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Reportage: Opels neue OPC-Modelle auf dem Lausitzring

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Um seine neuen OPC-Modelle Insignia OPC Unlimited und Corsa OPC Nürburgring Edition der Öffentlichkeit zu präsentieren, hatte Opel zur Pressekonferenz an den Scharmützelsee und zum Antesten auf den Lausitzring geladen. MOTOR-TALK war dabei. Ein motorsportlich unbeleckter Fahrbericht.

Am Flughafen Tegel wurden die Testwagen übergeben, ich entschied mich für einen schwarzen Opel Insignia OPC Unlimited mit Handschaltung. Das Flaggschiff im Opel-Portfolio, Zitat Kollege: „Wie kann man auf der Außenlänge so wenig Innenraum unterbringen?“, war mit einer Navi-Route programmiert, die meine einzige Orientierung war, um den Treffpunkt im Spreewald wohlbehalten zu erreichen. Etwas beängstigend war es deshalb, dass das Navigationsgerät schon auf dem inneren Berliner Stadtring aufgeben wollte: „Das eingegebene Ziel kann nicht verwendet werden. Stop“. Und das mitten im Feierabendverkehr.

Insignia-Flotte vor Hotel Insignia-Flotte vor Hotel Härtetest Stop and Go

Der erste Härtetest für die 325 PS starke, allradgetriebene Power-Limousine: Im Stop and Go Verkehr auf der Stadtautobahn wird die Durchschnittsgeschwindigkeit wohl irgendwo bei 25 km/h gelegen haben. Der aufgeladene V6 zeigte sich aber ob dieser unpassenden Herausforderung schön elastisch beim Zwischensprint von 15 auf 65 km/h.

Hinter der Stadtgrenze ist der Insignia OPC Unlimited dann deutlich mehr in seinem Element. Auffällig ist, dass dieses Fahrzeug dabei einen Spagat versucht zwischen komfortabler Reiselimousine und einem sportlichen Kern. Da sind z.B. die Recaro-Sportsitze in schwarzem Leder mit weißen Ziernähten. Ein Widerspruch in sich, denn diese „Sportsitze“ sind in alle möglichen Richtungen vollelektrisch verstellbar und haben damit irgendwie was von Schwiegeropas vollautomatischem Fernsehsessel.

Wenn man nicht gerade die Fahrdynamik-Regelung in Anspruch nimmt, hat man nicht unbedingt den Eindruck, hier in einem Sportwagen zu sitzen. Vollklimatisiert und auch bei Tempo 150 bei mehr als moderatem Innenraum-Geräuschpegel gleitet man auf den wirklich breiten Breitreifen dahin. Bodenwellen und Schlaglöcher nimmt man zur Kenntnis, damit auseinandersetzen muss man sich nicht.

Dass da ein dicker Dreiliter-V6 sein ambitioniertes Werk verrichtet, ist aber bei Überholmanövern zu bemerken, da ist es gar kein Problem, einer LKW-Kolonne leichtfüßig zu entschwinden. Der abgeschirmte Innenraum lässt aber auch bei Vollgas nicht so viel von der unlimitierten Power des V6 durchdringen, dass man sagen könnte, man habe es hier mit einem kernigen Sound zu tun. Man möchte da doch eher von einer Reiselimousine mit genug Energie für jede Gelegenheit sprechen. Unlimited? Spielt an einem Dienstagnachmittag auf der zweispurigen A12 eh keine Rolle.

Im Insignia auf der Autobahn Im Insignia auf der Autobahn Nervenkitzel bei Gegenverkehr

Auf den letzten Abschnitten zum Hotel am Scharmützelsee, das Opel als Navigationsziel einprogrammiert hat, kann der Opel Insignia auch seine Qualitäten auf Bundes- und Landstraßen beweisen. Und mit der satten Motorisierung und der sauberen Traktion lässt es sich wirklich sehr entspannt auf kurvigen Straßen unter Alleebäumen dahin rauschen. Je schmaler die Straßen gegen Ende werden, desto mehr beginnt man als passionierter Kleinwagenfahrer dann aber doch, angesichts von über 2 m Fahrzeugbreite den Gegenverkehr zu fürchten. So war ich dann am Ende doch froh, den Testwagen auschecken zu können.

Nun waren wir also hier, im Spreewald, versammelt, um am nächsten Tag die neuesten Modelle aus dem Programm des Opel Performance Center (OPC) auf dem Eurospeedway Lausitz zur Probe zu heizen. Wir, das waren Leute, die sich im weitesten Sinne „Motorjournalisten“ schimpfen. Die neuesten Modelle, das sind der schon erwähnte Opel Insignia OPC Unlimited und der Opel Corsa OPC in der Nürburgring Edition.

Opel OPC: Ein paar Fakten

Bevor es auf die Piste ging, ließ es sich Opel nicht nehmen, den Anwesenden alles Wissenswerte zum Thema OPC mit auf den Weg zu geben. Das Kürzel ziert seit 1999 die sportlichen Modelle von Opel, wobei damit in erster Linie die Sportversionen von Serienmodellen gemeint sind. Seit 1999 hat Opel gut 60.000 OPC-Modelle verkauft, davon entfallen 22.000 auf den Astra, 15.600 auf den Zafira, 14.500 auf den Corsa und je 3.000 auf den Vectra und den neuen Insignia. Die wichtigsten Märkte sind dabei Deutschland mit 33 Prozent der Verkäufe, England mit 28 Prozent und die Schweiz mit 14 Prozent.

Winkelhock bei der Einweisung Winkelhock bei der Einweisung Interessant fand ich, dass das „Opel Performance Center“ als eigenständige Abteilung operiert und sämtliche Entwicklungsschritte vom Serien- zum OPC-Modell in Eigenregie vollzieht. Ein kleines Team orientiert sich bei jedem Projekt vor allem am Entwicklungsziel „Performance“ und muss dabei - wenn auch auf Basis der Opel-Serienmodelle - relativ wenige Kompromisse machen.

Das fängt bei der Motorauswahl und dem Motortuning an, umfasst die Auswahl der Fahrwerks- und Bremskomponenten ebenso wie die Abstimmung der Fahrwerke und beinhaltet auch die sonstige Ausstattung, seien es technische Komponenten wie die Auspuffanlage, die Verspoilerung und sonstige Gestaltung oder die Innenräume. Der letztere Teil der OPC-Entwicklungen ist auch als "OPC-Line" für Serienmodelle lieferbar.

Experimente: Ein Zafira als "Power-Van"

Das eigenständige Arbeiten führt dann durchaus auch mal zu eher unkonventionellen Ergebnissen wie dem 2001 eingeführten Opel Zafira OPC, einem 200 PS starken Crossover aus Familienvan und Sportfahrzeug. Auch der aktuelle Insignia OPC ohne Geschwindigkeitsabregelung passt durchaus in diesen Kontext, das natürliche Element und Image eines Serien-Opel bewusst zu brechen. Es gibt wohl nur einen sehr überschaubaren Kundenkreis, für den ein Opel Insignia mit 325 PS, Allradantrieb, guten 1,8 Tonnen Lebendgewicht und einem entsprechenden Verbrauch von 10,6 L/100 km – kombiniert und nach EU-Normzyklus, wohlgemerkt – eine echte Option ist. Zumal der Geschwindigkeitszuwachs durch die Aufhebung der Abregelung nun wirklich nur noch reine Liebhaber interessieren dürfte.

Opel Corsa OPC Nürburgring Ed. Opel Corsa OPC Nürburgring Ed. Der Giftzwerg: Corsa OPC Nürburgring Edition

Ein für meinen (!) Geschmack deutlich heißeres Paket hat Opel mit dem Corsa OPC Nürburgring Edition geschnürt. Dessen ausführliche Begutachtung stand am nächsten Tag auf dem Eurospeedway Lausitz auf der Tagesordnung. Der Corsa OPC ist schon ein rechter Giftzwerg, aber die Nürburgring Edition soll für 4.000 Euro Aufpreis in allen Belangen noch mal einen drauf packen. Mehr Leistung (18 PS), mehr Drehmoment (20 Nm), mehr Stabilität dank mechanischem Lamellen-Sperrdifferential, ein neues Sportfahrwerk von Bilstein, eine Hochleistungs-Bremsanlage von Brembo. Die soll eine verbesserte Durchlüftung und Abkühlung unter hoher Belastung bringen und den Bremsweg signifikant verkürzen. Noch mal weniger Gewicht auf den ungefederten Massen, breitere Reifen, eine geringere Bodenhöhe und ein paar optische Zutaten sowie eine Lederausstattung sollen das ihre zum Gesamtpaket dazutun. Und ein Doppelabgasrohr soll für einen optimierten Sound sorgen.

Unterm Strich hat das OPC-Team also an vielen Stellschrauben noch mal ein bisschen gedreht, um das Maximum aus dem Opel Corsa rauszuholen. Das soll dann nach vorsichtigen Schätzungen auf der Nordschleife des namensgebenden Nürburgrings immerhin 10-12 Sekunden ausmachen. 27.650 Euro Grundpreis sind auch schon eine Ansage für einen exklusiven, schnellen und gut ausgestatteten, aber eben doch Opel Corsa.

Navi und Beifahrer können sich nicht einigen

Gute zweieinhalb Stunden brauchten wir als Selbstfahrer vom Hotel zum etwa 150 km entfernten Lausitzring. Der Grund war nicht etwa, dass der heute bereitstehende Insignia ein Sports Tourer war oder Automatik hatte. Vielmehr sorgte eine Unstimmigkeit zwischen dem erneut vorprogrammierten Navi und dem mit einer Reisekarte bewaffneten Beifahrer für eine nette, ausgiebige Rundfahrt durchs märkische Land.

Das Navi hatte natürlich recht, richtig irritiert war es dann auch erst bei der Einfahrt in den popoglatt asphaltierten Lausitzring. Das kommentierte der Routenplaner mit einem hektisch blinkenden „OFFROAD!“.

Ab auf die Piste

Um zu demonstrieren, was der Corsa OPC Nürburgring Edition so alles kann, hatte Opel drei Parcours angesetzt. Das Team um Joachim Winkelhock (gibt’s eigentlich noch eine andere Berufsbezeichnung für „Markenbotschafter“?) jagte die mehr oder weniger pistenerfahrenen Teilnehmer auf einen knapp 3 km langen Handlingkurs, einen Traktionskurs mit engen Kurven und durch einen Bremstest.

An dieser Stelle geb ichs offen zu, ich bin kein Rennfahrer. Wenn es eines Beweises bedurfte, habe ich ihn gnadenlos serviert bekommen: Ich habe es nicht mal ohne Weiteres geschafft, Journalisten hinterherzufahren, die Herrn Winkelhock hinterherfahren.

Nadelöhr-Durchfahrt mit Corsa OPC Nadelöhr-Durchfahrt mit Corsa OPC 38,8 l/100 km bei Vollgas

Aber trotzdem, diese „Nürburgring Edition“ des Opel Corsa macht verdammt Spaß. Wenn er los röhrt, um im dritten Gang in den dreistelligen km/h-Bereich zu schießen, hat man keinen Bock mehr, sich um Sekundenzeiten zu kümmern, denn der Sound, der macht wirklich Laune. Und um schneller zu werden, müsste man ja hochschalten. Und dafür ist in ein paar Sekunden auch noch Zeit. Bei solchen Gelegenheiten schnellt die Verbrauchsanzeige im Bordcomputer übrigens auf schwindelerregende Zahlen. Was wir versucht, aber nicht geschafft haben: Einen aktuellen Verbrauch von über 38,8 l/100 km zu erzielen ;)

In den Kurven geht der Corsa mit großer Gier zu Werke, wie auf Schienen – das Gefühl, man könnte die Kontrolle verlieren, stellt sich auch bei leicht erhöhter Geschwindigkeit und nicht besonders ausgeprägten Fahrkünsten keine Sekunde ein. Vielleicht über den Magen, aber nicht über das Heck des Autos. Instruktor Winkelhock fordert uns auf, das Bodenblech ordentlich zu attackieren, mal mit Gas- und mal mit Bremspedal – mit jeweils spektakulären Ergebnissen. Das kann man wohl im Alltag kaum mal probieren, aber wenn man sie brauchen würde, wäre sie da – die für so einen kleinen Wagen verschwenderische Power, die der trotzdem so stabil und giftig auf die Straße bringt. Auf der langen Geraden drückt es einen in den Sitz, man denkt man wäre auf der Rennstrecke. Und in den Kurven zieht es mächtig am Blech und an den inneren Organen, aber die Breitreifen heben nicht ab.

Video: Traktionsparcours

Joachim Winkelhock und Opel Corsa Joachim Winkelhock und Opel Corsa Bis, naja, bis sich dann doch zeigt, dass solche Autos ein ziemlich verschwenderischer Umgang mit den Ressourcen sind, wenn man sie ausfährt. Denn auf einmal ist gleich bei mehreren Corsas im Tross der Tank alle. Zuerst übrigens in dem von Joachim Winkelhock. Da erinnern wir uns noch mal kurz an die 38,8 l/100 km im Display, die vorhin beim richtig Gas geben das ökologisch geschulte Gewissen attackierten, bis der Spaßfaktor wieder obsiegte. Zuerst stehen wir etwas ratlos mitten auf der Piste, dann entschließt sich die Pressemeute aber, den sympathischen Opel-Botschafter kurzerhand in ein Fotoshooting zu verwickeln. Wir sind schließlich nicht zum Vergnügen hier, bzw. wir haben für das Vergnügen keinen Sprit mehr.

So war dies das logische Ende der Veranstaltung, die ein bis zwei Kaltgetränke später dann auch offiziell endete. Eine detaillierte Preisliste für den Opel Corsa OPC Nürburgring Edition gibt es übrigens noch nicht, Vorbestellungen sind aber schon möglich. Bei nur 500, die vorerst gebaut werden sollen, sollte man sich allerdings ranhalten, wenn man so einen Kampfknirps sein Eigen nennen möchte.

(bmt)

 

Quelle: MOTOR-TALK

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