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Lamborghini Murcielago SuperVeloce LP670-4 - Take off mit dem Über-Lambo

verfasst am Mon Aug 03 10:26:34 CEST 2009

Der 357.000 Euro teure Murcielago SuperVeloce soll die letzte von Lamborghini in Eigenregie entwickelte Baureihe nach oben abrunden - und ist schärfer denn je: 30 PS mehr, 100 Kilogramm weniger auf den Hüften.

Zugegeben - er trägt einen gewaltigen Flügel am Heck und fällt schon deshalb auf. Aber die ungeteilte Aufmerksamkeit, die dem Lamborghini Murciélago SuperVeloce unweit seines Geburtsortes St. Agata Bolognese zuteil wird, erstaunt irgendwie doch. Eigentlich - so sollte man meinen - müssten die Menschen hier doch längst an den Anblick der orange oder andersfarbigen, geduckt durch die Landschaft huschenden Keile gewöhnt sein.

Auf 350 Exemplare limitierte Supersportwagen

Aber vielleicht geht es dem Murciélago, dem flügelbewehrten SV zumal, wie Menschen mit über zwei Meter Stockmaß: Auffallend stattliche Gestalten stehen immer und überall im Fokus. Und eine solche ist der auf 350 Exemplare limitierte Supersportwagen zweifellos. Mit 4,71 Meter Länge, 2,06 Meter Breite und einer lichten Höhe von gerundeten 1,14 Meter unterscheidet sich der zweisitzige Lambo klar vom Mainstream. Da passt der mächtige, aus Sichtkarbon gefertigte "Aeropack Wing" (ein kleinerer Heckflügel, der etwas weniger Anpressdruck generiert, ist auf Wunsch zu haben) ebenso perfekt ins Bild wie die nach oben öffnenden Fallbeiltüren, die zwar das Parken auf engem Raum, nicht aber einen wirklich bequemen Einstieg ermöglichen.

Mit 670 PS stärkster Serien-Lambo

Beim Entern des sportlich-knapp geschnittenen Cockpits ist das Hineingleiten mit leicht nach hinten gelehntem Oberkörper zu perfektionieren, wenn die ungewollte Kontaktaufnahme des Kopfes mit der rückwärtigen unteren Türkante dauerhaft vermieden werden soll. Im vom großzügigen Panorama der flachen Frontscheibe geprägten Innenraum des mit 670 PS stärksten Serien-Lambo erwarten Fahrer und Beifahrer mit Alcantara bezogene Sitzschalen, liebevoll mit dem Lamborghini-Signet nebst Stier bestickte leuchtendblaue Hosenträgergurte und ein gut zur Hand liegendes, von Alcantara ummanteltes Volant.

Letzteres ist, ebenso wie die beiden Pedale für Gas und Bremse beim einzig verbliebenen Ur-Lambo nach wie vor leicht nach rechts versetzt. Auch das macht - obwohl ein wenig gewöhnungsbedürftig - den stärksten Stier der Emilia Romagna irgendwie sympathisch. Ein Kupplungspedal ist aufgrund des automatisierten e.gear-Getriebes nicht an Bord. Wer das traditionelle Handwerk bevorzugt, kann den SuperVeloce wahlweise und ohne Aufpreis auch mit einem in einer offenen Kulisse laufenden manuellen Sechsganggetriebe nebst metallenem Schalthebel ordern.

Maximales Drehmoment von 660 Nm bei 6.500/min

Wirklich angeraten erscheint dies aufgrund der insbesondere im Corsa-Modus nahezu verzögerungsfrei vollzogenen Gangwechsel aber nicht. Zumal die automatische Zwischengasfunktion zuverlässig zu viel Schleppmoment an den beiden angetriebenen Achsen verhindert. Einzig das Gedenksekündchen, das sich die automatisierte Schaltbox im Teillastbereich des normalen Fahrprogramms zuweilen gönnt, ist eingangs ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Für flotte Überlandflüge oder die Zeitenhatz auf abgesperrten Strecken empfiehlt sich ohnehin das betont sportlich ausgelegte Corsa-Programm. Analog zu diesem steht dem Piloten ein gleichfalls auf Knopfdruck wählbarer sogenannter "Low Adherence"-Modus für mehr Contenance bei widrigen Witterungsbedingungen zur Verfügung. Seitens des Werks wurde nicht nur auf der Leistungsseite gründlich Hand angelegt - das Ansaugsystem bearbeitet, der Ventiltrieb optimiert und der Ventilhub vergrößert - sondern vor allem auch an der Gewichtsfront angegriffen.

Gewichtsreduktion bis ins Detail

Allein im Bereich des Motors konnten dank des neu konstruierten und aus leichteren Materialien gefertigten Abgasstrangs über 26 Kilo eingespart werden. Die Karosserie des Murciélago SV ist in Mischbauweise aus hochfesten Karbonteilen und einem stählernen Rohrrahmen ausgeführt. Der teure Kohlefaser-Verbundstoff kam im Mitteltunnel, am Boden und an allen Teilen der Außenhaut mit Ausnahme der aus Stahlblech geformten Türaußenseiten und des Daches zum Einsatz.

Das neu berechnete, nunmehr aus leichterem hochfestem Stahl bestehende und daher torsionssteifere Chassis trägt mit weiteren 20 Kilogramm zur Gewichtsreduzierung bei. Der Wegfall des Antriebs für den beweglichen Spoiler schlägt mit stolzen 13 Kilogramm zu Buche. Weitere 34 Gewichtseinheiten haben die Ingenieure im Bereich des zwar auf das Wesentliche konzentrierten, aber keinesfalls ungemütlichen Innenraums gefunden. Unterm Strich soll sich die Arbeit im Detail zu einem Mindergewicht von beachtlichen 100 Kilogramm addieren.

Über-Lambo mit verbesserter Fahrdynamik

Das Trockengewicht des neuen starken Lamborghini beziffert der Hersteller mit 1.565 Kilo. Welchen Wert die Waage für das vollgetankte Auto notiert, wird zu einem späteren Zeitpunkt der Supertest zeigen. Nur in jenem Rahmen - abseits öffentlicher Straßen - lässt sich den sportlichen Qualitäten und der verbesserten Fahrdynamik des Über-Lambo auch wahrhaft auf den Grund gehen. Bei der ersten Ausfahrt im nord-italienischen Flachland bestach der orange-metallic-farbene SV zwar mit urgewaltiger Antrittskraft und Gänsehaut erregender Stimmgewalt. Das V12- Leistungsgewitter braut sich gleich einem Orkan im Rücken des Fahrers zusammen, um bei zunehmender Drehzahl in fanfarenartiges Trompeten überzugehen.

Grundpreis für den LP 670-4: 357.000 Euro

Veritable Kurvenspielchen ließen sich in und um St. Agata Bolognese jedoch nicht treiben. Dafür fiel beim wiederholten Zuckeln durch kleine Orte die überaus bissig zupackende, mit mächtigen 380-Millimeter-Scheiben rundum bestückte Karbon-Keramik-Bremsanlage auf. Sie nötigt dem Piloten bei der ersten Kontaktaufnahme schon mal ein zustimmendes Nicken ab. Dies und die mangelhafte Übersichtlichkeit der sich hinter der Cockpitkanzel auftürmenden Karosserie unterstreichen, dass das primäre Einsatzgebiet des SuperVeloce abseits ausgetretener Pfade zu suchen ist. Wenngleich von der Klimaanlage bis zum Navigationssystem (gegen Aufpreis) alles an Bord ist, was modernen Autofahrern im Alltag längst unentbehrlich scheint.

Sprint von Null auf 100 km/h in 3,2 Sekunden

Auch mit der zwar straffen, aber nicht gänzlich unkommoden Fahrwerksabstimmung lässt sich leben. Beim Rückwärtssetzen bleibt für all jene, die sich nicht bedingungslos auf das im Display erscheinende Bild der am Heck montierten Weitwinkel-Kamera verlassen mögen, jedoch stets ein etwas mulmiges Gefühl. Durch die von Kohlefaser umfassten, sechseckigen und nach hinten offenen Kunststoffplatten aus durchsichtigem Polycarbonat in der rückwärtigen Motorhaube lässt sich nämlich ebenso wenig erkennen wie durch die nicht vorhandenen hinteren Seitenscheiben. Womit eines bewiesen wäre: Im Lamboirghini Murciélago geht's vorwärts, nicht zurück.

 

Quelle: Tuningsuche