator oder warum selbst EV Spass machen können.

 

Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, meinen EV6 auf dem Anneau du Rhin zu bewegen, daher wusste ich bereits, wie krass die Konfiguration mit zwei Motoren startet, aber ich war auch glücklich, sie immer wieder auf der normalen Strasse zu erleben. Die offiziellen 325 PS sind bei mir gemessene 333 PS und statt 605 Nm bringt meiner 608 Nm auf einem modernen Prüfstand. Der EV6 absolviert den Sprint von 0 auf 100 km/h somit auch in nur 5 Sekunden (Werksangabe 5,2), schiesst mit sanftem, lautlosem Selbstvertrauen nach vorne und zieht meine Gesichtszüge immer wieder in ein Grinsen. Ampel-Spielereien machen Spass, aber die flache Drehmomentkurve des EV6 bedeutet auch, dass er bei einem kurzen Einfädeln an einer Auffahrt oder einem schnellen Überholen bei Autobahngeschwindigkeit genauso reaktionsschnell ist. Meine Praxis ist jedoch nicht im SPORT oder NORMAL-Modus, sondern gerne auch im ECO-Modus, was im heutigen Verkehr vor allem in der Schweiz vollauf genügt, um zu schnell unterwegs zu sein.

 

Die mechanisch, adaptiven Dämpfer von ZF-Sachs gefallen mir weit besser, als manche Luftfederungen und es wundert nicht, dass nach Maserati und einigen Mercedes AMG-Modellen nun erstmals solche Dämpfer in Grossserienfahrzeugen zu finden sind, die dem eher sportlichen Publikum zu gefallen wissen. Aber auch Bodenwellen und kurze Schläge verkraftet der Wagen problemlos und ohne Wanken. Dass es bis zum Rücken durchkommen soll, das kann ich nicht unterschreiben. Da hat eben das Team um Albert Biermann mit seinen 30 Jahren Erfahrung als Leiter von BMW M Sport ganze Arbeit geleistet. Da ich einige dieser Autos auch persönlich kannte, fiel mir einzig das hohe Gewicht von rund 2105 kg auf, dass aber die montierten Continental Reifen gut verkraftet haben, ebenso wie die standfeste Bremsanlage.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Fährt sich wie eine Klasse kleiner oder ein typischer M BMW
  • - Die Grösse des Wagens ist nicht zu unterschätzen

Komfort

5.0 von 5

Der EV6 AWD ist eine sportliche GT-Limousine oder wenn Sie wollen, ein Crossover wie der Audi e-Tron GT oder sein Technikgeber, der Porsche Taycan. Der Einstieg war anfänglich etwas unbequem wegen der breiten Seitenschweller, die man sonst nur von Sportwagen kennt. Warum ich diese beiden Fahrzeuge nenne, hängt damit zusammen, dass der EV6 AWD schon in der normalen Version gut mithalten kann, wenn man bedenkt, dass er ausstattungsbereinigt lediglich einen Drittel so viel kostet. Nimmt man gar den GT mit 585 PS (ab 2023 lieferbar) so ist von der Technik her kaum mehr ein Unterschied und natürlich haben ja alle die führende 800 Volt-Technik verbaut, was auch kein Zufall ist. Im Komfort macht sich also höchstens der etwas wertigere Eindruck der Premium-Fahrzeuge bemerkbar, was etwa auch für den EQE350+ gilt. Die Materialwahl ist ökologisch klug durchdacht und sehr angenehm. Einzig auf den Klavierlack hätte man verzichten können, wenigstens sind aber die ausreichend grossen Displays vor dem Fahrer nicht so offensichtlich empfänglich für fettige Fingerabdrücke, wie etwa bei den genannten Mitbewerbern und natürlich ist ein HUD serienmässig an Bord. Als alter Fahrer mit 54 Jahren Praxis ist der Kia im Vergleich das Fahrzeug, dass am intuitivsten zu bedienen ist und noch viele Druck- und Drehknöpfe hat, auf die ich nicht verzichten möchte. Mit 1.73 und 1.56 m finden ich und meine Frau eine ideale Sitzposition, bei Ihr könnte der Sitz notfalls auch per kurzem Tastendruck oder Programm zum Ein- und Ausstieg zurückfahren. Die Ambient-Beleuchtung ist natürlich grosses Kino und wir spielen viel damit herum, ganz nach Lust und Laune. Nötig ist sie aber nicht! Wir brauchen auch keine Spiele an Bord und Furzen muss der Wagen auch nicht können, dafür genügen dezente Aussengeräusche (EU-Vorschriften von Verblödeten, denn Blinde achten nicht auf Motor- sondern eher Abrollgeräusche). Rückwärtsfahren verursacht das gewohnte Geräusch bei LKW, was ich sehr schätze, denn so läuft niemand in die Gefahrenzone. Viele Tester monierten zwar bisher, dass die Koreaner zu viele Geräusche machen würden, was ich aber nicht für richtig halte. Dort wo nötig, aber nicht zu viel! Es geht ja meist um die Sicherheit; Ihrer und die der anderen!

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + In meinem Gesamtpaket ist die Wärmepumpe drin
  • - Ladeplanung noch nicht ganz auf dem Stand von Tesla

Emotion

4.5 von 5

Das Styling scheint mir klar von früheren Lancia und Jaguar beeinflusst, die Autos von zeitloser Eleganz und Sportlichkeit schufen. Der EV6 wird bestimmt zu so einer Ikone, welche die einen hassen und andere ganz besonders lieben. Für mich ist klar, eines der schönsten Autos aus meiner Geschichte eines halben Jahrhunderts Automobil und perfekt passend zu unserem Peugeot RCZ R (ohne festen Spoiler) - wo Peugeot wohl erstmals in der Geschichte ein Concept Car wirklich bei Magna in Graz gebaut hat. Die Hyundai-Group hat beim Design voll zugeschlagen und macht endlich Schluss mit langweiligen SUV-Kisten, die kaum mehr zu unterscheiden sind und wo die Marken beliebig aufgeklebt werden könnten und niemand würde es merken. Ich denke dass der Zeitgeist sich gerade ändert und Kunden wieder individuellere Fahrzeuge haben möchten, zumindest diejenigen, welche sich überhaupt solche Autos noch leisten können. Wie vorher im Vergleich bemerkt, sind es doch immer noch in der Schweiz mit allem 70'000 Franken.

Galerie
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Keiner hat das von Kia erwartet
  • - Vorurteile gegenüber der Marke, die nicht berechtigt sind

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Zur Zeit der beste Gegenwert und von den TCO (Gesamtkosten für Betrieb und Unterhalt) fast unschlagbar. Ein Fahrzeug für Individualisten und nicht die Masse, dafür ist es zu gross und auch an der oberen Preisgrenze (zumindest für unsere Geschäftswagen). Allerdings muss man aber fairerweise berücksichtigen, dass auch nur annährend vergleichbare Produkte zwischen doppeltem und dreifachem Preis pendeln. Es sind nicht einzelne Spitzenwerte, die den Wagen auszeichnen, sondern der perfekte Mix, der im Alltag zum Tragen kommt. Der EV6 ist jenseits von Langeweile und traurigem Durchschnitt, was eine Vielzahl von klugen Details deutlich macht. Da haben die Besten von hier junge Ingenieure motivieren können, das Beste zu geben!

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer ein Markengläubiger ist - wie ich einst - der wird die Ringe, sogar einen der aktuell hässlichen Schweinenasen oder den Stern natürlich vermissen. Bei uns im Golfclub sind aber sowieso nur noch S3XY-Autos angesagt und da fällt ein KIA EV6 auf. Wer das also nicht mag, darf sich aber auch keinen IONIQ 5, 6 oder Genesis GV60 kaufen. Wer wenig kommunikativ ist, sollte dies sowieso nicht tun, denn wo man steht kommen Fragen zum Auto oder werden Fotos geschossen. Wer also lieber in der Masse stirbt ist hier falsch! Das ist definitiv nicht mehr der Billig-Kia mit 7 Jahren Garantie, obwohl es diese immer noch gibt!

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 0

10.02.2024 12:14    |    Andreas4

Schön, daß Dir das Auto auch so gut gefällt und weiter gute Fahrt sowie gute Erfahrungen.

Als Test taugt Dein Erfahrungsbericht allerdings nicht, zuviel Lobhudelei und die eine oder andere Schwäche hat das Auto nun doch.

 

Das total unlogisch agierende Schließsystem samt der (im Idealfall) bündig abschließenden Türgriffe ist ein Schildbürgerstreich sondergleichen und die Scheinwerfer sind auch nicht gerade als Musterbeispiel lichttechnischer Ingenieurskunst anzusehen, zu schwache und zu streifige Ausleuchtung, kein Nebellicht, kein Kurvenlicht, schwach.

 

Ich wußte aber vor dem Kauf davon und akzeptiere das, ein gutes Gesamtpaket ist das Auto aber trotzdem und vom Styling her gibt es keine Alternative. ??

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