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Toyota 2000 GT - Ein nicht-britisches James-Bond-Auto - Ein Star aus „Man lebt nur zweimal“

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In diesen Tagen rauscht der neue Bond über die Leinwände der deutschen Lichtspielhäuser. Ein filmisches Gewitter vom Bösen im Kampf gegen den personifizierten bösen Guten, gegen James Bond. Wir fuhren eine seiner heißesten Karren.

Der Toyota 2000 GT war James Bonds Filmauto im Streifen "Man stirbt nur zweimal" - allerdings als Cabrio Der Toyota 2000 GT war James Bonds Filmauto im Streifen "Man stirbt nur zweimal" - allerdings als Cabrio Quelle: Fabian Hoberg

Köln - Bei Spectre, dem neuen, wilden Bond-Streifen, bleiben Engländer unter sich. Ein Jaguar-Prototyp C-X75 jagt einen Aston Martin DB10, ebenfalls ein Einzelstück. Der britische Geheimagent steuert schon seit Beginn seiner Karriere im Jahr 1954 bevorzugt Autos englischer Herkunft. Doch nach Sunbeam Alpine, Bentley Mark IV und Aston Martin DB5 fuhr der Spion im vierten Film kein britisches Erzeugnis.

In „Man lebt nur zweimal“ ist Sean Connery 1967 als 007 gleich von zwei Schönheiten umgeben. Die eine heißt Aki und chauffiert den Charmeur. Die andere heißt Toyota 2000 GT und wird für den 1,89 Meter großen Schauspieler vom Coupé zum Cabrio frisiert. Anders hätte Connery nicht in das Auto gepasst. Nur eine der beiden Schönen erlebt das Ende des Films. Und nur einen Toyota GT 2000 gibt es heute noch als Cabrio. Er parkt im Toyota-Museum.

Mit Dach auf der Karosse hätte Sean Connery nicht in den Toyota 2000 GT gepasst Mit Dach auf der Karosse hätte Sean Connery nicht in den Toyota 2000 GT gepasst Quelle: Fabian Hoberg

Wir können bieder, wir können aber auch Sex

Doch auch das Coupé gilt als Rarität: Von den 351 gebauten Exemplaren (andere Quellen sprechen von 349 Autos) tragen 75 das Lenkrad auf der linken Seite. Davon fahren heute vielleicht noch 15 über Europas Straßen. Eines davon darf ich steuern.

Kaum einer kennt diesen 4,17 Meter langen Gran Turismo mit viel Sex-Appeal und dem typischen Stil schneller Karren der 70er-Jahre. Wer das Auto ansieht, der erkennt sofort, welche Botschaft Toyota mit dem 2000er-GT senden wollte: Wir können bieder, groß und zuverlässig, aber wir können auch Sex.

Dementsprechend sieht der 2000 GT aus wie das Ergebnis einer langen Garagennacht zwischen Jaguar E-Type und Ferrari 250 GTO: flach und gestreckt, mit langer, niedriger Haube, tiefen Leuchten und hoch liegenden Klappscheinwerfern. Glänzende, mittig angeordnete Doppelauspuffrohre runden das Bild ab.

Vom Coupé existieren in Europa geschätzt noch 15 Exemplare des Toyota 2000 GT Vom Coupé existieren in Europa geschätzt noch 15 Exemplare des Toyota 2000 GT Quelle: Fabian Hoberg Wie bereits erwähnt, rasierte Toyota dem 2000 GT eigens für den Film das Haupt ab. Die Verdeckabdeckung ist nur angedeutet. Bei einer wilden Verfolgungsjagd quer durch Tokio zeigen Auto und Fahrerin ihr Temperament. Funktelefon und Farbmonitor gab es in abgewandelter Form bereits im DB5.

Eine andere Art der Tuchfühlung

So groß das Coupé im Film aussieht, so klein ist es in Wirklichkeit. Mit Mühe zwänge ich mich zwischen Rahmen und Lenkrad in den tiefen Sitz des 1,17 Meter niedrigen Coupé. Im engen Fußraum reiben die Knie aneinander, die Unterkante des Armaturenbretts drückt auf die Kniescheiben. Der Dachhimmel streichelt zärtlich über meine Kopfhaut. Auch eine Form von Tuchfühlung.

Das Lenkrad aus Rosenholz will ich haben, die Wippschalter statt Blinker nicht. Schimmerndes Rosenholz umringt auch das Quintett der Rundinstrumente. Das Radio bietet Sendersuchlauf, die Antenne fährt elektrisch aus und der Musikinstrumenten-Bauer Yamaha wirkte bei der Entwicklung mit. Das Sound-Know-how floss auch in den Motorenbau.

Wie die Geheimwaffen von James Bond klappen beim Toyota 2000 GT die Scheinwerfer aus Wie die Geheimwaffen von James Bond klappen beim Toyota 2000 GT die Scheinwerfer aus Quelle: Fabian Hoberg Und so klingt der 2,0-Liter-Sechszylinder unter der langen Haube fantastisch. Die Basis für den Sechszylinder stammt aus der Limousine Crown. Nach einer kräftigen Überarbeitung verfügt er über Doppelnocker mit hemisphärischen Brennräumen und Duplexkette. Der Querstrommotor schlürft den Sprit aus drei Solex-Vergasern und leistet bei 6.000 Touren 150 PS – und das in einer Zeit, in der ein Porsche 911 S auf 160 PS kam.

Heiße Angelegenheit

Für den Export erhielt der Sechszylinder des GT nur eine Nockenwelle. Bei vollem Tritt auf das schmale rechte Pedal beschleunigt der Toyota in zehn Sekunden auf Tempo 100. Zur Prüfung tickt eine Stoppuhr im Armaturenbrett. Der große Tacho endet bei 240 km/h. In der Theorie soll dieser GT 220 Sachen schaffen. Aber wer so ein seltenes Gerät bewegt, der schont es meist. Auch ich. Immerhin ist der Wagen ein paar Jahre älter als ich (Baujahr 1973 zu 1968) und kostet rund eine halbe Million Euro.

Meine Fahrt im GT hat nichts, wirklich absolut nichts Bondhaftes. Außer dieser einen Sache. Mir wird warm, sogar heiß im Auto. Obwohl wir zwei durch Köln schunkeln statt über den Asphalt zu fliehen. Es liegt an der fehlenden Dämmung des Aggregats. Ohne diese dringt die Hitze des Motors ungekühlt ins Innere. Schwitzige Angelegenheit. Auch, weil dieser GT noch sein Dach besitzt.

Ein riesiges Lenkrad und jede Menge Holz Ein riesiges Lenkrad und jede Menge Holz Quelle: Fabian Hoberg Hinterm Nacken schmatzen die hinteren Stoßdämpfer, aus dem verchromten Doppelauspuff bollert es bei Zwischengas. Bei jedem Gangwechsel hilft ein Zwischenstep aufs Gas. Dann flutschen die fünf Gänge zart in der Box. Ab 2.500 Touren zuckelt das Coupé gemütlich, seine volle Kraft von 177 Newtonmeter entwickelt der Japaner erst bei 5.000 Touren.

Um das Gewicht niedrig zu halten, montierte Toyota Magnesium-Felgen – auch am Ersatzrad. Für eine schnellere Wartung von Luftfilter und Wischanlage sorgt eine Serviceklappe auf der langen Flanke. Gegenüber sitzt unter dem Deckel die Batterie – die Ingenieure nutzten jeden Winkel des Autos aus. Ergebnis: eine Gewichtsverteilung von 50:50. Auch hatte bis dato kein Toyota Scheibenbremsen rundum. Der GT besitzt nicht nur die, sondern auch Bremskraftverstärker, Einzelradaufhängung rundum und doppelte Dreieckslenker vorn.

Der 2000 GT stellt drei Weltrekorde auf

Der GT sollte ein Sportwagen sein, der Rekorde und Siege einstreicht und das Image der eher biederen Marke aufpoliert: Bevor Toyota 1967 die ersten Fahrzeuge an Kunden auslieferte, stellte der 2000 GT auf der Hochgeschwindigkeitsteststrecke von Yatabe drei Weltrekorde über 72 Stunden, 10.000 Meilen und 15.000 Kilometer auf.

Ein Blick in den Kofferraum des Toyota 2000 GT Ein Blick in den Kofferraum des Toyota 2000 GT Quelle: Fabian Hoberg Beim 1.000-Kilometer-Langstreckenrennen im japanischen Suzuka 1966 reichte es für die ersten beiden Plätze, ein Jahr später gewann der 2000 GT das 24-Stunden-Rennen von Fuji. Selbst V8-Liebhaber Carroll Shelby, Rennlegende und Vater der AC Cobra, setzte drei Toyota 2000 GT bei Rennen des Sports Car Club of America (SCCA) ein. 1968 siegte ein Auto beim Rennen in Laguna Seca, allerdings mit einem Rennmotor mit deutlich über 200 PS.

So etwas würde dem heutigen Bond nur ein romantisches Lächeln abverlangen. Wobei, bei Skyfall wurde auch der gute alte DB5 wiederbelebt. Teile davon erscheinen kurz in Spectre. Wie jeder Bond-Fan weiß: Es kommt nicht nur auf die Leistung an. Am Ende zählt, wer überlebt.

Technische Daten: Toyota 2000 GT

  • Motor: 2,0-Liter-Reihensechszylinder
  • Getriebe: manuelles Fünfgang-Getriebe
  • Leistung: 150 PS (110 kW)
  • Drehmoment: 177 Nm
  • 0 – 100 km/h: ca. 10 s
  • Vmax: 220 km/h
  • Verbrauch: ca. 13 l Super
  • Länge: 4,17 m
  • Breite: 1,60 m
  • Höhe: 1,11 m
  • Radstand: 2,33 m
  • Gewicht: 1.145 kg
  • Preis 1965: umgerechnet ca. 20.000 Mark
  • Preis heute: ca. 500.000 Euro

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