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VW XL1 im Praxistest - Darum ist das 1-Liter-Auto nicht alltagstauglich

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Prestige währt nur wenige Kilometer: Der VW XL1 trinkt, was er verspricht. Dafür verlangt er aber zu viele Kompromisse, vor allem vom Fahrer.

Erregt Aufsehen: Der VW XL1 bei der Übergabe vor dem MOTOR-TALK-Büro Erregt Aufsehen: Der VW XL1 bei der Übergabe vor dem MOTOR-TALK-Büro Quelle: MOTOR-TALK

Berlin – In diesem Auto steckt Wolfsburgs komplette Technik-Kompetenz. Der XL1 ist leicht wie ein Golf 1, teurer als ein VW Phaeton und trinkt weniger als jedes andere Serienauto. Jede Schraube, jeder Schalter, jede Kurbel wurde sorgfältig auf ein Ziel getrimmt: Sparsamkeit. Ein massiv quersubventioniertes Prestigeprojekt.

1. Gang: Die Basis

Sparsam, aber unbequem: MOTOR-TALK-Redakteur Constantin Bergander im VW XL1 Sparsam, aber unbequem: MOTOR-TALK-Redakteur Constantin Bergander im VW XL1 Quelle: VW Als erstes Serienauto hat der XL1 den europäischen Fahrzyklus mit einem Durchschnittsverbrauch von 0,9 Litern pro 100 Kilometer absolviert. Theoretisch fährt der Plug-in-Hybrid etwa 35 Kilometer elektrisch, weitere 500 Kilometer mit seinem 0,8-Liter-Zweizylinder-Turbodiesel. Der basiert auf dem 1,6-Liter-Vierzylinder aus kompakten Konzernlimousinen. Ein modifiziertes Direktschaltgetriebe des Typs DQ200 mit Magnesiumgehäuse beherbergt den Elektromotor.

Karosserie und Monocoque des XL1 bestehen aus Carbon, Rahmenteile aus Aluminium. Das 20 Kilogramm schwere Ladegerät steht im Kofferraum und lässt sich herausnehmen. Nur so kommt der XL1 auf ein Leergewicht von 795 Kilogramm. Der vollständig verkleidete Unterboden, Kameras statt Außenspiegeln und eine aerodynamisch optimierte Karosserie ermöglichen einen cW-Wert von 0,189 – Rekord bei Serien-Pkw.

2. Gang: Das Beste

So viel Sinn für Details trägt Früchte. Der XL1 trinkt, was er verspricht – die richtige Strecke und Fahrweise vorausgesetzt. Mit vollem Akku erreichen wir den NEFZ-Referenzwert. Ohne Stromvorrat pendelt sich der Plug-in-Hybrid knapp über zwei Liter Durchschnittsverbrauch ein.

Das erfordert allerdings Übung. Durch den geringen Rollwiderstand kommen wir oft zu schnell am Stauende an und verschenken Energie. Insgesamt fahren wir den XL1 mit einem Verbrauch von unter zwei Litern pro 100 Kilometer auf Landstraßen, Autobahnen und in der Stadt.

3. Gang: Das Schwächste

Aufgeräumt, übersichtlich und eng: Der Innenraum des VW XL1 Aufgeräumt, übersichtlich und eng: Der Innenraum des VW XL1 Quelle: VW Leider müssen wir zugeben: Spätestens nach zehn Kilometern vergeht der Spaß am Fahren. Technische Brillanz hin, niedriger Verbrauch her – es fehlt an Alltagstauglichkeit. Bauartbedingt geht es im XL1-Innenraum äußerst eng zu. Als großer Mensch passt man auf den Fahrersitz, aber nur irgendwie. Der Kopf berührt die Decke, der Rücken krümmt sich. Bequem geht anders.

Hinzu kommt der schlechte Fahrkomfort. Die Federung auf dem Niveau eines preiswerten Sportfahrwerks und Vorderreifen in Fahrradformat mögen kein Kopfsteinpflaster. Auf schlechten Straßen fühlt sich der XL1 an wie eine Waschmaschine mit Unwucht im Schleudergang. Dabei knurrt der Zweizylinder mangels Dämmung unangenehm laut hinter den Sitzen.

Zum Gleiten und Sparen benötigt der XL1 einen geladenen Akku und feinen, glatten Asphalt. Und Tageslicht, denn die Spiegel-Kameras stoßen bei Dunkelheit schnell an ihre Grenzen. Sie lassen sich außerdem nicht einstellen; häufig verschwinden andere Fahrzeuge im toten Winkel. Das ist gefährlich: Trotz der auffälligen Optik wird der flache Gleiter oft übersehen.

4. Gang: Das Überflüssigste

Im Alltag stören besonders die manuellen Fensterheber. Die Kurbeln bestehen aus billigem Plastik und müssen ausgeklappt werden, sind schwer zu erreichen und rutschen aus der Hand. Bei allem Sparwillen, bei einem Preis über 100.000 Euro muss etwas mehr möglich sein.

5. Gang: Das Wissenswerte

Laut NEFZ trinkt der VW XL1 0,9 Liter pro 100 Kilometer. Mit leerem Akku werden es im Alltag knapp zwei Liter Laut NEFZ trinkt der VW XL1 0,9 Liter pro 100 Kilometer. Mit leerem Akku werden es im Alltag knapp zwei Liter Quelle: VW XL1-Fahren erfordert viele Kompromisse. Dass die nicht unbedingt nötig sind, zeigt das Versuchsfahrzeug VW Twin-Up: Die 0,9-Liter-Technik ist in der modifizierten Kleinstwagenkarosserie nur geringfügig durstiger. VW gab den Verbrauch bei der Messepremiere in Tokio mit 1,1 Litern an – ganz ohne Carbon, Titan und Magnesium.

6. Gang: Das Besondere

Eine Sache kann der XL1 besser als jeder andere VW: Der 111.000 Euro teure Hybrid fällt auf. Immer und überall. Wir wurden auf der Straße und auf Parkplätzen angesprochen, bis vor die Haustür verfolgt und waren das Highlight auf einer Spaß-Rallye.

Selbst bei einem Tuningtreffen zog der XL1 die komplette Aufmerksamkeit auf sich. Dort wurden ihm allerdings falsche Qualitäten unterstellt: Die Höchstgeschwindigkeit von (elektronisch begrenzten) 160 km/h und die Beschleunigung in 11,9 Sekunden auf Tempo 100 sorgte bei vielen Interessenten für lange Gesichter.

Technische Daten VW XL1

  • Motor: 0,8-Liter-Zweizylinder-Turbodiesel, Elektromotor
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Leistung: 35 kW / 48 PS (Verbrenner), 20 kW / 27 PS (Elektromotor)
  • Drehmoment: 120 Nm (Verbrenner), 100 Nm (Elektromotor)
  • Verbrauch: 0,9 l /100 km (NEFZ),
  • CO2: 24 g/km
  • 0 – 100 km/h: 11,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
  • Länge x Breite x Höhe in m: 3,89 x 1,67 x 1,16
  • Leergewicht inklusive Fahrer: 795 kg
  • Kofferraum: 120 l
  • Preis: 111.000 Euro

 

Quelle: MOTOR-TALK

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Ford
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