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Mercedes S 600 Guard - Ein Panzer für die Kanzlerin

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Mercedes' neue, gepanzerte S-Klasse ist sicherer als jeder bisherige Pkw und kostet doppelt so viel wie eine zivile S-Klasse. Ist das der neue Kanzlerinnen-Panzer?

Mercedes-Benz S-Klasse, S 600 Guard: Die Sicherheitsklasse VR9 bekam zuvor noch kein umgerüsteter Serien-Pkw zertifiziert Mercedes-Benz S-Klasse, S 600 Guard: Die Sicherheitsklasse VR9 bekam zuvor noch kein umgerüsteter Serien-Pkw zertifiziert Quelle: Daimler

Stuttgart – So ein Mercedes S 600 ist ein feines Auto. Viel Platz, 530 PS aus 12 Zylindern, ein maximales Drehmoment von 830 Nm. Diese Leistung kann man nutzen, um schnell über freigegebene Autobahnabschnitte zu fahren.

 

Gepanzert als Guard-Modell ist er nicht mehr ganz so schnell, bei 210 km/h wird abgeregelt. Deshalb lenkt Mercedes das Interesse darauf: Es gelte „bei Bedrohungen die Gefahrenzone schnell zu verlassen.“ Der neue S 600 Guard schließt eine Lücke: Bisher verkaufte Untertürkheims Spezialabteilung für gepanzerte Fahrzeuge noch die alte S-Klasse. Doch welcher Staatslenker oder Industriekapitän gibt sich gern mit altem Eisen zufrieden?

Höchste Schutzklasse im Sortiment

Das braucht nicht jeder Kunde, aber manche schon: Abnehmbare Standarte am vorderen Kotflügel Das braucht nicht jeder Kunde, aber manche schon: Abnehmbare Standarte am vorderen Kotflügel Quelle: Daimler Im Nachfolger können sich die Schutzbedürftigen noch geschützter fühlen. Denn die gepanzerte Limousine erreicht die Höchstschutz-Widerstandsklasse VR9 (VR=Vehicle Resistance, früher: Beschussklasse). Der Vorgänger schaffte VR7, bis dato gut genug für das Bundeskriminalamt (BKA). Die G-Klasse erreicht VR10 auf Glasflächen, insgesamt aber auch nur VR7.

Für die Einstufung in VR9 muss der S-Guard einen Beschuss mit dem Kaliber 7,62 × 51 mm bei 3.261 Joule aushalten. Diese Munition kommt bei der Bundeswehr im G27-Sturmgewehr zum Einsatz. Um das Fahrzeug gegen diese Munition zu wappnen, integriert Mercedes Stahl- Aramid- und Kunststoffkomponenten zwischen Rohbau und Außenhaut. An kritischen Stellen wie Fugen und Materialübergängen überlappt sich das Material.

Details unterliegen der Schweigepflicht

Die Innenseite der Fensterscheiben sind mit Polycarbonat beschichtet. Zu Einzelheiten wie der Glasstärke macht Mercedes keine Angaben – man weiß nie, wer mitliest. In diesem Auto sind Insassen vor herkömmlichen Waffen und Sprengsätzen jeder Art geschützt. Besser schützt aktuell nur ein Panzer.

Von außen sieht man dem Luxusgerät seine hochfesten Eigenschaften kaum an. Beim Komfort soll das Fahrzeug dem Serienmodell ähneln. Doch das hohe Gewicht erzwingt ein stabileres Fahrwerk – stärkere Luftfedern vorn, stärkere Stahlfedern hinten.

An der Mittelkonsole bedient der Fahrer die Zusatz-Ausstattung wie Frischluftanlage und Notstartbatterie An der Mittelkonsole bedient der Fahrer die Zusatz-Ausstattung wie Frischluftanlage und Notstartbatterie Quelle: Daimler Wie in der zivilen S-Klasse sorgt eine Niveauregulierung für konstante Bodenfreiheit – Obamas „Beast-Missgeschick“ soll keinem Mercedes-Kunden passieren. Und auch Nägel sind kein Problem: Die Notlaufbereifung von Michelin schleppt die S-Klasse auch mit defekten Reifen 30 Kilometer weit.

Basispreis: verdoppelt

Wie viel die gepanzerte S-Klasse wiegt und was sie verbraucht? Dazu schweigen die Sicherheitsexperten. Klar ist, mit den 11,1 l/100 km Normverbrauch des regulären S 600 kommt die gepanzerte Version nicht annähernd aus.

Auch den Einstiegspreis des S 600 von 164.279,50 Euro kann man getrost verdoppeln: Die gepanzerte S-Klasse kostet mindestens 324.300 Euro. Wer blickdichte Rollos, automatische Feuerlöscher oder eine Frischluftanlage gegen Reizgasrisiken wünscht, liegt schnell 200.000 Euro über dem Listenpreis der S-Klasse. Bombensichere Sicherheit kostet.

Avatar von bjoernmg
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