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Nachkriegs-Rotationsfräsen am Großglockner - Oldtimer bei der Frühjahrs-Schneeräumung

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Ein halbes Jahr lang ging die Großglockner Hochalpenstraße in den Winterschlaf. Damit die Straße wieder befahren werden kann, waren drei Senioren Tag und Nacht im Einsatz.

Die Großglockner Hochalpenstraße wurde nach einem schneereichen Winter geräumt. Durchgehend befahrbar ist die Strecke allerdings noch nicht Die Großglockner Hochalpenstraße wurde nach einem schneereichen Winter geräumt. Durchgehend befahrbar ist die Strecke allerdings noch nicht Quelle: SP-X/Ulf Böhringer

Heiligenblut - Nach halbjähriger Winterpause ist die Großglockner Hochalpenstraße wieder geöffnet. Endgültig zurückgezogen hat sich der Schnee des Winters 2017/2018 aber nicht. Noch immer ist die seit Mittwoch dieser Woche geöffnete Gletscherstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 m) nicht ganztags befahrbar: Wegen Lawinengefahr ist der knapp neun Kilometer lange Abstecher zur Pasterze, Österreichs bekanntestem Gletscher, täglich ab 15:30 Uhr für alle Fahrzeuge gesperrt.

Drei Dieseltriebwerke treiben den "Eisbändiger" an Drei Dieseltriebwerke treiben den "Eisbändiger" an Quelle: SP-X/Ulf Böhringer Derzeit ist unklar, wann alle Streckenabschnitte der 1935 eröffneten Panoramastraße uneingeschränkt befahren werden können. Aber die „Eisbändiger“, „Jörgen“ und „Ander“ arbeiten daran. Die jeweils drei Dieseltriebwerke der Schneefräsen laufen unter Volllast, Stunden und Tage.

Es ist etwa 10:30 Uhr am 26. April, als Peter Embacher, Chef der Schneeräumung an der Großglockner Hochalpenstraße, in fast 2.500 Metern Höhe das Kommando zum Stoppen der insgesamt neun Motoren gibt: Bis auf einen Meter Abstand sind zwei der stählernen Ungetüme aufeinander zugefahren und haben dabei tonnenweise Schnee zur Seite geschleudert. 17 Tage haben die Räumteams gebraucht, um die Großglockner Hochalpenstraße bis hinauf zum Hochtor-Tunnel in 2.504 Metern Höhe vom vielen Schnee dieses Winters zu befreien und wieder befahrbar zu machen.

Auf viel Schnee folgte viel Sonne

Wer angesichts der kräftigen Schneefälle des Winters erwartet hatte, dass hohe Schneemauern die Ränder der Panoramastraße zieren, wundert sich. Auf den Rekordschnee folgte ein warmer April. „Die extrem warme Witterung hat sehr stark dazu beigetragen, dass wir in diesem Frühjahr nicht länger für die Frühjahrsschneeräumung gebraucht haben als in den letzten Jahren“, sagt Peter Embacher, seit Jahrzehnten am Großglockner für die Schneeräumung verantwortlich. Lachend fügt er hinzu: „Manchmal kam es uns vor, als schmelze der Schnee unter den Schneeräummaschinen förmlich weg.“

Die hier zu sehende Schneewand ist schätzungsweise rund 1,90 Meter hoch. Im Jahr 1978 verzeichnete die Straßengesellschaft eine 21 Meter hohe "Straßenschlucht" Die hier zu sehende Schneewand ist schätzungsweise rund 1,90 Meter hoch. Im Jahr 1978 verzeichnete die Straßengesellschaft eine 21 Meter hohe "Straßenschlucht" Quelle: SP-X/Ulf Böhringer Um sieben bis zehn Zentimeter täglich hat die massive Schneedecke in den letzten Wochen abgenommen. Das ist der Grund dafür, dass die Schneewände entlang der Hochgebirgsstrecke über viele Kilometer hinweg zwar mehrere Meter hoch, aber nicht extrem sind: Für 1978 stehen bis zu 21 Meter tiefe Straßenschluchten in den Aufzeichnungen der Straßengesellschaft. Damals wurden 800.000 Kubikmeter Schnee entfernt.

Um Zeit zu sparen, werden meist um den 10. April herum die Bauhöfe in Heiligenblut/Kärnten und Fusch/Salzburger Land gleichzeitig tätig. „Die zwei Trupps zu jeweils sieben bis acht Personen arbeiten sich parallel von Süden und Norden aufeinander zu“, erklärt Embacher. Erst legt ein ortskundiger Mann mittels Langlaufski eine Spur, wobei er sich an den bis zu 12 Meter hohen Holz-Markierungsstangen orientiert, die jeden Herbst auf der Talseite der Straße befestigt werden.

Dann ist eine Schneeraupe dran und hinterlässt klar erkennbare Abdrücke im Schnee. Diese dient den blauen Riesen als Markierung. Jeweils einen Meter Höhe pro Fahrt tragen die Geräte ab; an Hängen mit großen Schneeverfrachtungen können auch zwölf Durchgänge nötig werden. Vielfach regelbare Hubsysteme vermögen Schräglagen auszugleichen und Wellen beim Räumen zu vermeiden.

Seit 65 Jahren im Einsatz und kein Ruhestand in Sicht

Die vier noch im Einsatz befindlichen Rotationsschneefräsen sind eine Spezialentwicklung für die Großglockner Hochalpenstraße. Ersonnen hat das System Franz Wallack. Drei unabhängig voneinander arbeitende 125-PS-Motoren stecken in jeder Maschine. Zwei treiben die beiden Schneeschleudern an, einer sorgt für den Vortrieb. Die 15 Tonnen schweren Rotationsfräsen wurden 1953 bei Voest Alpine in Linz gebaut. Seither laufen sie weitgehend problemlos, erfordern aber angesichts ihres Alters einen hohen Wartungsaufwand.

700.000 Kubikmeter Schnee haben die Fahrzeuge dieses Jahr aus dem Weg geschafft 700.000 Kubikmeter Schnee haben die Fahrzeuge dieses Jahr aus dem Weg geschafft Quelle: SP-X/Ulf Böhringer Bis zu 40 Meter weit wird der Schnee ausgeworfen; je nach Geländebeschaffenheit zur Berg- oder Talseite. „An die 700.000 Kubikmeter Schnee haben wir auch heuer wieder von den Straßen und Parkplätzen entfernt“, bilanziert Embacher. Auf einen Güterzug geladen, müsste dieser etwa 250 Kilometer lang sein.

Die blauen Ungetüme parken derzeit an verschiedenen Stellen der Hochgebirgs-Panoramastraße, um nach neuen Schneefällen ohne lange Anfahrt vor Ort zu sein. „Es ist keineswegs unüblich, dass unsere Oldies Ende Mai oder Anfang Juni nochmal raus müssen“, sagt Embacher. Die vier blau lackierten Rotationsschneefräsen sind das Rückgrat der Schneeräumung im Frühjahr. Sie sind 65 Jahre alt, haben aber noch eine lange Zukunft vor sich. „Sie sind weiterhin in höchstem Maße funktional wie zur Zeit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1953“, sagt Embacher.

350 Schaufeln und 70 Tage

In früheren Zeiten musste es ohne die großen Fräsen funktionieren. In den Jahren nach der Fertigstellung der Hochalpenstraße waren 350 Männer etwa 70 Tage lang mit Schaufeln im Einsatz. Anfang der 1950er-Jahre räumten sechs Schneefräsen und 100 Männer in 50 Tagen die Straße. Seit Wallacks Erfindung sind es nur noch etwa 15 Personen und nur selten mehr als 20 Tage. Damit kann die Straße jedes Jahr deutlich länger genutzt werden.

Ein Grund für die Effizienz der Rotationsschneefräsen ist ihre ausgezeichnete Konstruktion. Sie sind leicht zu bedienen und sehr manövrierfähig. Diplomingenieur Wallack, der die Maschinen entwickelt hat, schnitt sie exakt auf die Anforderungen entlang der Panoramastraße zu. Er hatte die Straße geplant und ihren Bau während der Jahre 1930 bis 1935 geleitet.

Zu den Details, die er für die Schneefräsen entwickelte, gehören beispielsweise die kreisförmigen, rotierenden Scheiben an der Front des Führerstandes. Sie garantieren stets freie Durchsicht. Die Steigfähigkeit beträgt 60 Prozent. Trotz Kettenantriebs beschädigen die Fräsen den Asphalt der Straße kaum und erreichen bei Überstellungsfahrten durchschnittliche Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 11 km/h.

Infos zur Großglockner Hochalpenstraße:

  • Straßenlänge: 47,8 Kilometer von Bruck/Glocknerstraße bis Heiligenblut, 27 Kehren
  • Mautstrecke: zwischen Ferleiten (1.145 m) und Tauernalm (1.680 m); 25 Serpentinen, 29,3 Kilometer
  • Tagestickets 2018: Pkw 36 Euro, Motorrad 26 Euro; 30-Tage-Tickets 56 bzw. 45 Euro.
  • Freigabe 2018: Durchzugsstrecke seit 28.4.2018 befahrbar, Stichstraße zur Edelweißspitze (2.571 m, 7 Kehren, 1,6 km) inzwischen geöffnet. Stichstraße zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 m., 3 Kehren, 8,7 km) momentan täglich ab 15.30 Uhr wegen Lawinengefahr gesperrt.
  • Nachtsperre: vom 1. Juni bis Ende August 21.30 bis 5 Uhr. Bis 31. Mai 20 bis 6 Uhr, ab 1. September 19.30 bis 6 Uhr. Letzte Einfahrt 45 Minuten vor der Nachtsperre!
  • Wintersperre 2018: Ende Oktober.
  • Bauzeit: September 1930 bis August 1935; bis zu 3.200 „Glockner-Baraber“ waren gleichzeitig tätig.
  • Besucher: In den letzten Jahren meist ca. 900.000 pro Saison (Mai bis Oktober)
  • UNESCO-Welterbe-Liste: Verfahren zur Aufnahme 2017 in Gang gesetzt.

Quelle: SP-X (Ulf Böhringer)

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