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Seat Ibiza (2017): Erster Test, Fahrbericht - Seat macht den Kleinen ganz groß

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Außen breiter, innen viel größer und eine ganz neue Architektur: Seat macht den Ibiza praktischer, schicker und sparsamer. Erste Fahrt im spanischen Kleinwagen.

Erste Fahrt im neuen Seat Ibiza: Der Kleinwagen rückt optisch dicht an den Leon Erste Fahrt im neuen Seat Ibiza: Der Kleinwagen rückt optisch dicht an den Leon Quelle: Michael Specht für MOTOR-TALK

Von Michael Specht

Barcelona - Seat hat einen Lauf. Nach Leon und Ateca sieht man das endlich am neuen Ibiza. Der Kleinwagen gefällt auf Anhieb. Präzise Konturen, sportliches Aussehen und gute Proportionen. „Der neue Ibiza ist flacher, geduckter, sportlicher, gleichzeitiger aber funktionaler geworden“, fasst Seat Entwicklungschef Matthias Rabe zusammen. In Maßen heißt dies: Die Länge des Ibiza blieb mit 4,06 Metern erhalten, er steht aber bei unveränderter Höhe deutlich breiter (+ 87 mm) auf seinen bis zu 18 Zoll großen Rädern.

Besonders beim Radstand legt der Ibiza zu. Er wuchs um 95 Millimeter auf 2,56 Meter. Zum kompakten Leon fehlen nur noch sieben Zentimeter. Das schafft Raum im Fond. An den Knien verspricht Seat 3,5 Zentimeter mehr Platz. Tatsächlich fühlt man sich auch mit 1,80 Meter Körpergröße noch bequem untergebracht. Dahinter liegen 355 Liter Kofferraum - ein Plus von 63 Litern, 25 Liter weniger als im Leon. Rabe sagt, das sei ein Bestwert im Segment. Allerdings bleibt eine Ladekante mit neun Zentimetern Höhe zum Kofferraumboden. Nach dem Umklappen der Lehnen entsteht keine ganz ebene Fläche. Hier zeigt zum Beispiel ein Honda Jazz, wie es richtig geht.

Seat Ibiza: Erster Kompaktwagen auf MQB-Plattform

Der Radstand des Seat Ibiza wächst um fast zehn Zentimeter Der Radstand des Seat Ibiza wächst um fast zehn Zentimeter Quelle: Michael Specht für MOTOR-TALK Außen kleiner, innen größer. Das geht nur, wenn die Plattform moderner wird. Genau hier fährt Seat im Konzern voran: Der Ibiza ist der erste Modell im Kleinwagen-Segment („A0“), das auf dem Quermotor-Baukasten „MQB“ basiert. Auf der gleichen Plattform wird Ende des Jahres auch Seats City-SUV Arona stehen. Beide Fahrzeuge laufen in Martorell vom Band. „Die Iberische Halbinsel wird zum A0-Standort des Konzerns“, verrät Vorstandsmitglied Rabe.

Im kommenden Jahr lässt Audi hier die nächste Generation seines Kleinwagens A1 fertigen, der ebenfalls auf MQB A0 basiert. Gleiches gilt für den VW Polo. Er rollt in Pamplona vom Band. Gut möglich, dass Spanien im Zuge der MQB-A0-Konzentration damit auch die Heimat des Skoda Polar sowie des Polo SUV wird.

Das MQB-Chassis ermöglicht eine um 30 Prozent steifere Karosserie. Sie hat maßgeblichen Einfluss auf Fahrverhalten, Geräuschdämmung und Handling. Der Ibiza gefällt mit mit leisen Fahrgeräuschen, gutem Abrollkomfort und einer präzisen Lenkung. Somit sollte es kein Problem sein, aus diesem Auto nach langen Strecken entspannt auszusteigen.

Erstmals mit Voll-LED-Scheinwerfern

Zum Marktstart bietet Seat den Ibiza mit Dreizylinder-Benzinern an. Ein Vierzylinder mit 150 PS folgt Zum Marktstart bietet Seat den Ibiza mit Dreizylinder-Benzinern an. Ein Vierzylinder mit 150 PS folgt Quelle: Seat Bislang fährt der Ibiza (Neuzulassungen 2016 in Deutschland: 21.532 Einheiten) seinen Konzernbrüdern Polo (72.017) und Fabia (49.947) weit hinterher. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 152.100 Ibiza ausgeliefert. „Wir sind dabei, die Marke umzubauen“, sagt Rabe, „und geben Gas bei Qualität und Design.“

Erstmals kann der Ibiza mit Voll-LED-Scheinwerfern bestellt werden. Ebenfalls neu: ein Abstandsradar. Der Ibiza bremst und beschleunigt automatisch im Stop-&Go-Verkehr, lenkt allerdings nicht selbstständig. Das soll aber später nachgereicht werden. Verfügbar sind zum Marktstart Front Assist und Rückfahrkamera.

Analog zum Ateca gliedert Seat den Ibiza in vier Ausstattungslinien. Die Basis heißt „Reference“, darüber liegt „Style“. Die Topausstattung teilt sich in „FR“ (sportlich) und „XCellence“ (elegant) auf. Eine Cupra-Version ist derzeit nicht geplant, sie bleibt dem Léon vorbehalten. Gestrichen sind für den neuen Ibiza die dreitürige Karosserievariante sowie der Kombi ST. Letzteren soll der Arona kompensieren.

Digital-Cockpit erst 2018

Das Cockpit des neuen Ibiza. Ein digitaler Tacho soll zum Jahreswechsel folgen Das Cockpit des neuen Ibiza. Ein digitaler Tacho soll zum Jahreswechsel folgen Quelle: Seat Im Cockpit setzt Seat Rundinstrumente und einen 8,0-Zoll-Bildschirm ein. Mit seiner großen Glasfläche ragt er weit über das eigentliche Display hinaus und soll dem Fahrer ein wenig Tablet-Gefühl vermitteln. Das frei konfigurierbare, digitale Cockpit aus VW Tiguan oder Audi TT wird der Ibiza zum Marktstart im Juni nicht erhalten. Entwicklungschef Rabe verspricht aber das Extra bereits zum Jahreswechsel 2018.

Die Smartphone-Verbindung stimmt bereits jetzt. Kompatible Handys können kabellos geladen werden. Das Bordsystem unterstützt die Verbindungsstandards Apple Car Play, Android Auto und Mirror Link. Solche Details sind heute fast so wichtig wie der Antrieb.

Seat bietet für den Ibiza zunächst einen Dreizylinder-Benziner (1,0 Liter Hubraum) mit 95 oder 115 PS. Unser Eindruck der stärkeren Variante: schnurriger Lauf, gutes Ansprechverhalten, ausreichende Elastizität für den Alltag und mit einem Verbrauch von 5,9 Liter auf der Testrunde auch recht sparsam (Normwert: 4,7 l/100 km). Ein empfehlenswerter Motor.

Wer mehr Power benötigt, muss warten. Ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS soll im Herbst folgen. Der TSI mit Zylinderabschaltung hatte gerade sein Debüt im VW Golf und passt perfekt zum Ibiza. Seats Kompakter wirkt damit eine ganze Ecke souveräner. Allerdings darf man sich dann von einem Preisniveau unterhalb 20.000 Euro verabschieden. Schon der 1.0-TSI mit 115 PS kostet mindestens 18.090 Euro. Die 95-PS-Version startet bei 15.240 Euro.

Drei Diesel und ein Erdgas-Motor

Der Diesel ist in dieser Klasse auf dem Rückzug. Ganz verzichten will Seat darauf jedoch nicht. Deutlich mehr nachgefragt als in Deutschland ist der Selbstzünder beispielsweise in Spanien, Frankreich und Italien. Zudem hilft er, den EU-Flottenverbrauch zu senken. Als 1,6-Liter leistet der TDI entweder 80, 95 oder 115 PS.

Neu im Programm ist ein Erdgasmotor (TGI). Der kommt allerdings erst 2018. Prinzipiell keine schlechte Alternative zum Diesel. Erdgas verbrennt sauberer und reduziert den CO2-Ausstoß. Nachteil: Es braucht etwas Routenplanung, denn nicht an jeder Ecke gibt es eine Zapfsäule. Zudem wird der Preis des TGI aufgrund der teuren Drucktanks über jenem eines vergleichbaren Turbobenziners liegen.

Technische Daten – Seat Ibiza 1.0 TSI

  • Modell: 1.0 TSI
  • Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benziner
  • Leistung: 115 PS (85 kW) bei 5.000-5.500 U/min
  • Drehmoment: 200 Nm ab 2.000-3.500 U/min
  • Getriebe: Sechsgang, manuell, Frontantrieb
  • 0-100 km/h: k.A.
  • Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
  • Verbrauch: 4,7 l/100 km
  • CO2: 108 g/km
  • Länge: 4,06 m
  • Breite: 1,78 m
  • Höhe: 1,44 m
  • Leergewicht: 1.140 kg
  • Kofferraum: 355 l
  • Listenpreis: ab 18.090 Euro
  • Marktstart: Juni 2017
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