Ducati Diavel: Fahrbericht

Laut wie ein Helikopter, schnell wie ein Formel-1-Bolide

MOTOR-TALK

verfasst am Mon Apr 07 17:23:39 CEST 2014

Ducati hat sein dickstes Ding noch kraftvoller und noch auffälliger gemacht. Die Diavel verfügt ab sofort über 131 Nm und einen Voll-LED-Scheinwerfer. Ein Fahrbericht.

Auf zur nächsten Runde: Die zweite Generation der Ducati Diavel bleibt sich optisch treu
Quelle: Ducati

Von MOTOR-TALK-Reporter Ralf Bielefeldt

Monaco – In Monte Carlo gehören Menschen mit viel Geld und einem Hang zur Selbstdarstellung zur DNA dieses Luxusfleckchen Erde. Bentley, Ferrari, Lamborghini parken gelangweilt in der Sonne. Auf der Terrasse des Café de Paris kostet das „Frühstücks-Menü“ am Formel-1-Wochenende 1.440 Euro, drinnen locken Schampus und Croissants schon für volksnahe 650 Euro.

Gibt es einen passenderen Ort, um die neue Diavel zu präsentieren? Vermutlich nicht. Ducatis dickstes Ding ist genau das richtige Accessoire für die Marken- und PS-verliebten Monegassen. „Urban Extroverts“ heißt diese Zielgruppe im Ducati-Sprech, frei interpretiert „Städter mit Hang zur Selbstdarstellung“. Und die gehören hier quasi zur Bausubstanz.

Wie zuvor leistet die Diavel 162 PS und schickt diese über einen 240er-Hinterreifen auf den Asphalt. Warum sollte Ducati diese Parameter auch ändern? Mehr Power und Pneu braucht dieses 239 Kilogramm schwere Moped (Carbon-Version: 234 kg) wahrlich nicht.

Mehr Drehmoment hingegen schon. Die neue Diavel entwickelt 131 Newtonmeter bei 8.000 Touren und hängt auch unterhalb von 2.000 Touren adäquat am Gas. Beides verdankt sie dem feingetunten 11-Grad-DS-Testrastretta-Motor (1.198 ccm), der mit geänderter Einspritzung bereits der Ducati Multistrada und der Monster 1200/1200 S das berüchtigte Ruckeln im Drehzahlkeller ausgetrieben hat.

Unter drei Sekunden, über 250 Sachen

Wenn der 1200er-V2 die Diavel beschleunigt, gibt es kein Halten mehr. Dass der Fahrer nicht hinten runter fällt, liegt an der extrem tief ausgeschnittenen Sitzmulde. Sie verzahnt den Mensch am Gasgriff regelrecht mit dem „Teufel“ (rätoromanisch: Diavel) aus Borgo Panigale.

Was für ein Schlappen: Das Hinterrad der Ducati trägt nach wie vor Pirelli-Pneus in 240/45 ZR 17
Quelle: Ducati
Mit offiziellen Angaben zum Sprintvermögen hält sich Ducati wie üblich zurück. Zu sehr hängt das vom Gewicht des Fahrers ab. „Unter drei Sekunden auf 100“ gilt allemal. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 255 km/h. Das werden wohl die Allerwenigsten jemals fahren mit ihrer Diavel: Komplett unverkleidet wird es ab ca. 170 km/h reichlich zugig hinterm breiten Lenker. Aber darum geht es hier ja auch gar nicht.

Imponiergehabe

Die Diavel will in erster Linie imponieren. Und das macht sie mit ihrem unvergleichlichen An- und Auftritt: Die dicke Duc reißt dem Fahrer beim beherzten Gasgeben – egal bei welchem Tempo – fast die Arme aus, gleitet geschmeidig selbst durch enge Kurven und ist einfach ein absoluter Hingucker. Breitschultrig wie die Bodyguards der Oligarchen, die im Hafen des Fürstentums Hof halten. Laut wie die Helikopter, die zum Flughafen Nizza pendeln. Schnell wie die Formel-1-Boliden, die hier die Tunnelwände beben lassen.

Überhaupt, der Sound: böse grollend, furios trompetend, lässig blubbernd – je nach Stellung des elektronisch agierenden Gasgriffs (Ride-by-wire) schmettert die Diavel ihre Arie wie der Gefangenenchor von Nabucco. Grandios.

Fein komponiert haben die Italiener auch das Mäusekino des Anzeigen-Duos: farbiges TFT-Display auf

Neues Design, neue Abmessungen: Die saubequeme Sitzbank ist jetzt horizontal gerippt
Quelle: Ducati
dem Tank, LCD-Cockpit am Lenker. Tageskilometerzähler, Tankstand, Reichweiten- und Ganganzeige, dazu warnt jetzt ein kleines Symbol vor dem noch ausgeklappten Seitenständer, der das Bike abwürgt, sobald man den ersten Gang einlegt. Sehr exklusiv in der Motorradwelt ist der neue Voll-LED-Scheinwerfer mit hufeisenförmigem Lichtring und LED-Tagfahrlicht. Vergleichbares bietet bislang nur BMW Motorrad.

14-mal Frühstück plus Trinkgeld

Sehen und vor allem gesehen werden. Damit spielt auch die neue, verkürzte Abgasanlage: Sie verdeckt nur noch einen Bruchteil der hinteren geschmiedeten Marchesini-Felge, die je nach Modell neun (Diavel Carbon) bzw. 14 Speichen (Standard) hat. Farblich stehen jetzt ab Werk drei Varianten zur Wahl: komplett schwarz (Body, Rahmen, Räder, Schalldämpfer) für die klassische Diavel (ab 17. 490 Euro) sowie „Red Carbon“ und „Star White“ für die Diavel Carbon (zweifarbiger Tank, roter bzw. weißer Rahmen, Schalldämpfer „Stainless Steel“/silber).

Sehen und gesehen werden: Ducati spendiert der Diavel ab Werk Voll-LED-Scheinwerfer
Quelle: Ducati
Für diese mit Leichtbauelementen (u. a. Sitzbankabdeckung, Tank, Schmutzfänger) abgespeckte und aufgehübschte Version werden mindestens 20.990 Euro fällig. Dafür bekommt man im Café de Paris 14 Formel-1-Frühstücke, inklusive Trinkgeld.

Technische Daten: Ducati Diavel

  • Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder in L-Form, vier Ventile pro Zylinder
  • Hubraum: 1198 ccm
  • Leistung: 162 PS (119 kW) bei 9.250/min-1
  • max. Drehmoment: 131 Nm bei 8.000/min-1
  • 0 – 100 km/h: < 3,0 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 255 km/h
  • Radstand: 1,59 m
  • Sitzhöhe 0,77 m
  • Leergewicht fahrfertig und vollgetankt: 239 kg
  • Grundpreis: 17.490 Euro (Diavel)
  • Diavel Carbon: ab 20.990 Euro

Zwei Versionen, drei Lackierungen: Das Powerbike gibt es in Schwarz, Rot-Schwarz und Weiß-Schwarz
Quelle: Ducati
Was für ein Schlappen: Das Hinterrad der Ducati trägt nach wie vor Pirelli-Pneus in 240/45 ZR 17
Quelle: Ducati
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Quelle: Ducati
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Quelle: Ducati
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Quelle: Ducati
... reichlich Zierrat für den Motorblock sowie ein LM-Schmiederad mit geschwungenen Speichen
Quelle: Ducati
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Quelle: Ducati