Test: Chevrolet Orlando LT plus Diesel 2.0

Auf der Fahrt zur Familienfeier

Philipp

verfasst am Mon Aug 13 15:53:10 CEST 2012

Diese Schnauze musste ich fahren
Und sie hat mir gut gefallen
Auch das Heck bleibt kantig
Wirkt größer als er ist
Perfekt für die Familie
Orlando ist heute in Berlin
163 PS reichen ihm aus
Bietet hohe Alltagsqualitäten
Das Cockpit erinnert an Rüsselsheim
Zu Meckern gibt es aber nichts
Auch im Fond genügend Platz
Hinten sitzt man an der Heckklappe
Variabel und geräumig
1594 Liter stehen im Ernstfall bereit
Der bessere Volksvan?

Der Chevrolet Orlando ist in Deutschland kein neues Gesicht mehr. Seit März 2011 ist er hier zu haben und doch sieht man ihn nur selten. MOTOR-TALK Redakteur Philipp Monse gefiel seine Schnauze aber so sehr, dass er sich einen Testwagen besorgt hat.

Berlin – Amerikaner denken beim Städtenamen Orlando an Urlaub in Florida. Ich denke an einen familientauglichen Lastesel, der nicht danach aussieht. Der siebensitzige Kompaktvan kommt mit kantiger amerikanischer Front daher. Im Innern schlummert Rüsselsheimer Technik. Perfekt für die Ausfahrt mit der Familie zur Familie.

1. Blech & Form

Wirkt größer als er ist
Weil man den Orlando auf deutschen Straßen kaum sieht, musste er mir als Showmodell auf dem Kölner Flughafen im Weg stehen. Für einen Kompaktvan sieht er amerikanisch-bullig aus und sein Heck nicht zu rundgelutscht. „Das wäre doch ein Alltagsauto für meine kleine Familie“, dachte ich. Zwei Wochen später fahre ich mit dem 1.655 kg schweren, 4,65 Meter langen und 1,63 Meter hohen Orlando durch Berlin-Friedrichshain. Obwohl der Wagen groß und exotisch aussieht, basiert er auf der gleichen Plattform wie der Opel Astra. Im Stadtverkehr fällt die Familienkutsche niemandem groß auf. Groß sind dagegen seine D-Säulen, vor allem, wenn man hinten den Weg in die Parklücke sucht. Ab der LT-Ausstattung unterstützt eine Einparkhilfe den Piloten.

2. Koffer & Raum

Nach vorne sieht man umso besser. Man ruht hoch im Sitz, den rechten Arm lässig auf der Lehne. Das hat Ami-Van-Flair. Leider nicht bei der beifahrenden Frau. Die hat keine Armlehne. Im Cockpit des in Korea gefertigten Vans sieht und spürt man vieles aus dem Opel-Regal. Die Qualität stimmt, der Look bleibt trist wie die Zukunftsprognose für das Bochumer Werk. Eine helle Lederausstattung würde die Stimmung beim Fahrer heben, gibt es aber nicht. Was es gibt und was gut ist: das aufklappbare Radiobedienelement, unter dem USB-Geräte angeschlossen und verstaut werden können.

1594 Liter stehen im Ernstfall bereit
Der Sohnemann kommt auf den Rücksitz und bei der Fahrt zum Kaffeekränzchen finden noch vier Verwandte Platz. Die Sitze der dritten Reihe reserviert man hier besser für die weniger beliebten unter ihnen. Oder die ganz Kleinen. Mit wachsender Familie schrumpft der Kofferraum. Bei sieben Passagieren bleiben nur 101 verwinkelte Liter. Im Alltag als Fünfsitzer sind es üppige 958 Liter, wenn man bis zum Dach stapelt. Für die Baumarkt-Tour stehen im Ernstfall 1594 Liter und 632 kg Zuladungsgewicht bereit. Und das sehr schnell: ob nun der Laderaum hergestellt werden muss oder die Kinder auf die letzte Reihe hüpfen, das System ist variabel und leichtgängig. Komisch: ein bauähnlicher Zafira schluckt 1.820 Liter, ein VW Touran 1.989 Liter.

3. Kraft & Quelle

Der Orlando wirkt dennoch groß wie ein Omnibus. Leider klingt sein 2,0-Liter-Turbodieselmotor bisweilen auch wie der eines alten Busses. Seine 163 PS halten den Familienvan bis 3.800 Touren ordentlich in Schwung. Allerdings dreht der Papa im Sinne des Verbrauchs meist gar nicht so hoch. Lieber hält er sich an die kleine Anzeige, die ihm sagt, wann er ökonomisch schalten kann. Dann freut er sich am Ende des Tages, dass der Orlando verbraucht, was er verspricht. Selbst im hektischen Berliner Stadtverkehr stimmt unser Testergebnis mit den von Chevrolet angegebenen 7,9 Litern beinahe überein (8,0 Liter). Beim Sparen auf der Autobahn hilft das manuelle Sechsganggetriebe. 195 km/h sind bei freier Bahn laut Chevrolet drin.

4. Fahr & Spaß

163 PS reichen ihm aus
In der Größe liegt die Kraft des Orlando. Wenn bei der Familienfeier ein Ausflug oder die Fahrt ins Hotel ansteht und sich die Verwandten in ihre teuren Kleinwagen quetschen, punktet der günstige Orlando mit sieben Leuten und Spaß. Mit 360 Nm Drehmoment kann man beim Ampelstart sogar die Schwiegermutter in der zweiten Reihe erschrecken. Von Null auf 100 km/h beschleunigt der geräumige Orlando in 10 Sekunden. Am Ende bleibt aber das entspannte Cruisen und die hohe Alltagstauglichkeit seine Stärke. In der LT+ Ausstattung gibt es Klimaautomatik und Tempomat, das Navigationssystem kostet 800 Euro extra. Die Bremsen greifen gut, das Fahrwerk mit hinterer Verbundlenkerachse federt entspannt.

5. Ende & Urteil

Der bessere Volksvan?
Der Einstiegspreis für den Orlando liegt bei 18.990 Euro. Unser Testwagen mit LT+ Ausstattung und kleineren Extras wie dem Navigationssystem kostet 25.534 Euro. Für einen vergleichbaren Touran zahlt man 31.355 Euro. Der Orlando ist nicht besser als der Volkswagen, aber in jedem Fall volksnäher.

 

Technische Daten

Modell: Chevrolet Orlando LT+ Diesel

Motor: 2,0 Liter-Vierzylinder-Turbodiesel

Getriebe: manuelles 6-Gang-Schaltgetriebe

Leistung: 163 PS

Drehmoment: 360 Nm

Verbrauch min./max. Durchschnitt: 4,9 L/100km / 7,9L/100km / 6,0L/100km

Testverbrauch (Stadt) : 8,0 L/100km

CO2: 159 g/km

Reichweite angegeben/Test: 1.066 km / 800 km

0 – 100 km/h: 10 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h

Länge x Breite x Höhe: 4,65 m x 1,84 m x 1,63 m

Leergewicht nach EU-Norm: 1.655 kg

Kofferraum: 101 L bis 1594 l

Preis laut Preisliste minimal / Testwagenpreis: 24.190 Euro / 25.534 Euro

Garantie: 3 Jahre; 4. Jahr bis max. 120.000 km Gesamtlaufleistung: 299 Euro; 4. und 5. Jahr bis max. 150.000 km Gesamtlaufleistung: 439 Euro

Werkstattintervalle: Jährlich, alle 15.000 km

 

Quelle: MOTOR-TALK