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Peter Max' Corvette-Sammlung wird versteigert - Das lange Warten der Vettes

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Unter Corvette-Fans sind sie eine Legende: die Tiefgaragen-Corvettes von Peter Max. 25 Jahre verbrachten sie unter der New Yorker Erde. Jetzt werden die 36 Autos restauriert. MOTOR-TALK sprach mit einem der aktuellen Besitzer.

Nach 25 Jahren geborgen: die Corvettes aus der Peter-Max-Sammlung werden restauriert und versteigert Nach 25 Jahren geborgen: die Corvettes aus der Peter-Max-Sammlung werden restauriert und versteigert Quelle: DAVIDS48/iStockphoto und Richard Prince

New York/USA – Adam Hellers Stimme klingt gestresst. Wahrscheinlich erhält er zur Zeit viele Anrufe. Immerhin hat er seine Hand auf 36 der begehrtesten Autos der USA und plant deren Restaurierung. Außerdem steckt Heller im New Yorker Verkehr fest, als wir ihn erreichen. In der Stadt, in der sein Vater und er seit vielen Jahren im Immobilien-Geschäft arbeiten und dabei in eine der spannendsten Auto-Geschichten Amerikas verwickelt wurden.

Es geht um 36 Corvettes und einen Käfer aus dem Besitz des Pop-Art-Künstlers Peter Max. Um viel Staub und Dreck, um Tiefgaragen, ein Fernsehgewinnspiel und ein vergessenes Kunst-Projekt.

VH1 kaufte eine Corvette aus jedem Jahr - von '53 bis '89 VH1 kaufte eine Corvette aus jedem Jahr - von '53 bis '89 Quelle: Richard Prince

36 Autos für einen Gewinner

1989 kannte beinah jeder Amerikaner die Corvettes, die heute den Hellers und ihrem Partner Gary Spindler gehören.Sie waren Teil eines VH1-Gewinnspiels. Der Fernsehsender hatte eine Corvette aus jedem Produktionsjahr seit 1953 gekauft und verloste alle 39 Autos gemeinsam in einer landesweiten Aktion.

„Angeblich riefen damals mehr als eine Million Leute bei VH1 an“, erzählt Adam Heller. Am Ende lohnte sich der zwei Dollar teure Anruf nur für einen: den Zimmermann Dennis Amodeo aus Long Island. Er gewann die Autos. Doch bevor er sie abholen konnte, kontaktierte ihn ein gewisser Peter Max.

Der in Deutschland geborene Künstler wollte die Autos für ein Kunstprojekt. Max wollte sie bunt verzieren - und war offenbar bereit, dafür gut zu bezahlen. Amodeo verkaufte.

Das '53er Modell - in diesem Jahr wurden nur 300 Corvette hergestellt Das '53er Modell - in diesem Jahr wurden nur 300 Corvette hergestellt Quelle: Richard Prince

Die Corvettes verschwinden für 25 Jahre unter der Erde

Mit dem Verkauf begann das lange Warten der Corvettes. Zwar begann der Künstler mit seiner Arbeit und beklebte einige der Autos mit Farbstreifen, doch schon kurze Zeit später hörte er wieder auf. Von da an standen die Autos in verschiedenen New Yorker Tiefgaragen. Manchmal verirrten sich Autonarren in ihre Nähe, machten Fotos. Dann flammte die Erinnerung in einem Corvette-Forum kurz wieder auf.

In einer Stadt, in der ein eigener Parklatz so prestigeträchtig sein kann wie eine Yacht oder ein Privatjet, wurden die Autos gelegentlich hin und her geschoben. „Mein Vater und ich haben für die Corvettes von Peter Max in den letzten 12 Jahren vier Umzüge innerhalb von Manhattan und Brooklyn organisiert“, erzählt Adam Heller. Manhattan, Brooklyn. Die Autos kennen die Stadt – aber nicht ihre Straßen.

Die meisten Innenräume sind gut erhalten, nur bei einigen Autos standen Fenster offen Die meisten Innenräume sind gut erhalten, nur bei einigen Autos standen Fenster offen Quelle: Richard Prince

Versteigerung im kommenden Jahr

Das dürfte sich in den nächsten Jahren ändern. Dann werden die Vettes vielleicht sogar die ganze Welt kennenlernen. Die Hellers und ihr Partner arbeiten gemeinsam mit dem Corvette-Experten Chris Mazzilli daran, die Wagen zu restaurieren und auf die Straße zu bringen. Bei den besonders begehrten Exemplaren aus den Jahren 1953 (Nummer 291 von nur 300 gebauten) und 1955 (eine von 700 gefertigten) ist eine Voll-Restauration geplant. Acht bis zehn Monate plant Adam Heller dafür ein.

Auf die Frage, warum die Corvettes nach so langer Zeit endlich von Peter Max freigegeben werden, weiß auch er keine genaue Antwort. „Über die Jahre haben wir mehrfach unser Interesse geäußert, die Autos zu kaufen oder gemeinsam etwas aus ihnen zu machen, aber Peter war nicht interessiert. Vor ein paar Monaten dann erhielten wir von Peter Max' Business-Manager plötzlich die Nachricht, dass sie verkaufen wollen. Wir konnten schnell einen Deal einfädeln und übernahmen die Autos im Juli“, sagt Adam Heller.

Der Käfer aus der Autosammlung von Peter Max. Er wird von den Corvettes getrennt und wahrscheinlich einzeln verkauft Der Käfer aus der Autosammlung von Peter Max. Er wird von den Corvettes getrennt und wahrscheinlich einzeln verkauft Quelle: Richard Prince

Was wird aus dem Käfer?

Jetzt werden die Autos nach und nach aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und von 25 Jahre altem Dreck und Staub befreit. Im nächsten Jahr sollen sie dann versteigert werden. „Wir wollen die Autos geschlossen oder auch einzeln über eines der großen amerikanischen Auktionshäuser anbieten. Aber wenn sich bereits vorher andere Möglichkeiten oder individuelle Angebote bieten, dann sind wir für verschiedene Ideen offen“, sagt Heller.

Nur der kleine Käfer soll sich laut Heller definitiv von seinen langjährigen Stehgefährten trennen: „Das Auto ist in einem exzellenten Zustand und wurde von Peter Max bemalt. Wir werden mit Anfragen dazu überhäuft, das übersteigt teilweise sogar das Interesse an den Corvettes“.

Was genau das für die Zukunft des Käfers bedeutet, ist bisher auch Heller unklar, aber es klingt schon jetzt besser, als noch mal 25 Jahre in einer Tiefgarage zu verbringen.

 

Quelle: MOTOR-TALK, NY Times

Avatar von granada2.6
Mercedes
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