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EU-Parlament akzeptiert Rahmen für neue Abgastests auf der Straße - Stickoxid-Grenzen dürfen noch Jahre überschritten werden

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Das EU-Parlament hat den Rahmen für künftige Abgastests auf der Straße angenommen. Danach dürfen Autos die Stickoxid-Grenzwerte noch eine ganze Weile überschreiten.

Ab 2017 werden Emissionen auch auf der Straße getestet, Überschreitungen bleiben aber noch länger erlaubt Ab 2017 werden Emissionen auch auf der Straße getestet, Überschreitungen bleiben aber noch länger erlaubt Quelle: dpa/Picture Alliance

Straßburg - Na also, das EU-Parlament hat ein Herz für die Autoindustrie. Dabei sah es kurz vor der heutigen Abstimmung über die Bedingungen für künftige Emissionstests noch so aus, als könnten schwere Zeiten auf die Hersteller zukommen. Doch der Entwurf, den die EU-Kommission vergangenes Jahr erarbeitet hatte, und der vor allem wegen des VW-Abgasskandals zuletzt in der Kritik stand, wurde vom Europaparlament angenommen.

Konkret bedeutet das: Ab 2017 werden Emissionstest im Straßenverkehr durchgeführt, sogenannte "Real-Drive-Emission-Tests. Laut Plan wird das Fahrzeug nach dem Zufallsprinzip beschleunigt und abgebremst. Die geltenden gesetzlichen Grenzwerte dürfen dabei noch einige Jahre lang großzügig überschritten werden. Erlaubt sind nach der Euro-6-Abgasnorm zwar nur 80 Milligramm Stickoxid (NOx) pro Kilometer, doch neu entwickelte Fahrzeugtypen werden zwischen September 2017 und Januar 2020 bei den RDE-Tests mehr als das Doppelte (110 Prozent mehr) ausstoßen dürfen. Ab 2020 soll dann noch eine Überschreitung um die Hälfte toleriert werden.

Für die Grünen ein Sieg der Autolobby

Ab 2017 werden Emissionen auch auf der Straße getestet, Überschreitungen bleiben aber noch länger erlaubt Ab 2017 werden Emissionen auch auf der Straße getestet, Überschreitungen bleiben aber noch länger erlaubt Quelle: dpa/Picture Alliance Für nicht neu entwickelte, aber neu zugelassene Autos gelten prinzipiell die gleichen Grenzwerte. für sie werden die Tests erst ab dem September 2019 relevant. Dann greift auch dort die 110-Prozent-Grenze. Nach dem Januar 2021 ist für Neuwagen eine Überschreitung um die Hälfte erlaubt.

Erwartungsgemäß wettern die Grünen gegen das Abstimmungsergebnis. Die Grünen-Vorsitzende Rebecca Harms: "Die Abgeordneten haben mit ihrer Entscheidung im Nachhinein das Verhalten der Autoindustrie legalisiert, die seit Jahren nichts dafür tut, die Grenzwerte zu erreichen, sondern weiter macht wie bisher oder sogar gezielt betrügt", sagte sie. Christdemokraten sprachen von einem "Sieg der Vernunft". Die neuen und durchaus anspruchsvollen Werte könnten Städten und Gemeinden bei der Luftreinhaltung helfen, sagte der CDU-Parlamentarier Herbert Reul.

Ebenfalls zu den Befürwortern des Beschlusses gehören die Lobbyisten, allen voran der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Die Abgasmessungen im Straßenverkehr würden den Kunden mehr Klarheit und Zuverlässigkeit bringen. "Die deutsche Automobilindustrie ist daran interessiert, so schnell wie möglich realistischere Angaben zu Verbrauch und Emissionen ihrer Modelle anbieten zu können", sagte er. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), erwartet eine spürbare Verbesserung der Luftqualität.

Grenzwerte mit aktueller Technik machbar

Tatsächlich ist fraglich, ob es wirklich eine signifikante Verbesserung der Luftqualität geben wird. Bei aktuellen Untersuchungen von Automobilclubs oder Umweltorganisationen, zeigte sich zwar, dass ein Großteil der Fahrzeuge die gesetzlichen Grenzwerte im Fahrbetrieb überschreitet - zum Teil deutlich. Viele Pkw aber schaffen die 110-Prozent-Grenze schon mit aktueller Technik.

Quelle: Mit Material von dpa

Avatar von Heiko Dilk Heiko Dilk (HeikoMT)
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