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BMW 5er F10 520d Test

27.06.2016 13:12    |   Bericht erstellt von Anaxarch

Testfahrzeug BMW 5er F10 520d
Leistung 184 PS / 135 Kw
Hubraum 1995
HSN 0005
TSN ATE
Aufbauart Limousine
Kilometerstand 36000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 4/2014
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von Anaxarch 4.0 von 5
weitere Tests zu BMW 5er F10 anzeigen Gesamtwertung BMW 5er F10 (2010 - 2016) 4.5 von 5
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Einleitung

Habe das Fahrzeug als Halbjahreswagen mit 11.261km übernommen. Es war 18 Monate und ca. 25.000km in meinem Besitz.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Platz

 

Man hat sehr viel Platz als Fahrer und es erschließen sich einem geradezu unendlichen Weiten vom Fahrersitz aus. Das Raumgefühl ist phänomenal, in jedem Passat kommt man sich nach längerer Fahrt im 5er erst einmal beengt vor. Die sehr breite und von der Polizei in ihren Dienstfahrzeugen kritisierte Mittelkonsole lädt zum bequemen Faulenzen ein, der rechte Arm ist hier sehr gut aufgehoben. Der Kofferraum ist riesig und schluckt wahlweise viele Koffer, den Großeinkauf oder das Rennrad/die Golftasche ohne Probleme.

Einschränkungen ergeben sich für die Mitfahrer auf den Rücksitzen. Durch die Menge an Raum, die durch die Komfortsitze auch in der Tiefe eingenommen wird, schmilzt der Fußraum auf Golfklasseniveau. Sitzen kann man aber hier natürlich trotzdem noch sehr gut.

 

PRO - Qualität

 

Auf eine ansprechende Haptik hat BMW im F10 viel Wert gelegt. Das Sportlederlenkrad fühlt sich wertig an und ist eine gute Alternative zum sich noch wertiger anfühlenden M-Lenkrad. Die Schaltwippen sind ebenfalls eine Empfehlung für alle, die gerne schöne Dinge berühren und anschauen (einen besonderen Mehrwert für die Fahrt konnte ich bei den Wippen jedoch nicht ermitteln). Die Keramikapplikationen verstärken den Qualitätseindruck beträchtlich, Schalthebel und IDrive-Controller profitieren besonders davon.

Auch knarzt im Innenraum bei schlechter Wegstrecke kaum etwas. Schlaglöcher werden zwar vernehmlich an die Insassen weitergegeben, die bekannten Tempo30-Balken kann man aber z.B. bedenkenlos mit 50 überfahren, ohne Rückenleiden befürchten zu müssen. Man sollte dies aber natürlich nicht machen, da Tempo30-Zonen selbstverständlich auch dazu gedacht sind, dort auch 30 zu fahren.

 

 

KONTRA - Qualität

 

Was ein wenig stört, ist das Klappern des Gurtschlosses vom Beifahrer. Verlässt dieser das Fahrzeug und man setzt allein die Fahrt fort, hängt der Gurt fast immer so, dass das Gurtschloss während der Fahrt an den Sitz schlägt. Man muss dann immer umständlich den Gurt korrekt einfädeln, was sich durch eine gelenkte Gurtführung sicher beheben lassen müsste. Leichte Knarzgeräusche ergeben sich auch durch die hochgezogenen Sonnenrollos an den Seitenfenstern, was aber wirklich minimal ist.

Größere Sorgen hatte ich mit dem Fahrersitz. Das Luftpolster für die Lehnenbreitenverstellung haben sich bei Fahrtantritt nur noch mit einem nervenaufreibenden Geräusch aufgeblasen und mussten (im Rahmen der Garantie kostenlos) getauscht werden. Auch hat der Sitz im normalen Fahrbetrieb nach dem Tausch nervige Töne von sich gegeben, die durch den Einsatz von Filzumrandungen an den Steckverbindungen zwischen Sitzverkleidung und Sitz behoben werden konnten.

Ist die Leistung der Sitzheizung super, kann ich die aktive Sitzbelüftung nicht empfehlen. Die Kühlleistung ist selbst bei höchster Stufe nicht merkbar. Nur beim Tragen eine leichten Shirts kann man etwas merken, wenn man sich nach vorne beugt und den Rücken knapp über der Oberfläche der Rückenlehne in Höhe der Ventilatoren hält. Ich war wegen der mangelnden Kühlleistung ebenfalls beim Freundlichen, der aber mitgeteilt hat, dass dies normal sei. Als die aktive Sitzbelüftung dereinst im 7er eingeführt worden ist, hätten sich viele betagte Kunden über die starke Kühlung und damit einhergehende Rückenschmerzen beschwert, weswegen man die Leistung der Kühlung dann erheblich abgeschwächt hat. Für mich sehr enttäuschend.

Mein Eindruck ist zudem, dass durch die Lüftungslöcher im Leder dieses eine verstärkte Neigung zum Faltenwurf hat. Der Sitz im Vor-LCI F10 war zudem deutlich bequemer. Alles in allem ein klares Nein zur aktiven Sitzbelüftung.

 

Die Übersichtlichkeit ist, auch ohne die vielen Kameras, für ein Auto dieser Größe hervorragend.

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Langstreckenkomfort, Ergonomie, Haptik
  • - Platzangebot im Fußraum hinten, Aktive Sitzbelüftung

Antrieb

3.5 von 5

War ich am Anfang der gemeinsamen Zeit noch davon überzeugt, dass 184 PS schon reichen werden, muss man hier nach der gemeinsamen Zeit ein wenig differenzieren. Für den entspannten Gleiter, der nicht oft schnell auf der Bahn unterwegs ist und der auf Landstraßen nicht oft überholt, reicht der Wagen vollkommen aus. Auch von 0-60 zieht der Wagen ganz gut ab. In bestimmten Überholsituationen oder auf der Bahn jenseits der 140 fühlte ich mich aber bisweilen untermotorisiert.

 

Die bekannt tolle Automatik verrichtet ihren Dienst tadellos.

 

Auch der Verbrauch mit diesem Dickschiff ist einfach super, der Tank ist ordentlich dimensioniert. So lag mein Rekord mit einer Tankfüllung bei 1347 Kilometern, was einem Durchschnittsverbrauch von 5,0l (laut BC) entspricht. Bei normaler Fahrweise sind 5,6l im Schnitt realistisch. „Krachen lassen“ kann man es mit einem 520d sowieso eher nicht, bei „rasanter“ Fahrt wirkt der Motor sehr bemüht und quittiert den „Bleifuß“ mit Verbräuchen knapp unter 7,0l. Richtig Freude kommt dabei aber nicht so recht auf, sodass einen der kleine Diesel eher zum entspannten Gleiten animiert, was durchaus auch seinen Reiz haben kann.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Verbrauch, Antritt (0-60 km/h), Automatik, Reichweite
  • - Durchzug oben rum (ab 90 km/h) schwach

Fahrdynamik

4.5 von 5

Unbedingt empfehlenswert ist die Intergral-Aktivlenkung. Damit ist der Wagen insgesamt sehr viel wendiger und lässt sich auch auf engen Räumen gut bewegen (gibt es nicht in Verbindung mit X-Drive!).

 

Ansonsten gibt es BMW-typisch nichts zu meckern. Das Fahrzeug fährt auf ganz hohem Niveau.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Mit IAL sehr wendig, sehr direktes Lenkverhalten
  • - Bedingt durch die Größe des Fahrzeugs großer Wendekreis

Komfort

4.5 von 5

Der F10 hat seine Stärken ganz klar im Langstreckenkomfort. Der Wagen rollt (auf Goodyear Eagle F1 Reifen ohne Run Flat) wunderbar leise ab, Windgeräusche gibt es kaum und man kann während der Fahrt wunderbar entspannen bzw. sich gepflegt unterhalten. Wenn man den automatischen Abstandstempomat hat und es gerade nicht regnet (siehe Gesamtfazit), dann gibt es wahrscheinlich wenige Autos, mit denen man vergleichbar komfortabel auf die Reise gehen kann.

An nette Spielereien wie Soft-Close, den Komfortzugang und die automatisch schließende Heckklappe gewöhnt man sich schnell. Diese erhöhen den komfortablen Eindruck noch einmal deutlich. Auch die Fensterheber schließen erfreulich zügig.

Ein Komfortgewinn ergibt sich auch aus der Anordnung aller Bedienelemente. Diese liegen so in Reichweite des Fahrers, dass sich dieser nicht sonderlich anstrengen muss, um alle Schalter zu erreichen. Eine Ausnahme stellen die Assistenzsysteme dar: Will man das Night Vision aktivieren, muss man sich um das Volant herum beugen. Oder man tastet sich die Schalter entlang und drückt dann den Knopf, was aber dazu führt, dass man den Knopf für das Head Up Display oder einen der anderen Assistenten erwischt, falls man die Anordnung noch nicht auswendig gelernt hat.

Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sehr leise, sehr intuitiv bedienbares Fahrzeug
  • - Platzangebot im Fußraum hinten, Aktive Sitzbelüftung

Emotion

4.0 von 5

Der F10 nach dem LCI steht auch kurz vor der Ablösung super da. Es gibt kaum eine Limousine, die ihm optisch das Wasser reichen kann. Ich habe mich immer wohl mit ihm gefühlt und das Fahrzeug gerne angeschaut. Shadow Line in Verbindung mit Pianolack und Keramikapllikationen sind in meinen Augen eine wunderschöne Kombination, wenn alles gepflegt und ohne Schlieren ist. Leider hat diese Kombination auch Nachteile.

 

Bei mir waren also die Pianolackleisten verbaut. Sind diese ein echter Augenschmaus, kann ich diese insgesamt jedoch nicht weiterempfehlen. Zwar ist die Optik unvergleichbar, doch siehst du wirklich jedes Staubkorn und kannst dieses nicht einfach mit einem Lappen oder (noch Schlimmer) mit dem Ärmel oder der Hand wegwischen. Eine Folge dieses frevelhaften Verhaltens ist ein nur mit högschtem Pflegeaufwand zu entfernender Streifen auf den Interieurleisten. Zum Glück durfte ich zu 98% allein mit dem Wagen unterwegs sein. Nicht auszudenken, was der Fahrer eines F10 mit diesen Leisten im Fahrgemeinschafts- oder Großfamilienbetrieb für Qualen zu durchleiden haben muss.

Der Schalthebel mit Keramikapplikationen ist ebenfalls super schön anzuschauen und liegt sehr gut in der Hand, ist aber ebenfalls ein unvergleichbarer Magnet für Fingerabdrücke und Staub. Wer hier viel weniger Sorgen haben möchte, nimmt die Leisten in Alu längsschliff oder Hexagon (beim M- Paket).

Auch eine Außenreinigung ist für mich als Handwäscher kein Vergnügen gewesen. Die schiere Größe des F10 verlangt dem geneigten Autofreund einiges an Zeit ab.

Galerie
Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Sehr schicke Limousine, Design auch kurz vor Modellwechsel attraktiv
  • - Temperament (ließe sich durch größeren Motor steigern)

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 200-300 Euro
Verbrauch auf 100 km 5,0-5,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Gebrauchtwagengarantie 12 Monate
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 26639
Vollkasko 400-600 Euro 30%

Gesamtfazit zum Test

  • + Sehr komfortable Reiselimousine mit viel Platz
  • + Sehr intuitiv bedienbar
  • + Verbrauch bei defensiver Fahrweise
  • - 520d ein wenig schwach
  • - Einige teure Ausstattungsoptionen sind anfällig für Störungen
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Der 520d ist ein super Auto, das kaum Wünsche offen lässt. „Volle Hütte“ ist auch ganz nett, aber alles braucht man wirklich nicht, da es in der gebotenen Form auch nicht immer vollumfänglich funktioniert. Das weiß man aber eben immer erst, wenn man es auch monatelang genutzt hat. Eine Probefahrt reicht für ein solides Urteil nicht aus.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Nicht empfehlen kann ich das Fahrzeug wirklich nicht, aber eine Anmerkung zu den Assistenten sei mir an dieser Stelle gestattet:

 

Unendlich genervt hat der Spurhalteassistent und war unmittelbar nach Antritt der Jungfernfahrt für den Rest der 18 Monate ausgeschaltet. Geschätzt habe ich vor allem den Totwinkelassistent und natürlich das unverzichtbare Head Up Display (würde nie wieder einen BMW ohne nehmen). Zwiespältig stehe ich dem Notbremsassistenten gegenüber. Dieser greift bisweilen sehr früh ein und bremst z.B. bei eingeschaltetem Abstandsregeltempomat auch bei vor einem in ausreichend weit entferntem Abstand abbiegenden Fahrzeugen stark ab, auch wenn diese schon lange abgebogen sind. Auch bei Fahrten auf der Autobahn kam es zu Irritationen, etwa wenn man mit Tempomat auf der rechten Spur fährt und Leute einen auf dem Beschleunigungsstreifen rechts überholen und dann vor einem einscheren. Auch hier wird unverständlicherweise und unvorhersehbar stark abgebremst.

In Verbindung mit dem Tempomat ist man auf gutes Wetter angewiesen. Bei Nieselregen oder Nebel, bei stärkerem Regen oder Schneefall quittierte die Abstandsregelung sehr oft ihren Dienst und man musste wieder manuell bremsen. Night Vision funktioniert auch nur bei guter Sicht. Beschlägt die Kamera durch Feuchtigkeit (Nebel reicht schon), kann man kaum noch etwas erkennen. Für das aufgerufene Geld ist diese eingeschränkte Nutzbarkeit eigentlich nicht zu akzeptieren.

 

Kurz: Wirklich empfehlen kann ich nur Head Up Display und den Totwinkelassistenten, da dieser die Sicherheit erhöht und Unfälle durch übersehene Fahrzeuge im toten Winkel reduziert. Der Notbremsassistent verhindert ebenfalls Unfälle, vor allem wenn man abgelenkt ist oder unvorhergesehene Dinge passieren. Allerdings sollte noch ein wenig an der Feinjustierung gearbeitet werden.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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