• Online: 3.933

die PX

Blog für Vespa, klassische Motorräder, lässige Autos und southern lifestyle.

15.01.2022 07:22    |    Px200ELusso    |    Kommentare (2)

Liebe Mitleser,

 

da mein erster Artikel zur Vespa PX so positiv aufgenommen worden ist, möchte ich Euch nun an einer anderen ehernen Beziehungsgeschichte teilhaben lassen. Derjenigen mit der XS.

 

Ohne Kofferträger mit "Custom"-Blinkerhaltern 3Ohne Kofferträger mit "Custom"-Blinkerhaltern 3

 

Zur XS allgemein:

 

Die "XS" ist eine 1978er Yamaha XS 750.

Damals als schweres, starkes Tourenmotorrad gegen die BMW-Boxer positioniert, sollte sie mit ihrem 750cc 3-Zylinder Reihenmotor und Kardanantrieb schnell weltweite Erfolge feiern.

 

Das Mopped ist aus heutiger Sicht ein schweres "Eisenschwein", welches der normale Hipster noch nicht einmal 2 Meter weit rückwärts rangiert bekommt.

Damals lobte man in der Fachpresse das agile Fahrverhalten und das für einen Tourer sportliche Handling.

Nun, die Zeiten ändern sich und die gut 70 PS locken heute keinen 600er Fahrer mehr hinter dem Ofen hervor.

Aber für zehntausende XS-Fahrer auf der ganzen Welt war das mehr als ausreichend und man freute sich über die grundsolide Verarbeitung und die guten Bremsen (vorne 2, hinten eine Scheibe waren Standard). Zu dieser Zeit fanden sich noch reihenweise Trommelbremsen hinten und auch ab und an noch solche vorne.

Wobei ich selbstverständlich den Mythos z.B. einer MV Agusta 350 S nicht schmälern möchte.

 

Yamaha war damals einfach technisch weit vorne. Die XS-Reihe gab es ja von 250 - 1100 cc.

Alle diese Moppeds waren damals solide und man bot von 2 bis 4 Zylindern eine große Varianz an.

Dabei ragen die 750 und 850 cc - Dreizylinder mit Kardan technsich heraus.

Der Kardan stammte übrigens von Getrag aus Deutschland, wurde dort hergestellt, nach Japan geschickt, dort montiert und dann in die ganze Welt exportiert, auch (zurück) nach Deutschland.

 

 

Wie schlägt sich ein solcher Eisenhaufen heute?

 

Neue Räder 1Neue Räder 1

 

Aus heutiger Sicht ist so eine Yamaha XS 750 nach wie vor gut zu fahren. Für den gemütlich-zügigen Feierabendausritt mit schönem Klang, sicherem Fahrverhalten und natürlich viel Stil ist sie wunderbar geeignet.

Kraft liefert das ausgesprochen deutlich spürbare 3-Zylinder-Aggregat in allen Lebenlagen. Man kann schaltfaul gleiten und auch mal zackig hochdrehen.

Der Motor wurde unter Beteiligung von Porsche entwickelt. Die können das.

 

3 Krümmer - 3 Zylinder3 Krümmer - 3 Zylinder

 

Es gibt Menschen, die sich eine XS 3-Zylinder sogar für die Rennstrecke aufbauen und bei Bergrennen gegen die üblichen Italienerinnen gewinnen.

 

Für mich ist das Rasen freilich nichts. Ich bin der langsame Genießer. 110 auf der Landstraße, 140 auf der Autobahn, das ist für mich völlig ausreichend und somit haben die XS und ich uns, wenn schon nicht gesucht, dann zumindest gefunden.

 

Für meine Körpergröße von 180 cm ist sie sehr gut geeignet. Die XS ist ein langes Motorrad.

Auch große Menschen können sie, im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Motorrädern, sehr gut fahren.

 

Neue Räder 2Neue Räder 2

 

Meine XS:

 

Ja, gesucht hatte ich sie in der Tat nicht, denn in Bezug auf die 70er Jahre Maschinen hatte ich bislang nur die hübschen Hondas auf dem Schirm, ansonsten interessierte ich mich v.a. für Chopper (hierzu wird es noch eine weitere Story geben...) bzw. träumte ich von einem neuen Cafe Racer von Triumph oder Guzzi.

 

Aber diese XS kannte ich bereits vom Sehen.

Ein Nachbar auis dem Ort hatte sie immer mal wieder vor seiner Garage stehen und die prägnante Farbgebung fiel natürlich auf. Die XS ging angesichts seiner anderen Schätze allerdings ein wenig unter und wir kannten uns damals auch noch nicht persönlich.

 

Bis dann im Sommer ´21 ein gemeinsamer Freund dort zu Besuch war und ich vorbei lief. Wir stellten uns vor und ich erfuhr, dass die Motorradsammlung verkleinert und u.a. die XS verkauft werden sollte.

Ich hatte zu dieser Zeit kein Motorrad und eine defekte PX (s. entsprechenden Blog-Artikel dazu), das Gespräch entwickelte sich, wir machten eine gemeinsame Probefahrt, ich fühlte mich sofort wohl auf der XS und ich kaufte sie für einen hohen 3-stelligen Betrag (Ihr seht, eine XS ist eine sehr interessante Sache!).

Inklusive Koffersystem und 24 L Tank. Beides damals sehr teure Zubehörkomponenten.

 

So kam sie zu mirSo kam sie zu mir

 

Das Mopped stammt aus erster Hand und hat gut 90.000 Km mit 2 Motoren absolviert. Der verbaute 1979er AT-Motor hat ca. 50.000 Km und ist quasi das "Facelift", bei dem einige Kinderkrankheiten der frühen Modelle bereits beseitigt waren.

Der Vorbesitzer hatte, wie die 40 Jahre zuvor, eine Inspektion durchgeführt und die XS lief (und läuft) einwandfrei.

Sie wurde mir absolut fair als "gut gebraucht" angeboten und das ist sie auch. Kein Museumsstück, recht spezielles optisches Individualdesign, ein paar Gebrauchsspuren und Kratzer, aber funktionstüchtig und ein gewaltiger Freudenspender - ganz wie der alte und der neue Besitzer eben auch...

 

 

Licht & Schatten:

 

Bei einer der ersten Ausfahrten blieb ich dann liegen.

Der Motor ging aus, die Lichter leuchteten weiter.

Es war die Hauptsicherung aus den 70ern (schwarz). Sie ließ sich noch "hinfummeln" und ich kam die 40 Km (mit 3 Stops zum "Hinfummeln":..) noch nach Hause.

 

Gehäuse HauptsicherungGehäuse Hauptsicherung

Alte (schwarz) und neue Sicherung 2Alte (schwarz) und neue Sicherung 2

Alte (schwarz) und neue Sicherung 1Alte (schwarz) und neue Sicherung 1

 

Die HU war bald fällig, also bat ich einen Freund von mir der HUs für Motorräder auch zu Hause abnimmt, vorbeizukommen.

Er kam mit seiner Harley und blieb in der Nähe liegen, während ich noch versuchte, das defekte Fernlicht an der XS zu reparieren. Egal, das Wetter war schön und mit etwas Sprit war die Halrey auch wieder flott.

 

Etwas verspätet machten wir uns dann ans Werk, fanden den Fehler am Fernlicht in Form eines teils korrodierten Mehrfachsteckers unter dem Tank, stellten die abgefahrenen Reifen und das beginnende Spiel der Schwingenlager fest und schon hatte die XS eine neue HU.

 

Optisch bin ich eher der Fan von schlichter Einfachheit.

Die Koffer mussten also runter und die roten Schutzbleche gegen originale in Chrom getauscht werden.

Ersteres gestaltete sich einigermaßen einfach, auch wenn die Zubehörblinker hinten erst einmal von mir unfassbar hingepfuschte, aber am Ende kaum sichtbare und voll funktionale Halterungen verpasst bekommen mussten. Sie waren bislang am Haltesystem für die Koffer montiert.

 

Nach ein paar Wochen fand ich dann auch bei e-Kleinanzeigen 2 brauchbare Schutzbleche.

Zunächst für vorne eines des "XS 750 SE"-Choppermodells, welches wegen eines leicht veränderten Winkels der Befestigungsbleche nicht passt (Mist!), und schlißelich das richtige Blech.

 

Das neue ChromschutzblechDas neue Chromschutzblech

 

Das originale Rücklicht musste einem schlankeren, zeitgenössischen Modell weichen.

 

Hier nochmal zum Vergleich:

Ohne Kofferträger mit "Custom"-Blinkerhaltern 3Ohne Kofferträger mit "Custom"-Blinkerhaltern 3

Neue Räder 2Neue Räder 2

Das war damals schlimm. Nur Honda hatte das mit der stilvollen Beleuchtung im Griff.

 

Die weißen Räder sind seit gestern auch vom Tisch bzw. vom Bike.

Ersatzteile für die XS 750 gibt es viele und sie sind auch nicht teuer. Habe mir also bei e-Kleinanzeigen zwei Felgen besorgt, schwarz pulverbeschichten, neu lagern und mit neuen Bridgestone Battlax B46 - Reifen versehen lassen.

Von drei unabhängigen Fachleuten wurde mir bestätigt, dass diese Reifen für die klassischen Bikes die beste Wahl wären. Passt.

 

Neues RadNeues Rad

Neue Räder 3Neue Räder 3

Neue Räder 4Neue Räder 4

 

Bei der Montage half mir dann der nette Verkäufer. Nach einigen Kämpfen, gefühlten 300g Sand in den Gewinden für die Befestigung der Bremsscheibe hinten, einer klemmenden Steckachse und einem abgenutzten Gewinde für die Stoßdämpferbefestigung hatten wir das Ganze in gut drei Stunden erledigt. Nicht rennstreckentauglich, aber wir hatten beide Freude daran. Das ist das Wichtigste wenn man sich mit alten Fahrzeugen beschäftigt.

 

So kam ich dann auch zu einer 400m langen Fahrt gestern bei herrlichem Sonnenschein. Endlich mal wieder auf dem Mopped sitzen!

Nun ist die XS fit für die nächste Saison und ich freue mich schon auf das Problem der Auswahl des Gefährtes. Schließlich läuft mein Roller ja auch bald wieder.

 

Hier habe ich noch ein paar Bilder für Euch von der letzten Saison.

 

Ende eines FeierabendausflugsEnde eines Feierabendausflugs

Bergtour 1Bergtour 1

Bergtour 2Bergtour 2

 

Was nun noch fehlt, ist eine hübsche Cockpitverkleidung im Ducati-Stil.

Der Scheinwerfer der XS hat 20cm Durchmesser (8") und dafür findet sich in den Standard-Caferacershops und bei Eb.. nichts.

Den Scheinwerfer mag ich nicht ändern.

 

Falls jemand einen Tip hat, freue ich mich.

 

 

Fortsetzung vom 17.01.´22:

 

Die Yamaha XS ist ein Motorrad der 70er und somit nicht mit dem besten Fahrwerk gesegnet.

Der Vorbesitzer hat somit an dem Mopped einiges optimiert, was ich mit den interessierten Lesern teilen möchte.

 

Zunächst einmal sind die schwachen Original-Stoßdämpfer hinten zu erwähnen. Hier gibt es seit vielen Jahren Ersatz von Koni. Sogar einstellbar. Muss man offenbar haben. Ich kenne die Maschine nur so und bin happy mit den Konis.

 

Der Gabel kommt man mit einem Gabelstabi bei. Nicht das schönste Teil an meiner XS, aber ich lasse es dran.

 

Das Pendeln des Lenkers bei höheren Autobahngeschwindigkeiten lässt sich mit einem Lenkungsdämpfer in den Griff bekommen. Auch hier: ich lasse ihn mal dran. Sieht auch irgendwie cool aus, finde ich.

 

Für thermische Stabilität sorgte bei sommerlichen Hetzjagden ein Ölkühler. Die XS ist ja eigentlich rein luftgekühlt.

Ich sehe das eher als ein Accessiore aus den wilden 80ern, da ich ja eher ein Schleicher bin. Aber es gibt mir ein gutes Gefühl.

 

Meine XS kam mit teuren gelochten Bremsscheiben. Ob das wirklich notwendig ist, kann ich nicht beurteilen.

Generell finde ich funktioniert die Bremsanlage sehr ordentlich, obwohl ich sie bislang nur mit 3/4-toten Reifen fuhr. Die neuen Reifen sind ja erst ganz neu drauf und das Wetter für einen alten Mann mit schmerzenden Fingergelenken noch zu kalt...

 

Was an der XS serienmäßig gut ist: das Licht. Der Frontscheinwerfer mit 20 cm / 8" Durchmesser und H4-Birne war damals top-of-the-line. Das Licht reicht mir auch heute noch, wobei ich wenig nachts fahre.

 

Das originale Rücklicht verfügt über 2 Duplex-Birnen und ist somit super sicher. Eine Birne kann ausfallen und man wird trotzdem nicht von Opa Hans im Tiguan auf dem Heimweg von der Wirtschaft umgemangelt. Habe es aus ästhetischen Gründen trotzdem abgebaut.

 

Die originalen Blinker würden mit klarem Glas wohl ebenfalls als Scheinwerfer durchgehen. Diese habe ich schon bei Kauf extra dazu bekommen, sie sind groß wie ein Vorlegelöffel und potthässlich. Wie man auf den Bildern sieht, sind an meiner XS Zubehör-Bulletblinker montiert.

Ich denke gerade noch darüber nach, ob ich Ochsenaugen am Lenker montiere und auf die hinteren Blinker verzichte. Rechtlich wäre das drin.

Allerdings müsste man dann auch noch einmal das Rücklicht und den Kennzeichenhalter anfassen. Beides, auch das Kennzeichen, müssten dann verkleinert werden, so dass sich die Aktion optisch auch lohnt.

Mal sehen.

 

 

Noch etwas zum Thema Cafe Racer Umbau: die XS ist dafür bestens geeignet, denn sie besitzt einen schlanken Motor.

Der hintere Rahmen muss, wie bei allen derartigen Umbauten, gekürzt und mit einem Bogen versehen werden.

Die traditionelle Ausführung des Rahmens erlaubt ein offenes Rahmendreieck.

Außerdem sind auch gut gepflegte XS 3-Zylinder (noch!) sehr günstig.

 

Deshalb fielen schon viele XS dem Cafe Racer Umbauwahn zum Opfer, wobei ich das inzwischen langweilig finde und mich zunächst dagegen entschieden habe.

Die XS sieht auch im Standard gut aus, wenn man ein paar Kleinigkeiten modifiziert.

 

Wenn man aber unbedingt umbauen möchte, sollte man sich auch die XS 400 ansehen. Aktuell werden diese Modelle fast verschenkt, aber für einen schlanken, leichten Umbau finde ich sind sie sehr gut geeignet. Die gut 30 PS reichen für die Feierabendrunde locker aus.

 

Ein Freund von mir baut gerade eine Scrambler auf dieser Basis auf. Hat was.

 

 

So, das war´s nun erst mal zur XS.

 

Danke fürs Lesen bis hierher.

Hat Dir der Artikel gefallen?

15.01.2022 10:18    |    PIPD black

Schöne Maschine. Hat Stil. Die weißen Räder haben doch eigentlich gut ins Design gepaßt.


15.01.2022 17:39    |    Px200ELusso

Ja, das kann sein. Ich fand sie nicht schön.

Zumal noch ein weißer Cafre Racer Sitz mit passenden Streifen in schwarz und rot mit dabei war. Das wäre mir dann viel zu viel weiß.

 

Na ja, die XS und ich fangen ja gerade erst zusammen an. Da geht schon noch was in den nächsten Jahren und die weißen Räder hebe ich ja auf...


Deine Antwort auf "Die XS - from the 70s up till today"

Blogempfehlung

Mein Blog hat am 13.01.2022 die Auszeichnung "Blogempfehlung" erhalten.

Blogautor(en)

Px200ELusso Px200ELusso