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Hintergrund: Google und Apple im Auto - Wie viel Smartphone steckt im Auto?

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Mirrorlink, Android Auto oder Apple Carplay bilden eine Schnittstelle zwischen Smartphone und Auto. Die Entwicklung steht noch am Anfang, doch das Potenzial ist groß.

Für den neuen Astra ist ein Infotainmentsystem mit Apple Carplay und Android Auto verfügbar Für den neuen Astra ist ein Infotainmentsystem mit Apple Carplay und Android Auto verfügbar Quelle: Opel

Berlin - MP3-Player, Adressbuch, Internetzugang oder Navigationsgerät: Die Funktionsliste von Smartphones ist lang. Deshalb sind die Geräte aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, auch nicht aus dem automobilen. "Auto und Smartphone werden technisch miteinander verschmelzen", das sagen 92 Prozent der befragten Entscheider aus der Autobranche in einer Umfrage.

Axel Kossel von der Fachzeitschrift "c't" erklärt: "Es gibt zwei Ansätze fürs Infotainment im Auto". Einmal ist das System fest im Auto des Herstellers verbaut, zum anderen verstehe man das Handy selbst als zentrale Einheit. Der Vorteil dabei: "Man kann das Telefon einfach austauschen, wenn es veraltet ist", sagt Kossel. Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom weist auf die unterschiedlichen Innovationszyklen hin. "Bei Smartphones sind sie einfach deutlich kürzer."

Die Intelligenz kommt vom Handy

Bei Volkswagen gibt es neben Android Auto und Apple Carplay auch Mirrorlink als Smartphone-Schnittstelle Bei Volkswagen gibt es neben Android Auto und Apple Carplay auch Mirrorlink als Smartphone-Schnittstelle Quelle: Volkswagen

Im Wesentlichen stehen für die Verbindung von Auto und Smartphone die Schnittstellen-Standards Apple Carplay, Android Auto und Mirrorlink zur Verfügung. Die ersten beiden kommen von Unternehmen, die auch die Betriebssoftware für Smartphones herstellen. Mirrorlink wurde dagegen von den Autoherstellern entwickelt.

Mit Hilfe der Schnittstellen lassen sich die Inhalte vom Smartphone auf den Bildschirm des Infotainmentsystems im Auto spiegeln. "Man kann es dann über den Touchscreen, einen Drück-Dreh-Steller oder die Lenkradtasten bedienen", erläutert Kossel. Die jeweilige App aber, die Rechenleistung, die Internetverbindung, all das liefert das Handy.

Mit der Sprachsteuerung lassen sich Nachrichten diktieren und verschicken oder Navigationsziele eingeben. "Der Funktionsumfang umfasst Telefonie, Messaging, Audiostreaming und Navigation", erklärt Kossel. Neben normalen SMS können Nutzer auch Nachrichten über Whatsapp oder diverse andere Apps verschicken. Musikdienste wie Spotify oder Google Play, aber auch Hörbücher und Internetradio wie Tune-in können verwendet werden. Doch nicht alles, was auf dem Smartphone funktioniert, läuft auch über Android Auto, Mirrorlink oder Apple Carplay. "Die Apps müssen in jedem Fall für die Nutzung freigegeben sein", sagt Kossel.

Google navigiert besser, Apple ist musikalischer

Im Hyundai Sonata ist Android Auto verfügbar. Bislang bietet die Marke das System aber nur in den USA an Im Hyundai Sonata ist Android Auto verfügbar. Bislang bietet die Marke das System aber nur in den USA an Quelle: Hyundai

Bei den Apps zum Musikstreaming hat nach Einschätzung des Experten derzeit Apple Carplay "knapp die Nase vorn", bei Android Auto sei die Zahl der unterstützten Nachrichten-Apps etwas größer. Die Navigation per Google Maps funktioniere besser als die über den Kartendienst von Apple. Apps für die Offline-Navigation - die kann im Ausland wegen des anfallenden Datenvolumens wichtig sein - gibt es noch nicht. "Man muss sich aber ohnehin darüber im Klaren sein, dass beide Systeme ohne Datentarif keinen Sinn ergeben", fügt Kossel hinzu.

Grundvoraussetzung ist zudem ein aktuelles Smartphone. Bei Apple ist Carplay ab dem iPhone 5 integriert, bei Android muss mindestens die Version 5.0 des Betriebssystems installiert sein. Mirrorlink wird nur von bestimmten Telefonen unterstützt. "Da kommt man nicht umhin, in die Liste der kompatiblen Geräte zu schauen", erklärt Kossel. Derzeit stehen da in erster Linie einige aktuelle Modelle von HTC, Samsung und Sony drauf.

Wo stehen die Autohersteller?

Das größere Hindernis ist aber das Auto. Zwar haben fast alle Hersteller angekündigt, zumindest Apple Carplay und Android Auto in ihre Fahrzeuge zu integrieren, doch dieser Prozess ist noch im Gang. Ein Überblick:

  • Volkswagen: Android Auto, Apple Carplay und Mirrorlink werden bereits von einigen Modellen unterstützt. Das gleiche gilt für die Töchter Seat und Audi.
  • Mercedes: Die A-Klasse läuft seit Kurzem mit Apple Carplay. An der Integration von Android Auto werde noch gearbeitet, sagt ein Sprecher. Nach und nach sollen auch alle anderen Baureihen folgen.
  • Opel: Karl, Corsa und Astra sind mit den Schnittstellen von Google und Apple ausgerüstet.
  • Volvo: Für das SUV XC90 sind Apple Carplay und Android Auto verfügbar.
  • Ford: Der Hersteller will neben einer eigenen Lösung auch Apple Carplay und Android Auto anbieten.
  • Hyundai: Die Koreaner haben die Systeme bereits in den USA im Programm (Sonata).
  • Porsche: Das Facelift des 911 ist das erste Modell aus Zuffenhausen, das Apple Carplay unterstützt. Die Integration von Android Auto ist nicht geplant. "Wir haben eine Kundenbefragung gemacht, die ergeben hat, dass über 80 Prozent Apple-Nutzer sind", sagt Porsche-Sprecher Tim Bravo.
  • BMW: Der Hersteller macht es von den gebotenen Funktionen abhängig, ob Carplay oder Android Auto integriert würden. "Wir haben auf Apple Carplay in der jetzigen Version bewusst verzichtet, weil wir für unsere Kunden noch keinen Mehrwert sehen", sagt Sprecherin Silke Brigl.
  • Toyota: Die Japaner setzen auf eine komplett eigene Schnittstelle.

Pioneer und Alpine bieten einen Nachrüstsatz

Auf dem Zubehörmarkt finden sich nur wenige Angebote, die Carplay oder Android unterstützen. Pioneer und Alpine bieten Geräte für knapp 400 und etwa 600 Euro an. "Wichtig dabei ist der Doppel-DIN-Schacht im Auto, nur dann passen die Geräte", erläutert Kossel.

Die Verbindung erfolgt über ein USB-Kabel und sei daher etwas komplizierter als bei der Freisprecheinrichtung per Bluetooth. Wobei Kossel hier Vorteile bei Carplay sieht. "Man schließt das iPhone an, und dann sieht man die bekannten App-Logos auf dem Bildschirm." Bei Android muss man noch die entsprechende App runterladen und das Anschließen mehrfach bestätigen.

"Nach unseren Erfahrungen läuft Carplay etwas problemloser als Android Auto", so Kossel. Dort könne es eher sein, dass es trotz Android 5.0 Schwierigkeiten beim Anschließen gibt. "Wenn sie einmal laufen, sind die Unterschiede zwischen beiden Systemen minimal." Man muss allerdings berücksichtigen, dass sich die Technik noch in einem frühen Stadium befindet. "Künftig wird sich da sicher noch etwas tun", prognostiziert Kossel.

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