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Honda Civic 1.0 Vtec Turbo: Test - Tolles Fahrwerk, traurige Funzeln

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Kurven liebt er, Stadt kann er auch: Der Civic fährt agil, flott und sparsam. Außerdem punktet er mit seiner mutigen Optik, patzt aber beim Licht. Der Kompakte im Test.

Neuer Civic, neue Größe: Der Kompakte wird 4,52 Meter lang - ganz schön viel für ein Schrägheck Neuer Civic, neue Größe: Der Kompakte wird 4,52 Meter lang - ganz schön viel für ein Schrägheck Quelle: mobile.de

Berlin – So richtig kompakt ist er nicht mehr, der Kompaktwagen von Honda. In seiner zehnten Generation legt der Civic ordentlich zu. Er wird als Schrägheck so groß wie alte Mittelklässler mit Stufe. Gleichzeitig baut er unter der Haube ab: Die Basis arbeitet nun mit drei Zylindern und einem Liter Hubraum. Das ist mittlerweile üblich in der Kompaktklasse, im Civic aber neu.

Das Äußere bleibt charakteristisch, inklusive des Spoilers mittig an der Heckscheibe. Das auffällige Design mag nicht jedem gefallen, klar. Dieser Mut ist im Volumensegment eine echte Seltenheit. Experimente erlaubt sich hier sonst niemand. Der Civic ist eine willkommene Abwechslung.

Wir fuhren den Civic in der zehnten Generation mit Basisbenziner und „Elegance“-Ausstattung zwei Wochen lang im Alltag. Wo er punktet und wo es hakt, lest Ihr in unserer Detailwertung.

Abmessungen | Platzangebot | Karosserie

Hinter dem Grill wird es moderner: Saugbenziner oder Saugrohreinspritzer sind nicht mehr im Programm. Der Civic startet mit zwei Turbos, ein Diesel folgt Hinter dem Grill wird es moderner: Saugbenziner oder Saugrohreinspritzer sind nicht mehr im Programm. Der Civic startet mit zwei Turbos, ein Diesel folgt Quelle: mobile.de Mehr Größe bedeutet mehr Platz. Trotzdem fallen die Länge von 4,52 Metern (+ 13,5 cm) und 2,70 Meter Radstand (+ 9,5 cm) im ersten Moment gar nicht so auf. Viel wichtiger: Honda platziert den Benzintank nicht mehr unter den Vordersitzen. Er rutscht weit nach hinten vor die Hinterachse. Das erlaubt eine tiefere Sitzposition und mehr Kopffreiheit vorn.

Dadurch haben große Fahrer endlich genug Platz im Civic. Der Preis dafür: Die „Magic Seats“ des Vorgängers entfallen. Die Sitzfläche der Rücksitzbank lässt sich also nicht mehr wie im Civic 9 nach oben klappen. Da geht etwas Eigenständigkeit und echter Zusatznutzen verloren. Zum Trost bleibt der Kofferraum.

Und was für einer: 478 Liter bis zur Fensterkante sind große Klasse. Bei so viel Platz akzeptieren wir die Stufe kurz hinter den Rücksitzen. Zum Innenraumriesen wird der Civic insgesamt aber nicht. Seine flache Silhouette (1,43 Meter) und das abfallende Dach kosten Raum. Hinten wird es am Kopf eng. Dafür passt die Beinfreiheit im Fond. Praktisch: Die seitlich schließende Laderaumabdeckung (spart Platz) und das riesige Fach in der Mittelkonsole (bietet Platz).

Einen Civic Kombi wird es in Generation 10 übrigens nicht geben. Honda bietet das aktuelle Modell ausschließlich als Limousine oder als Fünftürer an.

Innenraum | Verarbeitung | Materialien

Typisch: Spoiler mittig auf der Heckscheibe, markante Rückleuchten Typisch: Spoiler mittig auf der Heckscheibe, markante Rückleuchten Quelle: mobile.de An das Cockpit des Civic muss man sich gewöhnen. Es wirkt verspielt und wenig harmonisch. Zu viele Materialien und Stile wechseln sich ab. Der Tacho ist digital. Die Schalter am Lenkrad wirken nicht durchdacht, das Radio kann nur nur per Touch bedient werden - sieht aber nicht so aus. Es dauert eine Weile, bis man nicht mehr die Temperatur regelt, wenn man eigentlich die Lautstärke meint.

Die Verarbeitung im Civic geht in Ordnung. Wir wünschen uns mehr Gleichmäßigkeit in den Werkstoffen, weniger Playstation im Tacho und eine schönere Haptik am Multifunktionslenkrad. Besser wird es an der Mittelkonsole. Hier installiert Honda übersichtliche, angenehm klickende Schalter. So soll es sein.

Infotainment | Radio | Konnektivität

Ob ein Civic vernetzt ist, entscheidet die Ausstattung. In der Basis gibt es nichts, eine Stufe darüber immerhin ein Radio. Ab „Elegance“ gehört ein Navi mit 7-Zoll-Display, Smartphone-Vernetzung, Internetzugang und HDMI-Anschluss serienmäßig dazu. Höhere Ausstattungen bekommen bessere Soundsysteme. Die Navigationssoftware stammt von Garmin.

Das System verbindet sich flott mit Telefonen, navigiert zuverlässig und spielt Musik von allen wichtigen Medien ab. Hübschere Grafiken wären schön, ein Drehregler für die Lautstärke praktisch. Nervig: Wer die Ablenkungsklausel des Systems nicht (nach jedem Start) bestätigt, landet im Bildschirmschoner.

Assistenzsysteme | Sicherheit

Das Cockpit des Honda Civic 10: Gewöhnungsbedürftig Das Cockpit des Honda Civic 10: Gewöhnungsbedürftig Quelle: mobile.de Die meisten Assistenten baut Honda serienmäßig in den Civic. Adaptiver Tempomat, Spurassistent, Berganfahrhilfe, Verkehrszeichenerkennung, Kollisionswarner mit Fußgängererkennung und automatisches Fernlicht sind immer an Bord. Parkhilfen und Toter-Winkel-Warner gibt es in den teuren Varianten. Ein anständiges Paket.

Bei einigen Helfern muss Honda noch nacharbeiten. Der Spurhalteassistent unseres Civic versagte im Regen komplett. Der Tempomat hielt zwar den Abstand, wollte aber beim Überholen nicht selbstständig Gas geben. Und die Fernlichtautomatik schaltete zu träge um. Das teilten uns einige Autofahrer per Lichthupe mit.

Ganz schlecht: Die serienmäßigen Halogen-Scheinwerfer leuchten nur knapp vor das Auto. Abblendlicht geht in dieser Klasse seit fast 20 Jahren besser.

Antrieb | Motor | Getriebe

Knackige Schaltung, drum herum gute Knopfkulisse. Irritierend: Die Temperaturregelung sitzt dort, wo man die Lautstärke einstellen möchte Knackige Schaltung, drum herum gute Knopfkulisse. Irritierend: Die Temperaturregelung sitzt dort, wo man die Lautstärke einstellen möchte Quelle: mobile.de Honda bietet den Civic in Europa nur noch mit direkteinspritzenden Turbomotoren an. Die Basis leistet 129 PS und 200 Newtonmeter Drehmoment aus einem Liter Hubraum. Der Dreizylinder zieht den Kompakten angemessen flott voran. Obwohl er kernig klingt und beim Lastwechsel frech abbläst: Zum Sportler fehlt ihm untenrum Kraft und ganz oben der Wille. Aber dafür hat Honda ja noch den Type-R.

Der kleine Civic fühlt sich in der Stadt (und drum herum) am wohlsten. Hier fährt er ruhig und sparsam: Beim Pendeln ins Berliner Umland spritzte er im Schnitt 6,1 Liter pro 100 Kilometer ein. Im Berufsverkehr wurden es 8, bei dichtem Verkehr 9 Liter. Mehr wurden es selbst bei flottem Tempo auf der Autobahn nicht. Das geht in Ordnung.

Serienmäßig kombiniert Honda ein knackiges Sechsgang-Handschaltgetriebe mit dem Basis-Benziner. In den ersten beiden Gängen verheddern sich die Übersetzungen gern im Turboloch. Mit etwas Gewöhnung stört das aber kaum noch, regelmäßige Civic-Fahrer werden es schon bald nicht mehr merken.

Fahrverhalten | Fahrwerk | Lenkung

Mit flottem Tempo geht der Civic ausgezeichnet um. Fahrwerk und Lenkung stimmt Honda agil und direkt ab. Besonders in flotten Kurven gefällt dieses Setup. Der Honda stützt sich mit der Hinterachse sauber ab und zieht zackig um die Kurve.

Die sportlichen Waben sind nur Deko, der Auspuff versteckt sich Die sportlichen Waben sind nur Deko, der Auspuff versteckt sich Quelle: mobile.de Obwohl er ein komplett anderes Ziel verfolgt, erinnert der Civic an exzellente Beispiele japanischer Abstimmungskunst wie den Mazda MX-5 oder den Toyota GT86: Für den Fahrspaß braucht er keine extreme Leistung. So viel Agilität würde man angesichts des kleinen Motors gar nicht erwarten.

Ausstattung | Preis | Fazit

Am Civic gibt es zwar manches zu kritisieren, über vieles lässt sich aber hinwegsehen. An die Bedienung gewöhnt man sich, genauso an den verspielten Innenraum und das unschöne Navi. Wer damit leben kann, bekommt ein agiles, sparsames und eigenständiges Auto. Besonders das Serienfahrwerk hat uns gefallen.

Beim Licht patzt der Civic allerdings im großen Stil. Die Basis-Funzeln gehören 2017 nicht mehr in einen Neuwagen. Bessere Lampen mit LED-Leuchtmitteln gibt es nicht gegen Aufpreis, sondern erst in den höheren Ausstattungsvarianten. „1.0 Turbo Executive“ (ab 28.100 Euro) bzw. „1.5 Turbo Sport“ (182 PS; 27.960 Euro) sollten es deshalb mindestens sein, wenn man die Stadtgrenze öfter hinter sich lassen möchte.

Das ist dann schon eine Menge Geld für einen Kompaktwagen. Dafür gibt es allerdings viel Ausstattung. Wir haben schon bei „Elegance“ (ab 25.170 Euro) nur gutes Licht vermisst. „Sport“ bekommt LED-Lampen und den größeren Motor. Als „Executive“ fährt der Civic mit Basismaschine, aber besseren Lautsprechern, Aktivfahrwerk, automatisch abblendenden Spiegeln und ein paar Helferlein. Mehr ist möglich, aber nicht unbedingt sinnvoll.

Weitere Infos und Diskussionen rund um den aktuellen Honda Civic findet Ihr in unserem neuen Honda Civic 10 Forum.

Technische Daten Honda Civic 1.0 Vtec Turbo

  • Antrieb: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo
  • Leistung: 129 PS (95 kW) bei 5.500 U/min
  • Drehmoment: 200 Nm bei 2.250 U/min
  • Getriebe: 6-Gang manuell
  • 0-100 km/h: 10,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h
  • Verbrauch: 5,0 l/100 km (NEFZ)
  • Testverbrauch: 6,1 l/100 km
  • Länge: 4,518 m
  • Breite: 1,799 m
  • Höhe: 1,434 m
  • Radstand: 2,697 m
  • Leergewicht: 1.275 kg
  • Kofferraum: 478 l
  • Basispreis Honda Civic: ab 19.990 Euro
  • Basispreis Honda Civic Elegance: 25.170 Euro
  • Preis Testwagen: 26.166 Euro
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