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Volkswagen beurlaubt Thomas Steg wegen Tierversuchen - Tierversuche: VW beurlaubt Cheflobbyisten

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Update: Er hatte angekündigt, dass VW auf Tierversuche verzichtet - jetzt hat der VW-Cheflobbyist die Verantwortung für die Tests übernommen. Er wird beurlaubt.

Bei den Tierversuchen mit Affen im Jahr 2014 wurde ein VW Beetle eingesetzt. Federführend bei der Studie soll VW gewesen sein Bei den Tierversuchen mit Affen im Jahr 2014 wurde ein VW Beetle eingesetzt. Federführend bei der Studie soll VW gewesen sein Quelle: dpa / Picture Alliance

Update, 30.01., 13:50 Uhr: Berlin - Die Debatte um umstrittene Abgastests an Affen hat bei Volkswagen zu einer ersten personellen Konsequenz geführt. Der Generalbevollmächtigte Thomas Steg wurde beurlaubt, wie die Volkswagen AG am Dienstag in Wolfsburg mitteilte. Der Vorstand habe das entsprechende Angebot des Leiters der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit angenommen.

Steg werde bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden. "Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte Konzernchef Matthias Müller der Mitteilung zufolge. "Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich."

Die Autoindustrie hatte offenbar Wissenschaftler eingespannt, um mit der von BMW, Daimler, VW und Bosch gegründeten Lobbyorganisation EUGT - der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor - Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen zu verharmlosen. Dabei waren auch Affen mehreren Tests ausgesetzt worden.

Die Untersuchungen der Vorgänge sollten weiter mit Hochdruck vorangetrieben werden, teilte Volkswagen mit. Die Aufgaben Stegs übernehme kommissarisch Jens Hanefeld, verantwortlich für internationale und europäische Politik.

Künftig keine Tierversuche mehr im Namen von VW

Volkswagen hatte zuvor angekündigt, künftig sicherstellen zu wollen, dass es keine Tierversuche mehr gebe. "Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert", hatte Steg der "Bild"-Zeitung am Dienstag gesagt. VW lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe. Zuvor hatte auch VW-Konzernchef Matthias Müller die Versuche als inakzeptabel bezeichnet.

Derweil reißt die Kritik aus der Politik an den Tests nicht ab. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag): "Was da berichtet wird, ist einfach schockierend. Wer solche Tests in Auftrag gibt, scheint jeglichen Maßstab verloren zu haben." Menschen und Tiere für die eigenen Zwecke zu missbrauchen sei "einfach entsetzlich".

Entscheidungsstrukturen sollen überprüft werden

VW-Cheflobbyist Thomas Steg (l) und VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller (r) im August beim Diesel-Gipfel VW-Cheflobbyist Thomas Steg (l) und VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller (r) im August beim Diesel-Gipfel Quelle: dpa / Picture Alliance Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel forderte, die Nähe der Wirtschaft zu wissenschaftlichen Einrichtungen stärker in den Blick zu nehmen. "Wir brauchen eine breite Debatte über den zunehmenden Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf Forschung und Lehre an Hochschulen", sagte Barthel im "Handelsblatt" (Dienstag).

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hält Distanzierungen der Autoindustrie für unglaubwürdig. "Es ist ja schön, dass sich heute alle davon distanzieren, weil die öffentliche Meinung das inzwischen von ihnen verlangt", sagte er im rbb-Inforadio. "Vor allem die Aufsichtsräte müssen jetzt mal aufklären, wie die Verantwortungs- und Entscheidungsstrukturen in ihren Unternehmen jeweils laufen. Denn es kann doch nicht wahr sein, dass keiner von ihnen etwas gewusst hat und immer ist es irgendwie passiert."

Die umstrittenen Tests sollen auch Thema im Bundestag werden. Die Grünen beantragten für diese Woche eine Aktuelle Stunde im Parlament. "Wir fordern die Bundesregierung auf, klar zu sagen, ob sie bereits von den zwielichtigen Methoden der Autoindustrie wusste und inwieweit diese sogar aus öffentlichen Geldern finanziert wurden", sagte Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann. Sie warf den Autobauern vor, mit angeblich wissenschaftlichen Tierexperimenten und Tests an Menschen die Gefahr von Stickoxiden zu verharmlosen.

Drei Mitglieder des Forschungsbeirates traten zurück

Nachdem 2015 aufgeflogen war, dass VW bei Dieselfahrzeugen Messergebnisse manipuliert hatte, erklärten drei der sieben Mitglieder des Forschungsbeirates nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR ihren Rücktritt.

Der Grünen-Politiker Harald Ebner forderte striktere Richtlinien für Tierversuche. Der Bundestagsabgeordnete sagte der "Heilbronner Stimme" (Dienstag): "Die deutschen Behörden haben nach aktueller Regelung zu wenig Handhabe, Tierversuche wirksam zu begrenzen. Alternative Methoden werden viel zu wenig gefördert."

Quelle: dpa

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