Classic Driving News
Datsun 160 SSS – Grüße aus Fernost
Die sportliche Coupé-Variante der Datsun-Baureihe 160 war schon in den 70ern ein äußerst seltener Anblick. Carsablanca-Mitglied Wolfgang Engelberg besitzt eines der raren Sportcoupés.
Weshalb gerade dieses Auto, und ausgerechnet ein „Datsun“? Vor 30 Jahren kam Wolfgang durch Zufall zu seinem ersten Wagen dieser Marke. Der ortsansässige Datsunhändler war der Einzige, der ihm damals für seinen maroden Renault 5 TL überhaupt noch etwas Geld geboten hatte. So begann seine "Liebe" zu den Fahrzeugen der Marke mit dem Sonnensymbol.
Es war bereits das fünfte Auto seiner damals noch kurzen Autofahrerkarriere. „Ich erstand ein rotes 120 Y Coupé, zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt, mit dem auch zu dieser Zeit die Freundschaft mit meinem Freund und Kumpel "Ekke" begann, denn mein Weg in ein Autohaus führte mich zumindest früher immer durch die Werkstatt. Er war gerade frisch zu diesem Autohaus gewechselt und kennt die Marke Datsun bzw. Nissan von Beginn an. Ohne ihn wären meine vielen Autospinnereien gar nicht möglich gewesen.“
Nachdem Wolfgang damals den ersten 160er in der Werkstatt gesehen hatte, war es fortan sein Wunsch gewesen, solch einen zu fahren. Dieses Auto mit seinen barocken Formen, den Doppelvergasern und den sehr guten Fahrleistungen hatte es ihm angetan. Aber zu dieser Zeit fehlte das Geld, und Jahre später hatten Unfälle oder der Rost das damals schon seltene Datsun-Modell dahingerafft. „Durch unsere vielen Griechenlandurlaube war ich schon fast soweit, mich mit einer Limousine zu begnügen und mir einen der dort damals noch im Alltagsbetrieb befindlichen 160er zu holen.“
Wolfgang hingegen musste noch seine damalige Frau überzeugen, die schon von seinem damaligen „Projekt“, einem Nissan Pulsar Targa, nicht sonderlich begeistert war.
Die Geschichte des Wagens trieb Wolfgang fast die Tränen in die Augen: 1975 habe er das Auto als den ersten verkauften Datsun seiner Händlerkarriere an einen Kunden übergeben, berichtete der ehemalige Eigentümer des Autohauses. Zwei Jahre später nahm der Mann das 83 PS starke Coupé dann in Zahlung – und gab es nie wieder ab. Anfangs durfte es noch in der Halle stehen, aber als die alten, barocken Formen längst nicht mehr gefragt waren, fristete es ein trostloses Dasein, als Ablage und Lagerplatz oder auch als Hundehütte. Dadurch wurde die Innenausstattung stark in Mitleidenschaft gezogen. Ende der neunziger Jahre kündigte Nissan den Händlervertrag, da der alte Händler nicht vom "Dorf" in die Stadt wollte. Der Vater und die Söhne besannen sich wieder des Autos und begannen, es zu restaurieren. Das Ganze beschränkte sich aber größtenteils auf die Karosserie. Dazu wurde das Coupé total zerlegt und neu lackiert, in einem roten Originalfarbton an Stelle des ursprünglichen Grünmetallic. Diese Arbeit wurde so perfekt erledigt, dass später die Gutachter von DEKRA und Classic Data nicht davon bemerkten.
Man wurde sich einig, die Bescherung zu Weihnachten war gerettet. Nach der Abholung Mitte Januar begann Wolfgang, zusammen mit seinem Freund Ekke, eine technische Bestandsaufnahme nach über 26 Jahren Standzeit: Die Bremsen waren gängig, aber Bremsschläuche, Benzinschläuche, Kühlerschläuche und Zündkabel porös, der Thermostat hatte sich aufgelöst, und die Diodenplatte der Lima war verrottet, die Scheinwerfer korrodiert. Ersatz ließ sich aber auftreiben.
Anschließend wurde der Tank gereinigt, alle Benzinschläuche und Filter erneuert, die Bremsen kontrolliert und sämtliche Betriebsflüssigkeiten gewechselt. Dann noch neue Zündkerzen und Batterie... Ein erster Testlauf zeigte, dass der 1,6 Liter Motor und das Getriebe in Ordnung waren.
Nun ging es ab zum TÜV, der ohne Probleme gemeistert wurde – mitsamt allen Eintragungen. Seit der Zulassung bin ist der Mann aus Weingarten nun schon fast 7.000 km gefahren. Während dieser Zeit sind noch diverse Mängel zutage getreten“. Kupplungsnehmer- und Geberzylinder, Vergaserschwimmer undicht und hängende Schwimmernadelventile. 2005 kam der 30. Geburtstag des roten Coupés, der auf dem Stand der Oldtimerscheune Dornbirn während der „RETROKLASSIK“ gebührend gefeiert wurde, und das H- Kennzeichen mit dem entsprechenden Gutachten.
Es folgten Besuche auf Treffen in Essen, es ging nach Luxemburg, Österreich und in die Schweiz. „Der Besuch auf unserem ersten Oldtimertreffen in Bludenz (Österreich) ist mir immer noch in Erinnerung. Da winkte mir doch ein Schweizer mit 14.000 Fränkli cash, und wollte mein Auto sofort mitnehmen. Scherzhaft meinte ich dann: Ab 20.000 Franken fange ich an zu überlegen!“
Probleme im täglichen Betrieb und besonders zu den TÜV-Terminen verursachen die Hitachi SU-Vergaser. Für sie gibt es keine Teile mehr, was ihre Einstellung für die Abgasuntersuchung erschwert. Dennoch läuft die 1,6-Liter Maschine zuverlässig bei einem Verbrauch von rund 9 Litern, wenngleich der CO-Gehalt mit 5- 6% zu hoch ist.
Nun hat es sich gezeigt, was es heißt, solch ein seltenes Auto zu fahren: Teile, vor allem Blech, gibt es so gut wie keine mehr. „Eine neue Frontscheibe war dank eines Freundes bei Schwabo-Autoglas innerhalb weniger Tage beschafft, so dass ich wenigstens fahren kann“, ist Wolfgang froh. Um das seltene Coupé wieder in den gewohnten Top-Zustand zu versetzen, braucht der schwäbische Datsun-Fan noch eine Motorhaube, Frontstoßstange und Kotflügel. Außerdem hat das Armaturenbrett durch die eingedrückte Frontscheibe gelitten und ist total zerschnitten. Aber Schwaben können stur sein – Wolfgang gibt die Hoffnung nicht auf und hat erneut Suchanzeigen geschaltet.
von Michael Grote
Quelle: Carsablanca
Nette Geschichte und ein richtig tolles Auto.
Falls einige es nicht finden für Infos. Dieser Wagen wurde nur in Europa, Australien etc. Datsun 160 genannt. In den USA hieß er Datsun 610. In Japan Datsun Bluebrid.
Die ganze Baureihe ging in den Bluebird über (in Europa dann 89/90 in den Primera).
Bluebirds (Bluebird Sylphy) gibt es auch weiterhin in Japan, China etc. in der 14. Generation (bzw. als Sylphy in der 2.).
Amerikanischer Scherz, wie es zum Name Datsun kam:
Japaner zum Ami-Brandname-Designer:
"We need brand name for japanese car"
Ami-Brandname-Designer:
"When do you need it?"
Japaner:
"in one week"
Ami-Brandname-Designer (in plattem slang):
"That's soon"
Japaner:
"Datsun? Good name, thanks a lot!"
Kaum zu glauben, dass es den noch gibt. Ich kann ich noch gut erinnern, dass ich eine alte AutoRevue als Bub las, wo dieses Auto vorgetellt wurde. Ich war von den barcken Formen spontan begeistert.
Als Student hatte ich das Privileg noch diese alten Datsuns als Hofchauffeur der Firma Tarbuk, seinerzeit Nissan Importeur für Österreich, kennen zu lernen. Verdorben durch VW´sche Einheitskost, lernte ich die Eigenarten der Datsun kenne. Unvergesslich der typische vom mitlaufenden Lüfterrad geprägte Motorklang. Die japanischen Klein-LKW Diesel klingen heute noch so. Ich erkenne blind sofort einen Urvan, Cabstar, Canter, und wie sie alle heissen.
Weiters sass man geborgen durch die hohe Gürtellinie, und dem hohen Getriebetunnel aud den so typischen Skaisitzen. Die rechte Hand ruhte auf dem langen Schaltknüppel mit dem superleicht schaltbaren Getriebe, was damals kein Europäer so hinbekam.
Natürlich war das falsche Hozdekor Kitsch, aber heute machen das alle Hersteller so. Dafür hatte man wunderschöne überkomplette Instrumente. Ja diese Autos waren was besonderers.
PS: Ich hasse diese Kamaziepiloten auf 2 Rädern, die glauben nur weil sie "umweltfreundlich" unterwegs sind, sich alles erlauben können. Nur, wahrscheilich hat der garnichts gelernt daraus. No brain no pain.
Mir ist so ein Datsun mal in Hamburg begegnet. In einem schönen weiß.
Leider noch nie genauer betätscheln können. 🙁
Ich habe selbst einen Datsun, aber den 180B SSS fast 4 Jahre gefahren.
Der Wagen war BJ 1975 und habe ihn 1979 mit 40.000km auf der Uhr für 5000DM gekauft.
Ich war sehr zufrieden mit dem Wagen, bis sich die schlechte Qualität bemerkbar machte.
Die Achswellengelenke der Hinterradachse fingen irgendwann an zu quietschen. Ich habe dann Schmiernippel "nachgerüstet" und mit der Fettpresse nachgeholfen. Die Gummilager der Hinterachsaufhängung waren nach 7 Jahren hinüber, der Werkstattmeister sagte dann "Das war mal Gummi", aber von Gummi war nicht mehr viel übrig.
Die Doppelvergaseranlage war auch sehr Servicefreundlich, sprich die Werkstatt musste immer ran.
Den Zylinderkopf habe ich mir selber ruiniert, weil ich mit geplatztem Wasserschlauch weitergefahren bin. Die Kupplung musste innerhalb von einem Jahr zweimal gewechselt werden, weil der Händler mir beim ersten mal den falschen Kupplungsautomaten verkauft hatte und ich daher die hydraulische Kupplungsbetätigung "anpassen" musste, sprich den Betätigungsbolzen kürzen, damit der Automat halbwegs frei wurde. Die LIMA gab auch irgendwann mal den Geist auf und wollte getauscht werden.
Damals habe ich bis auf den Zylinderkopfwechsel und Vergaser einstellen alles am Wagen selbst gemacht, weil ich es mir anders nicht leisten konnte.
Der Wagen hat mir viel Freude, aber auch einigen Ärger bereitet und hatte für diese Zeit in seiner Klasse einige Features die es anderswo nicht gab, wie Einzelradaufhängung und hydraulische Kupplungsbetätigung. Er hatte aber auch Eigenheiten, wie Blinkerhebel auf der rechten Seite ohne Tippfunktion sowie das Zündschloss links. Die Karosserie war so gut wie nicht gegen Rost geschützt und so musste ich mit allen "unzulässigen" Tricks arbeiten um den Wagen durch den TÜV zu bekommen. Die Lackierung hiess in der Bedienungsanleitung "Anstrich".
Im Frühjahr 1983 touchierte ein LKW den Datsun und es wurde ein wirtschaftlicher Totalschaden, Damaliger Wert noch 600DM. Ich tauschte den Wagen dann gegen einen nagelneuen Renault Fuego und schwor mir nie wieder einen Japaner.
Das es heute noch diese Fahrzeuge gibt grenzt aufgrund der schlechten Quälität an ein Wunder und ich verneige mich vor den Leuten die es schaffen die Oldies wieder flott zu machen.
Gruß
Rolf