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Fiat-Chrysler, Ferrari: CEO Marchionne abgelöst - Mike Manley wird neuer FCA-Chef

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Gesundheitlich bedingt muss Sergio Marchionne, Chef von FCA und Ferrari, früher aus dem Amt scheiden als geplant. An diesem Wochenende wurden Nachfolger benannt.

Wie sieht Sergio Marchionne (l.) eigentlich mit Krawatte aus? John Elkann, Erbe der Eigentümerfamilie Agnelli, will es wissen Wie sieht Sergio Marchionne (l.) eigentlich mit Krawatte aus? John Elkann, Erbe der Eigentümerfamilie Agnelli, will es wissen Quelle: dpa/Picture Alliance

Nach übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters wird Sergio Marchionne, Geschäftsführer von Fiat Chrysler (FCA) und Ferrari, seine Posten dauerhaft abgeben. Der 66-jährige Manager leide nach einer Schulteroperation an „schweren Komplikationen“ und könne sein Amt an der Spitze des italienisch-amerikanischen Autokonzerns nicht mehr ausüben.

Am Samstagabend bestätigte Fiat die Meldungen und deutete einen dramatischen Gesundheitszustand bei Marchionne an. Er sei tieftraurig über "Sergios Gesundheitszustand", erklärte Agnelli-Erbe John Elkann in einem Statement. Es sei eine Situation eingetreten, die noch vor wenigen Stunden undenkbar gewesen sei. Die getroffenen Maßnahmen zur Nachfolge erlaubten ein "Maximum an Kontinuität" im Konzern. Elkann bat um Respekt vor der Privatsphäre Marchionnes und seiner Familie.

Zum letzten Mal war Marchionne am 26. Juni 2018 in der Öffentlichkeit aufgetreten. Am Samstag hat der Fiat-Vorstand nun den bisherigen Jeep- und RAM-Markenchef Mike Manley zu seinem Nachfolger ernannt.

Völlig unvorbereitet dürfte Fiat Chrysler in dieser Frage nicht gewesen sein. Ohnehin war Marchionnes Amtsende aus Altergründen für Anfang 2019 vorgesehen. Dies muss nun aus gesundheitlichen Gründen vorgezogen werden. Fraglich ist, ob der avisierte Nachfolger bereits zur Verfügung stand.

Nun also vorerst Mike Manley, 54 Jahre alt. Der Verwaltungs-Experte gehört seit vielen Jahren zum Top-Management von Fiat-Chrysler. 2000 stieg er bei DaimlerChrysler ein, 2009 übernahm er die Leitung der Marke Jeep. Seit 2015 führt er außerdem die Pick-up-Marke RAM.

Update: Louis Camilleri neuer Ferrari-Chef

In einer Pressemitteilung hat Ferrari angekündigt, dass der Vorstand der Sportwagenschmiede in wenigen Tagen Louis C. Camilleri als Geschäftsführer vorschlagen will. Agnelli-Familienmitglied John Elkann fungiert künftig als Präsident. Der in Ägypten geborene Camilleri (63) war zuletzt Chefvorstand beim Tabak-Konzern Philip Morris.

Mit "tiefer Traurigkeit" habe der Ferrari-Vorstand erfahren, dass Marchionne nicht mehr "zur Arbeit zurückkehren" könne, heißt es in der Erklärung. Ferrari sei in Gedanken bei Marchionne und seiner Familie.

 

Sanierer im Pullover

Sergio Marchionne (l.) und der designierte Nachfolger Mike Manley (r.) auf der Detroiter Automesse 2015 Sergio Marchionne (l.) und der designierte Nachfolger Mike Manley (r.) auf der Detroiter Automesse 2015 Quelle: dpa/Picture Alliance

Sergio Marchionne, 1952 in Italien geboren, besitzt außerdem die kanadische Staatsbürgerschaft. Der studierte Philosoph und Jurist wurde im Juni 2004 zum Vorsitzenden der Geschäftsführung von Fiat ernannt. Er schaffte es, den angeschlagenen Konzern mit harten Sparmaßnahmen vor dem Bankrott zu retten – 2005 schrieb Fiat wieder schwarze Zahlen, nachdem der italienische Konzern 2003 noch ein Defizit von sechs Milliarden Euro erwirtschaftet hatte.

Ein ebenso großer Coup war 2014 die Fusion von Fiat mit dem US-Autobauer Chrysler. Fünf Jahre lang hatten die Italiener an diesem Schritt gearbeitet, der Fiat die dringend benötigten, globalen Skaleneffekte brachte.

Erwartet wurden vorerst interne Lösungen für die kurzfristige Marchionne-Nachfolge. Die Nachfolger werden es nicht leicht haben, die Rolle des prominenten „Sanierungsprofis im Pullover“ dauerhaft auszufüllen. Erst Anfang Juni hatte Marchionne seinen Plan für die nächsten fünf Jahre vorgestellt. Das wirtschaftliche Konstrukt Fiat-Chrysler trägt seine Handschrift.

Avatar von bjoernmg
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