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Range Rover Sport SVR: Fahrbericht - Und die Queen hört Heavy Metal

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Der 550-PS-V8 aus dem Jaguar F-Type macht den Range Rover Sport SVR zum schnellsten und stärksten Range, den es je gab. Und zum lautesten. Testfahrt auf dem Nürburgring.

Range Rover Sport SVR: Unser Redakteur Philipp fuhr den bisher stärksten Land Rover auf dem Nürburgring Range Rover Sport SVR: Unser Redakteur Philipp fuhr den bisher stärksten Land Rover auf dem Nürburgring Quelle: Jaguar Land Rover

Nürburgring – Der Jaguar XE schießt hart über die Curbs. Der Fahrer drückt das Gaspedal voll durch, das Sportprogramm ist aktiviert, der Drehzahlmesser schnellt in den roten Bereich. Doch von dem 340 PS starken V6 hört man keinen Ton. Stattdessen erfüllt das tiefe Donnern eines großvolumigen V8 den gesamten Innenraum.

Zum ersten Mal zieren das Heck eines Land Rover gleich vier Endrohre. Der Sound des Range Rover Sport ist sein wohl beeindruckendstes Merkmal Zum ersten Mal zieren das Heck eines Land Rover gleich vier Endrohre. Der Sound des Range Rover Sport ist sein wohl beeindruckendstes Merkmal Quelle: Jaguar Land Rover Vor dem Jaguar brettert der neue Range Rover Sport SVR über die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings. Es ist der stärkste und schnellste Range Rover, der bisher gebaut wurde. Und: Es muss auch der lauteste sein. Das einmalige Brüllen und Brabbeln des 5,0-Liter-V8-Kompressors aus dem Jaguar F-Type überrascht so sehr, wie es die Queen mit einem Auftritt in Lederjacke tun würde.

Mehr Sport schadet nie

Der Range Rover Sport ist das erste Auto der „Special Vehicle Operations“, Jaguar Land Rovers neuer Spezialeinheit für besonders sportliche oder aufwändig ausgestattete Fahrzeuge. 550 PS, 680 Newtonmeter Drehmoment und 260 km/h Topspeed werden per Ladedruckerhöhung aus der überarbeiteten Version des bereits verfügbaren Kompressor-V8 geholt. Die Schaltzeit der Achtgang-Automatik verkürzt sich um 50 Prozent. Größere Dämpfer und härtere Fahrwerksbuchsen verbessern das Fahrverhalten, der permanente Allrad-Antrieb (Verteilung 50:50) wurde überarbeitet. Insgesamt sind 15 Prozent aller Teile am Range Rover Sport SVR neu.

Für ein paar Monate machte ihn das zum schnellsten „Dicken Ding“ am Ring. Im Juli 2014 gab Land Rover bekannt, dass der SVR die Nordschleife bei Testfahrten in beachtlichen 8:14 Minuten umrundet hat. Schon drei Monate später allerdings vermeldete BMW, der neue X6 M (575 PS) sei dort so schnell wie ein alter M3, nämlich ca. 8:05 Minuten. Anfang 2015 kamen dann die Spielverderber von Porsche und beendeten den Schwergewichtsvergleich. Sie scheuchten ihren Cayenne Turbo S (570 PS) in 7:59 Minuten um den Ring.

Land Rover ersetzt 15 Prozent aller Teile des normalen Range Rover Sport, um ihn zum SVR zu machen Land Rover ersetzt 15 Prozent aller Teile des normalen Range Rover Sport, um ihn zum SVR zu machen Quelle: Jaguar Land Rover

Mehr Fahrwerk, bitte

Über den Sinn von SUV auf einer Rennstrecke kann man streiten. Über die Rundenzeiten und technische Daten nicht. In 4,7 Sekunden sprintet der Range auf 100 km/h. Auf der Autobahn lässt sich bis Tempo 220 kaum eine Minderung des Vortriebs feststellen. Das ist schwer beeindruckend. Doch schwer bleibt auch das Auto. Der Range Rover Sport wiegt dank Voll-Aluminium-Monocoque zwar 39 Prozent weniger als der Vorgänger, aber trotzdem noch 2.333 Kilogramm.

Auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings zeigt sich, warum der Range seinen ähnlich schweren Konkurrenten hinterher fährt. Zwar bewegt der V8 den Koloss als sei er ein Kleinwagen, doch in Kurven und beim Bremsen spürt man deutlich die Masse. Hier wankt und nickt der Range stärker als ein X6 M. Die Sechskolben-Brembo-Bremse fängt die Fuhre zwar präzise ein. Doch das Fahrwerk wirkt überfordert. Ums Eck fährt der Range weniger präzise als die Konkurrenz. Das kostet auf der Nordschleife wertvolle Sekunden. Liegt aber vor allem daran, dass Land Rover sich zwischen Ontrack und Offroad nicht entscheiden kann. Laut Hersteller bietet der Range Rover Sport SVR für eine bessere Geländegängigkeit die längsten Federwege der Klasse (260 Millimeter vorn, 272 Millimetern hinten).

Range Rover Sport SVR: Wir können auch anders

Nach dem kurzen Nordschleifen-Ruhm bleibt den Briten also nichts anderes übrig, als sich auf die eigenen Kompetenzen zu besinnen. In der Mittelkonsole des SVR findet der Fahrer nicht nur die Taste für den Klappenauspuff, sondern auch Schalter für die üblichen Land-Rover-Offroad-Fahrprogramme. Außerdem hat der Range ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Untersetzungsmöglichkeit. Land Rover verspricht deswegen „keine Kompromisse“ bei der Geländetauglichkeit. Angesichts der 22-Zöller mit 295er-Sportbereifung sollte man sich darauf aber nicht verlassen.

Bis hinter die 200-km/h-Grenze schiebt der SVR ohne merklich an Vortrieb zu verlieren Bis hinter die 200-km/h-Grenze schiebt der SVR ohne merklich an Vortrieb zu verlieren Quelle: Jaguar Land Rover Verlassen kann man sich dagegen auf den enormen Durst des SVR. Land Rover baut bei dem V8-Modell deswegen sogar einen größeren Tank ein. Statt aus einem 89 Liter großen Fass trinkt der SVR lieber gleich aus einem 105-Liter-Tank. Der Normverbrauch des sportlichsten Range ist mit 13,2 Litern angegeben. Wer auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit erreichen will oder durch die Eifel brettert, als säße er in einem Porsche (911, nicht Cayenne), der darf sich nicht wundern, wenn die erste Zahl im Bordcomputer eine zwei und keine eins mehr ist.

Fazit

An laute Sportwagen sind Eifel-Einwohner gewöhnt. Aber dass jetzt schon dicke SUV klingen, als dürften sie den Nürburgring eigentlich gar nicht verlassen, sorgt selbst hier für Irritationen. Beim Sound ist der langsamere Range Rover Sport SVR selbst BMW X6 M und Porsche Cayenne Turbo S weit voraus.

Jetzt kann man nur noch hoffen, dass es die Engländer nicht wieder übertrieben haben. Beim F-Type wurde der extreme Sound im Nachhinein wieder entschärft, weil einige Kunden ihn zu prollig fanden. Wir finden hingegen, wer 126.400 Euro für ein SUV ausgibt, braucht sowieso ein gesundes Selbstvertrauen.

Technische Daten - Range Rover Sport SVR

  • Motor: 5,0-Liter-V8 mit Kompressor
  • Getriebe: Achtgang-Automatik
  • Leistung: 550 PS
  • Drehmoment: 680 Nm
  • Vmax: 260 km/h (abgeregelt)
  • 0 – 100 km/h: 4,7 s
  • Verbrauch: 13,2 l pro 100 km
  • CO2: 298 g/km
  • Länge x Breite (ohne Außenspiegel) x Höhe in m: 4,88 x 2,02 x 1,78
  • Leergewicht: 2.333 kg
  • Preis: ab 126.400 Euro
Avatar von granada2.6
Mercedes
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