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Ein Gastkommentar zu Elon Musk - Der Traum-Mann

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Elon Musk ist Mr. Tesla, Milliardär und Visionär. Seine Ideen sorgen für Diskussionen, auch hier im Forum. Der Journalist Peter Ruch traf den Polarisierer und kommentiert.

Der Schweizer Journalist Peter Ruch traf Elon Musk zum Interview. Und kommentiert diese Begegnung bei MOTOR-TALK Der Schweizer Journalist Peter Ruch traf Elon Musk zum Interview. Und kommentiert diese Begegnung bei MOTOR-TALK

Der Schweizer Journalist Peter Ruch schreibt künftig regelmäßig für MOTOR-TALK. Er war unter anderem Chefredaktor der Schweizer Automobil Revue, bei der NZZ und ist Mitglied der Jury von Car of the Year. Mehr Texte von Peter Ruch findet ihr bei radical mag .

Höchstetten/ Schweiz - Ein Interview-Termin mit dem Milliardär, Hauptaktionär von Tesla, Visionär hinter der Raketen-Schmiede SpaceX, Initiant von Hyperloop , einer Art Luftkissen, die mit über 1.200 km/h die Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles in 35 Minuten überwinden sollen, irgendwann. Elon Musk kommt zu spät, er ist genervt, das Gespräch ein Krampf. Musk ist ein Besserwisser, er will die Welt retten, er will die Menschheit - natürlich ganz in seinem Sinne - verbessern; er hat etwas von einen Sektierer. Er beantwortet auch keine der Fragen, sondern leiert zumeist leeres PR-Geschwafel runter, gibt sich nicht einmal Mühe zu verbergen, dass er den Text auswendig kann. Und er hat da eine vielleicht etwas verschobene Realität, erzählt viel von den ihm wichtigsten Werten im Leben überhaupt, Familie, Kinder, Loyalität - und vergisst dabei zu erwähnen, dass er Gattin und jede Menge Kinder (5 sind es, alles Söhne) gegen das Hollywood-Sternchen Talulah Riley eingetauscht hat. Die ist aber, nach der auf Twitter vollzogenen Scheidung, auch bereits nicht mehr aktuell, derzeit geht Musk gerade mit Cameron Diaz aus. Milliarden machen anscheinend auch einen Technik-Nerd sexy.

Ein Zug, der unterirdisch mehr als 1.200 km/h erreicht. So stellt sich Elon Musk den Hyperloop vor Ein Zug, der unterirdisch mehr als 1.200 km/h erreicht. So stellt sich Elon Musk den Hyperloop vor Quelle: picture alliance / dpa

Der Mann mag keine Journalisten

Nein, Mister Musk hat kein Faible für Journalisten; die amerikanischen Medien, die es wagten, Tesla zu kritisieren, können davon ein Liedchen singen. Zusammen mit ihren Anwälten, die gegen teilweise abstruse Klagen ankämpfen mussten. Auch Käufer, die mit dem Tesla Roadster nicht ganz zufrieden waren, sind massiv eingeschüchtert worden; entsprechende Schriftstücke sind im Netz zu finden. Als der neue Tesla S in den ersten Testberichten die versprochene Reichweite bei Weitem nicht schaffte, ließ Musk ein riesiges Heer von Tesla-Fans aufmarschieren, die das Gegenteil behaupteten; die ganze Aktion hat ein starkes PR-Geschmäckle. Dabei wäre das doch gar nicht nötig - der Tesla S ist ein absolut überzeugendes Produkt, das den etablierten Herstellern die Tränen der Scham und Inkompetenz in die Augen treibt.

Einer, der ganz nach oben will, baut natürlich auch Raketen. Hier der Abschuss einer Space-X-Rakete Einer, der ganz nach oben will, baut natürlich auch Raketen. Hier der Abschuss einer Space-X-Rakete Quelle: Space X

Daimler und Toyota sponsern Tesla

Auch wenn Elon Musk mit Kritik nicht besonders gut umgehen kann: er hat Visionen. Und er verfügt über die Fähigkeit, diese sowohl durchsetzen wie auch, in der heutigen Zeit fast noch wichtiger, verkaufen zu können. Zwar hat er viel Geld bei Tesla eingesetzt, ist weiterhin Hauptaktionär, doch er fand auch potente Geldgeber, Daimler zum Beispiel, und auch Toyota. SpaceX, im gleichen Jahr gegründet wie Tesla, schreibt im Gegensatz zum E-Auto-Hersteller bereits schwarze Zahlen, obwohl die Idee, Raketen zu bauen und bald auch Raumschiffe für den Transport von Menschen und Gütern, um einiges wahnsinniger klingt. Doch SpaceX fliegt unterdessen für viel Geld Satelliten ins All, hat tatsächlich eine Raumkapsel entwickelt, die funktioniert und den Space Shuttle abgelöst hat (die NASA ist einer der besten Kunden von Musk) - und kann nun auch noch mit einer Träger-Rakete auftrumpfen, die nach dem Start nicht explodiert, sondern zur Erde zurückkehrt und wiederverwendet werden kann. Und dann ist da noch Hyperloop, eine Röhre zwischen San Francisco und Los Angeles, in der Luftkissen zwischen den beiden Städten hin- und herschießen; 2017 soll der Betrieb aufgenommen werden. Musk hatte da bloß die Vision, das Geld für die Entwicklung muss er nach dem Erfolg von SpaceX nicht mehr selber aufbringen.

Musk setzt auf Made in California

Musk lässt alles in Kalifornien produzieren - und wettert heftig gegen China, immer wieder. Und auch gegen Apple - den Vergleich seiner Person mit Steve Jobs empfindet er nicht als schmeichlerisch, sondern höchstens als gerechtfertigt. Er haut auch auf BMW, den i3 lacht er sogar aus, er sieht die Bayern nicht als Konkurrenz; Bescheidenheit mag eine Zier sein, doch Musk ziert sie nicht. «Die Menschheit braucht echte Lösungen», sagt er gern. Und nur er kennt sie, er benimmt sich, als ob er der Messias wäre. Zu diesem Verhalten, diesem Anspruch darf man durchaus geteilter Meinung sein.

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