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Porsche 919 Hybrid: Vorbereitungen für Le Mans - Mit vier Zylindern gegen vier Ringe

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Porsche will zurück nach Le Mans. Am liebsten aufs Podium und am besten vor Konzernkonkurrent Audi. Die Vorbereitungen laufen, aber die Zeiten stimmen noch nicht.

Porsche startet 2014 in der Langstrecken-Königsklasse LMP1. In Bahrain laufen Tests mit Prototypen, Ziel ist ein wettbewerbsfähiges Auto Porsche startet 2014 in der Langstrecken-Königsklasse LMP1. In Bahrain laufen Tests mit Prototypen, Ziel ist ein wettbewerbsfähiges Auto Quelle: Press-Inform

Von MOTOR-TALK Reporter Stefan Grundhoff

Bahrein - Der Sekundenzeiger springt ein letztes Mal um. Mark Webber und sein schwarz-weiß getarnter Porsche 919 Hybrid schießen nach 1:53 Minuten durch den Zielbogen. Zu langsam, um schon konkurrenzfähig zu sein: Im vergangenen Jahr rasten die besten Fahrer in ihren LMP1-Boliden zehn Sekunden schneller um die Rennstrecke in Bahrein. Das junge Prototypen-Team von Porsche muss noch viel arbeiten, abstimmen, verbessern. Denn im Juni wollen die Zuffenhausener nach Le Mans. Niemand spricht es aus, aber das Ziel ist klar: Der Hybrid-Renner soll gewinnen. Wie der TWR-Porsche WSC-95 vor 16 Jahren.

BMW-Experte im Porsche-Team

Nachteinsatz: Zu später Stunde sind Langstreckenrennen besonders intensiv Nachteinsatz: Zu später Stunde sind Langstreckenrennen besonders intensiv Quelle: Press-Inform Friedrich Enzinger, LMP1-Leiter bei Porsche, gibt sich verhalten: „Die Vorgaben für das erste Jahr stehen: Ankommen und wettbewerbsfähig sein.“ Wer Porsche kennt, der weiß, dass es damit allein nicht getan ist. Enzinger hat mit BMW viel Langstrecken-Erfahrung gesammelt, auch bei deren Le-Mans-Sieg 1999. Jetzt soll er ein neu gegründetes Team mit 230 Leuten führen, am besten aufs Podium. Das Projekt könnte schwerer kaum sein, denn in Le Mans ticken die Rennuhren bekanntlich anders.

Im Westen Frankreichs sind Erfahrung, Strategie und Ruhe wichtiger als in jedem anderen Rennen. Ein Sieg zählt hier doppelt: Er hilft dem Image und den Serienmodellen. Denn in keiner anderen Rennserie gibt mehr Technologietransfer von der Rennstrecke zur Straße. Das war in den 20er- oder 50er-Jahren kaum anders als in der vergangenen Dekade. Seriensieger Audi vergoldete Direkteinspritzung, Turbodiesel oder Elektro-Unterstützung auf dem Sarthe-Kurs und brachte die Technik scheibchenweise in seine Straßenmodelle.

Rennmotoren mit Spritspar-Technik

Laut Reglement dürfen nur noch geschlossene Fahrzeuge in Le Mans fahren Laut Reglement dürfen nur noch geschlossene Fahrzeuge in Le Mans fahren Quelle: Press-Inform Dieses Jahr ist in Le Mans alles anders. Denn mit Vollgas allein lässt sich keine Rolex gewinnen. Der Veranstalter honoriert den Einsatz von Hybridmodulen in den Hochgeschwindigkeitsrennwagen. In der Topliga kämpfen Toyota, Audi und Porsche gegeneinander, mit weniger als fünf Litern Kraftstoff pro Runde. Jeder Hersteller fährt mit einem eigenen Durstlöscher: Audi setzt auf einen Diesel-Hybriden, Toyota auf einen V8-Hochdrehzahl-Benziner und Elektro-Unterstützung. Porsche geht mit Downsizing an den Start.

„Die Idee eines V4-Turbos war schon da, als ich im Dezember 2011 hier angefangen habe“, erinnert sich der technische Leiter Alexander Hitzinger, „heute sind Gewicht und Effizienz bei einem LMP1-Rennwagen längst das Entscheidende.“ Über die Leistungsdaten des V4-Turbos hinter dem Sitz des Piloten schweigt sich Hitzinger ebenso aus wie über das Potenzial des Elektromoduls für die Vorderachse. Der hoch aufgeladene Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum dürfte jedoch allein rund 500 bis 550 PS leisten. Der zusätzliche Schub der Elektromotoren vorne sollte nochmals rund 250 bis 300 PS beitragen.

Vier Zylinder und fünf Liter Sprit

230 Personen schrauben, verbessern und werten aus 230 Personen schrauben, verbessern und werten aus Quelle: Press-Inform Die vergleichsweise müden Rundenzeiten von Bahrain stören Hitzinger und Enzinger kaum. „Nicht alles kann aus Daten herausgelesen werden“, sagt Alexander Hitzinger, „wir brauchen die Fahrer als Informationsquellen und sind um jeden Kilometer für die Komponenten dankbar. Da ist Bahrain einfach perfekt.“ Der Abstecher in die Emirate soll Team, Fahrer und Autos ein Stück zusammenrücken.

Es geht darum, Erfahrungen mit Komponenten zu machen und eine erste Rennstrategie zu entwickeln. Zunächst für Silverstone – dort findet im April das erste Rennen statt. In Le Mans, dem Saisonhöhepunkt im Juni, muss dann nicht nur die Zeit stimmen, sondern auch der Verbrauch.

Das soll der komplett neu entwickelte Vierzylinder ermöglichen. Der hat noch seine Mucken, wie Alexander Hitzinger zugibt: „Ein Vierzylinder in V-Form hat Nachteile, aber eben auch Vorteile. Wir haben mit einem Achtzylinder angefangen und diesen durchgeschnitten. Es ist alles wahnsinnig komplex. Die Vibrationen vom Vierzylinder waren anfangs ein Problem für uns." Doch das sei nach den ersten Tests in Portimao gelöst.

Vierzylinder für Straßen-Porsche

Zwischen Anspannung und Müdigkeit: Die Fahrer sind eine wichtige Informationsquelle Zwischen Anspannung und Müdigkeit: Die Fahrer sind eine wichtige Informationsquelle Quelle: Press-Inform Immer wieder unterstreicht Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz als oberster Kopf des Teams den Technik-Transfer-Gedanken. Es ist längst kein Geheimnis, dass Porsche an Vierzylindern experimentiert. Der erste Vierzylinder seit dem Auslaufen des Porsche 968 startet 2016 im Porsche Macan. Boxster und Cayman sollen folgen. Le-Mans-Ehren kämen der Marketingabteilung gerade Recht.

Doch noch gibt es viel Arbeit. Daran ändern auch die zunehmenden Kilometer nichts, die der Porsche 919 Hybrid an diesem Trainingstag in Bahrain abspult. Abends geht eine Sammel-Kurzmitteilung durchs Team: 1.040 Kilometer gefahren. Alle sind zufrieden – vielleicht sogar mehr als das. Besonders das österreichische Technik-Doppel Hitzinger / Einzinger. Und Marc Lieb, der am späten Nachmittag noch mehr Testrunden als Fahrer Mark Webber absolviert.

 

Quelle: MOTOR-TALK

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