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Blog vonHaasinger

13.06.2024 18:52    |    Haasinger    |    Kommentare (0)

Hier einmal der Versuch euch an meinen Gedanken teilhaben zu lassen, die ich so hatte bis ich den Weg zu meiner aktuellen Maschine fand.

 

Zunächst einmal zur Vorgeschichte

Nach zwei bis drei Jahren mit dem Vorgänger, der Honda Varadero SD02, kamen Wünsche nach einem Nachfolger auf. Die Varadero war toll, einsteigerfreundlich, durchzugsstark, berechenbar und gemütlich. Einfach ein schönes Einsteigermotorrad. Trotzdem ging die Maschine auf die 100.000km zu, Reparaturen häuften sich und auch meine Wünsche gingen langsam in eine andere Richtung.

Hier einmal Störfaktoren, welche sich im Laufe der Zeit entwickelten -

  • Nummer 1, das Gewicht: Mit 140kg Kampfgewicht und Kraftsport als Hobby war ich durchaus in der Lage die 270kg der Varadero zu handeln. Vor allem im Betrieb ging sie wirklich leichtfüßig in die Kurven, kaum Widerstand beim Einlenken, der hohe Schwerpunkt lies sie wunderbar in die Kurven fallen. Auch beim Bremsen war das Gewicht von Vorteil, das ABS löste selten bis nie aus.
  • Allerdings gab es auch die unschönen Seiten - zweimal ist sie mir umgekippt, einmal im Regen als mir beim Rangieren der nasse Lenker aus der Hand glitt, das zweite Mal beim Tanken. Hauptständer hat sie in den 40tkm in meinem Besitz zwei Mal neu benötigt, da abgebrochen, und auch kleinste Fehler beim Anhalten - vor allem mit Sozia auf abfallenden Straßen bestrafte sie gnadenlos.

    Ich wusste ich wollte weniger, allerdings nicht wie viel - und da kam meine Frau ins Spiel. 2022 beschloss sie den B196 zu machen, also kam eine GSXS125 in den Fuhrpark. Ab der ersten Minute habe ich die kleine GSXS geliebt. Die 10km zur Arbeit war ich im Jahr 2022 mehr mit dem Leichtkraftrad unterwegs als mit der Großen. Ursprünglich hatte ich von Anfang an damit gerechnet, auf der Maschine nicht sitzen zu können, die MT07 aus der Fahrschule hatte ich vor allem in Hüfte und Knie noch schmerzlich in Erinnerung. Nach 17 Jahren Fußball, hatte ich einfach enorme Mobilitätsprobleme im sehr kräftigen Bewegungsapparat. Inzwischen hatte sich das aber auch geändert. Der Kraftdreikampf, speziell die Kniebeuge erforderten dass ich im Hobby meine Hüft und Fußmobilität verbessern musste.

    Daher konnte ich die kleine GSXS von Anfang an ohne jegliche Schmerzen und Zipperlein fahren.Deswegen war mir relativ klar dass roundabout 200kg das Gewicht der nächsten Maschine sein sollten.

    Trotzdem muss ich sagen, das Wuchten vom und auf den Hauptständer hat genervt, es war anstrengend und ging einfach nicht gut.

  • Nummer 2, der Motor: V Motor, Einzylinder, Zweizylinder, Vierzylinder. Damit konnte ich zu Anfang meiner Zweiradlaufbahn kaum etwas anfangen.
  • Der V2 der Varadero, eigentlich kann ich wenig schlechtes dazu sagen. Ab der Drehzahlmitte guter Durchzug bis obenraus. Eigentlich kein Konstantfahrruckeln - einzig in Spitzkehren hatte ich ihn nicht so gern. Im ersten gang zu Sprunghaft, im zweiten Gang hat er doch eine Gedenksekunde gebraucht bis langsam etwas feuer kam.

    Zudem merkte man der Kombination aus 94PS und 260kg einfach an dass etwas Leistung gut tun könnte. Rutscher am Kurvenausgang durch zu viel Gas hatte ich nicht, kein einziges mal - so freundlich war die Dicke.

  • Nummer 3, Gruppenausfahrten
  • Ich weiß, Gruppenzwang ist immer ein schlechtes Argument, trotzdem hatte ich bei Gruppenausfahrten - was natürlich hauptsächlich an der Gesellschaft lag, oftmals Probleme "dran" zu bleiben. Das Leistungsgewicht der Vara mit Fahrer entspricht grob der A2 obergrenze, das Fahrwerk war auch nicht das Gelbe vom Ei. Konnte zwar durch progressive Wilbers Gabelfedern einiges verbessern, vor allem das Verhalten beim Anbremsen, allerdings erst im letzten Jahr.

 

 

Die Erfahrungen mit meiner Maschine trieben mich also in Richtung "ähnliches Konzept", Kniewinkel gerne enger. Leistungstechnisch wollte ich nach oben - ich muss zugeben, ich besaß noch kein Fahrzeug dessen Leistung mich gefordert hätte. Daher wollte ich es irgendwie umso mehr. Kurven und Bremsen konnte ich, nun war es an der Zeit die Bedienung des Gashebels zu lernen.

Daher wollte ich ein Bike das am Kurvenausgang auch einmal "zicken kann. Favoriten wurden hier relativ schnell die Big Bikes, VFR1200F, BMW K1300, CB1300 und Kawasaki Z1000SX.

Der nächste logische Schritt war, Erfahrung zu sammeln. Meine Erfahrung beschränkte sich zu dem Zeitpunkt auf Varadero, CBF500, MT07 und Ende.

Ich versuchte einige lokale Händler zwecks Probefahrt zu erreichen, allerdings hatte ich kein ernsthaftes Kaufinteresse an den spezifischen Fahrzeugen die angeboten wurden. Als ehrlicher Typ wollte ich das auch nicht vorgaukeln, und habe es deswegen nicht gemacht.

Die Websites der Hersteller habe ich laufend abgeklappert und kam schließlich 2022 zu der Möglichkeit die Kawasaki Days beim Louis in Augsburg zu besuchen um meine weiteren Erfahrungen zu sammeln.

Buchbar war von Reiseenduro bis H2 alles, da ich aber schon eine grobe Vorstellung hatte kamen für mich eigentlich nur die Z900RS und die Z1000SX in Frage.

 

Erste Probefahrt: Z900RS.

Klein aber stattlich, schöne Retro optik 111PS war für mich eigentlich "zu wenig" da ich doch ein spürbares Upgrade wollte (+17PS kam mir als Differenz sehr gering vor).

Trotzdem, draufgesetzt und losgefahren. Zunächst einmal störte mich der Sound. Der bassige vierzylinder Sound bestach für mich durch absolute Seelenlosigkeit, gewohnt war ich ja ein kerniges V2 donnern.

Fahrwerk war in Ordnung, das Gewicht und die Gewichtsverteilung nach meinem Eindruck ziemlich perfekt. Man spürte die ~215kg, trotzdem lies sie sich spielend einlenken. Auch der Motor überraschte mich. Anzug ab Drehzahlkeller,

linear steigend bis in den roten Bereich. Anfangs etwas beängstigend, vor allem da die Sitzbank kaum Halt nach hinten bot, danach sehr spielersich zu handhaben. Getriebe unauffällig und leicht schaltbar.

Kurz und knapp, die Z900 hätte ich mir als mein Motorrad definitiv vorstellen können.

 

Zweite Probefahrt: Z1000SX

Eigentlich hatte ich fest damit gerechnet dass die SX mir noch mehr liegt als die Z900. Ich dachte falsch. Erste Feststellung war der Motor. Auf dem Papier noch einmal 30 PS mehr als die kleine, im Realbetrieb fühlte sich der Motor aber einfach nur schrecklich an.

Der Drehzahlkeller war deutlich müder als der der Z900, im Mittelbereich wurde es angenehm - vergleichbar mit meiner Varadero, keinen deut besser und obenheraus auf die letzten 2000 Umdrehungen vor Rot merkte man das Stück Mehrleistung zur Z900.

Was mich noch direkt störte war die Geometrie. Die Maschine ließ sich für meine Verhältnisse, und ich war die Varadero gewohnt, schwer einlenken. Jede Kurve erforderte Kraftaufwand am Lenker. Ich habe heute die Daten überprüft, Radstand, Lenkkopfwinkel etc. und weiß ehrlich gesagt nicht welche Ursache dieser Eindruck hatte. Aber ich mochte ihn nicht.

Ich wollte meine Maschien die auf Input am Lenker agiler reagiert als meine aktuelle, und das konnte die Z1000 nicht erfüllen.

Meine persönlichen Erkenntnisse dieser Fahrten waren-

Leistung 110-140PS, Gewicht geht vor Leistung, Sporttourer zu träge.

 

Nach diesem Tag stand für mich persönlich im Suchraster nun ganz oben:

Z900RS und ihre Yamaha Schwester MT09. Realistisch gesehen wäre da noch eine CB1000R neo in der Nähe, allerdings hatte Honda hier die 95dB im aktuellen Modellzyklus vergessen.

 

 

Weiter ging es mit Honda.

Die Varadero war P/L mäßig toll, berechenbar und vor allem Zuverlässig. Ich mochte Honda - allerdings war da nichts in der Modellpalette das mich wirklich abgeholt hätte.

Dann kam allerdings die CB750 heraus, und ich wollte ihr eine Chance geben. Frei nach dem Motto: Wenn 110 PS reichen, dann vielleicht ja auch 95? Insgeheim hatte ich lange Zeit gehofft dass Honda nach dem Teaser der NT1100 ein etwas leistungsstärkeres Nakedbike heraus bringt (in etwa wie die CB1000 Hornet die dieses Jahr kam).

Die NT1100 stieß mich ab, vor allem da ihre Leistungsdaten und der Motor meiner Vara zu ähnlich waren. Optisch ist sie für mich ein Griff ins Klo - schwer bieder und dem 700er Roller zu ähnlich.

 

Trotzdem beschloss ich der Marke meines Herzens eine Chance zu geben, also buchte ich Tansalp 750 (die Hornet hatte auf der Honda seite einen Bug und war nicht buchbar) und NT1100 sowie die CRF1100 Adventure Sports.

 

Erste Probefahrt: XL750 Transalp

Leichte Anfahrschwäche, Sitzposition in Ordnung. Das Triebwerk enttäuschte - rein subjektiv kam sie identisch vom Fleck wie die 1PS schwächere und 70kg schwerere Varadero. Den Hubraum merkte man deutlich.

Sparsam, vernünftig, langweilig - nicht mein Motorrad.

Zweite Probefahrt: CRF1100 Adventure Sports DCT

Im Gegensatz zur Transalp ein Raumschiff. Das DCT war GEIL. Werde die Probefahrten nie vergessen, das DCT hätte ich genommen, den Rest der Maschine nicht. Aus Varaderokreisen kannte ich einige Personen die den Umstieg von der Vara zur AT gemacht haben, und hatte schon damit gerechnet, dass es keine Erleuchtung sein würde.

Die Maximalleistung, das machte ich i.d.R durch Ausdrehen des zweiten Ganges fest, war mau. Sie war ebenbürtig zur Varadero, der Leistungsabruf war im Gegensatz zur 750er deutlich linearer. Kombiniert mit dem DCT war es ein lückenloser, mit einem Elektromotor vergleichbarer Vortrieb von 50kmh bis X.

Allerdings fehlte ihr die Seele des V2, es wirkte glatter und homogener, allerdings aber nicht kraftvoller. Müsste ich 12 Stunden am Tag fahren, hätte ich sie gekauft. Allerdings frage ich mich immer noch, wenn Honda aus 750ccm 95PS raus holt, wie können sie dann aus 1100ccm gemäß dem Dreisatz keine 140PS machen?

Genau das wäre meine Maschine gewesen, 140PS und DCT, für diese Kombi hätte ich sogar meine vorherigen Erfahrungen bezüglich Gewicht und Leistung und Budget über den Haufen geworfen. Aber Honda bleibt einfach Honda. Etwas bieder und langweilig, dafür eine Langzeitgröße.

 

 

Dritte Probefahrt: NT1100

Kurz und knapp. Africa Twin in billiger.

Tag zu Ende, Erkenntnis des Tages:

Honda verliert mich als Kunden und teilweise als Fan.

Zuletzt noch eine private Probefahrt mit der S1000R, die mich auch geprägt hat.

Über den Vater eines Freundes hatte ich das Vergnügen eine S1000R fahren zu dürfen. Hier lernte ich eigentlich alles, was ich von einem Motorrad nicht wollte. Draufgesetzt und los. Eindruck 1 - laut! Ich bin kein assozialer Mensch und möchte meine Umwelt nicht belästigen. Daher war sie mir unangenehm. Dann zum ersten Ortsausgang, zweiter Gang und feuer. Erstens, merkte ich sofort wie die Elektronik die Leistung begrenzte. Zweite Feststellung war, die Sitzhaltung - Kombination aus Winddruck, Gewicht auf den Armen und Sitzhaltung war eigentlich erst um 130 angenehm. Davor fühlte und hörte es sich schrecklich an.

Ich merkte einfach sofort, dass der Sweetspot für dieses Bike übersetzungstechnisch als auch die Haltung etwa bei 150 lagen.

Erkenntnis dieser Probefahrt: 200kg auf 160PS sind Quatsch. Ich möchte meine Maximalleistung im legalen Bereich auf den Boden bringen können.

 

Blieben im Suchraster Z900RS, XSR900 und als Kompromiss eine CB1000R SC80

Das Budget wuchs monatlich, und die Varadero benötigte langsam aber sicher eine Komplettüberholung des Abgasstranges, worauf mein Werkstattmeister aber eigentlich gar keine Lust mehr hatte.

Ende 2023 war es dann so weit, die Varadero kam weg - viel zu billig aber trotzdem schwer loszuwerden. Der Käufer holte sie für einen Kumpel in Kroatien für einen Apfel und ein Ei. Ich war in der Verkaufsanzeige absolut ehrlich weil ich hinterher keinen Ärger wollte - war wohl ein Fehler.

Trotzdem wollte ich im November mein Winterschnäppchen 2023 schießen.

 

Rückblickend habe ich das Thema fast drei Jahre vorbereitet und eingegrenzt. Trotzdem hatte ich bis dato weder die XSR noch die CB1000R jemals gefahren. Eindrücke hatte ich mir trotzdem massenweise geholt. Videos, Vergleichstests, Zeitschriften - alles was einfach geht.

Der Yamaha CP3 Motor hat einen unglaublichen Ruf, jeder der ihn Fuhr lobte das Aggregat in höchsten Tönen. Daher war ich mir ziemlich sicher, dass mir die Kiste auch taugen würde.

 

Also, Suchraster auf Mobile gesetzt und auf ein Herbstschnäppchen gehofft. Mangels Anhänger, war ich natürlich bereit für weniger Fahrzeit gewisse Einbußen in Kauf zu nehmen. Im November kam es dann, dass eine MT09 für 7500€ in 30km Entfernung angeboten wurde.

Die MT09 war eigentlich geschmacklich nicht meins, und vor allem eigentlich gar nicht um Suchraster. Trotzdem wusste ich ja - die XSR900 ist Baugleich. Technisch gesehen ist die MT09 sogar etwas besser, da sie ab Werk mit Quickshifter kam.

Obowhl ich eigentlich wenig Lust auf die Maschine hatte, habe ich dann einfach mal ein absolut unverschämtes Angebot von 6000€ gemacht. Zunächst verärgert, dauerte es fünf Tage bis der Verkäufer auf einmal auf mich zurück kam und mir ein Gegenangebot von 6200€ machte da er das Geld schnell brauchte.

Gesagt, getan - fuhr ich raus und schaute mir die Maschine an. Wartungszustand in Ordnung, Scheckheft, Hinterreifen fertig aber sonst alles in gut. Handschlag und ab ging es.

 

Weitere 2500km später kann ich sagen, die Entscheidung war goldrichtig. Würde ich sie zu Schrott fahren, würde ich exakt nochmal das gleiche Bike kaufen.

Der CP3 Motor ist für mich ein Goldstück, absolutes Benchmark in der Klasse und die Geometrie der Maschine ist traumhaft.

Weitere Posts folgen.

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