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Opel stellt Zukunftsplan "Pace" vor - Opel hätte unter GM die CO2-Ziele verfehlt

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Opel hat in Rüsselsheim den Plan für die Zukunft unter dem PSA-Dach vorgestellt. Er heißt "Pace" und soll ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen.

Opel-Chef Michael Lohscheller: Mit dem bisherigen Plan hätte Opel seine CO2-Ziele bis 2021 nicht erreicht Opel-Chef Michael Lohscheller: Mit dem bisherigen Plan hätte Opel seine CO2-Ziele bis 2021 nicht erreicht Quelle: Opel

Rüsselsheim - Opel hat 100 Tage nach der Übernahme durch PSA die Strategie für die nächsten Jahre vorgestellt. „Pace“ (Tempo) heißt sie. Die Schlagworte: „profitabel, elektrisch, global“. Dabei geht es ums Geld, aber nicht nur. Es geht auch um Produktion, Technik, Standorte und neue Exportmärkte.

Dass der Plan 100 Tage nach der Übernahme vorliege, sei ein Zeichen von Disziplin und Professionalität, sagte PSA-Chef Carlos Tavares. Der Plan sei ehrlich, robust - aber es seien nur fünf Prozent der nötigen Arbeit geleistet. 95 Prozent lägen noch vor Opel.

Die Umsetzung müsse nun sofort starten. Das Zentrum der Entscheidungen sei nicht mehr Detroit und auch nicht Paris, sondern Rüsselsheim. Das werde sicherstellen, dass ein Opel vielleicht "noch deutscher" werde als bisher.

PSA-Chef Carlos Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller haben in Rüsselsheim den Zukunftsplan für Opel vorgestellt. SUV und neue Märkte sollen kurzfristig für Wachstum sorgen PSA-Chef Carlos Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller haben in Rüsselsheim den Zukunftsplan für Opel vorgestellt. SUV und neue Märkte sollen kurzfristig für Wachstum sorgen Quelle: Opel Tavares sparte bei der Vorstellung des Plans nicht mit deutlichen Worten. Es tue weh zu sehen, wie viel Schmerz Opel in der Vergangenheit zugefügt worden sei. Opel habe sich in 15 Jahren nicht nur nicht für die Zukunft vorbereitet, sondern auch 19 Milliarden Dollar verloren, 30.000 Mitarbeiter entlassen und europaweit Marktanteile verloren. Nun gebe es die Chance auf eine Wende für die Mitarbeiter.

Die Opel-Führung müsse nun „ohne Furcht“ führen. Dabei will Opel alle Standorte erhalten und modernisieren. In der Produktion soll die Komplexität um 50 Prozent sinken und sich die Platzausnutzung um 25 Prozent verbessern. Auch die Auslastung soll steigen, indem u. a. Volumina aus Korea (Karl, Mokka) nach Europa geholt werden. Auch sollen die Opel-Werke fit gemacht werden, um Fahrzeuge für Peugeot, Citroen und DS produzieren zu können.

Stellenabbau, aber keine Kündigungen

Mit zahlreichen Sparmaßnahmen will Opel die Gewinnschwelle deutlich senken. Innerhalb der PSA-Gruppe sollen die Synergieeffekte bis 2020 rund 1,1 Milliarden Euro umfassen, danach sollen es bis 2026 1,7 Milliarden Euro jährlich sein. Die Marketingausgaben sollen um 10 Prozent effektiver werden. Die Verwaltungskosten sollen ebenfalls deutlich sinken. Die Kosten pro hergestelltem Auto sollen um 700 Euro sinken, sodass bereits ab 800.000 Autos im Jahr die Gewinnzone erreicht werde, kündigte Opel an.

Opel strebt eine Marge von zwei Prozent 2020 und sechs Prozent 2026 an. Trotz all dieser Sparmaßnahmen soll der Umbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Allerdings nicht ohne Stellenabbau: Die Lohnkosten sollen über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden, kündigte das vom französischen PSA-Konzern übernommene Unternehmen am Donnerstag in Rüsselsheim an. Unter anderem sollen viele Arbeitsverträge von 40 auf 35 Stunden umgestellt werden.

Die genaue Ausgestaltung wie auch der Zeitraum des Kündigungsschutzes ist allerdings noch Gegenstand von Verhandlungen mit den Arbeitnehmern. Bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland ohnehin vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall rund 38.000 Menschen an zehn europäischen Standorten.

PSA-Technik so schnell wie möglich

Opel will mit einem schnellen Schwenk auf die Technologie des neuen Mutterkonzern PSA in die Gewinnzone kommen. Insgesamt will Opel bis 2020 neun neue Modelle (inklusive Derivate) auf den Markt bringen. Jedes Werk soll die PSA-Plattformen CMP und EMP2 produzieren können. Ab 2018 soll es jedes Jahr eine wichtige Premiere auf Basis der PSA-Plattformen geben. 2024 soll es nur noch zwei Plattformen bei Opel geben.

Die Anzahl der Motor-Getriebe-Kombinationen sinkt um 40 Prozent. Die Komponentenwerke, darunter Kaiserslautern, werden künftig PSA-Motoren produzieren. Dafür werden auch zwei bereits geplante Modelle, die noch auf der Technik des früheren Eigners General Motors basieren, in den Werken Eisenach und Rüsselsheim durch neue Projekte auf PSA-Plattformen ersetzt.

Eisenach erhält demnach einen Mokka-Nachfolger: Ab 2019 soll dort ein SUV auf EMP2-Basis produziert werden. Aber entgegen dem bisherigen Plan eines, das eklektrifiziert werde. "Alles andere wäre im Jahr 2019 kein verantwortungsvolles Management", sagte Michael Lohscheller. Natürlich bedeute dies Umstellungen in Eisenach.

PSA sieht Rüsselsheim als wichtige Ressource im Entwicklungsverbund, sagte Carlos Tavares. Er vertraue darauf, dass die Autos sogar deutscher als bisher würden PSA sieht Rüsselsheim als wichtige Ressource im Entwicklungsverbund, sagte Carlos Tavares. Er vertraue darauf, dass die Autos sogar deutscher als bisher würden Quelle: Opel Auch das „Flaggschiff-SUV", das im Werk Rüsselsheim gebaut werden soll, erhält die PSA-Plattform. Ein entsprechendes GM-Projekt ist dagegen gestoppt.

GM-Technik ab 2024 „out“

„Dies ist ein großer Tag für Opel“, sagte der neue Opel-Chef Michael Lohscheller. Es seien Elektrovarianten für jede Baureihe vorgesehen. Dabei spielt der noch von GM entwickelte Opel Ampera-E keine Rolle mehr. "Mit dem bisherigen Plan hätte Opel die CO2-Ziele 2021 nicht erreicht", stellt Lohscheller klar.

Mit der PSA-Technik sehe das nun anders aus. Opel will bei der CO2-Reduzierung in eine Spitzenposition gelangen. Im Jahr 2020 will Opel mit PSA-Technologie bereits vier Elektro-Modelle auf dem Markt haben. Darunter ein Grandland X Plug-in-Hybrid und ein rein elektrischer Corsa. Vier Jahre später soll jedes Modell auch in einer E-Variante erhältlich sein.

Zu diesem Zeitpunkt soll es keine Fahrzeuge auf GM-Basis mehr im Programm geben. Jeder neue Opel werde im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum geplant. Rüsselsheim rücke ins Herz der Entwicklungskompetenz der Groupe PSA, sagte Michael Lohscheller. Führend sei das Opel-Entwicklungszentrum zum Beispiel bei der Anpassung von Technik an US-Standards, Wasserstoff, alternativen Kraftstoffen, einigen automatisierten Fahrfunktionen, elektrischen Testumgebungen und bei der Software-Zertifizierung.

Opel plant außerdem eine Exportoffensive, mit der bis 2022 rund 20 neue Märkte erschlossen werden sollen. Der Gang nach China und Brasilien werde darüber hinaus geprüft, kündigte der Opel-Chef an. Bei den leichten Nutzfahrzeugen will Opel um 25 Prozent wachsen.

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Avatar von bjoernmg
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