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Historie und Ford Capri RS 2600 Fahrbericht - Der kleine Mustang für Europa

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Ende der 1960er kopierte Ford sich selbst und brachte das europäische Pendant zum Mustang: Der Capri traf ins Schwarze. Manche Modelle sind inzwischen begehrte Oldies.

Dieser Capri RS aus dem Bestand von Ford Deutschland ist ein beliebtes Fotomodell: Das 1971er Modell 2,6-Liter-V6 ist auf Oldtimer-Rallyes regelmäßig im Einsatz Dieser Capri RS aus dem Bestand von Ford Deutschland ist ein beliebtes Fotomodell: Das 1971er Modell 2,6-Liter-V6 ist auf Oldtimer-Rallyes regelmäßig im Einsatz Quelle: Ford

Köln - Deutschland Ende der 1960er: Im Wohnzimmer stand noch der Nierentisch, im Radio spielten sie Heintje, Peter Kraus oder Conny Froboess. Sonntags trug man Anzug und Krawatte. Doch die Jugend begehrte auf und zettelte eine Revolution an gegen das Spießertum, die selbst die Autohersteller erfasste.

Auch die Planer bei Ford in Köln sprangen auf den Zug auf und kamen mit dem Capri. Entwickelt wurde er seit Mitte der 1960er Jahre, die Produktion in Köln begann 1968, und seinen Einstand vor großem Publikum gab er im Januar 1969 auf der Motorshow in Brüssel.

Unschwer am Nummernschild zu erkennen: Ford Capri RS mit 2,6-Liter-V6-Motor Unschwer am Nummernschild zu erkennen: Ford Capri RS mit 2,6-Liter-V6-Motor Quelle: Ford Damit reagierte der Konzern nicht nur auf die wilde Stimmung, sondern vor allem auf den Absatzrückgang ab Mitte der 1960er. Ford kopierte in Europa ein Rezept, das in den USA bereits erfolgreich funktioniert hatte: den Ford Mustang. Genau wie das Ponycar aus Amerika sollte auch das europäische Pendant den bezahlbaren Sportwagen geben, der optisch etwas hermacht, schnell und vor allem kein bisschen spießig ist.

Selbst beim Namen orientierten sie sich am großen Bruder und planten das Coupé ursprünglich als "Colt". Es mag hierzulande an das berühmte Schießeisen erinnern, ist aber englisch für Fohlen. Dummerweise war Mitsubishi bei der Anmeldung schneller, und aus dem Nachwuchs des Mustang wurde deshalb kurz vor der Premiere eine Urlaubsinsel vor der Halbinsel von Sorrent in Italien.

Zwischen Sportwagen und Familienkutsche

Das Coupé weckte Emotionen und die Begierde nach Fahrspaß. Doch Ford rühmte den Zweitürer in der Werbung nach wie vor als Zwitter zwischen Sportwagen und Familienauto. Man gab sich betont bodenständig. Dazu passte die Basisversion mit einem mageren 1,3-Liter-Motor und mageren 50 PS Leistung.

Der RS bildete die Basis für den Einsatz des Capri im Motorsport Der RS bildete die Basis für den Einsatz des Capri im Motorsport Quelle: Ford Der brauchte nach Angaben des Ford Oldtimer und Motorsport Club Cologne stolze 22,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und war schon bei Tempo 133 km/h außer Atem. Doch dafür kostete der 1300er auch nur 6.995 D-Mark. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 T, der zwar schneller und stärker war, aber auch nicht viel mehr Aufsehen erregte, stand mit knapp 22.000 D-Mark in der Liste.

Der Vergleich mit dem 911 mag weit hergeholt erscheinen. Doch der Capri sah nicht nur sportlich aus, sondern ließ sich auch so fahren. Das bewiesen auf der Rennstrecke Heroen wie Niki Lauda, Jochen Mass, Hans-Joachim Stuck oder Walter Röhrl, die zu Beginn ihrer Karriere allesamt am Steuer eines Capri saßen. Im Fernsehen halfen TV-Helden wie "Die Profis" dem Capri-Image.

Auf der Rennstrecke leisteten die Tourenwagen mit ihren extrabreiten Karosserien zum Teil mehr als 500 PS. Für Normalverbraucher gab es ein paar Pferde weniger, aber Leistung hatte Ford schon im Programm: Zum Beispiel den 15.800 D-Mark teuren RS 2600. Mit seinem von 2,3 auf 2,6 Liter aufgebohrten Sechszylinder war er damals tatsächlich fast so sportlich wie ein Elfer. Heute ist der RS eines der begehrtesten Modelle in der Ahnenreihe der ersten Capri-Generation - und selbst als Oldtimer ein mitreißendes Auto.

Ein rüstiger Rentner

Sobald der Motor unter der langen Haube einmal warm ist, spurtet der Ford auch im Rentenalter noch wie ein Rennwagen. Er stürmt ohne großen Anlauf mit über 200 Sachen auf die linke Spur. Kein Wunder: 150 PS treffen auf kaum mehr als 1.000 Kilo. Die vier Gänge flutschen durchs Getriebe, die Füße tanzen auf den Pedalen, mit festem Griff am Lenkrad dreht man den langen Bug in die Kurve, und mit einem eleganten Schwenk des knackigen Hecks treibt einen der Hinterradantrieb wieder hinaus.

Laut Vorstand des Capri-Clubs Frank Lehmann wechselten gut erhaltene Modelle auch schon für 100.000 Euro den Besitzer Laut Vorstand des Capri-Clubs Frank Lehmann wechselten gut erhaltene Modelle auch schon für 100.000 Euro den Besitzer Quelle: Ford Bis man irgendwann am Quietschen der Reifen und dem erschreckten Blick des Beifahrers erkennt, dass der Capri eben doch ein Oldtimer ist und weder Servolenkung noch ABS und erst recht kein ESP für Sitte und Anstand sorgen. Mit einem Sprintwert von 9,2 Sekunden und einer Spitze von 202 km/h kann der Capri noch heute manche Mittelklasse-Limousine versägen. Wie muss sich das erst vor knapp 50 Jahren angefühlt haben?

Das spektakuläre Design und die Erfolge im Motorsport - das macht auch für Frank Lehmann den Reiz des Capri aus. Der Euskirchener ist im Vorstand des Capri-Club Deutschland und schwört auf das Kölner Coupé, seit er im Alter von 15 Jahren mit seinem Vater im Frühjahr 1969 bei der Händlerpremiere des Capris war. Es hat nicht lange gedauert, bis er selbst einen hatte und seitdem nie wieder vom Capri loskam. Zwischenzeitlich standen sogar vier Modelle in seiner Garage. Jetzt ist es nur noch eines, das dafür aber gehegt und gepflegt wird.

Das muss man auch, sagt Lehmann. Erstens, weil der Capri ein empfindliches Auto ist, dem vor allem der Rost bisweilen schwer zusetzt. Und zweitens, weil er langsam richtig wertvoll wird. "Die Preise zum Beispiel für den RS haben sich in den letzten Jahren glatt verdoppelt", sagt der Capri-Kenner und taxiert das Sportmodell in gutem Zustand auf beinahe sechsstellige Werte: "60.000 Euro sind immer drin, 80.000 keine Seltenheit mehr, und die 100.000 wurden auch schon geknackt."

Hohe Auflage führt zu guten Angeboten

So tief muss man aber gar nicht in die Tasche greifen, sagt Lehmann, dessen auf 180 PS getunter 69er gerade für 27.000 Euro neu versichert wurde. Den 1300er zum Beispiel gibt es seinen Angaben zufolge in einem guten Zustand schon für deutlich unter 10.000 Euro. Und wer sich nicht vor ein paar Schönheitsreparaturen scheut, sitzt auch schon für 3.000 oder 5.000 Euro hinter dem Steuer.

Ein bisschen Hippie vor dem Einfamilienhaus: So stellte Ford sich die Zielgruppe des Capri vor Ein bisschen Hippie vor dem Einfamilienhaus: So stellte Ford sich die Zielgruppe des Capri vor Quelle: Ford Die kleinen Preise sind die Folge der hohen Produktionszahlen. Denn mit dem Capri traf Ford ins Schwarze. Allein in den ersten sechs Monaten wurden über 75.000 Exemplare verkauft. 1973 war mit über 230.000 Einheiten das beste Jahr. Und allein in Deutschland wurden in den ersten fünf Jahren 784.000 Autos gebaut, von denen immerhin ein Drittel im Land blieben.

Als die Produktion 1986 nach knapp 20 Jahren und drei Generationen eingestellt wurde, standen am Ende über 1,8 Millionen Autos in den Büchern. Für die Kölner war das Coupé damit Umsatzgarant und Imageträger in einem - selbst wenn sie keinen ebenbürtigen Nachfolger mehr auf die Räder stellten und stattdessen glücklos die US-Modelle Cougar oder Probe GT ins Land holten.

Doch so gut der Mustang vom Rhein bei der Generation der Aufrührer und Umsteiger auch ankam: In Deutschland blieb er nur zweiter Sieger. Denn so, wie in den USA der ewige Kampf zwischen Mustang und Chevrolet Camaro ausgetragen wird, konterte bei uns Opel mit dem Manta - und hatte damit noch mehr Erfolg. Doch er hatte vor allem im späteren Verlauf der Modellkarriere seine Schattenseiten.

Denn die Opel wurden von ihren Kunden derart verbastelt, dass erst die Fahrzeuge und dann auch ihre Fahrer zum Gegenstand des Gespötts werden. Hunderte von Manta-Witzen kursierten und das Coupé wurde sogar zum Hauptdarsteller eines Ulk-Filmes. Das ist ein Schicksal, das dem zweiten Sieger im Duell der deutschen Ponycars erspart blieb.

Quelle: dpa

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