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Tesla: Technik für autonomes Fahren in allen Autos - Elon Musk will autonom von L.A. nach New York

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Tesla drückt beim autonomen Fahren aufs Tempo: Ab sofort sollen alle Autos die notwendige Sensorik erhalten. Die Software kann allerdings erst später folgen.

Neue Kamera an einem Model X: Tesla baut ab sofort in alle Fahrzeuge eine "Level-5-fähige" Sensorik ein. Der "erweiterte Autopilot" soll 5.500 Euro kosten, für weitere 3.300 Euro soll das Fahrzeug potenziell autonom werden Neue Kamera an einem Model X: Tesla baut ab sofort in alle Fahrzeuge eine "Level-5-fähige" Sensorik ein. Der "erweiterte Autopilot" soll 5.500 Euro kosten, für weitere 3.300 Euro soll das Fahrzeug potenziell autonom werden Quelle: MOTOR-TALK & Tesla

Palo Alto - Der Elektroauto-Hersteller Tesla will bei selbstfahrenden Autos vorangehen und als erster Autohersteller alle neu gebauten Autos mit der für autonomes Fahren nötigen Hardware ausrüsten.

Die erforderliche Software soll schrittweise freigeschaltet werden, erklärte Tesla-Chef Elon Musk in der Nacht zum Donnerstag. Bis Ende 2017 soll es dann möglich sein, von Los Angeles nach New York gefahren zu werden, ohne auch nur einen Handgriff machen zu müssen, sagte er zum Zeitplan.

Alle Tesla-Fahrzeuge bekämen nun acht Kameras statt bisher einer (250 Meter Reichweite), außerdem Ultraschall- und Radar-Sensoren mit höherer Reichweite und Auflösung sowie 40-mal mehr Rechenleistung im Computer, sagte Musk.

Das für 2017 angekündigte "Model 3" soll diese Ausstattung ebenfalls erhalten. Bisher verkaufte Tesla können laut Musk nicht nachgerüstet werden: "Ich wünschte, man könnte es anders machen". Wegen der engen Integration sei das so unrealistisch, wie jemandem eine Wirbelsäule zu transplantieren. Die Freischaltung der Software zum autonomen Fahren soll 8.000 Dollar kosten.

Einsatz abhängig von Rechtslage

Aus dem Video, das Tesla veröffentlichte: Das Model X fuhr einen "Aufpasser" ins Firmenquartier und parkte dann dort allein Aus dem Video, das Tesla veröffentlichte: Das Model X fuhr einen "Aufpasser" ins Firmenquartier und parkte dann dort allein Quelle: Tesla

Die Software soll im sogenannten "Schatten-Modus" dazulernen. Dabei werde der Computer - während der Mensch fährt - im Hintergrund die Verkehrssituation analysieren, sagte Musk. Er räumte ein, dass die Einführung der Software von lokalen Regeln abhängen wird.

So hoffe er, dass es in den USA keinen Flickenteppich verschiedener Vorschriften von Bundesstaat zu Bundesstaat geben werde. Ob Teslas ambitionierter Zeitplan rechtlich umsetzbar ist, liegt damit nicht komplett in der Hand des Autoherstellers. Vermutlich müssen einige Funktionen vorläufig deaktiviert bleiben.

Tesla ist mit dieser Ankündigung der erste Hersteller, der all seine Fahrzeuge mit Roboter-Technik ausrüsten will. Alle großen Hersteller sowie diverse Tech-Unternehmen arbeiten jedoch an dem Thema. Diverse Autobauer wie Daimler, VW oder Ford kündigen selbstfahrende Autos für die Jahre 2020 bis 2022 an.

Video zeigt autonomes Model X

Tesla veröffentlichte am Donnerstag ein Video, in dem ein Model X komplett autonom zur Tesla-Zentrale fährt. Der Wagen war dabei hauptsächlich auf Autobahn-ähnlichen Straßen bei sonnigem Wetter unterwegs. Seinen Parkplatz suchte es sich auf dem Firmengelände ohne Fahrer am Steuer.

Teslas bisheriger Fahrassistent "Autopilot" soll als eigenständige Funktion bleiben und weiterentwickelt werden. Zunächst würden die Wagen mit den bisher vorhandenen Sensoren sogar mehr Funktionen haben, weil die Software erst auf die neue Hardware eingestellt werden müsse.

Tesla will "Level 5" einbauen

Zur Verfügung stehen sollen neue Funktionen bereits im kommenden Jahr. Ein ambitionierter Zeitplan, bei dem es auch um rechtliche Rahmenbedingungen geht Zur Verfügung stehen sollen neue Funktionen bereits im kommenden Jahr. Ein ambitionierter Zeitplan, bei dem es auch um rechtliche Rahmenbedingungen geht Quelle: dpa/Picture Alliance

Die neue Hardware sei komplett tauglich für “Level-5-Autonomie", zitieren US-Medien Elon Musk. Diese Level hat die Society of Automotive Engineers (SAE International) definiert, die für Standards in der Autmobilbranche zuständig ist. Die meisten Hersteller bieten derzeit in ihren teureren Modellen eine Level-2-Autonomie an. Also ein Assistenzsystem, bei dem der Fahrer jederzeit eingreifen können muss. Auch Tesla ordnet seinen "Autopiloten" hier ein.

Im Level 3 werden Fahrzeuge in gleichförmigen Verkehrssituationen mit begrenzter Komplexität, zum Beispiel auf Autobahnen, vollständig selbständig fahren. Der Fahrer kann dann auch für eine kurze Zeit etwas anderes tun, muss aber innerhalb weniger Sekunden in der Lage sein, die Kontrolle zu übernehmen.

Für Teslas Plan einer autonomen Fahrt quer durch die USA wäre vermutlich eine autonome Technologie des Levels 4 erforderlich. Hierbei muss der Fahrer nur noch gelegentlich eingreifen - zum Beispiel bei Starkregen, der die Sensoren beeinträchtigt. Damit Level 4 im Serieneinsatz technisch möglich wird, muss vor allem das dynamische Navigations-Kartenmaterial besser werden als heute.

Vollautomatisch erst im nächsten Jahrzehnt?

Mit "Level 5" ist vollautomatisches Fahren gemeint. Der "Fahrer" bräuchte dafür also keine Fahrerlaubnis und könnte auch schlafen - sogar im hochkomplexen Stadtverkehr. Die meisten Hersteller und Zulieferer halten Pilotprojekte zur Level-5-Autonomie erst im nächsten Jahrzehnt für möglich.

Hier könnte eine Schwäche in Teslas Vorhaben liegen. Wenn Navigationsdaten, Vernetzungsstand und Rechtslage erst in einigen Jahren ein vollautomatisiertes Fahren erlauben - macht es dann Sinn, bereits jetzt die nötige Sensorik in die Autos einzubauen? Schließlich ist auch auf diesem Gebiet technischer Fortschritt zu erwarten.

Erreicht Tesla seine Produktionsziele, könnten im Jahr 2020 mehr als zwei Millionen Tesla mit potenziell veralteter Sensorik herumfahren - die ihr autonomes Potenzial nur in wenigen, begrenzten Verkehrssituationen nutzen würden. Wie stark Tesla den Übergang ins autonome Zeitalter am Ende wirklich prägen kann, bleibt also abzuwarten.

Quelle: dpa; bmt

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