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Volvo XC90 2 (L) 2.0 D5 AWD Test

19.12.2016 11:18    |   Bericht erstellt von Mr. Knilch

Testfahrzeug Volvo XC90 2 (L) 2.0 D5 AWD
Leistung 235 PS / 173 Kw
Hubraum 1969
HSN 9101
TSN BGR
Aufbauart SUV/Geländewagen/Pickup
Kilometerstand 25000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 11/2016
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von Mr. Knilch 4.5 von 5
weitere Tests zu Volvo XC90 2 (L) anzeigen Gesamtwertung Volvo XC90 2 (L) (seit 2015) 4.5 von 5
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Einleitung

Der XC90 rollt nun seit einem Jahr und hat ca. 25.000 km runter.

 

Die Erinnerungen an den Vorgänger, einen Mercedes-Benz GLC 250d, sind noch ganz frisch, daher werde ich hier Vergleiche zum GLC ziehen. Dieser musste weichen, da wir uns nach einem größeren Kofferraum sehnten. Zum XC90 griffen wir unter anderem, da er im Premium-Segment im Hinblick auf das Platzangebot im Kofferraum auf deutschen Straßen nahezu außer Konkurrenz fährt:

 

  • In die Nähe kommt eigentlich nur der Audi Q7, der uns aber optisch und hinsichtlich Image überhaupt nicht gefällt - auch wenn er technisch im Moment in bestimmten Bereichen noch die Nase vorn hat und daher derzeit insgesamt ausgereifter wirkt.
  • Dann wäre da noch der Mercedes GLS, der zwar noch eine spürbare Schippe mehr Platz bietet, allerdings ohne sonstigen Mehrwert preislich so viel höher liegt, dass er dem Volvo keine Konkurrenz macht.
  • Der Mercedes GLE dagegen ist hinsichtlich Platzangebot ein schlechter Witz (ebenso wie VW Touareg und BMW X5). X5 und GLE können zudem preislich nicht ganz mit dem XC90 mithalten.
  • Skoda, Jeep, Kia, Mitsubishi, Mazda usw. sind zwar attraktiv im Hinblick auf Preis/Leistung, fahren aber nicht im Premium-Segment - ich finde das spürt man auch sehr deutlich.
  • Die Konkurrenz aus Großbritannien gefällt mir dagegen optisch nicht (Range Rover), ist zu klein (Jaguar) oder befährt preislich ein anderes Segment (Bentley).
  • Der Rest aus den USA (Ford, Chevy etc.) ist für Europäische Straßen keine Alternative, da zu durstig, zu dünnes Servicenetz und auch zu sperrig.

 

Natürlich spielt am Ende des Tages "Geschmack" die größte Rolle: Sicherlich wäre bei nüchterner Betrachtung unter den oben genannten Konkurrenten der ein oder andere Wagen auf Augenhöhe oder gar je nach Prioritätensetzung vorzugswürdig. Keiner von ihnen löst jedoch bei mir im gleichen Maße Emotionen aus wie der XC90 - ausgenommen vielleicht der X5, jener allerdings ohne vernünftiges Platzangebot. Hinzu kommt, dass man mit einem XC90 kein Allerweltsauto fährt, sondern als Exot auf der Straße ist (das gilt natürlich nur außerhalb Schwedens).

 

Manch einer mag das belächeln aber für mich ist das ebenso ein Kaufkriterium wie das Image, das ein Volvo verströmt: Volvo bedeutet individualistische Premiumqualität, Outdoor/Abenteuer, Praktikabilität, kühles und klares Design sowie Understatement. Daher finde ich die Marke schon anziehend, seit ich vor 15 Jahren das erste Mal den V70 (erste Generation optisch unerreicht) meiner Tante gefahren habe. Und auch der XC60 hat es mir schon seit Jahren angetan, war mir dann aber doch zu klein und nicht auf Höhe der Zeit. Der XC90 vereint all die oben genannten Ideale.

Galerie

Karosserie

5.0 von 5

Hier schreibe ich nichts Neues aber für mich ist der Wagen eines der derzeit schönsten Fahrzeuge überhaupt. Er trifft sowohl beim Außendesign als auch beim Innenraum vollständig meinen Geschmack, ist tadellos verarbeitet und bietet ein hervorragendes Platzangebot für alle Passagiere und gefühlt unendlichen Laderaum. Wir haben den Kofferraum durch das Trenngitter geteilt und auf der einen Seite hat unser Hund (ca. Schäferhund-Größe) locker genug Platz, während wir auf der anderen Seite bis unters Dach vollstapeln können.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Außen- und Innendesign
  • + Verarbeitung
  • + Platzangebot Passagiere
  • + Laderaum
  • - Außenmaße schwierig in engen Parkhäusern

Antrieb

4.0 von 5

Der Motor ist agil und hat für meine Bedürfnisse ausreichend Power für das Fahrzeug. Ich habe allerdings auch keinen Bleifuß (wie wohl die meisten Volvofahrer). Die 4 Zylinder genügen, um den Dicken in allen Alltagssituationen mit ausreichender Wucht nach vorn zu treiben. Die Schaltung ist sehr sanft und nicht spürbar, wenn man im ECO-Mode fährt. Bei den Sport- oder Comfort-Einstellungen, gibt es schon hin und wieder mal einen Nackenschlag, das ist aber auch bei anderen Herstellern so. Insgesamt ist sie mit der neuen 9-Gangautomatik im GLC auf Augenhöhe. In der kalten Jahreszeit schaltet sie nach einem Kaltstart für meinen Geschmack deutlich zu spät. Ich vermute, der Motor soll schnell auf Temperatur gebracht werden, daher dreht er in den ersten fünf Minuten gerne mal auf 3.500 U/Min hoch, was natürlich deutlich hörbar ist.

 

Insgesamt hat der XC90 mehr Druck als der GLC, der bei deutlich geringerem Gewicht nur 30 PS weniger hatte. Selbstverständlich ist der Durchzug nicht ganz mit einem 6-Zylinder vergleichbar. Fährt man mal (wie ich kürzlich im V70) zum Vergleich den alten D5 mit 5 Hüten, merkt man, dass die 5 Zylinder leiser schnurren und sich aggressiver anfühlen. Dagegen hilft auch die x-fache Turboaufladung nicht. Dennoch finde ich die fehlenden ein/zwei Zylinder keineswegs störend und hinsichtlich Durchzug ist nach meiner subjektiven Einschätzung kaum ein Unterschied zu bemerken (bedenkt man, dass der V70 deutlich leichter und aerodynamischer war). Der Hauptunterschied ist der Sound, der bei vier Hüten einfach angestrengter klingt und mehr nagelt. Die Leistung des 235 PS 4-Zylinders genügt aber völlig. Ich persönlich würde keine kleinere Motorisierung wählen.

 

Ergo: Das für mich im Alltag einzig spürbare Manko der 4 Zylinder ist das manchmal am Berg (insb. nach Kaltstart, siehe oben) oder starker Beschleunigung zu krasse Hochdrehen. Im Dauerlauf fällt das nicht auf; wer hier aber empfindlich ist, sollte zu den (allerdings deutlich durstigeren) T6 oder T8 greifen oder zumindest die Akustikverglasung wählen (wobei zweifelhaft ist, ob diese etwas gegen den Motorenklang hilft).

 

Der Verbrauch ist für ein derartiges Trumm geradezu sensationell. Bei meinen täglichen 80km Strecke liegt er mit ca. 7,2 Litern/100 km etwas über dem GLC, was dem deutlich höheren Gewicht geschuldet ist. Fährt man man eine längere BAB Strecke mit konstanten 120-130 km/h, landet man je nach Streckenverlauf schnell bei 6-6,5 Litern/100 km. Ab 130 km/h macht sich der Luftwiderstand im Verbrauch bemerkbar und man nähert sich den 8-10 Litern/100 km. Fährt man sehr sportlich, kann man aber auch ohne Weiteres mit 13 Litern aufwärts/100 km unterwegs sein. Insgesamt finde ich den Gesamt-Durchschnittsverbrauch von 7,5 Litern/100 km mehr als respektabel angesichts der Fahrzeugform und -masse.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Verbrauch für SUV sehr niedrig
  • + Motor sehr durchzugsstark
  • - Motor beim Beschleunigen recht laut

Fahrdynamik

4.0 von 5

Den Fahrzeugmaßen geschuldet ist der XC90 natürlich kein agiler Straßenflitzer. Zwar stellt der Motor ausreichend Leistung zur Verfügung, um auch mal kurz in eine Lücke im Stadtverkehr zu schlüfen oder schnelle Überholvorgänge einzuleiten. "Wendig" ist ein Fahrzeug mit diesen Ausmaßen aber selbstverständlich nicht. Im Vergleich zum erheblich kleineren GLC liegt der XC90 hier klar hinten. Alles Andere wäre physikalisch auch schwer zu erklären.

 

Die Kurvenlage ist gut aber bei 1,77 m Fahrzeughöhe natürlich auch nicht mit einem flachen Kombi oder Mid-size SUV zu vergleichen. Alles in allem übertrifft der XC90 hier die Erwartungen etwas, er ist und bleibt aber kein Sportler und dient eher der gemütlichen Reise durch schwedische Wälder.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + In Anbetracht der Außenmaße überraschend wendig
  • + Gute, sichere Straßenlage
  • + Gute Beschleunigung
  • - Kein Kurvensportler

Komfort

4.0 von 5

Die Sitze sind sensationell komfortabel und deren Einstellungsmöglichkeiten sehr vielfältig. Innengeräusche gehen vollkommen in Ordnung. Abrollgeräusche kann ich mit den Winterreifen keine feststellen. Die vormontierten Sommerreifen (Continental) sind dagegen sehr laut wahrnehmbar. Das liegt m.E. aber nicht am XC90 (wie der Vergleich mit den nicht hörbaren Winterreifen zeigt), sondern an den unfassbar lauten Conti-Schuhen. Insgesamt ist der Innenraum deutlich leiser als beim GLC obwohl ich dort Akustikverglasung hatte, die meinem XC90 fehlt.

 

Die Software des Wagens ist mittlerweile nicht mehr so anfällig wie bei den ersten Modellen der Baureihe. Bei mir funktionierte anfangs die Start/Stopp Funktion nicht und ein Mal ist das Navi abgestürzt (bzw. hat die Fahrzeugposition dauerhaft falsch gesetzt), was sich erst wieder durch das Trennen der Batterie wiederbeleben ließ. Nach zwei Monaten gab es aber keinerlei Auffälligkeiten mehr. In diesem Zusammenhang ist positiv, dass Volvo ständig neue Updates ausgibt.

 

Dass es kaum noch Knöpfe gibt und alles über ein Touch-Display (Sensus) gesteuert wird macht weitgehend Sinn. Die Bedienung des Zentraldisplays ist anfangs etwas ungewöhnlich. Das Meiste erschließt sich über die Tablet-Logik aber recht schnell. Nur manche Einstellung sind viel zu versteckt und das gesamte System leider viel zu langsam - das ist besonders ägerlich, da ja auch die Klima über das Sensus gesteuert wird. Will man im Sommer mal direkt nach dem Einstieg ganz schnell die Klimaanlage hoch oder runterregeln, hat aber zuvor das Profil gewechselt, kann man erst mal 1 Min warten (Profilwechsel mag er gar nicht). Zudem lenkt die Bedienung beim Fahren doch etwas ab, denn anders als bei physischen Knöpfen kann man ein Tablet eben nicht blind bedienen bzw. die Tasten "erfühlen". Bestimmte Funktionen sollten schneller/einfacher verfügbar sein (z.B. Start/Stopp, Parkassistent, Kamera usw.). Ideal wäre es daher, wenn man sich das Funktions-Display selbst zusammenstellen könnte, z.B. mit größeren Kacheln. Die groß beworbene Spotify-App macht nur manchmal Spaß. Leider ist sie häufig sehr langsam (Abruf läuft wohl über überlastete Volvo Server).

 

Das digitale Cockpit ist aufgeräumt allerdings grafisch ungenügend, d.h. die Zahlen und Grafiken sind recht pixelig, was m.E. nicht zeitgemäß ist. Zudem ist es kaum konfigurierbar. Einige Informationen, die für den Fahrer wichtig oder zumindest interessant sind, können im XC90 nur über ein hakeliges Kontextmenü angezeigt werden. Mir fehlen hier z.B. die seit Start gefahrene Zeit oder die Höhe n.n. Zudem kann man z.B. die Aufzeichnung ab Start (TA) nicht manuell zurücksetzen, was insofern ungünstig ist, da das Auto mehrere Stunden stehen muss, bis sich die TA-Aufzeichnung zurücksetzt. Schön wäre auch eine dauerhafte Anzeige des abgespielten Medientitels/Radiosenders auch wenn die Navigationsanzeige aktiv ist, zum Batterieladezustand, Anzeige des Datums usw.

 

Das gesamte Bedienkonzept (Sensus und digitales Cockpit) lässt sich insgesamt wie folgt mit Audi und Mercedes vergleichen:

 

  • Mercedes Command Online und Audi MMI können insgesamt weniger als das Sensus und sehen im Vergleich beide recht antiquiert aus (vor allem Audi ist hier m.E. Lichtjahre hinterher).
  • Die Bedienung ist bei Audi und Mercedes aufgrund der vielen Knöpfe insgesamt weniger intuitiv als beim Sensus. Allerdings hat die reine Touch-Display Steuerung den Nachteil, dass sie manchmal etwas langsam ist. Zum Beispiel dauert es nach dem Start des Fahrzeugs sicher 10 Sekunden, bis sich das Sensus flüssig bedienen lässt. Das nervt, wenn man z.B. schnell die Klimaanlage justieren oder die Medienquellen wechseln will. Auch das Navi benötigt einige Sekunden, bis es ansprechbar ist. Besonders hakelig wird es, wenn man das Fahrerprofil wechselt. Dann rechnet das Sensus gerne auch mal 30 Sekunden und ist währenddessen kaum bedienbar - hin und wieder stürzt es beim Profilwechsel auch komplett ab.
  • Das digitale Fahrercockpit ist insbesondere bei Audi informativer (z.B. skalierbare Navianzeige und einige zusätzliche hilfreiche Informationen), wenn auch weniger hübsch "designed". Audi punktet vor allem Google Earth, was ich fantastisch finde und im Volvo leider fehlt. Auch die geringe Auflösung des Cockpits überzeugt nicht. Das Volvo-Prinzip erinnert hier etwas an Apple: Lässt sich leicht bedienen aber man kann nichts konfigurieren und bekommt auch nur die Infos serviert, die einem vom Hersteller gegönnt werden.

 

Die Verarbeitung ist m.E. derzeit das Maß der Dinge, etwas Besseres und optisch Ansprechenderes habe ich noch in keinem anderen Premium-Hersteller in dieser Fahrzeugklasse gesehen (die einzige Ausnahme bilden die Klavierlacktasten auf dem MuFu-Lenkrad, die bei ABM ein besseres Gefühl vermitteln). Volvo zeigt hier einen unglaublichen Hang zum Detail, angefangen bei den sowohl optisch als auch ergonomisch sensationell geformten bequemen Sitzen, dem edlen offenporigen Walnussholz, dem kleinen Schweden-Fähnchen am Sitz bis hin zu den formschönen Türöffnern. Sämtliche Innenraumelemente sind regelrechte Handschmeichler. Einzige Ausnahme: Die tatsächlich verbliebenen Tasten für die Lautstärkeregelung: Hier verwendet Volvo - für mich unverständlich - billiges Chromplastik statt Edelstahl, was sich sehr billig anfühlt und nicht ins Gesamtkonzept passt. Ansonsten stimmt einfach alles und der Wagen spielt diesbezüglich für meinen Geschmack in einer ganz anderen Liga als Audi, Mercedes oder BMW. Um es mit Jeremy Clarkson zu sagen (zwar auf den V90 bezogen, der allerdings demselben Design folgt):

Zitat:

Because this side of a Rolls-Royce Phantom you will find no finer car interior. The combination of wood, aluminium and leather is sublime, and the way it all works is even better.

 

My sister once asked why it always feels, in any car, as if you’re sitting inside a man’s wash bag, and she has a point. They’re normally black and dark and enlivened only by some red stripes. Well, the Volvo’s not like that at all. It’s light and airy, and as a result it’s a lovely and delightful place to sit.

Der Innenraum ist luftig, hell und sehr wohnlich, was eine sehr ausgeglichene Stimmung vermittelt. Ich kann die Kombination aus hellem Leder mit Linear Walnut Einlagen sehr empfehlen. Noch besser wird es mit dem Panoramadach (das ich allerdings nicht habe).

 

Das Soundsystem von Bowers & Wilkins ist das Beste, was ich bislang in einem PKW gehört habe. Der Klang ist ausdifferenziert bis ins kleinste Detail und hat dennoch viel Druck und Volumen, wenn man es benötigt. Leider ist die Anbindung von Datenträgern für die mp3-Wiedergabe recht zickig: Meinen iPod hat das System streckenweise gar nicht erkannt und die mp3s auf dem USB-Stick erkennt er auch teilweise nicht (dieselben Quellen/Medien funktionierten im Mercedes Comand problemlos). Ebenfalls eine große Schwäche: Die Sprachsuche von Audiodateien auf USB/iPod funktioniert nicht einmal im Ansatz. Schlicht unbrauchbar. Schade und verwunderlich, da es sich bei der mp3-Wiedergabe und Sprachsuche nun wirklich nicht um Raketenwissenschaft handelt und beides bereits in meiner 2013er C-Klasse zuverlässig funktionierte...

 

Der Fahrkomfort lässt ebenfalls wenig zu wünschen übrig. Die Mankos beim Motorenklang habe ich bereits erwähnt. Die Federung ist allerdings etwas hart, was sich aber nur auf löchrigen Straßen bemerkbar macht. Mich stört das aber nicht. Auf längeren Strecken fällt es ohnehin nicht auf und insbesondere nach einigen Stunden Autobahn oder Landstraße steigt man aus als hätte man gerade ein paar Stunden auf dem Wohnzimmersessel verbracht. Wer möchte, kann die etwas straffe Federung mit der optionalen Luftfederung ausgleichen.

 

Auch beim XC90 gibt es allerdings - wie bei jedem anderen Fahrzeug - einige Punkte, die nicht überzeugen. Es handelt sich aber im Wesentlichen um Kleinigkeiten:

 

  • Der Fernlichtassistent blendet etwas nervös auf und ab. Zwar hat sich bislang noch kein entgegenkommender Verkehr beschwert und auch die Sicht ist einwandfrei, der Wagen scheint also nicht zu blenden und der Assistent erfüllt seinen Zweck gut. Allerdings war das beim GLC viel eleganter, dort erfolgte das sanfte Umschalten/Ausblenden des Gegenverkehrs kaum merklich, eher gleitend und dabei genauso effektiv. Letztlich war der Fernlicht-Assi daher im GLC immer aktiv, während ich ihn im XC90 nur bei Bedarf einschalte.
  • Das Head-Up-Display ist technisch im Vergleich zum GLC schlechter: Das im HUD dargestellte Verkehrszeichen ist schwer lesbar, da zu klein und unscharf; der Rahmen der HUD-Projektionsfläche ist aus glänzendem, stark gewölbtem Kunststoff, der sich bei Tageslicht deutlich in der Frontscheibe spiegelt; das Projektionsdisplay hat eine starke Hintergrundbeleuchtung, was bei einer hellen Einstellung des HUD dazu führt, dass man stets ein beleuchtetes Rechteck um die projizierten Zeichen sieht. Das geht deutlich besser.
  • Es gibt in meinem MY2017 ohne Apple Carplay nur einen USB-Port (heutzutage nicht nachvollziehbar - insbesondere bei einem sonst so "connected" Fahrzeug). Wer jetzt (MY2018) neu konfiguriert, bekommt dagegen beim Business-Pro Paket automatisch Apple Carplay, Android Auto und zwei USB-Ports.
  • Der Pilot Assist 2 läuft nur bis max. 140 km/h, danach funktioniert nur noch ACC. Seit dem neusten Update arbeitet er allerdings bis 140 km/h außerordentlich zuverlässig. Neuerdings funktioniert er nun z.B. nicht nur beim Spurwechsel auf der AB ohne Unterbrechung, sondern auch in Baustellen selbst mit ganz enger Spur. Auch innerorts ist er viel häufiger aktiv und zuverlässiger als zuvor - auch wenn die Markierungen nur schwach sind. Das ist wirklich sensationell und jetzt m.E. mindestens auf dem Niveau von ABM, eher darüber (wobei ich die neuste Generation aus der E-Klasse noch nicht getestet habe).
  • Der Regensensor reagiert insbesondere bei langsamen Geschwindigkeiten nicht sehr zuverlässig: Manchmal wischt er wie wild, obwohl es nur leicht nieselt und manchmal wischt er gar nicht, obwohl sich durch leichten Nieselregen oder Straßenspritzer die Sicht schon deutlich verschlechtert. Generell wirkt das Ding recht unausgereift.
  • Will man nach dem Verlassen des Fahrzeugs noch einige Sekunden Wegbeleuchtung, muss man dies zunächst im Sensus aktivieren und zusätzlich noch jedes Mal vor dem Aussteigen nach Ausschalten des Motors den Fernlichthebel drücken - daran denkt man im "Ausstiegsaffekt" nicht, womit die Funktion m.E. recht sinnfrei ist.
  • Die 2-Zonen-Klima ist an sehr heißen Sommertagen etwas schwach auf der Brust. Für erste und zweite Reihe reicht es zwar auch bei 35°C im durch Sonneneinstrahlung aufgeheiztem Fahrzeug gut, allerdings konnte der GLC hier mehr: Dort hat man sich bei höchster Stufe regelrecht die Finger an der Düse angefroren, während der XC90 zwar kühle aber keine richtig kalte Luft kann. Das ist mitunter zum Nachteil des Hundes im Kofferraum, da der Wagen ja recht lang ist. Besser ist das mit der 4-Zonen Klima, die ich aber leider nicht habe. Unschön ist auch, dass die Klima nur über das Sensus gesteuert werden kann. Das ist viel aufwändiger und langsamer als die Bedienung über physische Knöpfe. Insbesondere nach dem Einsteigen ist das Sensus zudem recht hakelig und langsam, sodass man die gespeicherte Klimaeinstellung erst einmal kurz ertragen muss, bis man sie verstellen kann. Klares Minus.
  • Ein absolutes Unding ist der Fahrzeugschlüssel. Er sieht zunächst sehr edel aus (Leder- oder Holzgehäuse) und ist auch haptisch in Ordnung. Allerdings ist der Rahmen aus Plastik und dieses ist mit derart billigem Chromlack überzogen, dass dieser nach nur wenigen Monaten Nutzung rundum abblättert. Damit sieht der Schlüssel nicht mehr nach Premium, sondern äußerst peinlich aus. Das geht nicht nur mir so, sondern jedem XC90 Fahrer, den ich bisher gefragt habe (siehe auch hier im Forum). Volvo verweigert auch einen Garantietausch. Es ist mir völlig unverständlich, wieso man den sonst so schnörkellosen Eindruck des Fahrzeugs mit solchen Kleinigkeiten derart beeinträchtigt. Generell lässt der Kundenservice von Volvo sehr zu wünschen übrig - Volvo on Call ist z.B. ein schlechter Witz: Die Telefonansprechpartner sind durchweg ahnungslos und häufig sehr unfreundlich.
  • Schließlich ist mir unverständlich, weshalb das Umklappen der Rücksitze bzw. die Installation und Deinstallation der Gepäckraumgitter offenbar auf dem Stand von 1980 stehen geblieben ist: Mit einer Hand kann man den Rücksitz weder herunter noch hochklappen. Man benötigt immer zwei freie Hände und auch etwas Kraft. Ganz häufig ist man aber in der Situation, dass man mal eben schnell den Sitz klappen muss, in einer Hand aber etwas (häufig Schweres) hält. Dann geht gar nichts, da man immer den Hebel für die Sitz-Verschluss-Öffnung ziehen und gleichzeitig den Sitz mit der anderen Hand hoch oder runter drücken muss. Bei anderen Herstellern geht das beides per Knopfdruck. Zu allem Übel ist zudem das Gepäckraumgitter nicht teilbar. Hat man wie wir einen Hund und Gepäckraumteiler, will jedoch etwas "Langes" transportieren, muss man stets komplett beide Gitter (also Gepäckraumteiler und Gepäckgitter) ausbauen. Es ist also nicht möglich, das Gepäckraumgitter "aufzuklappen", um sich den Aufwand zu sparen. Zudem fährt der Hund dann ungeschützt mit. Und schließlich ist der Ein- und Ausbau der Gitter eine Tortour, die allein kaum zu schaffen ist oder sehr viel Zeit und Ärger in Anspruch nimmt. 10-15 Min muss man einrechnen, um Gepäckraumteiler und -gitter aus- oder einzubauen. Wieso geht das nicht mit einem Benutzerfreundlichen "Klick-System", sondern nur mit empfindlichen umständlichen Ösen und Schrauben...?! Kein essentieller Baustein aber im Alltag doch ein großes Ärgernis...

 

Die oben genannten Punkte sind weitgehend Kleinigkeiten aber sie stören das sonst so perfekte Gesamtbild etwas.

Galerie
Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Modernes Bedienungskonzept und Design
  • + Übersichtlich und intuitiv
  • + Sensationelle Verarbeitung/Materialien
  • + Tolles Raumgefühl
  • + Hoher Reisekomfort
  • + Bequeme Sitze
  • + Gute Übersicht nach hinten
  • + Hervorragender Klang der Anlage
  • + Gute Schallisolierung
  • + Ruhige Straßenlage
  • + Guter Pilot Assist 2
  • - Einige wichtige Informationen fehlen im digitalen Cockpit
  • - Regensensor zickig
  • - Pilot Assist 2 nur bis 140 km/h
  • - HUD nicht auf Konkurrenz-Niveau
  • - Harte Federung
  • - Sprachbedienung für Musik unbrauchbar
  • - MP3-Wiedergabe von USB zickig
  • - Fahrzeugschlüssel billig: Chrom blättert nach wenigen Monaten ab
  • - Kundenservice schlecht (insb. Volvo on Call)
  • - Auflösung des digitalen Cockpits ist schlecht
  • - Klima sollte nicht über Zentraldisplay, sondern Knöpfe steuerbar sein
  • - Sensus ist manchmal etwas hakelig und so gut wie immer viel zu langsam
  • - Umklappen der Rückbank sowie Gepäckraumgitter wahnsinnig aufwendig

Emotion

5.0 von 5

Wurde bereits alles gesagt: In dieser Kategorie ist der XC90 für mich unerreicht. Ein Fahrzeug für Individualisten und Designenthusiasten, die nicht zu sehr auf dicke Hose machen wollen und einen Hang zu Outdoor haben. Emotional fällt auf, dass er nicht protzt und auch keinen Neidfaktor hat, sondern eher positives Erstaunen auslöst. Protz kann der XC90 nicht. Er erinnert ein wenig an ein reduziertes Architektenhaus.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Design und Image

Gesamtfazit zum Test

  • + Design
  • + Platzangebot Passagiere
  • + Reisekomfort
  • + Image/Emotion
  • + Verarbeitung und Materialien
  • + Moderne Bedienung
  • + Vielseitigkeit
  • + Für SUV sehr guter Verbrauch
  • + Außerordentlich großer Laderaum
  • - Einige Bedienungselemente nicht durchdacht/fehlen
  • - Wie bei allen SUV: Umweltaspekt
  • - HUD und Regensensor technisch nicht überzeugend
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Auch wenn der XC90 nicht perfekt ist, beschränken sich die Mankos doch auf Kleinigkeiten und gehen in der Masse der Vorteile unter.

Gegenüber dem GLC das weitaus bessere Fahrzeug, das ganz klar eine Klasse darüber liegt, obwohl der Kaufpreis sich nicht spürbar unterscheidet (der kleine Unterschied entsteht zudem durch die bei mir umfangreichere Konfiguration des XC90).

Insgesamt ein emotional fantastisches Fahrzeug. Wer sich mit den Kleinigkeiten abfinden kann und auf der Suche nach etwas "Besonderem" im SUV-Bereich mit viel viel Platz im Kofferraum ist, wird hier fündig. Die Verarbeitung ist tadellos, der Innenraum m.E. im Moment das Maß der Dinge.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Im Wesentlichen stört mich nur das Fehlen einiger m.E. sinnvoller Bedienelemente/Informationen, die technisch ohne Weiteres umsetzbar wären und bei den meisten anderen mir bekannten Herstellern üblich sind. Hier und da wäre etwas mehr Konsequenz bei den technischen Details wünschenswert (HUD, Regensensor, s.o.).

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 2

19.12.2016 17:52    |    B.Engel2013

Vielen Dank für Deinen Bericht. :)

31.07.2017 10:16    |    KUMXC

Zitat:

Fährt man mal (wie ich kürzlich im V70) zum Vergleich den alten D5 mit 6 Hüten, merkt man gleich, dass die 6 Zylinder einfach deutlich leiser schnurren und sich aggressiver anfühlen. Da hilft auch die x-fache Turboaufladung nicht.

Der alte D5 war allerdings immer ein 5-Zylinder...eher etwas laut und ruppig....nen 6-Zylinder Diesel gab`s bei Volvo nie... Der Vergleich lässt den 4-Zylinder jetzt nicht strahlen..;)

 

Danke für den ausführlichen Testbericht.

KUM

31.07.2017 12:24    |    Mr. Knilch

Tatsache - das war mir nicht bewusst - habe es korrigiert, danke!