MZ Motorrad am Ende

Die Traditionsmarke MZ macht dicht

Björn Tolksdorf

verfasst am Fri May 03 15:51:22 CEST 2013

Es war ein Abschied auf Raten: Der mitteldeutsche Motorradhersteller MZ hat seinen letzten Mitarbeitern gekündigt. Nur das Ersatzteilgeschäft soll bleiben.

MZ-Logo, fotografiert im Motorradmuseum Zschopau. Der Insolvenzverwalter hat die Sanierungsgespräche in dieser Woche für gescheitert erklärt.
Quelle: dpa

Zschopau - Ein klägliches Ende einer großen Geschichte: 1922 begann die Motorradfertigung in Zschopau (Sachsen). Der Däne Jörgen Skafte Rasmussen hatte das Werk gegründet und etablierte hier den Markennamen DKW (Dampf-Kraft-Wagen). 1928 war DKW der größte Motorradhersteller der Welt mit einer Jahresproduktion von 60.000 Motorrädern - und dem ersten Motorrad-Fließband der Welt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das DKW-Werk auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht komplett demontiert und in Ischewsk (Russland) wieder aufgebaut. Die Produktion in Zschopau wurde 1950 unter dem Label Industrievereinigung Fahrzeugbau (IFA) wieder aufgenommen.

Nach der Wende: MZ Skorpion Fighter
Quelle: Stefan Gollnick/wikicommons
Ab 1952 firmierte das Motorradwerk unter dem Namen VEB Motorradwerk Zschopau (MZ). Und zehn Jahre später, 1962, gelang der große Wurf: Die ES 125/150. Mit ihren Ablegern ETS und TS und 900.000 Exemplaren ist sie bis heute das meist gebaute deutsche Motorrad.

Dann kam die Wende...

... und MZ wurde privatisiert. Schon kurz darauf, am 18. Dezember 1991, musste das Unternehmen Konkurs anmelden. Die Patente und Fertigungsanlagen des Erfolgsmodells ETZ (ab 1981) wurden an den türkischen Hersteller Kuralkan verkauft.

1996 übernahm der malaysische Konzern Hong Leong das Nachfolgewerk MuZ Motorrad- und Zweiradwerk GmbH. Dieser beschloss 2008 "die Einstellung des Geschäftsbetriebs zum 31. Dezember 2008", nach Verlusten von etwa 70 Millionen Euro seit der Übernahme.

Neuer Anlauf mit Elektrorollern

Im März 2009 gründeten die ehemaligen Motorradrennfahrer Ralf Waldmann und Martin Wimmer das Unternehmen neu unter dem historischen Namen Motorenwerke Zschopau GmbH. Sie ließen hauptsächlich Elektroroller produzieren.

Elektroroller "Charly" (seit 2009)
Quelle: MZ
Nach gut drei Jahren, am 7. September 2012, musste der neue Geschäftsführer Martin Wimmer Insolvenz anmelden. Man reagiere damit auf ein kurzfristig geplatztes Darlehen, hieß es. MZ hoffte auf neue Investoren, um die Tradition und die seinerzeit noch 49 Arbeitsplätze erhalten zu können.

Doch die Hoffnung scheint vergebens. Die aktuell 20 Beschäftigten haben ihre Kündigung erhalten, nachdem der Insolvenzverwalter am Dienstag den Daumen gesenkt hatte. Im Hinblick auf die Sanierung des Unternehmens seien die über 30 Gespräche mit Interessenten ergebnislos geblieben. Keiner der Gesprächspartner war bereit, die nötige sechsstellige Summe zu investieren.

Das Ersatzteilgeschäft soll nun über eine Nachfolgegesellschaft betrieben werden, die einen Teil der gekündigten Mitarbeiter wieder einstellen wird.

Quelle: Motorrad Online; dpa; heise.de; muz.de

MZ ETZ 250 (Einheits-Typ Zschopau), ab 1981
Quelle: Thargor wetton/wikicommons
DKW RT 125 im Audi-Museum Ingolstadt
Quelle: Lothar Spurzem/wikicommons
Nach der Wende: MZ Skorpion Fighter
Quelle: Stefan Gollnick/wikicommons
Elektroroller "Charly" (seit 2009)
Quelle: MZ
MZ ES 250 (1956-1962) im deutschen Zweirad-und NSU-Museum Neckarsulm
Quelle: Joachim Köhler/wikicommons
IFA BK 350 im deutschen Zweirad-und NSU-Museum Neckarsulm
Quelle: Joachim Köhler/wikicommons