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VW Golf 6 (2008-2012): Gebrauchtwagen-Kaufberatung - Solide, wertstabil, aber mit Macken

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Der VW Golf ist der Namensgeber einer Generation, geliebt für seine Zuverlässigkeit, gehasst wegen seiner Langeweile. Wie gut ist der Golf 6 als Gebrauchtwagen?

Halb neues Modell, halb großes Facelift: Der VW Golf 6 in der Gebrauchtwagen-Kaufberatung Halb neues Modell, halb großes Facelift: Der VW Golf 6 in der Gebrauchtwagen-Kaufberatung Quelle: Volkswagen

  • Große Auswahl an Motoren und Ausstattungen
  • Probleme bereiten die Steuerketten bei TSI-Motoren
  • Der Golf VI ist vom Diesel-Skandal betroffen
  • Modelle ab 2010 sind besser

Berlin – Deutschland ohne VW Golf wäre wie Currywurst ohne Curry: undenkbar. Er trat als Nachfolger des Käfers in große Fußstapfen – und machte sie noch größer. Der Kompakte wurde Namensgeber einer Fahrzeugklasse, später sogar der einer Generation. Florian Illies widmete dem Auto 2000 einen Bestseller.

Der Golf VI kam 2008 auf den Markt und verkaufte sich innerhalb von vier Jahren mehr als 2,8 Millionen Mal. Streng genommen ist die Version aber nur ein aufgemotzter Golf V. Beide Autos basieren auf der Plattform PQ35 und tragen den internen Code 1K. Lediglich die Optik wurde leicht geändert. Der Vorteil: Die sechste Generation gilt als robust und zuverlässig. Fehler und Kinderkrankheiten gibt es trotzdem.

Seinen Ruf hat sich der Kompakte lange erarbeitet. 1974 kam der erste Golf (Typ 17) als Käfer-Nachfolger auf die Straßen. Er machte alles anders: Front- statt Heckantrieb, Wasser- statt Luftkühlung, fünf Personen passen offiziell in die eckige Kiste. Mittlerweile sind wir beim Golf VII angekommen, der bekam kürzlich ein Facelift.

Der Golf VI wurde zwischen 2008 und 2012 gebaut. Nicht alle Fahrzeuge seiner Generation sind empfehlenswert. Die Basis ist solide. Von rund 10.000 fahrbereiten Autos mit mindestens 12 Monaten HU, die auf mobile.de derzeit (02/2017) angeboten werden, sind um die 80 Prozent scheckheftgepflegt. Die gilt es herauszupicken. Es gibt viel kleine Schäden und Macken am Golf, einen guten Überblick gibt das Golf-6-Forum. Wir gehen hier auf die häufigsten ein.

Historie/Modellwechsel

Vorsicht bei TSI-Motoren mit 1,2 und 1,4 Litern Hubraum. Hier gibt es Probleme mit den Steuerketten Vorsicht bei TSI-Motoren mit 1,2 und 1,4 Litern Hubraum. Hier gibt es Probleme mit den Steuerketten Quelle: Volkswagen Bei der sechsten Generation überarbeitete VW im Vergleich zum Vorgänger vor allem die Optik. Front- und Heckpartie, Türen, Dach, Scheinwerfer und Rückleuchten sehen anders aus. Es gibt ein anderes Lenkrad, Radio und Klimaanlage, dazu einen Knieairbag für den Fahrer. Für eine bessere Schalldämmung sorgen Dämmfolien an Frontscheibe, Türdichtungen und Seitenscheiben. Statt blau leuchtet die Anzeige im Cockpit weiß.

Die schnelle Ablösung des Golf 5 hatte wirtschaftliche Gründe. Die Umsatzrendite der fünften Generation war VW zu gering. Durch preiswertere Fertigungsprozesse wurde der Golf 6 günstiger in der Produktion. Unterm Blech steckt noch die alte Plattform. Vorteil: ausgereifte Technik und mehrere Varianten. Neben dem Drei- und Fünftürer verkaufte VW den Kombi („Variant“) und den Kompakt-Van Golf Plus. Das Cabrio (ab 2011) wurde neu entwickelt und bei Karmann gebaut.

Ein Facelift erhielt der Golf VI nicht, dafür aber einige Rückrufaktionen für alle Baujahre. Wegen Fehlern in der Einspritzleitung mussten insgesamt rund 300.000 Fahrzeuge des Typs Eos, Golf, Jetta, Passat, Scirocco, Tiguan und T5 in die Werkstätten. Verglichen mit dem Diesel-Abgasskandal eine fast lächerlich niedrige Zahl.

Hinzu kamen Rückrufe wegen fehlerhafter Ladedrucksteller (1,2-Liter-TSI-Motoren zwischen 2010 und 2012), Softwareupdates (1.4 TSI von 2009 bis 2011), Risse in den Kraftstoffleitungen (2.0 TDI zwischen Oktober 2008 und November 2010) oder falscher Getriebesoftware (Mai bis Juli 2009). Das DSG machte bei Autos zwischen September 2008 und August 2009 Probleme. Vordere Fensterheber fielen aus (KW 41 bis KW 46 2008), bei Fahrzeugen zwischen 2009 und 2010 konnte die Bremskontrolle wegen eines Softwarefehlers im Motorsteuergerät aufleuchten.

Klingt dramatisch? Ist es nicht, denn die Fehler müssten alle behoben worden sein – sofern der Vorbesitzer die Rückrufaktion hat durchführen lassen. Dazu sollte er eine Bestätigung erhalten haben. Die ist bei einem Kauf wichtig.

Aktuelles Thema: Der VW Golf 6 ist vom Dieselskandal betroffen. Ein Update ist Pflicht, ohne gibt es bald keine HU-Plakette mehr. Den umfangreichen Erfahrungsaustausch der MOTOR-TALK-Community gibt es hier oder hier.

In der Pannenstatistik des ADAC liegt der Golf übrigens erst seit 2010 im besseren Drittel in seiner Klasse. Vorher sorgten defekte Kraftstoffpumpen, Zündkerzen und klemmende Zündschlösser für Aussetzer. Also lieber ein Modell ab 2010 suchen.

Karosserie

Doppelkupplungsgetriebe können rasseln. Das ist kein technischer Mangel, aber es stört Doppelkupplungsgetriebe können rasseln. Das ist kein technischer Mangel, aber es stört Quelle: Volkswagen Wer sich auf einen VW Golf festlegt, hat die Wahl: Neben Drei- und Fünftürern gab es ab 2009 den Variant, das Cabrio und ab 2004 den Kompakt-Van Golf Plus. Um es noch unübersichtlicher zu machen: VW warf regelmäßig Sondermodelle auf den Markt. Beim Sechser nannten sie sich unter anderem Team, Style, Match, Move, GTI adidas und GTI Edtion 35. Die Sondermodelle waren jedoch meist an den kompakten Drei- oder Fünftürer gekoppelt.

Praktisch sind Fünftürer und Golf Plus, schicker wirkt der Dreitürer. Letztendlich entscheiden Einsatz, Geschmack und Verfügbarkeit über die Karosserie. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt werden die Drei- und Fünftürer günstig gehandelt. Raumgefühl und Sitzkomfort sind Klassenmaßstab. Viel mehr als 350 Liter Kofferraumvolumen gibt es selbst heute nicht im Golf. Kombis und Cabrios sind teurer, der Golf Plus eher ungeliebt und günstig.

Motor/Getriebe

Im Golf stecken Vierzylinder-Benziner mit 1,2 bis 2,0 Litern Hubraum und einer Leistung zwischen 80 und 270 PS. Den GTI gab es mit 210 und 235 PS. Interessant: Der seltene 1,8-Liter-Turbo-Benziner mit 160 PS und 250 Newtonmetern Drehmoment bei 1.500 Touren. VW hat ihn nie offiziell beworben, aber verkauft. Ab 2009 gab es den Golf in einer LPG-Variante: Der 1.6 BiFuel (102 PS) tankt Benzin und Autogas.

Die Dieselmotoren leisten mit 1,6 bis 2,0 Litern Hubraum 90 (nur Export) bis 170 PS. Generell gelten die Motoren als robust und langlebig, normale Pflege wie Warmfahren und regelmäßige Ölwechsel vorausgesetzt. MOTOR-TALKer GolfCR fasst zusammen: Die Motoren seien „unproblematisch (…), und dass am Wagen immer mal ein Defekt kommen kann ist ja klar bei Gebrauchten.“

Stefan-TDI rät zum großen Diesel: „Der 2.0 TDI Motor fährt sich sehr viel besser. Mal abgesehen davon, dass er wesentlich kräftiger ist, hat er zudem das 6-Gang Getriebe, das sehr gut zu dem Motor passt. Der 1.6 kommt nur mit 5 Gängen daher, welche meiner Meinung nach viel zu weit gespreizt sind. Heißt: Du musst ihn recht hoch drehen, damit es im nächsten Gang zügig weitergeht und nicht in den Drehzahlkeller fällt.“

Praktisch: VW Golf 6 Variant Praktisch: VW Golf 6 Variant Quelle: Volkswagen Zuverlässig arbeitet der 1.4 MPI. Der ist mit 80 PS aber etwas zu schwach für den Golf. Keine Empfehlung gibt es für die 1.2-TSI- und 1.4-TSI-Motoren. Hier gibt es Probleme mit den Steuerketten. Lautes Rasseln deutet zunächst auf eine Längung der Kette hin. Wird das nicht schnell behoben, wird es teuer.

MOTOR-TALKer HalbesHähnchen schreibt: „Die kleineren Turbobenziner haben alle ein Problem mit sich längenden Steuerketten. Auch abseits von der Steuerkette gelten sie nicht als die zuverlässigsten Motoren. Daher blieben unter den Benzinern für mich nur der 1.6er Sauger oder eben die GTIs übrig. Die sind einigermaßen zuverlässig.“

MOTOR-TALKer Alf3366 meint, dass der 160-PS-TSI der Problemmotor schlechthin im Golf 6 ist. Allerdings sei die Anzahl der Motorschäden ab Baujahr 2010 deutlich zurückgegangen. Eine Liste mit Motorschäden der 1.4-TSI-Motoren gibt es hier.

Sollte dennoch ein TSI-Motor in die engere Auswahl kommen, dann mit neuer Steuerkette. Alternativ empfiehlt MOTOR-TALKer Jambaaa, den Preis beim Verkäufer um 500 bis 600 Euro runterzuhandeln und das Geld bei einer freien Werkstatt in eine neue Steuerkette zu investieren.

Für Spritsparer gibt es noch die „BlueMotion“-Variante, unter anderem mit einem länger übersetzten Fünfgang-Schaltgetriebe, Schaltpunktanzeige, Bremsenergie-Rückgewinnung und Start-Stopp-System.

Manuelles Getriebe oder DSG? Beide haben Vor- und Nachteile. Das manuelle Getriebe lässt sich sportlich schalten und ist haltbar. Außerdem sind Fahrzeuge damit günstiger. Das DSG bietet mehr Komfort und einen niedrigeren Verbrauch. Das bauartbedingte Anfahrtsruckeln ist aber nicht jedermanns Sache. Außerdem verschleißen die Automaten besonders bei kleinen Motoren im Stadtverkehr schneller. Einige Nutzer beschreiben Rasselgeräusche, die nicht von VW behoben werden („Losräderrasseln“, konstruktionsbedingt).

Fahrwerk

Der 2,0-Liter-Vierzylinder im Golf 6 leistet 210 PS Der 2,0-Liter-Vierzylinder im Golf 6 leistet 210 PS Quelle: Volkswagen Laut TÜV-Report schlägt sich der VW Golf VI besser als seine Wettbewerber. Achsaufhängung, Lenkung und Bremse werden weniger beanstandet als beim Durchschnitt aller geprüften Autos im selben Alter. Allerdings machen Federn und Dämpfer Ärger. Solange sie in Ordnung sind, federt der Golf sehr ausgewogen – mit und ohne Adaptivdämpfer. Einen großen Anteil daran hat die schon beim Vorgänger eingeführte Mehrlenkerhinterachse.

Bei manchen Fahrzeugen können die Domlager schwächeln, manchmal hakt die Lenkung, wie MOTOR-TALKer darox erfahren hat. Vereinzelt wurde das Lenkgetriebe gewechselt.

Ausstattung/Sicherheit

Im Vergleich zum Vorgänger änderte sich die Ausstattung bei Nummer sechs deutlich. Zur Basis zählen zwei Frontairbags, zwei Seitenairbags vorn und Kopf-Schulter-Airbags für die Seite sowie ein Knie-Airbag für den Fahrer. Optional gab es Seitenairbags hinten. Ebenfalls als Extra bestellbar: Parklenkassistent, Rückfahrkamera, adaptives Fahrwerk („DCC“), indirektes Reifendruckkontrollsystem, Bi-Xenonscheinwerfer und Rückleuchten mit LED-Technik (je nach Modell auch Serie). Die Basisausstattung „Trendline“ bietet unter anderem Klimaanlage und elektrische Fensterheber. Die nächsthöhere Variante „Comfortline“ hat unter anderem Sitze mit Lendenwirbelstütze und Höheneinstellung, Einparkhilfe und CD-Radio. Bei der Top-Ausstattung „Highline“ kommen Sportsitze, Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer mit Kurvenlicht sowie 17-Zoll-Leichtmetallräder hinzu.

Bei Fahrzeugen aus den Baujahren 2009 und 2010 verschlissen bereits nach kurzer Zeit die Sitze. Es bilden sich Fusseln und die Nähte öffnen sich. Bis 2012 gaben die Klimaanlagen von Delphi regelmäßig den Geist auf.

Marktsituation/Preise

Das Golf 6 Cabriolet wurde bei Karmann gebaut Das Golf 6 Cabriolet wurde bei Karmann gebaut Quelle: Volkswagen Der VW Golf VI ist ein Auto mit Kinderkrankheiten, trotz seiner alten Plattform. Besser wurde es ab Modelljahr 2010. Ältere Autos sind aber nicht automatisch problematisch. Wichtig ist bei allen Fahrzeugen, dass sie die Rückrufaktionen mitgemacht und die Verbesserungen erfahren haben. Gefährdete Benziner sollten auf jeden Fall eine neue Steuerkette haben.

Ab Modelljahr 2010 gibt es bei mobile.de eine große Auswahl. Mehrere Tausend fahrbereite, scheckheftgepflegte Fahrzeuge mit mindestens einem Jahr gültiger HU und höchstens 150.000 Kilometern Laufleistung spuckt die Gebrauchtwagenplattform aus. Trendline-Fahrzeuge mit 80 PS fangen bei 6.450 Euro an, 122-PS-Autos gibt es ab 6.800 Euro.

Fazit/Empfehlung

Das Angebot an VW-Golf-VI-Modellen ist groß. Schaut man sich die Erfahrung der MOTOR-TALK-Community an, sollte es ein TSI mit neuer Steuerkette oder ein 2.0 TDI sein. Wir würden einen Fünftürer mit 122-PS-Benziner und wenig Laufleistung für die Stadt wählen, mit Comfortline-Ausstattung und auf jeden Fall einer vollständigen Historie. Der kostet aber auch gebraucht an die 9.000 Euro. Für ein acht Jahre altes Auto viel Geld. Positiv betrachtet: Der Golf ist eben sehr wertstabil.

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