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Exotik am Straßenrand: Toyota Corona Mark II

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 "Nach 1000 Jahren kehrt das Böse zurück. Das Zeitalter des Satans ist angebrochen. Schon zieht Merkur zur letzten Reise und der Drache tanzt durch den Ring des Jupiters, wenn im gleichen Moment der Affe auf dem Jaguar reitet und der Tiger sich an der Jungfrau gütlich tut, wird die Ordnung des Universums dergestalt sein, dass das teuflische Prinzip für immer herrschen wird." Fast bewahrheitete sich die Prophezeiung des Orakels im Actionkracher Sgt. Kabukiman: während des Showdowns vor einer New Yorker Lagerhalle, versuchte ein Affe namens Toyota zum Glück vergeblich, einen Zwölfzylinder-Jaguar zu starten, so dass die Welt nur knapp der Apokalypse entging...

Der Toyota Corona Mark II versuchte es dagegen einst erst gar nicht, es mit der britischen Nobelmarke Jaguar aufzunehmen. Die Front hatte zwar etwas vom Triumph Stag, aber die Seitenlinie erinnerte eher an den 71er Coronet und der Hintern hatte was vom Challenger. Schließlich sollte der von 1972 bis 1976 gebaute, gut ausgestattete Corona Mark II in erster Linie den US-Markt bedienen, welcher sich Anfang der Siebziger zunehmend für Verbrauchswerte und Unterhaltskosten interessierte. Die zweite Corona-Generation sollte in den USA die Lücke schließen, die der auf Grund schlechter Verkaufszahlen nicht mehr länger exportierte Oberklasse-Toyota Crown hinterließ. Sah der Vorgänger Mark I noch wie ein Brot aus, kam die zweite Generation um einiges erwachsener und aggressiver rüber. Viel geholfen hat es nicht. Von ihrem heutigen Qualitätsimage waren die Japaner auf den westlichen Märkten noch meilenweit entfernt und die Vier- und Sechszylindermotoren setzen sich auf dem amerikanischen Markt nicht weiter durch, wo man trotz Energiekrise weiterhin acht Pötte orderte und lediglich die Verdichtung runterschraubte. Mehr noch als zu Neuwagenzeiten, ist der Mittelklasse-Asiate mit dem Modell-Code X10 in der Neuzeit ein absoluter Exot.
Bisher war Hamm für mich nur als die Stadt bekannt, in der man am Fuße des 1989 stillgelegten Atomkraftwerks in Sichtweite zur A1 auf einem Campingplatz Urlaub machen kann und in der nahegelegenen Lippe kontaminierte Fische angelt, die seit dem Störfall 1986, als radioaktives Helium unkontrolliert austrat, im Dunkeln leuchten. Seit der Rallye Köln-Ahrweiler, wo dieser Toyota am Straßenrand parkte, weiss ich auch, dass die Perle des östlichsten Ruhrgebiets darüber hinaus einen der letzten zugelassenen Corona Mark II beherbergt.
Der nur 4,30 Meter große Sedan wirkt in real gar nicht so klein und beim Anblick der massiven Heckstoßstange des Toyotas kann der mit fünf NCAP-Sternen dekorierte Crashtest-Sieger Renault Laguna im Hintergrund einpacken. Was nützen einem schon bestandene Pfahltests und unter Laborbedingungen errungene Bestnoten? Wenn der Affe den Toyota reitet und das Zeitalter des Satans angebrochen ist, helfen keine fluffigen Airbags, sondern Rammen aus Stahl um die teuflische Herrschaft der Langeweile auf den Straßen zu bekämpfen und abzudrängen.


Quelle: Motoraver Magazin

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