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VW Passat B8 und B5: Vergleich - 1.141.800 Gründe für einen Passat

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Ein zuverlässiger Lastesel und einer, der sich daran messen muss: Wir haben den neuen VW Passat mit dem Kilometermillionär von MOTOR-TALKer Schrepfer verglichen.

Passat gegen Passat, alt gegen neu. Welcher Passat ist der bessere? Passat gegen Passat, alt gegen neu. Welcher Passat ist der bessere? Quelle: Michael Papendieck

Braunschweig – Wenn MOTOR-TALKer Schrepfer über sein Auto redet, dann spricht er in Zahlen. Am häufigsten nennt er dann eine wie diese: 1.141.800. Das ist der Kilometerstand seines Passat 3BG (Baujahr 2002) am 19. September 2014. Anzeigen kann das sein Passat nicht, denn das Display zeigt nur sechs Ziffern. Aber die Laufleistung beeindruckt. VW kennt keinen Passat mit mehr Metern auf dem Blech.

Gemeinsam mit seinem Passat ist Dominik, so heißt Schrepfer außerhalb von MOTOR-TALK, mit uns in Braunschweig. Passat mustern, den ganz neuen. Der Passat von MOTOR-TALKer Dominik hat schon mehr als 1,1 Millionen Kilometer auf dem Tacho Der Passat von MOTOR-TALKer Dominik hat schon mehr als 1,1 Millionen Kilometer auf dem Tacho Quelle: Michael Papendieck VW stellte den Wagen vor Kurzem in Potsdam vor, die Öffentlichkeit sieht die achte Generation erst in Paris. Vorher vergleicht Mr. Passat Dominik seinen alten Dauerläufer mit dem neuen, exklusiv für MOTOR-TALK.

Passat B5 gegen Passat B8: Nutz- oder Nobelkombi

Das Aussehen zählt für den Außendienstmitarbeiter am wenigsten. Trotzdem beäugt er den silbernen Variant genau. Unser Vergleichsauto mit 240-Diesel-PS und Allradantrieb trägt tief gezogene Schürzen, große Auspuff-Blenden, LED-Scheinwerfer und helles Leder im Innenraum. „Der schaut schon viel dynamischer aus“, findet Dominik. Besonders im Vergleich zu seinem Passat mit Trendline-Ausstattung und Schlecht-Wege-Fahrwerk. Dagegen wirkt sein zwölfjähriger Kombi hochbeinig und betagt.

Dominik will mit einem Auto nicht angeben, er fährt damit. Rund 100.000 Kilometer im Jahr, immer mit Gepäck, manchmal mit Anhänger. Da zählt Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Platz. Im Kofferraum liegen stets Kisten, eine Reisetasche, eine Kühlbox, Getränke und Motoröl. Das packt der Neue auch: 650 Liter passen hinter die elektrisch öffnende Klappe, 155 Liter mehr als in die fünfte Generation.

Ladeluke gegen Ladeluke

In den alten passen 180 Liter weniger als in den neuen - auf dem Papier In den alten passen 180 Liter weniger als in den neuen - auf dem Papier Quelle: Michael Papendieck Dieser Vorteil verschwindet allerdings in vielen Staufächern und Ablagen. Die abfallende Dachlinie und das schräge Heck des neuen Passat kosten Raum. Die Ladeluke misst zwar bis zu 1,10 Meter in der Breite, wird an den Enden aber rund 20 Zentimeter schmaler und ist nur 70 Zentimeter hoch.

Die Lego-Architektur der fünften Generation stünde ihm besser: Dominik kann Pakete mit einem Meter Breite und 80 Zentimetern Höhe verstauen. Und er muss sie nur 56 (statt 58) Zentimeter hoch wuchten – trotz der um zwei Zentimeter höher gelegten Karosserie.

180 Liter mehr, auf dem Papier

Auf dem Papier bleibt der neue Passat der Größere. Er startet mit Quermotor-Architektur, neun Zentimetern mehr Radstand und gut sechs Zentimetern mehr Länge. Das ergibt ein maximales Ladevolumen von 1.780 Litern – 180 Liter mehr als bei Dominiks Kombi, obwohl die neuen Rücksitze nicht ganz eben nach vorn klappen. Zwischen den Radhäusern bieten beide einen Meter Platz. „Praktisch passt in meinen aber mehr rein, vor allem wegen der geraden Heckscheibe“, sagt Dominik.

In beiden Autos sitzen vier Erwachsene gut. Lustig oder doof: in den neuen Fond steigt man dank schmaler B-Säulen leichter ein, dafür bietet der alte Fond mehr Beinfreiheit. Über den Verlust von Kopffreiheit zugunsten eines Panoramadaches wurde mehr als genug geschrieben. Ist beim B8 auch so.

Teure Materialien, mittelmäßige Rundumsicht

Dominik sitzt am liebsten links-vorn, im alten wie neuen Passat. Die Armaturenbretter findet er gleichwertig – übersichtlich, praktisch und dank des unterschäumten Kunststoffes auch angenehm anzufassen. Der Neue hat feinere Türtafeln und tolles Leder (Aufpreis: 685 bis 2.345 Euro), aber ein überladenes Multifunktionslenkrad (Serie). „Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen“, urteilt er und schüttelt den Kopf über die Schaltwippen für das Doppelkupplungsgetriebe. „Entweder ich fahre Automatik oder nicht.“

Beim Rangieren würde Dominik am liebsten auf technische Helfer wie Parkpiepser oder Kameras verzichten. Doch das neue Modell lässt dem Fahrer keine andere Wahl: Flache Fenster sowie breite C- und D-Säulen verschlechtern den Blick nach hinten. Besonders die vergleichsweise kleine Heckscheibe stört die Übersicht. Einen flachen Anhänger könne man damit nicht sehen. Auf die optionale Anhänger-Rangier-Funktion möchte sich Dominik nicht verlassen.

Pumpe-Düse-Dauerläufer gegen Biturbo-Diesel

Eng ist es im Passat, wo es Fahrer kaum stört: Unter der Motorhaube. Im Fond des neuen Passat hat Constantin jede Menge Platz Im Fond des neuen Passat hat Constantin jede Menge Platz Quelle: Michael Papendieck Bis zu 280 PS aus vier Zylindern quetschen die Ingenieure zwischen die vorderen Dome. Für so viel Kraft brauchte der 3BG noch die Leistung von acht Zylindern. Darum mögen Werkstattmeister eher die Luftigkeit rund um Dominiks 1,9-Liter-Pumpe-Düse-Diesel mit vier Zylindern und 100 PS.

Das ist wichtig, denn ein Kilometer-Millionär benötigt Wartung: Drei Turbolader hat Dominik bisher verschlissen, dazu einen Zylinderkopf (527.000 km), ein Getriebe (172.000 km) und zwei Sätze Pumpe-Düse-Elemente. Zahnriemen und Getriebeöl lässt er einmal im Jahr wechseln.

Was teuer klingt, zahlt sich aus: 14 bis 19 Cent kostet Dominiks Passat pro Kilometer, inklusive aller Reparaturen, Wartungen, Versicherung, Steuer und Diesel. 6,5 Liter trinkt der treue Kombi pro 100 Kilometer, im Winter einen halben Liter mehr. Auf dem NEFZ-Prüfstand waren es 6,7 Liter.

Doppelkupplung statt Wandler

Mechanisch einfache Wandlerautomaten gibt es im neuen Passat nicht mehr, erst recht nicht mit vier Gängen. Doppelkupplungsgetriebe übernehmen schon längst die automatische Gangwahl. Katalysator und Partikelfilter sitzen bei den Dieseln in einem Bauteil. Für einen Tausch muss wahrscheinlich der Motor raus. Immerhin: VW hat die Steuerkette aus dem Programm gestrichen – hier gab es über viele Baujahre Probleme.

Alle Diesel im neuen Passat arbeiten nach dem Common-Rail-Prinzip, also mit einer Hochdruckpumpe für Das Aussehen seines Autos ist Dominik egal - es muss praktisch sein Das Aussehen seines Autos ist Dominik egal - es muss praktisch sein Quelle: Michael Papendieck alle Einspritzdüsen. Der Basis-Selbstzünder leistet 150 PS sowie 340 Newtonmeter, 50 PS und 90 Newtonmeter mehr als der Einstiegsdiesel vor zwölf Jahren.

Das Spitzenmodell bringt es mit zwei Turboladern und viel Ingenieursleistung am Zylinderkopf auf 240 PS und 500 Newtonmeter. Auf dem Prüfstand trinken sie 4,1 bzw. 5,4 Liter pro 100 Kilometer. Ob sie das in der Praxis schaffen, werden sie bei der ersten Fahrt im Oktober 2014 zeigen.

So viel Leistung würde Dominik gefallen – 100 PS reißen eben nicht die Wurst vom Teller. Aber er traut der Technik noch nicht: „So viel Kraft aus kleinen Motoren, da will ich erst Langzeittests abwarten.“ Besonders der 1,4-Liter-Turbobenziner mit 150 PS ist ihm suspekt. Denn für Dominik bedeutet eine geringe Literleistung Haltbarkeit. „Dafür darf er dann auch einen Liter mehr verbrauchen.“

Das passt aber nicht in die CO2-Politik des Konzerns. Einen souveränen Sechs- oder gar Achtzylinder wird es im Passat deshalb wohl nie wieder geben. Dominik scheut die komplizierte Technik: „Was nicht da ist, kann nicht kaputt gehen.“ In diesem Punkt wird der neue Passat seinem Modell hinterher fahren.

Zu viel Geld für schöne Augen

Optik und Haptik stimmen beim neuen Passat, Fahrleistungen und Verbrauch in der Theorie ebenfalls. Aber Dominik achtet aufs Geld: Ein Passat Variant kostet aktuell ohne Extras 31.325 Euro. Das sind rund 10.000 Euro mehr als Dominiks vertreterblaues Exemplar. Der Wiederverkaufswert ist für ihn zweitrangig, er möchte einen neuen Dauerläufer.

„Für den gleichen Preis würde ich ihn nehmen. Aber so wird es wahrscheinlich ein Skoda Superb.“ Der bietet ähnlich viel Platz für gut 5.000 Euro weniger. „Den gibt es noch ohne Startknopf und elektrische Handbremse. Das wird nur teuer, wenn es kaputt geht.“ Und die vielen Assistenzsysteme, der LCD-Tacho und das LED-Licht? „Das brauche ich alles nicht.“ Dominik ist sehr praktisch veranlagt. Deshalb verabschiedet er sich selbstsicher: „Bis zur nächsten Million“, schmunzelt er. Und träumt von seinem Auto als Neuwagen.

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