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Jaguar XE: Premiere - Außenseiter im Mainstream

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Jaguar wagt sich erneut in die Mittelklasse. Mit wenig Verbrauch und guter Technik soll der Jaguar XE gegen BMW, Mercedes und Audi antreten. Doch das wird schwierig.

Premiere für den Jaguar XE: Auf den ersten Bildern zeigen die Briten das Topmodell XE S mit 340-PS-V6 Premiere für den Jaguar XE: Auf den ersten Bildern zeigen die Briten das Topmodell XE S mit 340-PS-V6 Quelle: Jaguar

London – Ein neuer Jaguar XE baumelt an einem Hubschrauber und wird über London geflogen. Düsenjets versprühen die Farben des Union Jacks. Und auf der Premiere spielen die Kaiser Chiefs und Emeli Sandé – eine Sängerin, die bei uns kaum einer kennt, die aber immerhin ein eigenes Lied für den Jaguar XE geschrieben hat. Kurz: die Premiere hat S-Klasse-Niveau, dabei zeigt Jaguar ein Mittelklasse-Auto.

Man könnte meinen, die Briten wollen von ihrem letzten Ausflug in die Mittelklasse ablenken. Damals, unter Ford-Führung, scheiterten sie mit dem X-Type grandios.

Am sparsamsten fährt der XE mit dem neuen Vierzylinder-Diesel: Nur 3,8 Liter verbraucht der Motor Am sparsamsten fährt der XE mit dem neuen Vierzylinder-Diesel: Nur 3,8 Liter verbraucht der Motor Quelle: Jaguar

Sparsamster Jaguar der Geschichte

Diesmal, unter Tatas Führung, soll es anders werden. Der Grundstein dafür: Statt auf einer Plattform der Mutter steht der 4,67 Meter lange, 1,85 Meter breite (ohne Spiegel) und 1,42 hohe XE auf Jaguar Land Rovers bisher leichtester und verwindungssteifester Architektur.

Zusammen mit einer neuen Motorenbaureihe aus Vierzylinder-Dieseln und Benzinern wird der XE so zum bisher sparsamsten und umweltverträglichsten Modell der Marke. Trotzdem wird er es in Deutschland gegen Audi und Co. schwer haben.

Erster Jaguar auf neuer Plattform

Die neue Plattform besteht zu 75 Prozent aus Aluminium und spart so Gewicht. Laut Jaguar ist der XE das erste Auto des Segments, dessen Struktur überwiegend aus Alu besteht. Welchen Gewichtsvorteil das dem Engländer gegenüber seinen deutschen Konkurrenten im besten Fall beschert, ist derzeit noch nicht ganz klar: Eine Gewichtsangabe gibt es bisher nur für den Top-XE mit V6. Er wiegt 1.474 Kilogramm (Trockengewicht) und damit ungefähr so viel, wie eine C-Klasse 250 mit Vierzylinder (1.480 kg).

Beim Verbrauch hingegen kann Jaguar schon jetzt eindeutige Werte vorweisen. Der erste 2,0-Liter-Diesel (163 PS, 380 Nm, CO2: 99 g/km) aus der neuen Vierzylinder-Baureihe verbraucht auf 100 Kilometern nur 3,8 Liter und damit weniger als ein BMW 320d Efficient Dynamics Edition (4,1 Liter) oder Audi A4 2.0 TDI ultra (4,0 Liter). Lediglich die Mercedes C-Klasse 180 BlueTec kommt mit der gleichen Menge Sprit aus.

Der Innenraum des neuen XE: Lenkrad und Wahlschalter für die Automatik sind aus anderen Modellen bekannt Der Innenraum des neuen XE: Lenkrad und Wahlschalter für die Automatik sind aus anderen Modellen bekannt Quelle: Jaguar

XE fahren, F-Type fühlen

Neben dem Spar-Diesel bringt Jaguar im XE auch zwei 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner der neuen Motorenbaureihe und den XE S mit dem 3,0-Liter-V6 aus dem F-Type. Zu Leistung und Verbrauch der neuen Benziner macht Jaguar derzeit noch keine Angaben.

Der V6 mit 340 PS und 450 Newtonmetern Drehmoment beschleunigt das vorläufige Topmodell in 5,1 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 Stundenkilometern. Eine noch sportlichere Variante, die auch mit M-, AMG- und RS-Modellen mithalten kann, folgt voraussichtlich 2016.

Die Benziner werden immer mit einer Achtstufen-Automatik von ZF kombiniert. Für die Diesel gibt es optional ein manuelles Sechsgang-Getriebe.

Endlich moderne Helfer im Jaguar

Während XJ und XF im Cockpit schon länger nicht mehr auf aktuellstem technischen Stand sind, zeigt Jaguar im XE endlich Neuerungen: In der Mittelkonsole befindet sich ein neuer Acht-Zoll-Touchscreen, der auch über Spracheingabe gesteuert werden kann.

Der XE bietet einen WLAN-Hotspot und über die Einbindung des Smartphones können Innenraum-Temperatur und Türen gesteuert werden. Außerdem bekommt der XE Laser-Head-up-System, City-Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung, Einparkassistent und eine Ambiente-Innenraumbeleuchtung mit zehn wählbaren Farben – das sind immerhin drei mehr als in der Mercedes S-Klasse.

Im Sommer 2015 kommt der Jaguar XE zu uns. Mit 36.500 Euro wird er dann deutlich teurer als seine deutschen Konkurrenten Im Sommer 2015 kommt der Jaguar XE zu uns. Mit 36.500 Euro wird er dann deutlich teurer als seine deutschen Konkurrenten Quelle: Jaguar

Premiere in Paris

Aber obwohl Jaguar bei der Premiere, dem Verbrauch und einigen Features nach den Sternen greift, wird der XE sich auf dem deutschen Markt kaum gegen C-Klasse und Co. durchsetzen können.

Ein Grund liegt im Preis: 36.500 Euro wird der XE bei uns mindestens kosten. Damit liegt zumindest der Einstiegspreis deutlich über 3er BMW (29.350 Euro), Mercedes C-Klasse (33.558 Euro) oder Audi A4 (28.450 Euro). Trotzdem wird der XE zum günstigsten Jaguar, den man derzeit neu kaufen kann.

Im Sommer 2015 kommt Jaguars neue Mittelklasse auf den Markt. Die Publikums-Premiere findet am 2. Oktober auf dem Pariser Salon statt. Dann wird Jaguar auch die letzten Einzelheiten veröffentlichen.

Avatar von granada2.6
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