Opel Bochum schon 2014 zu? - Girsky gegen Bochum

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Opel-Chef Steve Girsky setzt IG Metall und Betriebsrat unter Druck: Herrscht bis Februar keine Einigung über den Sanierungsplan, schließt das Bochumer Werk.

Jetzt sieht es ganz duster aus für das Bochumer Opel-Werk. Jetzt sieht es ganz duster aus für das Bochumer Opel-Werk. Quelle: opel

Update: Dieser Artikel wird ständig überarbeitet, um Euch aktuell zu informieren. Letztes Update: 22.01.13; 17:48 Uhr

Bochum – Steve Girsky wird ungeduldig. Der GM-Manager und Opel-Verantwortliche in Deutschland will klare Zukunftspläne auf seinem Tisch. Wenn er die nicht bekommt, dann greift er härter durch. Spüren werden das die Bochumer Opelaner. Das ließ der Aufsichtsratsvorsitzende die Mitarbeiter im Opel-Werk jetzt in einem Brief wissen. Dieses Schreiben liegt MOTOR-TALK vor.

Darin heißt es: "Wenn wir bei unseren Verhandlungen keine Einigung erzielen, werden wir uns selbstverständlich an den bestehenden Standortsicherungsvertrag halten. Dieser Vertrag läuft allerdings Ende 2014 aus. Die Zafira-Produktion in Bochum würde dann auch enden und zum 1. Januar 2015 würde die Fertigung in Bochum komplett eingestellt."

Diese Zeilen machen klar: Stimmen Betriebsrat und Gewerkschaft dem Sanierungsplan nicht zu, steht das Bochumer Werk bereits Ende 2014 vor dem Aus.

Er hat Opel im Griff: Steve Girsky. Er hat Opel im Griff: Steve Girsky. Quelle: opel

Frist bis Februar

Die Unternehmensführung hatte im Juni 2012 einen sogenannten Deutschland-Plan zur Sanierung vorgelegt. Dieser Plan garantiert die Fertigung des Familienvans Zafira in Bochum bis 2016. Er garantiert auch den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2016. Allerdings fordert er unter anderem den Verzicht auf Tariferhöhungen für die Mitarbeiter - zumindest bis Opel wieder Gewinne einfährt. "Solange wir Verluste erzielen, können wir uns beispielsweise keine Tariferhöhungen leisten", schreibt Girsky. Gleichzeitig kündigt er an, Opel werde "erst in der Mitte des Jahrzehnts wieder Gewinne schreiben".

Bislang wollten die Arbeitnehmervertreter in Bochum dieses Schicksal und ihre eigene Abschaffung nicht besiegeln. Der Betriebsrat des Bochumer Opel-Werks lehnt unter anderem den geforderten Verzicht auf Tariferhöhungen kategorisch ab.

Doch jetzt setzt der Opel-Vorstand die Brechstange in Form freundlicher Worte an: „Ich habe darum gebeten, dass die Opel-Geschäftsleitung und die Sozialpartner noch im Februar zu einer Lösung kommen. Unser „Deutschland-Plan“ muss dann stehen. Immerhin sind wir bereits seit Juni vergangenen Jahres in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern über den Plan.“

Sein Brief ist trotzdem eine klare Drohung. Entweder die Arbeitnehmer nicken das ab, was die GM-Führung will. Oder sie verlieren schon zwei Jahre früher ihren Job.

Wer blockiert wen?

"Das ist Erpressung und nichts anderes", sagte darum der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel laut der Nachrichtenagentur dapd am Dienstag nach einer Informationsveranstaltung für die Belegschaft. Einen Streik schließt er gegenwärtig dennoch aus.

IG-Metall-Chef Berthold Huber beklagte unterdessen die Verhandlungsführung von Girsky: "Derart schlecht vorbereitete und geführte Verhandlungen, wie sie das Management von Opel seit dem Sommer bietet, habe ich in meiner langen Karriere noch nie gesehen, und das will was heißen".

Im Gespräch mit MOTOR-TALK wies ein Opel-Sprecher diese Vorwürfe zurück. Opel bemühe sich unter den gegenwärtigen Bedingungen auf dem europäischen Markt um eine konstruktive Lösung. Man wolle den Standort Bochum keineswegs verwaisen lassen und kümmere sich zum Beispiel mit dem Projekt „Bochum Perspektive 2022“ um der Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region. Das sei allerdings "nur im Rahmen des Sanierungsplans möglich, den der Betriebsrat bislang blockiere," sagte der Opel-Sprecher.

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