Abgas-Skandal: US-Richter stimmt VW-Vergleich zu

Breyer: grünes Licht für außergerichtliche Einigung

MOTOR-TALK

verfasst am Wed Jul 27 10:40:49 CEST 2016

Das zuständige Gericht in San Francisco hat dem Vergleich zu VW-Entschädigungen zugestimmt. Nun haben die US-Kunden das letzte Wort.

Einigung in den USA: Der US-Richter Charles Breyer bewilligt das Vergleichsangebot von VW
Quelle: picture alliance / dpa

San Francisco/Wolfsburg - Das US-Gericht in Kalifornien gibt den VW-Vergleich zur Beilegung hunderter Zivilklagen statt. Charles Breyer, der zuständige Richter, hat am Dienstag seine Zustimmung zu der geplanten Einigung signalisiert. Es handele sich um eine faire und angemessene Lösung, befand Breyer bei einer Gerichtsanhörung in San Francisco.

Mit Kunden und US-Behörden hatte sich der Autohersteller auf einen Vergleich von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (derzeit 13,4 Mrd Euro) geeinigt. Mit der Zahlung sollen die Zivilklagen in den USA beigelegt werden, ohne dass es zum Prozess kommt. Richter Breyer zeigte sich zufrieden nach der fast zweistündigen Anhörung, bei der die Parteien die geplante Einigung im Detail erläutern mussten. Es seien "enorme Anstrengungen" unternommen worden, um eine Lösung zu finden.

VW zahlt US-Kunden bis zu 10.000 Dollar

Der Vergleich von VW beinhaltet neben einer Entschädigung für US-Kunden auch Milliardenzahlungen an einen Umweltfond
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VW erklärt sich bereit, geschädigten Kunden als Wiedergutmachung zwischen 5.100 und bis zu knapp 10.000 Dollar pro Fahrzeug zu zahlen - je nach Modelltyp und Baujahr. Zudem muss der Konzern Rückkauf oder Umrüstung der Dieselwagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. Insgesamt will VW gut zehn Milliarden Dollar für Entschädigungen aufwenden. Weitere 4,7 Milliarden Dollar werden für einen Umweltfonds und die Förderung emissionsfreier Autos fällig.

"Volkswagen weiß das konstruktive Bemühen aller Parteien unter der Leitung von Richter Breyer [...] sehr zu schätzen", teilte der Konzern mit. Man sei davon überzeugt, dass das angestrebte Vergleichsprogramm eine faire, verantwortungsbewusste und angemessene Lösung für die betroffenen Kunden darstelle.

Niedersachsens Ministerpräsident ist erleichtert

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil äußerte sich erleichtert. Mit der vorläufigen Zustimmung von Richter Breyer sei "ein weiterer Meilenstein in der Aufarbeitung von Diesel-Gate erreicht", sagte der SPD-Politiker und VW-Aufsichtsrat in Hannover. "Jetzt hoffen wir, dass möglichst viele der klagenden VW-Kunden in den USA den Vergleich annehmen werden." Das Land Niedersachsen ist der zweitgrößte VW-Aktionär.

Bis Entschädigungszahlungen fließen, wird es allerdings noch etwas dauern. Zunächst haben die Kunden 45 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob sie das Vergleichsangebot annehmen. Eine Anhörung, in der über die finale Zustimmung des Gerichts befunden wird, setzte Breyer für den 18. Oktober an. Der Kompromiss umfasst zunächst etwa 480.000 vom Abgas-Skandal betroffene Dieselwagen des VW-Konzerns mit 2,0-Litermotoren.

Kein Ergebnis bei den 3,0-Liter-Motoren

Die US-Kläger müssen nun entscheiden, ob sie dem von Volkswagen angebotenen Vergleich zustimmen
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Bei rund 85.000 Fahrzeugen mit größeren Motoren steht eine Einigung noch aus. Beim nächsten Gerichtstermin am 25. August erwartet Richter Breyer mehr Details zur Frage, ob und wie die größeren Dieselwagen mit illegalen Programmen zur Abgaskontrolle umgerüstet werden können. VW-Anwalt Robert Giuffra zeigte sich zuversichtlich, dass bis dahin eine Lösung gefunden wird. Auch Sicht des Konzerns befinde man sich "auf Kurs".

Ermittlungen in Deutschland werden ausgeweitet

Derweil nehmen Ermittler in Deutschland weitere Verdächtige im Diesel-Skandal ins Visier. In der Untersuchung der Braunschweiger Staatsanwaltschaft gibt es Verdachtsmomente gegen vier weitere Personen. Außerdem führt die Staatsanwaltschaft München Vorermittlungen wegen möglicherweise illegaler Software in Audi-Dieselmotoren. Damit weiten sich die Aktivitäten der Anklagebehörden in der Abgas-Affäre abermals aus.

"Die Zahl der Beschuldigten im "Diesel-Verfahren" hat sich zwischenzeitlich von 17 auf 21 Beschuldigte erhöht. Es befinden sich nach wie vor keine Vorstandsmitglieder in diesem Kreis", sagte der Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der VW-Konzern hatte sich in der Vergangenheit zu den Vorgängen im Detail nicht äußern wollen und auf eigens beauftragte Ermittlungen durch die Kanzlei Jones Day verwiesen.

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Quelle: dpa

Der Vergleich von VW beinhaltet neben einer Entschädigung für US-Kunden auch Milliardenzahlungen an einen Umweltfond
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Die US-Kläger müssen nun entscheiden, ob sie dem von Volkswagen angebotenen Vergleich zustimmen
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