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Faktencheck: Stickoxid, Ozon, Feinstaub und Kohlendioxid - Unsere Abgase und ihre Inhaltsstoffe

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An Autoabgasen sterben in Deutschland nach Forscherangaben mehr Menschen als an Verkehrsunfällen. Doch welche Stoffe kommen aus dem Auspuff und wie gefährlich sind sie?

Einige Autoabgase schädigen die Gesundheit, andere das Klima oder die Natur Einige Autoabgase schädigen die Gesundheit, andere das Klima oder die Natur Quelle: picture alliance / dpa

Berlin - Einige Autoabgase schädigen die Gesundheit, andere das Klima oder die Natur. Der VW-Skandal hat lungenschädliche Stickoxide in die Schlagzeilen gerückt, die fast ausschließlich menschengemacht sind. Doch es gibt Techniken, die den Schadstoffausstoß verringern, so dass die Autos diverse Grenzwerte einhalten können.

In Deutschland sterben jährlich rund 7.000 Menschen durch Abgase aus dem Straßenverkehr, schreiben Forscher im Fachjournal "Nature" vom September. Demnach sterben hierzulande daran etwa doppelt so viele Menschen wie an Verkehrsunfällen.

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker. Die Subtanzen können auch Herz- und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter und führen zur Überdüngung sowie Versauerung der Böden.

Seit 1990 sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs leicht gestiegen Seit 1990 sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs leicht gestiegen Quelle: picture alliance / dpa

Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sich NOx mit einem Drei-Wege-Katalysator in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer Reste an NOx übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger - er gelingt etwa durch Einspritzung einer Harnstofflösung in den Abgasstrom.

Unter den Stickoxiden ist nur das Lachgas (Distickstoffmonoxid/N2O) bedeutend für den Treibhauseffekt. Es schadet in den vorliegenden Konzentrationen der Gesundheit nicht. Lachgas stammt vor allem von Feldern mit viel künstlichem Stickstoffdünger. Das derzeit bedeutendste NOx ist das Stickstoffdioxid (NO2).

Grenzwerte für Luft und Auto

"Stickstoffdioxid (NO2), das vor allem aus KFZ-Abgasen stammt, entwickelt sich zum Schadstoff Nummer eins", schreibt das Umweltbundesamt (UBA). 2014 überschritt demnach die NO2-Konzentration an mehr als der Hälfte der Messstationen an stark befahrenen Straßen den Jahresmittel-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dann müssen Behörden mit Luftreinhalteplänen für eine NO2-Verminderung sorgen. Zudem kann die EU-Kommission ein so genanntes Vertragsverletzungsverfahren einleiten, das zu Strafzahlungen führen kann. Derzeit läuft laut UBA gegen Deutschland ein solches Verfahren wegen Überschreitung des Jahresgrenzwertes. Auch Bürger können Behörden auf Einhaltung der Grenzwerte verklagen.

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro Kilometer (mg/km) für Diesel- und 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich und die Vorschriften können je nach Bundesstaat abweichen.

Ozon-Belastung

NOx bilden bei Sonnenlicht zusammen mit organischen Substanzen und Sauerstoff Ozon. Da der Autokatalysator und entsprechende Techniken in Kraftwerken zur Reduktion von NOx in der Luft führten, haben auch die Ozonspitzenwerte abgenommen. Die durchschnittliche O3-Belastung nahm jedoch zu - vor allem weil Autos weniger Stickstoffmonoxid (NO) ausstoßen und dies nachts Ozon abbaut. Ozon reizt Schleimhäute, Augen und Lungen. Es kann zu Atemwegsbeschwerden führen. Besonders gefährdet sind wie bei NO2 Asthmatiker, aber auch Arbeiter sowie Sportler im Freien und Kinder mit ihrem hohen Stoffumsatz.

Erreicht die Ozon-Konzentration eine Stunde lang 180 Mikrogramm oder mehr pro Kubikmeter Luft, müssen Landesbehörden etwa über Radiosender die Menschen darüber informieren und angeben, was zu tun ist. So sollten Menschen, die empfindlich auf Ozon reagieren, auf anstrengende Tätigkeiten im Freien verzichten. Ab der Alarmschwelle von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter gilt dies für die gesamte Bevölkerung.

Die Städte ermitteln mit  Messgeräten zur lufthygienischen Überwachung unter anderem den Feinstaubanteil in der Luft Die Städte ermitteln mit Messgeräten zur lufthygienischen Überwachung unter anderem den Feinstaubanteil in der Luft Quelle: picture alliance / dpa

Feinstaub

Diese winzigen Partikel entstehen entweder direkt in Automotoren, Kraftwerken, der Industrie oder beim Zigarettenrauchen oder indirekt durch Stickoxide und andere Gase. Die feinen Partikel gelangen in die Lunge und dringen sogar in den Blutkreislauf ein. Sie können zu Entzündungen der Atemwege führen, aber auch zu Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß war insbesondere in der DDR sehr hoch und ist in Deutschland seit 1985 deutlich gesunken.

Viele Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken. In diese dürfen nur Autos mit grüner (selten auch gelber) Plakette fahren. Die Umweltzonen seien ein wichtiges Instrument gewesen, um Feinstaub in großen Städten zu verringern, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger vor einiger Zeit.

Die Grünen Plaketten zielten vor allem darauf ab, die Feinstaubemissionen zu senken. Momentan bereitet nach UBA-Angaben besonders der NO2-Ausstoß Probleme. Hier helfen die bisherigen Plaketten laut UBA wenig, da Diesel-Pkw auch mit einer grünen Plakette noch erhebliche Mengen an Stickoxiden emittieren.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach UBA-Angaben rund 17 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland - hier spielt Kohlendioxid die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und einen stark zunehmenden Transport per LKW. So sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen.

Im Jahr 2015 müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer erreichen. Im Jahr 2020 sind dann nur noch 95 Gramm erlaubt. In den USA liegen die CO2-Grenzwerte höher. Die Vorgabe der US-Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 Gramm pro Kilometer vor. Bis 2025 sinkt dieser Grenzwert sukzessive auf rund 89 Gramm pro Kilometer.

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