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Fahrtechniktraining Nordschleife (Jaguar): Eindrücke, Preise - Ein Tag reicht höchstens für das "Hier-Gefühl"

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Jeder kennt die Nürburgring-Nordschleife. Aber die wenigsten so richtig. Wie Ring-fit kann man an einem Tag werden? Wir fanden es bei einem Fahrtechniktraining heraus.

MOTOR-TALK-Redakteur Sven Förster vor dem Trainingsfahrzeug: Einem Jaguar F-Type in der Top-Ausführung SVR: 575 PS aus einem V8 mit 5,0 Litern MOTOR-TALK-Redakteur Sven Förster vor dem Trainingsfahrzeug: Einem Jaguar F-Type in der Top-Ausführung SVR: 575 PS aus einem V8 mit 5,0 Litern Quelle: Jaguar Land Rover

Nürburg - 73 Kurven. 33 nach links, 40 nach rechts. Gut kenne ich davon noch keine einzige, was bedeutet: mit Brems- sowie Einlenkpunkt und Namen. Hier am Nürburgring trägt jede Kurve ihren Namen. Nicht eine Kehre und so gut wie keine Welle blieb in der mehr als 90-jährigen Geschichte der Rennstrecke anonym. Aber wo Wippermann und Fuchsröhre genau liegen, was das Schwedenkreuz vom Klostertal unterscheidet? Ein bisschen was schnappt man immer irgendwo auf. Wenn es rumpelt, bin ich wohl auf den aneinandergereihten Betonplatten des Karussells. Wenn im Augenwinkel viele gezückte Smartphones erscheinen, befinde ich mich irgendwo in der Nähe des Zuschauerpunktes am Brünnchens.

Für eine erfolgreiche Fahrt auf dieser Strecke reicht so oberflächliches Wissen nicht. Und das Wissen um das beständige Faninteresse trägt nicht zur Entspannung bei. Jeder Fahrfehler auf der Nordschleife findet verlässlich den Weg ins Netz. Ein mindestens 141.500 Euro teurer Jaguar F-Type SVR, der sich aus seiner geführten Gruppe hinaus in die Leitschiene verabschiedet? Die Aufnahme ginge in einschlägigen Kreisen viral. Erster erwarteter Kommentar: „Da hat sich wohl jemand vorab nicht mit der Strecke beschäftigt.“

Praktisch keine Vorkenntnisse

Die Streckenbesichtigung erfolgt in gemütlichem Tempo. Mit gelegentlichen Stopps. Hier: Topografie-Erkundung im Karussel Die Streckenbesichtigung erfolgt in gemütlichem Tempo. Mit gelegentlichen Stopps. Hier: Topografie-Erkundung im Karussel Quelle: Jaguar Land Rover Stimmt ja auch, in meinem Fall. Einmal war ich hier, für eine Runde. Definitiv zu wenig. Klar man kann im Netz Onboard-Videos studieren und auf der Playstation die Nordschleife auswendig lernen. Während der Streckenbesichtigung bereue ich das fehlende Fernstudium ein wenig. Zumindest die engeren Passagen hätte ich mir gerne eingeprägt. Weniger, wie man sie fährt, als wo sich befinden. Auf mehr als 20 Kilometern Streckenlänge ähnelt sich vieles. Manchmal auch die Kurveneingänge von haarigen Passagen und Ecken mit „beinahe voll“-Charakter.

„Wir werden es in den ersten Runden gemächlich angehen“, tönt es aus dem Funkgerät im Getränkehalter. Das Tempo bestimmt Instruktor Dominik Schraml im ersten Auto. Er betet nicht jeden Brems- und Einlenkpunkt herunter. Das könnte sich sowieso kein Mensch merken. Es geht um Grundsätzliches: „Flüssig fahren, so ruhig und wenig wie möglich lenken. Außerdem die Linie immer mit Bedacht auf die nächste Kurve wählen.“

Das „Hier-Gefühl" stellt sich ein

Viele Informationen gibt der Instruktor über das Funkgerät. Die wesentliche wird nonverbal vermittelt: Die Ideallinie auf der Nürburgring Nordschleife Viele Informationen gibt der Instruktor über das Funkgerät. Die wesentliche wird nonverbal vermittelt: Die Ideallinie auf der Nürburgring Nordschleife Quelle: Jaguar Land Rover Oft wüsste man ohne das Vorausauto nicht einmal die Richtung dieser nächsten Kurve. Häufig nehmen Kuppen mir die Sicht. Meine laxe Vorbereitung ist im Schlepptau des erfahrenen Nordschleifen-Guides jedoch kein Problem. Freilich: Absolut sattelfest wird man in den folgenden, schnellen Runden längst nicht. Ein Tag reicht zum Erlernen der Schleife nicht aus. Was sich durch das kollektive Glühen einstellt, ist ein „Hier-Gefühl“. Wie in: „Ach ja, hier kann ich früh beschleunigen. Hier kommt gleich der Curb, den man in die Linie mit einbeziehen kann. Hier wird das Auto immer leicht.

Wie die Kombinationen nun exakt heißen, weiß ich gegen Ende des Tages immer noch nicht. Am Streckenrand stehen Namensschilder. Doch man ist zu schnell, um alle entziffern zu können. „Im Moment fahren wir übrigens knapp 220 km/h“ sagt Dominik über den Funk.“ Er weiß wohl: Man unterschätzt auf der Schleife an vielen Stellen den Speed.

Lohnt es sich?

MOTOR-TALK-Redakteur Sven Förster vor dem Trainingsfahrzeug: Einem Jaguar F-Type in der Top-Ausführung SVR: 575 PS aus einem V8 mit 5,0 Litern MOTOR-TALK-Redakteur Sven Förster vor dem Trainingsfahrzeug: Einem Jaguar F-Type in der Top-Ausführung SVR: 575 PS aus einem V8 mit 5,0 Litern Quelle: Jaguar Land Rover Gut, bei den meisten vergleichbaren Trainings verfügen die Leihfahrzeuge über weniger Dampf. Regulär bietet Jaguar die 3,0-Liter-Variante des F-Type als Leihfahrzeug. Und erhebt dafür ein Entgelt von 800 Euro – zusätzlich zur Trainings-Teilnahmegebühr von 1.250 Euro. Unser Topmodell SVR kostet für einen Tag 1.200 Euro. Ob die 575-PS-Variante mit 5,0-Liter-V8 die Sache spaßiger macht? Bestimmt, doch rein objektiv langt beim Erstkontakt mit dem Ring die 380-PS-Variante des Sportwagens allemal.

Neben Jaguar bieten auch andere Hersteller vergleichbare Trainings auf der Nordschleife. An jenem Tag waren Opel und Audi vor Ort, Porsche kurz zuvor. Günstig sind diese Trainings in keinem Fall. Aber lohnt es sich? Auf einer herkömmlichen Rennstrecke wäre der autonome Selbstversuch bei einem Trainingstag garantiert eine preiswerte Alternative zum geführten Bolzen.

Vor allem für Piloten mit etwas Erfahrung im Grenzbereich. Aber auf der Nordschleife haben Solisten vermutlich den längeren Lernprozess. Und garantiert das höhere Risiko. Für mich war es ein optimaler Beginn: Diese 73 Kurven sehen mich wieder. Irgendwann. Lieber früher als später.

 

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