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Bentley Continental GT (2017): Bilder, technische Daten - Zaubertüren und ein versteckter Porsche

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Ein Gran Turismo zwischen gestern und morgen: Im Continental GT treffen zwölf Zylinder und analoge Uhren auf Touch-Display und ein Sport-Chassis. Alle Details.

Bentley Continental GT: Das Coupé startet mit 12 Zylindern und einem neuen Chassis Bentley Continental GT: Das Coupé startet mit 12 Zylindern und einem neuen Chassis Quelle: Bentley

Crewe – Bentley hat ein Problem. Schwerer Prunk, dickes Leder und riesige Motoren gehören fest zur Marke. Luxus und Überfluss sind Pflicht, aber nicht so richtig in. Es zählen frische Ideen und zukunftssichere Technik. Deshalb krempelt Bentley den Continental GT um. Zum Modellwechsel wird er schlanker, sportlicher – und zeitgemäßer.

Bentley Continental GT: Heimlich mit neuer Plattform

Damit die Stammkundschaft nicht erschrickt, redet Bentley allerdings nicht darüber. Die 29 Seiten starke Pressemappe zum neuen Continental GT konzentriert sich auf Komfort und Exklusivität: zehn Quadratmeter Holz für den Innenraum, 712 Nadelstiche pro Musterelement auf den Sitzen. Und natürlich: 333 km/h Spitzengeschwindigkeit.

Der 6,0-Liter-W12 im Bentley Continental GT leistet 635 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment Der 6,0-Liter-W12 im Bentley Continental GT leistet 635 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment Quelle: Bentley Luxuriös und stark war der Continental immer. Wichtiger: Das neue Modell könnte nun den größten Fehler seines Vorgängers ausbessern. Der war schwer, kopflastig und fuhr am liebsten geradeaus. Das neue Chassis stammt nun nicht mehr vom VW Phaeton (bzw. Audi A8), sondern aus dem Porsche Panamera. Im VW-Konzern spricht man vom „Modularen Standard-Baukasten“ (MSB).

Im neuen Continental sitzt der Motor damit auf der Achse, nicht mehr davor. Anders gesagt: Die Vorderachse rutscht fast 14 Zentimeter nach vorn. Die Last verteilt sich gleichmäßiger auf Front und Heck (52 zu 48 Prozent). Zudem speckt der Continental zwei Zentner ab. Leicht wird er trotzdem nicht, im Datenblatt stehen 2.244 Kilogramm Gesamtgewicht. Leichter schon.

Zwölf Zylinder, 635 PS und ein Doppelkupplungsgetriebe

Unter der Haube setzt Bentley auf alte Werte und bietet das Coupé zum Marktstart nur mit einem Zwölfzylinder an. Der 6,0-Liter-Block in W-Bauweise stammt aus dem Bentley Bentayga. Im Continental GT leistet er 635 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment. Aus dem Stand fällt Tempo 100 in 3,7 Sekunden. Damit ist er stärker und schneller als das „Speed“-Modell des Vorgängers.

An den Motor koppelt Bentley ein Doppelkupplungsgetriebe mit acht Gängen. Es ersetzt die alte Wandlerautomatik. Allradantrieb gibt es serienmäßig. Im Normalbetrieb kommt die Kraft vor allem hinten an. Je nach Last und Schlupf schickt das System einen Teil des Moments nach vorn, um Sprit einzusparen.

Neue Plattform: Die Vorderachse rückt nach vorn, das Gewicht verteilt sich besser Neue Plattform: Die Vorderachse rückt nach vorn, das Gewicht verteilt sich besser Quelle: Bentley Sparsamkeit wird also selbst für Bentley wichtiger. Dagegen steht jedoch nach wie vor der W12, trotz Zylinderabschaltung, Start-Stopp-Automatik und Segel-Funktion. Bentley nennt 12,2 Liter Durchschnittsverbrauch - immerhin zwei Liter weniger als beim Vorgänger. Bei diesem Antrieb wird es allerdings nicht bleiben. Die Plattform ermöglicht eine Hybridisierung. So etwas gibt es bei Bentley bisher gar nicht.

Die Basis dafür steckt bereits im Continental. Ein zweites Bordnetz mit 48 Volt versorgt bisher aber nur das Fahrwerk. Kleine Motoren in den Stabilisatoren verschränken sich gegen die Kurvenrichtung. So bleibt das Coupé in flotten Kehren gerade. Die Batterie im Fahrzeugheck ließe sich vergrößern und für einen Elektromotor nutzen.

Vorerst soll das aber nicht Thema sein. Bentley spricht lieber über die Dreikammer-Luftfederung, Launch-Control und 420er-Bremsscheiben mit Zehn-Kolben-Sätteln. Oder über 17 Außenfarben, 15 Teppiche und acht Furniere. Eben das, was den Continental ausmacht: Geschwindigkeit und Luxus.

Das Navi im Continental GT versteckt sich

Letzteres vor allem im Innenraum: Leder, Chrom, Holz, Massagesitze und Audioanlagen mit bis zu 2.200 Watt und 18 Lautsprechern. Und ein bisschen Moderne: Der Tacho arbeitet digital und komplett ohne analoge Uhren. In der Konsole sitzt ein Bildschirm mit 12,3 Zoll Diagonale und Retinadisplay.

Der Innenraum des Bentley Continental GT: Details vom Porsche Panamera Der Innenraum des Bentley Continental GT: Details vom Porsche Panamera Quelle: Bentley Damit die klassische Anmutung nicht komplett verschwindet, installiert Bentley ein hübsches Detail: Der Navibildschirm lässt sich verstecken. Das komplette Modul ist drehbar. Je nach Modus fährt an seine Stelle glattes Furnier oder eine Blende mit drei Rundinstrumenten. Die zeigen Außentemperatur, Uhrzeit und Himmelsrichtung an.

Assistenten übernimmt der Continental GT von seinen Schwestermodellen. Innovationen gibt es hier nicht: Das Coupé hält Abstand und Spur, bremst, parkt ein und fährt im Stau teilautonom. Statt frischer Assistenten bekommt der GT spezielles Akustikglas. Das dämmt besonders jene Frequenz, mit der vorbeifahrende Autos die Insassen belästigen würden.

Toll: Die Türen des neuen Continental rasten nicht in bestimmten Positionen ein. Sie halten genau dort fest, wo die Passagiere sie loslassen. Stößt man sie mit Schwung auf, federn sie nicht zurück, sondern bremsen ab. Das klingt nach einer Spielerei, lohnt sich aber bei langen und schweren Coupé-Türen.

Premiere in Frankfurt am Main

Preise für den neuen Continental GT nennt Bentley noch nicht. Der Vorgänger startete bei gut 200.000 Euro - weniger wird es nicht. Informationen zur Cabrioversion (Continental GTC) und weiteren Antrieben fehlen ebenfalls. Den ersten Publikumskontakt gibt es in wenigen Wochen auf der IAA in Frankfurt am Main.

Avatar von SerialChilla
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