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Chevrolet Bolt EV: Erster Test, Fahrbericht - Mit dem Bolt beginnt (vielleicht) ein neues Elektro-Zeitalter

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Erste Fahrt mit dem ersten echten i3-Gegner: Der Chevrolet Bolt bietet 320 Kilometer Reichweite zum machbaren Preis. Taugt er als Vorreiter einer neuen EV-Generation?

Direkt nach der Premiere in Las Vegas fuhr unser Reporter die Vorserie des Chevrolet Bolt auf einer Teststrecke zur Probe Direkt nach der Premiere in Las Vegas fuhr unser Reporter die Vorserie des Chevrolet Bolt auf einer Teststrecke zur Probe Quelle: press inform

Von MT-Reporter Stefan Grundhoff

Las Vegas – Das Highlight der CES-Messe in Las Vegas? Nein, nicht das Cockpit des kommenden Audi A8 oder der futuristische VW Budd-E. General-Motors-Chefin Mary Barra enthüllte dort den Chevrolet Bolt, der soll Vorreiter einer neuen Generation von Elektroautos sein. „Der Bolt ist mehr als ein Auto, es ist eine upgradefähige Plattform“, sagt Barra.

Bolt bedeutet Blitz, und das vier Meter lange Elektromobil hat beste Chancen, mit Opel-Blitz nach Europa zu kommen. Dort fehlt nach dem erfolglosen Hybridmodell Ampera ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb im Portfolio. Relevant ist GMs E-Mobil mit der großen Reichweite also nicht nur für die USA.

Mit Alltagstauglichkeit zum fairen Preis soll der Bolt Konkurrenten wie den BMW i3 und Nissan Leaf unter Druck setzen. Die formale Nähe zum BMW i3 dürfte also kein Zufall sein. Dabei verzichtet der Bolt auf optische Spielereien wie den Black Belt, trennscheibenartig dünne Räder und gegenläufig öffnende Türen.

Kompakt, praktisch, handlich: Der Bolt könnte auch in Europa Sinn ergeben. Eine Opel-Version ist wahrscheinlich Kompakt, praktisch, handlich: Der Bolt könnte auch in Europa Sinn ergeben. Eine Opel-Version ist wahrscheinlich Quelle: press inform Der Chevrolet Bolt ist ein ganz normales Auto. Fünf Türen, jede Menge Platz im Inneren bei kompakten Abmessungen. Was für bisherige Elektroautos nicht normal ist: Eine üppige Serienausstattung sowie die Reichweite von 320 Kilometern bei einem Preis von unter 30.000 Euro. Das bietet die Konkurrenz bisher nicht.

Der Bolt ist erst der Anfang

„Die Batterie befindet sich flach im Fahrzeugboden“, erklärt GM-Entwickler Patrick Foley, „sie besteht aus 96 Zellen mit je drei Zellen pro Einheit“. Das sorge nicht nur für die Reichweite von 200 Meilen, sondern auch für eine steife Karosserie. Die besteht, anders als beim i3, aus gewöhnlichem Stahl und Kunststoff. Auch deshalb wiegt der Bolt mit etwas mehr als 1,6 Tonnen schwerer als BMWs mit gigantischem Aufwand gefertigter i3 aus Carbon und Aluminium.

„Die Elektro-Plattform wird es uns ermöglichen, verschiedene Aufbauten darzustellen. Der Bolt ist nur das erste Modell“, unterstreicht Foley. „Leichtbau hätte zwar weiteres Gewicht eingespart, wäre aber einfach zu teuer gewesen. Der Wagen soll bezahlbar bleiben.“

Der Innenraum wirkt so unspektakulär wie das Äußere. 2,60 Meter Radstand schaffen genug Platz für vier Personen, Der Kofferraum mit tiefem Ladeboden fasst 450 Liter. Die tiefen Türausschnitte erlauben ein einfaches Ein- und Aussteigen im Fond, der fehlende Mitteltunnel sorgt für Bein- und Fußfreiheit.

Kamerabild im Rückspiegel

Im Cockpit dominieren zwei Displays. Dort animiert der Chevy zum Beispiel die Anzeigeinstrumente vor dem Fahrer. Über Wippen am Lenkrad lässt sich die Stärke der Rekuperation regeln. Der Innovationsdrang der Amerikaner zeigt sich auch beim Blick in den Rückspiegel. Dort, wo gewöhnlich ein analoges Spiegelbild zu sehen ist, bietet Chevrolet optional ein Weitwinkel-Kamerabild des Bereichs hinter dem Fahrzeug.

Das zentrale Bedienmodul in der Mittelkonsole könnte ein schärferes Bild vertragen, aber gut: wir sind in einem sparsam kalkulierten US-Volumenmodell unterwegs. Das merkt man auch den Verkleidungen, Sitzen und Applikationen an. Edel geht anders, aber so geht es auch.

Mit einer Leistung von 204 PS und einem maximalen Drehmoment von 360 Newtonmeter fährt der Bolt alles andere als träge: Von 0 auf Tempo 100 schafft es der Fronttriebler in gerade einmal sieben Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit deckelt GM bei 145 Kilometern pro Stunde.

Beim Prototypen war das Cockpit teilweise noch getarnt. Der Notabschaltknopf wird in der Serie nicht mehr vorhanden sein Beim Prototypen war das Cockpit teilweise noch getarnt. Der Notabschaltknopf wird in der Serie nicht mehr vorhanden sein Quelle: press inform

Hübschere Reifen als der i3

Das 435 Kilogramm schwere Akkupaket mit 288 Zellen und einer Kapazität von 60 kWh (produziert vom koreanischen Batteriespezialisten LG) sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt. GM-Mann Foley lobt zudem die Balance: „Gerade in den Kehren macht sich die ausgeglichene Gewichtsverteilung von 50:50 bemerkbar.“ Tatsächlich zischt der Bolt mit nur leichtem Untersteuern durch die Pylonengasse.

Hier konnte der Vorgänger Spark EV nur bedingt überzeugen, der Bolt markiert einen großen Fortschritt. Dazu steht der Bolt auf 215er-Energiespar-Reifen, die gut funktionieren und zudem deutlich besser aussehen als die dünnen, hochbeinigen i3-Pneus. An der Schnellladesäule soll der Bolt in einer Stunde zu rund 80 Prozent wieder aufladen. An der normalen Haushaltssteckdose reichen zwei Stunden für eine Reichweite von 80 Kilometern.

Beim Thema Vernetzung ist GM ohnehin weit vorn. Neben Klima und Navigation steuert der Touchscreen Apple Car Play oder Android Auto an, außerdem bietet die Bordelektronik EV-spezifische Funktionen wie energiesparende Routen und eine Liste nahegelegener Ladesäulen.

Per Smartphone-App erfährt der Fahrer zum Beispiel, wann das Auto zur Inspektion muss. Über einen separaten Taster lässt sich ein Sportmodus ansteuern. Das ändert die Gaspedalkennlinie, der Bolt huscht noch etwas flotter über die lange Gerade.

Marktstart im Spätherbst

Zwar muss der Bolt zum Marktstart noch per Funkschlüssel geöffnet werden. In der ersten Jahreshälfte 2017 folgt jedoch eine Schlüsselfunktion für das Smartphone (Near Field Communication, NFC). „Das wird nicht nur für die Kunden, sondern insbesondere für das Carsharing besonders wichtig“ sagt Entwickler Foley.

Ende des Jahres kommt der Chevrolet Bolt zunächst in den USA auf den Markt, zu Preisen von rund 30.000 Dollar - allerdings nach regionalen Subventionen. Den Listenpreis nennt GM noch nicht, und was ein deutscher Ableger kosten könnte, ist erst recht unklar. Opel dürfte so oder so mit den Hufen scharren: Einen ersten Einblick in ihre Interpretation des Modells zeigen die Rüsselsheimer eventuell schon im Herbst 2016 auf dem Pariser Salon. Update: Opel präsentiert mit dem Ampera-e eine eigene Version des Bolt EV.

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