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Audi E-Tron, Mercedes EQC und Jaguar I-Pace: Meinungen zu den Elektro-SUVs - Drei elektrische SUVs im Messe-Check

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Plötzlich gibt es ein echtes Segment für Elektro-SUV: In Paris treffen Jaguar I-Pace, Mercedes EQC und Audi E-Tron erstmals aufeinander. Drei Redakteure, drei Meinungen.

Jaguar, Audi und Mercedes starten endlich ins Elektrozeitalter. Wer es am besten macht, darüber streiten sich zumindest unsere MOTOR-TALK-Redakteure Jaguar, Audi und Mercedes starten endlich ins Elektrozeitalter. Wer es am besten macht, darüber streiten sich zumindest unsere MOTOR-TALK-Redakteure Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de

Paris – Erst kam ganz lange nichts, dann plötzlich ganz viel. Innerhalb eines Jahres stellen drei europäische Hersteller rein elektrische SUVs vor. Mercedes EQC, Jaguar I-Pace und Audi E-Tron gibt es ausschließlich mit Elektromotoren, nicht mit Verbrennern. In Paris sind sie zum ersten Mal an einem Ort versammelt.

Für die drei Marken läuten sie eine neue Ära ein. Und sie mussten schnell entstehen, denn der Markt ist längst vorhanden. Das erfordert Kompromisse, bietet aber auch Chancen. Unsere Redakteure Fabian, Heiko und Constantin argumentieren für ihre Favoriten im Dreier-Duell.

Constantin über den Audi E-Tron: Elektrischer Raumriese

Der Audi E-Tron ist mit 4,90 Metern Länge das größte Auto in diesem Dreiervergleich Der Audi E-Tron ist mit 4,90 Metern Länge das größte Auto in diesem Dreiervergleich Quelle: Guido ten Brink | SB-Medien Ja, Audi kommt spät zur Party. Mercedes hat sein Auto vor einem Monat als Serienmodell vorgestellt, den Jaguar I-Pace gibt es schon zu kaufen. Trotzdem war der E-Tron ein schnelles Projekt. Im Januar 2015 begann die Entwicklung des Serienautos. Ende 2018 werden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert. Für einen trägen Konzern wie Audi oder Daimler ist das ein kurzer Sprint. Der EQC kommt erst Mitte 2019 zu den Händlern.

Für eine eigene Elektro-Plattform war die Zeit zu knapp. Aber Audi konstruierte das Verbrenner-Chassis so um, dass weitere Karosserieformen möglich sind. 2019 folgt der E-Tron Sportback. Jaguar wird für ein zweites Elektroauto länger brauchen, denn die Architektur des I-Pace ist nicht für Skalierungen ausgelegt.

Zurück zum E-Tron. Er ist in unserem Vergleich das größte Auto. Auf 4,90 Meter Länge bringt er ungefähr das Raumangebot eines A6 Avant unter. Im Fond bleibt sogar etwas mehr Platz. Seine beiden Konkurrenten steckt er locker in die Tasche, trotz Verbrenner-Proportionen mit langer Haube und langen Überhängen.

Technisch spielt er ganz vorn mit. Er lädt als erstes Serienauto mit bis zu 150 kW. Mit Wechselstrom sind beim Laden bis zu 22 kW möglich. Er übernimmt alle Assistenten und das Infotainmentsystem des Audi A7 und bekommt (optional) digitale Außenspiegel, die den Luftwiderstand reduzieren. Langfristig wird Audi Level-3-Autonomie nachrüsten.

Der Geräumigste unserer Kandidaten könnte unterm Strich außerdem der Günstigste werden. Audi setzt einen Basispreis von 79.900 Euro an und packt viel Ausstattung rein. LED-Lampen, Luftfahrwerk, Zweizonen-Klima, das große Navi und virtuelle Instrumente gibt es serienmäßig.

 

Audi E-Tron: Technische Daten

  • Motor: Elektromotor an Vorder- und Hinterachse
  • Gesamtleistung: 300 kW/408 PS
  • Drehmoment: 660 Nm
  • 0 – 100 km/h: 5,7 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (elektronisch begrenzt)
  • Akku: 95 kWh
  • Reichweite: mehr als 400 km laut WLTP (Homologation folgt)
  • Länge: 4,901 m
  • Breite: 1,935 m
  • Höhe: 1,616 m
  • Radstand: 2,930 m
  • Kofferraum: 660-1.725 l
  • Gewicht: knapp 2.500 kg
  • Basispreis: 79.900 Euro

Fabian über den Jaguar I-Pace: Verfügbares Leichtgewicht

Jaguar hat den I-Pace von Grund auf neu entwickelt. Eine Plattform, auf der sich weitere Modelle bauen lassen, ist es nicht Jaguar hat den I-Pace von Grund auf neu entwickelt. Eine Plattform, auf der sich weitere Modelle bauen lassen, ist es nicht Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Audi E-Tron und Mercedes EQC sehen schön aus. Aber wann kommen die auf den Markt? Eben. Den 4,68 Meter langen Jaguar I-Pace gibt es schon zu kaufen. Das kann man nicht oft genug sagen. Preis: 77.850 Euro. Das ist zwar viel Geld. Dafür gibt es aber 294 kW (400 PS) und 696 Newtonmeter Drehmoment aus zwei Elektromotoren.

Aus dem Stand sprintet der Jaguar innerhalb von 4,8 Sekunden auf 100 km/h. Ein Porsche 911 schafft das kaum schneller. Die Reichweite der 90-kWh-Batterie liegt nach WLTP bei 470 Kilometern – mehr als bei Audi oder Mercedes. Jaguar gibt einen Energieverbrauch von 21,2 kW/h pro 100 km an.

Umgewöhnen muss man sich beim Fahren nicht. Im Innenraum entfernt sich der I-Pace kaum von seinen Familienmitgliedern. Hinter dem dicken Lederlenkrad schauen Fahrer auf ein digitales Cockpit, in der Mittelkonsole sitzt ein Monitor für die Temperatur, darüber der Touchscreen unter anderem fürs Entertainmentsystem. Das Fach dahinter versteckt ein paar Kleinteile. Nettes Detail: die integrierten Ladesteckdosen für USB-Anschlüsse in der Rücksitzlehne der Vordersitze. Zusätzlich laden elektronische Geräte über Stromanschlüsse in der Mittelkonsole.

Mit einem Leergewicht von 2.208 Kilogramm wiegt der Jaguar zwar eine Menge, ist aber rund 300 Kilogramm leichter als E-Tron und EQC. Ein Grund dafür ist, dass der I-Pace auf keiner umgebauten Verbrenner-Architektur steht, sondern auf einer neu entwickelten, reinen Elektro-Plattform. Die ist zwar kaum skalierbar, dafür macht sie aber auch keine Kompromisse bei Gewicht und Verteilung der Akkus.

Außerdem setzt Jaguar als einziger der drei Hersteller auf sinnvolle Proportionen. Der Kürzeste im Vergleich kommt mit dem längsten Radstand und einer tollen Raumausnutzung. Hinten dürfte es etwas mehr Platz sein, zum Mitfahren reicht es allemal. Der beste Platz beim I-Pace ist vorne links, auf den weich gepolsterten Ledersitzen mit den breiten Sitzwangen. Und zwar nicht erst in ein paar Monaten, sondern schon jetzt.

Jaguar I-Pace: Technische Daten

  • Motor: Elektromotor an Vorder- und Hinterachse
  • Gesamtleistung: 294 kW/400 PS
  • Drehmoment: 696 Nm
  • 0 – 100 km/h: 4,8 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (elektronisch begrenzt)
  • Akku: 90 kW/h
  • Reichweite: 470 km laut WLTP
  • Länge: 4,682 m
  • Breite: 2,011 m
  • Breite mit Außenspiegeln: 2,139 m
  • Höhe: 1,565 m
  • Radstand: 2,990 m
  • Kofferraum: 638-1.453 l
  • Leergewicht: 2.208 kg
  • Basispreis: 77.850 Euro

Heiko über den Mercedes EQC 400: Der Service ist entscheidend

Mercedes plant den Marktstart des EQC für Mitte 2019 ein Mercedes plant den Marktstart des EQC für Mitte 2019 ein Quelle: Fabian Hoberg für mobile.de Man könnte es machen wie König Artus und der Schwarze Ritter in "Die Ritter der Kokosnuss": Einigen wir uns auf Unentschieden. Mercedes EQC, Audi E-Tron und Jaguar I-Pace liegen auf dem Papier so dicht beisammen, man möchte die Kartellbehörde anrufen. Um die 400 PS, rund 700 Newtonmeter Drehmoment, ein Elektromotor pro Achse, Allradantrieb mit Torque Vectoring – und natürlich die SUV-Form. Als hätten sie sich abgesprochen. War sicher nicht nötig. Die Zwänge sind für alle gleich.

Also kommt es auf Kleinigkeiten an. Zum Beispiel das Design. Mercedes kombiniert Klassik und Moderne gekonnt genug, dass der EQC niemanden verschreckt, dabei aber trotzdem eigenständig aussieht. Im Innenraum verteilt Mercedes hier und da neue Materialien (Armaturenbrett-Bezug), neue Formen (Lüftungsdüsen) und Farben (Kupfer) im grundsätzlich vertrauten Umfeld. Der Audi sieht innen und außen zu bekannt aus. Jaguar macht sich beim I-Pace die Tatsache zunutze, dass der nicht auf einer Verbrenner-Plattform basiert. Schön, aber nicht nachhaltig.

Und ja, der EQC kommt spät. Wenn er im Sommer 2019 startet, rollen Audi E-Tron und Jaguar I-Pace längst auf den Straßen. Nur: Wie oft? E-Mobilität ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenrennen. Mercedes kann auf der weiterentwickelten Verbrenner-Plattform schnell weitere Modelle nachschieben und flexibel auf die Nachfrage reagieren. Zugegeben, die Reichweite des EQC 400 ist mit 450 Kilometern nach NEFZ nicht üppig. Doch ohne genügend wirklich schnelle Ladesäuen reicht auch mehr oft nicht.

Bis Mitte nächsten Jahres sollte ein Großteil des Schnellladenetzes des Ionity-Konsortiums in Europa stehen. Dann geht es nicht darum, wer 400 oder 470 Kilometer schafft. Dann geht es nicht darum, wer mit 110 kW (Mercedes) oder mit 150 kW (Audi) laden kann. Dann geht es darum, ob das Auto die schnellste Route inklusive Ladestopps unter Berücksichtigung von notwendiger Ladedauer und Restreichweite berechnet. Mercedes hat dafür ein überzeugendes Konzept vorgelegt. Darauf kann man gerne ein bisschen warten.

Technische Daten: Mercedes EQC

  • Motor: Elektromotor an Vorder- und Hinterachse
  • Leistung: 300 kW (408 PS)
  • Drehmoment: 765 Nm
  • 0-100 km/h: 5,1 s
  • Geschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)
  • Antrieb: Allrad, Ein-Gang-Getriebe
  • Akku-Kapazität: 80 kWh
  • Reichweite, vorläufig: mehr als 450 km (NEFZ)
  • Verbrauch: 22,2 kWh/100 km
  • CO2-Ausstoß: 0 g/km
  • Gewicht: 2.425 kg
  • Anhängelast: 1.800 kg
  • Kofferraum: 500 l
  • Länge: 4,761 m
  • Breite: 1,884 m
  • Höhe: 1,624 m
  • Radstand: 2,873 m
  • Preis: n.a.
  • Marktstart: Mitte 2019
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