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Toyota Camry 2018: Meistgekaufter Pkw der USA - Alles neu beim amerikanischsten aller Autos

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Toyota zeigt in Detroit einen komplett neuen Camry. Das Modell verkauft sich seit Jahren besser als alle anderen Pkw in den USA. Was macht den Camry so erfolgreich?

Der neue Toyota Camry tritt ein großes Erbe an: Sein Vorgänger ist der erfolgreichste Pkw der USA und gleichzeitig das "zuverlässigste" und "amerikanischste" Auto Der neue Toyota Camry tritt ein großes Erbe an: Sein Vorgänger ist der erfolgreichste Pkw der USA und gleichzeitig das "zuverlässigste" und "amerikanischste" Auto Quelle: MOTOR-TALK

Detroit/Berlin – Ford Mustang, Chevrolet Suburban, Dodge Challenger– das stellt man sich unter US-amerikanischen Autos vor. Stimmt ja auch. Allerdings ist das amerikanischste aller Autos ein Japaner: der Toyota Camry. Cars.com erstellt jährlich den „American Made Index“. In zehn Jahren schaffte die Limousine sechsmal Platz eins, zuletzt 2015 und 2016.

Um im Index weit oben zu landen, müssen mehr als 75 Prozent der Teile als einheimisch gelten, das Auto muss in den USA montiert werden und es muss oft gekauft werden. Der Camry landete 2016 auf Platz vier der meistverkauften Autos, und bei den Pkw auf Platz eins. Obwohl das Ende des Modellzyklus erreicht ist, wurden noch einmal 388.618 Exemplare abgesetzt. Zum Vergleich: Der VW Jetta belegt mit 121.107 Einheiten Platz 39, der direkte Camry-Konkurrent Passat nur Platz 73.

In Detroit zeigt Toyota nun die neue Generation des Bestsellers. Auf einer neuen Plattform und mit neuem Design. „Assembled in America, by Americans, for Americans“, wirbt Toyota. Aber was macht den Camry so erfolgreich? Zunächst mal ein günstiger Preis. 23.070 Dollar (rund 21.800 Euro) vor Steuern bedeuten viel Platz für recht wenig Geld.

Viel Platz für wenig Geld

Seitenansicht: Der Toyota Camry des Modelljahrs 2018 wird minimal länger als sein Vorgänger Seitenansicht: Der Toyota Camry des Modelljahrs 2018 wird minimal länger als sein Vorgänger

Die USA sind noch immer Limousinen-Land. Während bei uns ohne Kombis nicht viel geht in der Mittelklasse, gelten vier Türen, ein großer Kofferraum und ein ruhiger Innenraum in den USA als gute Argumente – auch wenn der Marktanteil von Limousinen zugunsten der SUV schrumpft.

Der neue Camry misst rund 4,86 Meter Länge und legt damit nur um einen guten Zentimeter in der Länge zu. Fürs Parkplatzangebot deutscher Innenstädte mag er oversized sein, in den USA trifft die „Mid-size-Limousine“ die Mitte der Gesellschaft. Beim Radstand geht es um fast fünf Zentimeter nach oben auf 2,82 Meter.

Drei Motorvarianten bietet Toyota im Camry des Modelljahres 2018 an. Unter der Haube sitzt der komplett neue 2,5-Liter-Vierzylinder, der einen Wirkungsgrad von mehr als 40 Prozent bieten soll und mit der neuen Achtgang-Automatik gekoppelt wird.

Leistungsdaten nennt Toyota noch nicht, sie sollen aber über denen des abgelösten Modells liegen, das auf rund 180 PS kam. Beim Verbrauch erwartet Toyota Klassenbestwerte. Der 3,5-Liter-V6 gehört noch nicht zur neuen Motorengeneration, soll aber ebenfalls mehr Leistung liefern als das bisherige Modell mit 268 PS.

Turbomotoren fehlen im Angebot, der Hybrid-Antrieb nicht. Im Camry kommt die „große“ Version mit dem genannten 2,5-Liter-Benziner zum Einsatz. Nach wie vor koppelt Toyota das System an das stufenlose Getriebe (CVT). Das simuliert jetzt in einem neuen Sport-Modus sechs “Gänge”, in den höheren Ausstattungslinien gibt es Schaltpaddel.

"Bestes Mittelklasse-Auto"

Toyota baut auch in den neuen Camry ein massiv wirkendes Cockpit ein - aber mit einem eleganteren Schwung Toyota baut auch in den neuen Camry ein massiv wirkendes Cockpit ein - aber mit einem eleganteren Schwung

Toyota ist sich bewusst, dass die Fahrzeugklasse der Mid-size-Limousinen unter Druck ist – und dass der Camry Auffrischung dringend nötig hatte. Trotz der Topplatzierung im vergangenen Jahr bei den Pkw: Gegenüber 2015 verlor er bei den Verkäufen rund 10 Prozent. Er versprühte nach sechs Produktionsjahren trotz regelmäßig gepflegtem Äußeren den Charme eines gut abgehangenen Mietwagens.

Doch gut abgehangene Technik hat Vorteile, zum Beispiel Zuverlässigkeit. Bei "Consumer Reports" (CR), einer Art amerikanischer Stiftung Warentest auf Steroiden, belegen Toyota (und Lexus) regelmäßig die vorderen Plätze.

Den Camry empfahl CR zuletzt 2016 als bestes Mittelklasse-Auto. Die Verbraucherschützer hoben den leisen Innenraum, geschmeidige Antriebe, die komfortablen Fahreigenschaften und das solide Handling hervor. Außerdem liefere er „Jahr für Jahr überragende Zuverlässigkeit” und beeindruckende Crashtest-Resultate. Das mache den Camry zur „nahezu perfekten Limousine”.

Konkurrenten wie der Honda Accord liegen in der Bewertung fast gleichauf, Volkswagen indes gilt in der neuen Welt nicht erst seit dem Dieselskandal als abgeschlagen. Jedenfalls im Kapitel Zuverlässigkeit. Der US-Passat wird als „unterdurchschnittlich“ bezeichnet, genau wie der kleinere Jetta verlor er Ende 2016 die CR-Empfehlung. Die Marke VW rutschte auf Platz 22 ab.

Neue Plattform, sportlicheres Handling

US-Amerikaner vertrauen auf CR. Kein Wunder, dass der Camry gerne gekauft wird. Das neue Modell muss seine Beliebtheit (und Zuverlässigkeit) noch unter Beweis stellen. Das Böseste, das US-Automedien (und der CR) über den bisherigen Camry sagen, ist: Er ist langweilig. Der neue wird deshalb sportlicher, das Dach liegt etwas niedriger und fällt nach hinten leicht ab. Von Weitem wirkt er fast wie eine Coupé-Limousine, die Front wird aggressiver.

Bei uns ist der VW Passat der unangefochtene Mittelklasse-Star. In den USA sieht die dortige Version gegen den Toyota Camry traditionell keinen Stich. Der Abstand wird durch den Toyota-Modellwechsel höchstwahrscheinlich wachsen Bei uns ist der VW Passat der unangefochtene Mittelklasse-Star. In den USA sieht die dortige Version gegen den Toyota Camry traditionell keinen Stich. Der Abstand wird durch den Toyota-Modellwechsel höchstwahrscheinlich wachsen Die sportliche Optik soll sich im neuen Camry auch im Fahrverhalten spiegeln, verspricht Toyota. Das wird stimmen, denn das Modell basiert auf Toyotas modularer TNGA-Plattform – die mit ihrem tiefen Schwerpunkt bereits dem Hybrid-Klassiker Prius zu einem deutlich agileren Fahrverhalten verhalf.

Dazu passt das neue Cockpit: Die Mittelkonsole ist breiter und geschwungener als beim Vorgänger, sie fließt vom Beifahrer zum Fahrer. An den Türen, Ablagen und am Armaturenbrett kommen mehr weiche Materialien zum Einsatz. Auch dadurch wirkt der Camry insgesamt hochwertiger als sein Vorgänger.

Abstand zum Passat vergrößert

Den Abstand zum VW Passat dürfte Toyota damit deutlich vergrößern. Der US-Passat kostet zwar nur 22.440 Dollar, misst 4,87 Meter in der Länge und bietet reichlich Platz. Allerdings steigt der Preis laut CR auch in den USA schnell, wenn es an die Optionsliste geht. Außerdem liegt die Verarbeitungs- und Materialqualität längst nicht auf dem Niveau, dass auch Amis traditionell von deutschen Autobauern erwarten.

VW steht hier in den Augen vieler Amerikaner nicht besser da als Marken wie Honda, Hyundai, Mazda oder Subaru. Im Zuverlässigkeitsranking liegt VW defacto hinter der Konkurrenz aus Korea und Japan. Und im „American Made Index“ kann VW auch nicht punkten. Dann doch lieber einen Toyota Camry.

Text: Fabian Hoberg und Heiko Dilk

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