Ferrari 400i von Keith Richards: Technische Daten, Preis

Wie ich (fast) den Ferrari von Keith Richards kaufte

MOTOR-TALK

verfasst am 25.12.2017

Einmal im Leben sollte man einen Zwölfzylinder besitzen. Keith Richards hatte einen, einen Ferrari 400i. Unser Autor wollte genau den und hoffte auf den Zuschlag bei 50.000 Euro.

Keith Richards' Ferrari 400i wurde im Jahr 1983 vom Rolling-Stone-Tourmanager direkt in der Fabrik ausgesucht. Im Herbst 2017 wurde das Auto versteigert
Quelle: RM Sotheby's

Von Peter Ruch

Höchstetten - Es war nicht irgendein Ferrari, der da zum Verkauf stand. Der 400i, Baujahr 83, hatte 34 Jahre lang Keith Richards gehört. Keith, von den Rolling Stones. Einer meiner großen Helden. Ein Mann, der im hohen Alter noch von einer Palme fallen und unverletzt bleiben kann. Ich durfte ihm mal die Hand schütteln.

Und Ferrari, ach. Schon richtig, die italienischen Sportwagen werden heute eigentlich nur noch von Selbstdarstellern und Investoren gekauft (nicht: gefahren). Doch in den 70er- und 80er-Jahren waren sie die Traumautos meiner Jugend. Das mit dem Ferrari 400i hatte ich mir schon länger überlegt. Weil ein anständiger Mann mindestens einmal im Leben einen Zwölfzylinder besessen haben sollte. Und auf so einen Gusseisen-Klotz aus München oder Stuttgart hatte ich keine Lust.

Unter der Haube des Ferrari 400i sitzt ein Zwölfzylinder mit 315 PS
Quelle: RM Sotheby's

Ferrari 400i: Wird er zum Schnäppchen?

Der 400i ist eine ziemlich naheliegende Lösung. Er gehört zu den günstigen Modellen aus Maranello. Andere recht preiswerte Möglichkeiten für so 40.000 bis 70.000 Euro: ein 612 Scaglietti, aber der ist nicht schön. Oder ein 456er, aber der ist einfach nicht geil. Und weil es ein Zwölfzylinder sein muss, kommen andere nicht völlig überteuerte Ferrari wie ein Mondial (wird übrigens unterschätzt) oder ein 328 nicht in Frage.

Mit etwas Glück, so meine Rechnung, könnte aber der Rolling-Stones-400i für weniger als 50.000 Euro bei RM Sotheby's zu ersteigern sein. Denn: Standschäden, sagte der Mechaniker meines Vertrauens. Keith Richards hatte seinen Ferrari in den vergangenen 34 Jahren nur 3.267 Kilometer weit bewegt. Niemand, der einigermaßen bei Trost ist, möchte so ein Auto kaufen.

Meine Gattin hielt mich für nicht ganz bei Trost. Dabei erfüllt ein 400er-Ferrari alle ihre einst aufgestellten Bedingungen für die Anschaffung "neuer" Automobile: vier Plätze, ein anständiger Kofferraum, nicht dieses Vorkriegszeugs. Mir gefiel noch, dass Keith seinen 400i in Schwarz bestellt hatte. Das blaue Innenleben hingegen - man muss wohl ein Rockstar sein, um daran Gefallen zu finden.

Das blaue Leder ist gewöhnungsbedürftig. Zu Rockstars passt es
Quelle: RM Sotheby's

Enzo wollte nur noch einen "seriösen" Ferrari

Ende der 60er-Jahre hatte Ferrari drei Zwölfzylinder-Modelle im Angebot: den 365 GTB/4, besser bekannt als Daytona, den 365 GTC/4 ("der Bucklige") und den 365 GT 2+2. Der wurde gerne als "Queen Mary" bezeichnet, weil er mit fast fünf Metern der längste Ferrari aller Zeiten war.

Doch Enzo Ferrari wollte nun ein "seriöseres" Modell. Aston Martin und Lamborghini feierten mit limousinenähnlichen Fahrzeugen Verkaufserfolge. Enzo rechnete sich aus, dass sich ein solcher Ferrari gerade in den USA bestens verkaufen könnte. Der Designauftrag ging an Pininfarina und dort an Paolo Martin. Sergio Pininfarina war sehr zufrieden mit den Entwürfen, bezeichnete sie als "unaufdringlich eindringlich". Von Enzo Ferrari weiß man nicht genau, ob ihm das gefiel. Er hielt Design für völlig überschätzt. Genau wie Aerodynamik.

Als der neue Ferrari 365 GT4 2+2 im Herbst 1972 auf dem Pariser Salon gezeigt wurde, hielt sich die Begeisterung des Publikums in engen Grenzen. Als "zu sehr Ford Granada" wurde er beschrieben, als zu wenig spektakulär. Dabei gab es feine Details, etwa die "Pininfarina-Sicke", die rund um den Wagen lief und ihn optisch tieferlegte. Auch der Innenraum war sehr komfortabel - und bot erstaunlich viel Platz sowie einen großen Kofferraum. Trotzdem: Vom 365 GT4 2+2 wurden in vier Jahren nur 470 Stück verkauft. Er war allerdings deutlich teurer als vergleichbare Astons und Lambos.

Platz für vier Personen bietet die "Ferrari-Limousine" und einen Kofferraum, der den Namen verdient
Quelle: RM Sotheby's

Ab 1976 verkaufte der Ferrari 400er sich besser

Ab 1976 ging es ein bisschen aufwärts. Der 400 GT kam auf den Markt. Optisch gab es keine großen Veränderungen. Der Motor hatte 4,8 statt 4,4 Liter Hubraum - und erstmals gab es einen Ferrari serienmäßig mit automatischem Getriebe. Das passte der Kundschaft, zwei Drittel der 400er Ferrari wurden mit der Automatik ausgeliefert. Obwohl sie die Fahrleistungen arg kastrierte - heute gehören die Automatik-Ferrari zu den günstigen Möglichkeiten, einen Ferrari mit zwölf Zylindern zu fahren.

Ab 1979 gab es den 400i mit Benzin-Einspritzung anstatt der sechs Weber-Doppelvergaser. Bis 1985 wurden stolze 883 Exemplare mit Automatik verkauft, aber nur 422 Stück mit dem manuellen Fünfgang-Getriebe. Danach kam der 412, der bis 1989 hergestellt wurde - die "Limo" wurde unaufdringlich zu einem der am längsten quasi unverändert gebauten Ferrari-Modelle überhaupt.

Am wertvollsten sind die 365er mit manueller Schaltung, für das kleinste Geld gibt es die 412 mit Automatik. Probleme machen die Wagen wenig. Die Verarbeitung war – für italienische Verhältnisse – überdurchschnittlich. Man muss nur die üblichen Dinge beachten. Ölverlust ist ungut, logisch. Und die Riemen sollten möglichst frisch sein. Der Wechsel kostet Zeit und geht ins Geld. Bei den Modellen mit Vergaser kann deren Einstellung schwierig sein, die Kenner und Könner sterben langsam aus.

Der V12 entlässt seine Abgase durch eine vierflutige Auspuffanlage
Quelle: RM Sotheby's

Der Ferrari von Keith Richards wird doch teurer

Die Ersatzteilversorgung ist kein Problem, aber teuer. Die Faustregel, dass ein Ferrari-Kilometer etwa doppelt so viel kostet wie ein Porsche-Kilometer, gilt auch bei diesen Modellen. Schon allein die Arbeitsstunden der Spezialisten für die italienischen Rennpferde kosten mehr.

Der Ferrari 400i von Keith stand in Maranello. Leider konnte ich ihn mir vor der Auktion nicht genauer anschauen. Und der Mechaniker meines Vertrauens auch nicht. Und dann las ich ein paar Geschichten über genau diesen 400i und die anderen sechs Ferrari, die die Rolling Stones 1983 kauften. Da wurde klar, dass das Auto von Keith kein Schnäppchen werden konnte.

Der untere Schätzpreis lag bei 125.000 Euro. Promi-Aufschlag. Trotzdem meldete ich mich für die Versteigerung an. Meine alleroberste Obergrenze für den Zwölfzylinder wurde gar nicht erst aufgerufen. Es ging gleich sechsstellig los. Der Hammer fiel bei 345.000 Euro. Weltrekord für ein solches Fahrzeug. Ich studiere weiterhin die Kleinanzeigen - es gibt ja noch zwei 400i, die den Stones gehörten. Die müssen ja noch irgendwo sein.

Technische Daten Ferrari 400i (1983)

  • Motor: 4,8-Liter-V12-Saugbenziner
  • Leistung: 315 PS (232 kW) b. 6.400 U/min
  • Drehmoment: 412 Nm b. 4.200 U/min
  • Antrieb: Hinterrad, 5-Gang manuell
  • Geschwindigkeit: ca. 246 km/h
  • 0-100 km/h: ca. 7 s
  • Länge: 4,81 m
  • Breite: 1,80 m
  • Höhe: 1,31 m
  • Radstand: 2,70 m
  • Gewicht: ca. 1.815 kg (ohne Fahrer)
Bei dem Ferrari 400i von Keith Richards handelt es sich um einen Handschalter
Quelle: RM Sotheby's
Unter der Haube des Ferrari 400i sitzt ein Zwölfzylinder mit 315 PS
Quelle: RM Sotheby's
Platz für vier Personen bietet die "Ferrari-Limousine" und einen Kofferraum, der den Namen verdient
Quelle: RM Sotheby's
Der V12 entlässt seine Abgase durch eine vierflutige Auspuffanlage
Quelle: RM Sotheby's
Das blaue Leder ist gewöhnungsbedürftig. Zu Rockstars passt es
Quelle: RM Sotheby's
Weiß auf schwarz, da steht es: Der 400i von Keith Richards hat in fast 35 Jahren weniger als 4.000 Kilometer zurückgelegt
Quelle: RM Sotheby's
Da isser: Blick auf den Motor
Quelle: RM Sotheby's