Motorkultur

ADAC Trentino Classic 2011: In Kampfstiefeln auf den Opernball

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Eines muss man Dirk Hattenhauer von Sonax ja lassen – der Junge hat Mut. Und Stil.

Denn mit einem signalgrünen 1977 Opel Ascona B aus dem Stall BSG Racing inklusive mächtig frisierten Antrieb (2,2 Liter Reihenvierzylinder CIH) auf eine klassische ADAC "Auto-Wander-Tour" zu gehen ist in etwa so, als ob man in Kampfstiefeln auf einen Opernball geht. Oder eine Cohiba auf Lunge raucht. Das traut sich nicht jeder.

Als die Einladung von Sonax kam, Dirk in Italien zu begleiten, haben wir nicht lange gefackelt. Das konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen. Alleine die Vorstellung, in einem Fahrzeug zu "wandern", das sich unter 3000 Touren eher zickig verhält, ist genau nach unserem Geschmack. Das gepaart mit den grandiosen Landschaften der Dolomiten Region und ihren Panorama-Straßen konnte einfach nur eine Menge Spaß bedeuten.

Bereits zum achten Mal hatte der ADAC nach Italien eingeladen. An den oberen Gardasee in die oberitalienische Provinz Trentino, um genau zu sein. "Oldtimer-Wandern" lautete das ausgeschrieben Motto. Der Begriff "Autowandern" entstand übrigens in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Presse schwärmte damals: "Das Wandern mit dem Kraftwagen ist Verbindung von Autofahren und Kultur, von Natur und Technik, ist ein Erlebnis der Natur durch die Technik, eine Zeitlosigkeit und ein glückliches sich leiten lassen von der Landschaft, von der Sonne, von der Natur." Aha.

Die Frage, ob man mit einer Rüsselsheimer Bergziege unbedingt auf Wandertour gehen muss – wo man schon im Vorfeld weiß, dass der Wagen komplett aus dem Rahmen fallen wird –, muss man sich natürlich gefallen lassen. Aber dass wir genau in dem richtigen Auto sitzen würden, war uns klar.

Denn – wie zu erwarten – polarisierte der Opel. Die Reaktionen reichten von verwunderten Nachfragen, ob dieses Fahrzeug denn wirklich Regel-konform sei, bis hin zu Lob. Letzteres allerdings eher hinter vorgehaltener Hand, schließlich war man sich nicht ganz sicher, ob der Ascona nun wirklich "Kulturgut" ist. Wir sind übrigens absolut der Meinung, was wir hier nochmals unterstreichen möchten.

Gerne wären wir länger geblieben, als nur für ein eintägiges Intermezzo einzufliegen. Aber unsere eigene Terminlage ließ das leider nicht zu. Auch wären wir gerne das Abenteuer eingegangen, in einem 1970 Ford Capri 1600 GT MK1 mit dem DB Autozug anzureisen, wie seitens unserer Gastgeber angeboten. Aber – das holen wir nach!

Zum Schluss ein Geständnis. Das Tête-à-tête in Riva del Garda mit Sonax verlief nicht ohne Folgen. Wir haben uns verschossen. In die schwarze "PremiumClass". Schuld ist einzig Thomas Backe, der uns Nachhilfe gab, wie man mit dem Zeugs umgeht. Insofern – wir gestehen es: Wir haben unsere Autos gewachst. Und den Chrom poliert. Und es hat sich gut angefühlt ...

 

 

Quelle: Chromjuwelen

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