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Christoph2605

Blog vonChristoph2605

22.08.2015 07:37    |    Christoph2605    |    Kommentare (9)

Bertha Benz hat gerufen.

So lautete schon das Intro zu meinen Betrachtungen

im Jahr 2013. ( http://www.motor-talk.de/forum/bertha-benz-hatte-gerufen-t4643529.html )

 

Geschichtlich ist überliefert, dass Bertha Benz in den

Schulferien im Jahr 1888 ( vor 127 Jahren ! ) mit ihren

Söhnen Richard und Eugen in den Wagen von Ihrem

Ehemann Carl Benz gestiegen ist, um die Familie in

Pforzheim zu besuchen.

Über die Feldwege dieser Zeit wurde gefahren (und

dieses KFZ wurde wohl auch viel geschoben) und

Bertha hat tatsächlich Pforzheim erreicht und auch

den Rückweg nach Ladenburg ( Mannheim) wieder

bewältigt.

 

In der Gegenwart findet die Bertha-Benz-Fahrt (www.Bertha-Benz-Fahrt.de) als Event auf der

Bertha-Benz-Memorial-Route (http://www.bertha-benz.de/) traditionell alle 2 Jahre statt.

 

Eingeladen werden KFZ bis BJ 1930 und ein offenes Geheimnis ist, dass ALLE

Vorkriegs-KFZ „mitgenommen“ werden. Wer also ein „Vorkriegs-Auto“ hat, sollte

zu der nächsten „Fahrt“ im Jahr 2017 unbedingt eine Anmeldung senden.

 

Abgesehen von einer guten und netten Organisation, den schönen Hotels und den

netten Teilnehmern dieser Ausfahrt handelt man in der Gewissheit, sich auf

„Historischem-Boden“ zu bewegen. Unabhängig davon ist es eine der unglaublich

seltenen Möglichkeiten, Fahrzeuge mit einer 18xx vor dem Baujahr auf offener

Landstrasse in Aktion zu erleben.

 

Ich bin da immerwieder ergriffen und freue mich dass da auch solche Youngtimer

wie unser 1929er Ford Tudor als Teilnehmer gerne gesehen werden.

 

Wir haben uns also früh bei der Familie Baier ( bzw der Organisation) angemeldet und

sind in freudiger Erwartung am Freitag dem 31.07.2015 nach Mannheim gereist.

 

Für unseren geliebten Tudor ist die Strecke von 100 Kilometern (im Vergleich zum Beispiel

zu unserer Reise nach Rom im Mai 2015) eher ein Spaziergang und so sind wir trotz

ausgiebiger Pausen um 14:00 in den „Mai-Markt-Hallen“ (der Messe in Mannheim)

angekommen. Die Fahrzeuge wurden Alle in der Messe-Halle sicher abgestellt und auch

die Abendveranstaltung fand dort statt. Nette Gespräche mit alten- und neuen-Freunden

sowie sehr gutes Essen ließen den Abend viel zu schnell vergehen. Das als Unterkunft

vorgeschlagene Maritim-Hotel ist „angemessen“ und die Betten ausreichend groß.

Leider habe ich nicht so gut geschlafen – Da war wohl ein Bier zu viel im Spiel.

 

Sämtliche nötigen Bus-Transfer und auch der Gepäck-Transfer von Mannheim nach

Pforzheim wurden von der Organisation angeboten/übernommen. Der Vor-Start am

Samstag dem 01.08.2015 erfolgte in den Mai-Markt-Hallen und der Start der

Bertha-Benz-Fahrt dann in der Fußgänger-Zone in Mannheim der „Mannheimer Planken“ .

 

Viele Zuschauer haben das Gefühl vermittelt, ein Super-Star zu sein und die komplette

„Bertha-Benz-Fahrt“ führt durch andauerndes freundliches Zurückwinken zu Schmerzen

in den Armgelenken. Das nimmt man sicher gerne in Kauf. Auch das Ford-Ahooga-Horn

wird praktisch pausenlos bemüht und ist bei den Passanten sehr beliebt.

 

Die Fahrt führte am Carl-Benz-Museum vorbei bis auf die „Fest-Wiese“ in Ladenburg.

15 Kilometer Fahrstrecke vor der ersten Zwischenverpflegung.

Respekt: Wenn das so weitergeht, platze ich irgendwann.

 

Nach der Fest-Wiese fahren wir ca 2 Kilometer, um dann auf die Fähr-Überfahrt zu warten.

Eine Fähre, die max 6 Fahrzeuge mitnehmen kann, braucht halt so ihre Zeit.

Das macht uns nichts – Man kann sich mit den Fahrzeug-Besatzungen vor und hinter sich

unterhalten speziell und um so mehr, wenn man die Fahrzeuge noch nicht kennt.

 

Nach der Überfahrt geht es weiter bis nach Wiesloch, wo man dann an der

Stadt-Apotheke vorbeigelotst wird.

 

Die Stadt-Apotheke ist die erste überlieferte Tank-Stelle der Menschheits-Geschichte

und Bertha-Benz kaufte dort Ligroin um das KFZ zu betanke ( Ligroin war der

Verkaufs-Name für Benzin. Benzin hätte schon damals feuer-geschützt und separat

gelagert werden müssen; Ligroin wurde als „Reinigungsmittel“ in Ballonflaschen im

Verkaufs-raum der Apotheken gelagert.)

 

Das Ligroin für die Teilnehmer 2015 wird in Chemischen-Glas-Röhrchen vor der

Stadt-Apotheke verteilt und ist „nur zu inneren Anwendung am Menschen“ vorgesehen.

 

Danach ist schon bald wieder anzuhalten, weil den Teilnehmern ein Eis spendiert wird.

Respekt – so wenig fahren wir sonst nur selten ?

 

Naja – Insgesamt muss man schon irgendwie nach Pforzheim kommen und so ist der

Nachmittag etwas „Fahr-Intensiver“ und die Strassen leider auch relativ stark frequentiert.

 

Bei der Ankunft in Pforzheim ist in der Stadtmitte die Fußgängerzone abgesperrt und

unglaubliche Menschenmengen drücken sich um die KFZ. Der von mir sehr verehrte

Herr J. Hübner hat dort die Moderation übernommen und er weiß zu JEDEM Fahrzeug

viele Details und Geschichten; Der Mann ist Klasse und die Zuschauer freuen sich

über die vielen Informationen.

 

Wir nehmen einen weiteren kostenlosen „Snack“ und begeben uns aber schon bald

in das nahe gelegene Parkhotel. Dort waren wir schon oft – Das Hotel ist schön und

wir sind gerne dort. Leider kommen wir nicht dazu den Pool zu nutzen, weil wir uns

für die Abendveranstaltung vorbereiten müssen.

 

Busse bringen uns ins Gasometer Pforzheim wo die Abendveranstaltung stattfindet.

( Carl-Benz hatte in den Gas-Werken-Pforzheim gearbeitet und während seiner Zeit

dort die Bertha bei einer Tanz-Veranstaltung kennengelernt. )

Das Gasometer ist Heute eine Event-Location http://www.gasometer-pforzheim.de/ .

Eine geniale Wandbemalung (Rom im Jahre 312) bringt uns zum Staunen und das

SEHR gute Abendessen tut ein Übriges.

Wir hatten einen wunderschönen und lustigen Abend, sind aber froh als uns der Bus

wieder ins Hotel bringt. Noch nie war ich nach so kurzer Fahrstrecke dermassen müde.

 

Am Sonntag dem 02.08.2015 erfolgte dann die Rückfahrt nach Ladenburg. Der Start

in der Fußgängerzone ist für die Uhrzeit ( 10:00 Uhr) erstaunlich gut besucht . Die

Rückfahr-Strecke ist praktisch leer und wir haben einen wunscherschönen Tag.

Alte Autos vor und auch Alte Autos hinter uns, herrlich.

 

Die Mittagspause erfolgt traditionell bei einem sehr großen Mercedes Händler mit

gutem Essen und ausreichend Erholungs-Zeit.

 

Im weiteren Reise-Verlauf werden die Orte besucht, wo verschiedene Arbeiten am

Original-Auto durchzuführen waren. So ist zum Beispiel das Haus des Schuhmachers

zu sehen, bei dem Bertha-Benz einer Intuition folgend Leder-Beläge auf die harten

Brems-Backen der Bremse aufnähen ließ. Es ist damit auch sicher, dass Bertha-Benz

die Bremsbeläge erfunden hat.

 

Die Fahrt endet um 14:30 für uns auf der Fest-Wiese in Ladenburg, wo vor VIELEN

Zuschauern die Teilnehmer-KFZ noch einmal einzeln vorgestellt werden und jeder

Teilnehmer eine Gedenk-Plakette erhält.

Ein weiterer Snack – natürlich und wir begeben uns auf die Rückreise nach Frankfurt.

Es ist noch sehr heiß geworden und wir wollen zeitig zu Hause sein.

 

Was für ein genialer Event. Wir kommen wieder und freuen uns dass es solche speziellen

Ausfahrten für sehr alte KFZ gibt.

 

Wir sehen uns ganz sicher bei der nächsten „Bertha-Benz“ 2017.

Viele Grüße Christoph

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22.08.2015 11:00    |    ladafahrer

Danke für den schönen Beitrag. Er liest sich so gemütlich und die Bilder sind klasse. Das war einmal mehr eine motivierende Frühstückslektüre zwischen Sonnenschein und der Schwabenparanoia, am Samstag mal wieder zu spät aufgestanden zu sein und schon zwei Stunden den spätsommerlichen Müßiggang zu genießen.

 

Bertha Benz ist meiner Meinung nach eine mutige Frau gewesen - auch unter der Relativierung, daß sie in ihrer Zeit nur aufgrund eines gehobenen Status so selbstbestimmt hat leben und handeln können. Ich erinnere mich an die Erzählungen meiner beiden Ur-Großmütter, die ältere 1887 geboren. Der persönliche Handlungsspielraum für Frauen war wohl stärker eingeengt als es das Schnürleibchen für den Körper war. Kein Studium, keine Wahlberechtigung, ja sogar Fahrradfahren galt als anrüchig - und da setzt sich gar eine Frau ohne Chauffeur in ein Automobil und bringt mit jedem gefahrenen Meter die Welt in den Augen gestrenger Staatsgewalt ins Wanken. "Gott-Kaiser-Vaterland", das war die Hierarchie. An Disputieren zum Behuf der gesellschaftlichen Alleinstellung und Selbstentfaltung war damals ja nicht zu denken. Es wurden Frauen verhaftet und eingesperrt, die geringere "Vergehen" gegen die öffentliche "Ordnung" begingen.

Auch darf man nicht vergessen, daß es damals keine Hosen gab für Frauen, etwaige Reparaturen oder Servicearbeiten also in für solche Anforderungen völlig unbequemen und ungeeigneten Kleidern gemacht werden mußten. Eine technische Laufleistungsfähigkeit von 100000 km heutiger Kraftfahrzeuge entsprach 1888 bei einem Automobil wahrscheinlich nur wenig mehr als 1000km.

 

Bertha Benz hat eine im Wortsinne spektakuläre Fahrt vollbracht.

 

Danke nochmals für diesen schönen Artikel - nun ruft mich die "Kehrwoche", DEM gesellschaftskritischen Handlungsbaustein südwestdeutscher Lebens-/Ordnungskultur :)


22.08.2015 11:19    |    motorina

Wie gewohnt wieder einmal ein ausführlicher und interessanter Bericht über eine "Schnauferl"-Fahrt.

Die Vielzahl der Bilder:) mag einen Eindruck dieser Veranstaltung vermitteln - aber leider beginnen meine Modellkenntnisse erst Mitte des letzten Jahrhunderts :):rolleyes:, sodass ich die meisten Fahrzeuge nur bewundern kann ohne zu wissen, welcher Marke ich sie zuordnen kann.

(Ich weiss, @Christoph2605: Die Beschriftung ist noch einmal ein grosser Aufwand - vor allem, wenn man selbst nicht alle Modelle kennt und erst recherchieren muss)

Eine nette Samstag-Vormittag-Lektüre, wenn man gerade auf einen Kumpel warten muss...


22.08.2015 19:34    |    smart_55

Hallo Christoph,

ein toller Bericht und fabelhaft, die Bilder.

Es ist doch erstaunlich, wie viel in was für einer Vielfalt diese Oldtimer noch laufen.

Ich habe zwischenzeitlich an 2 Oldtimertreffen teilgenommen, und war erstaunt,

welches Interesse von den Zuschauern gezeigt wurde.

Macht wirklich Spaß, mein 1929 Tudor.

 

Grüße Dich

Walter


22.08.2015 21:16    |    Christoph2605

Danke für die netten Kommentare

 

Hi Ladafahrer - Gegen Deine "Schreibe" komm ich nicht an . :eek:

Kehrwoche haben wir zum Glück nicht.

Ich vermute, Bertha war auch ne Schönheit.

 

Mein Freund Gerhard hat nu wirklich schöne Fotos gemacht und ich

denke ihr könnt die so auch sehen?

https://www.facebook.com/photo.php?...

 

HI Motorina

Recht hast Du...

Hätte mal die Autos hinschreiben können. :rolleyes:

Nun - ich werde zunächst mal die Teilnehmerliste raussuchen und hier posten.

 

LG Christoph


22.08.2015 21:45    |    motorina

Zur Motivation und als Belohnung für die zusätzlich aufgehalste Mehrarbeit ;) hier einige Fahrzeuge aus meinem Bekanntenkreis, die zu deinen Bildern passen.

Danke für deine Mühe!

 

Edit: Ach ja, auf Bild 3 ist im Hintergrund ein Oakland (Mitte der 20er Jahre).

Sorry, finde gerade das Einzelbild nicht :rolleyes: ...



22.08.2015 21:59    |    wolfhenning

Mensch Christoph, bin beeindruckt!

Bei so tollem Wetter solche Gefährte zu bewegen macht sicher einen Riesenspaß. Ne Menge teilweise sehr filigranes Alteisen, viel Holz und blankes Messing - ich beginne es zu mögen.

Drum danke ich auch mal recht schön für den tollen Bericht!!

Du kannst es einem echt schmackhaft machen, und ich wäre tatsächlich gerne dabei gewesen. Allerdings wären das 190km Anfahrt + die Ausfahrt und wieder retour.

Unser Ford A (seit 2 Monaten in der Familie) hatte diese Woche Ruhe vor mir, nur eine Sicherung hat er bekommen und ein paar winzige Lackkorrekturen.

Viele Grüße von Wolfhenning (der morgen FRÜH langhubig/zweirädrig unterwegs sein sollte)


23.08.2015 06:58    |    Christoph2605

Hallo zusammen.

Ich freue mich übrigens sehr, dass mit Walter und Wolf die Menge an "A" hier im MT drastisch zunimmt.

So soll das sein. Es wird wohl auch Zeit, mal so etwas wie ein Deutsches A-Register anzulegen.

Tatsächlich fühlt man sich schon sehr alleine und wenn man ein Problemchen hat würde man den

nächsten A-Besitzer (der eventuell gar nicht weit weg wohnt) ganz gerne befragen.

Mal sehen wie man dass machen könnte...

 

Hier der Link zum Zeit- bzw Streckenplan der Bertha-Benz-Fahrt

http://...allgemeinerschnauferl.club/.../...itplan_f%C3%BCr_Presse.pdf

 

 

Hier der Link zu den Fahrzeugen

http://...allgemeinerschnauferl.club/.../Teilnehmerliste_Presse.pdf

 

Ich füge also mal noch ein paar KFZ-Namen zu den Fotos ein.

 

LG Christoph


23.08.2015 08:15    |    Christoph2605

So sieht es übrigens aus, wenn der 1898er Benz Velo gestartet wird:

https://www.youtube.com/watch?v=N2cmvuoQBP4


23.08.2015 23:28    |    Dortmunder 65

Hi Christoph,

 

wieder ein rund um gelungener Artikel, besten dank!


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